Diese Arbeit beinhaltet einen Stundenentwurf zum Thema Gerechtigkeit, ist für eine Doppelstunde von 90 Minuten konzipiert und für den evangelischen Religionsunterricht in der Mittelschule angesetzt. Selbstverständlich kann dieser auch (nach einigen Modifizierungen) für eine weitere Schulart, bzw. für einen weiteren Jahrgang genutzt werden.
Der vorliegende Entwurf „Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit im Alltag“ lässt sich gut in den bayerischen Lehrplan einordnen. Hierbei soll bewusst der Blick über den christlichen Tellerrand gewagt werden und die Sichtweise von Gerechtigkeit im Lebensumfeld der SchülerInnen vollzogen werden.
Diese Stunde eignet sich als Einführungsstunde der Thematik und es wird bewusst kein christlicher oder islamischer Schwerpunkt gewählt. Dieser kann dennoch je nach Ausprägung der Klasse von den SchülerInnen selbst gesetzt werden. In einer stark heterogenen Klasse mit Kindern unterschiedlicher Glaubensrichtungen können diese sowohl christliche als auch islamische Verständnisse von Gerechtigkeit mitbringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Begriff Gerechtigkeit
1.1. Gerechtigkeitsbegriff im christlichem Verständnis
1.2. Gerechtigkeitsbegriff im islamischen Verständnis
1.3. Gerechtigkeit aus christlicher und islamischer Perspektive
2. Gerechtigkeitsverständnis im schulischen Alltag
3. Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit im Alltag – ein Stundenentwurf
3.1. Unterrichtsverlaufplan
3.2. Erklärungen zum Unterrichtsverlaufplan
3.3. Materialien
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Begriff der Gerechtigkeit aus christlicher und islamischer Perspektive theoretisch zu beleuchten und diese Erkenntnisse in einen praktischen Stundenentwurf für den evangelischen Religionsunterricht an Mittelschulen zu übertragen. Dabei steht die Reflexion über soziale Gerechtigkeit sowie die Wahrnehmung von Ungerechtigkeit im schulischen und gesellschaftlichen Alltag im Fokus.
- Theoretische Gegenüberstellung des Gerechtigkeitsbegriffs in Christentum und Islam.
- Analyse des Gerechtigkeitsverständnisses bei Jugendlichen im schulischen Kontext.
- Entwicklung eines didaktischen Unterrichtskonzepts für eine Doppelstunde.
- Einsatz von Rollenspielen zur Sensibilisierung für soziale Ungleichheit.
Auszug aus dem Buch
1.2. Gerechtigkeitsbegriff im islamischen Verständnis
Das islamische Gerechtigkeitsverständnis beruft sich in erster Linie auf den Koran. Es muss somit, wie zuvor unter christlicher Perspektive, versucht werden den Begriff der Gerechtigkeit aufgrund dieses Werkes darzulegen.
Analog zu den hebräischen Relationsbegriffen Recht und Gerechtigkeit gilt im Islam das Begriffspaar ‘adl (Gerechtigkeit) und rahma (Barhmherzigkeit) als essentiell. So umfassen beide in gleicher Weise nicht nur den Menschen, sondern vielmehr die komplette Schöpfung und das gesamte Dasein. Jedoch nimmt die Barmherzigkeit noch eine Sonderstellung innerhalb aller göttlichen Handlungen ein. Allah hat sich zu eben dieser (Barmherzigkeit) als einzige Handlung bzw. Handlungsweise verpflichtet und keiner weiteren.
Im Koran findet sich eine Vielzahl von Hinweisen, welche aufzeigen, dass das Prinzip der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit im islamischen Denken von hoher Bedeutung ist. So steht in Sure 4, 58: „Folgt nicht dem Gelüst, statt gerecht zu verfahren“. Hierbei wird der Mensch als Individuum angesehen, welches nach dem Gemeinwohl zu handeln habe und nicht was ihm besser gefällt. Dabei ist Gerechtigkeit auf der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung aller Menschen zu verstehen, unabhängig von Religion, Sprache, Kultur oder sozialem Stand. Sie steht im Islam somit als Basis und Richtlinie für eine „(…) friedliche Gesellschaft“. Die Gerechtigkeit steht hierbei als ein übergeordneter Wert. Sie ist als Grundziel zu verstehen und steht neben dem Glauben an Allah und dessen Anbetung als weitere wichtige Säule des islamischen Verständnisses. Es wird einen Zustand des Gleichgewichts impliziert und somit die Verteilung von Rechten und Pflichten. Für das Erreichen der wahren Gerechtigkeit müssen im Islam eine Reihe von Maßnahmen und Gesetzen eingehalten werden, so sieht der Islam die aktive Beteiligung des Moslems an politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten als notwendig an. Eine Art ‚Verhaltenskodex‘ liefert im islamischen Glauben die Scharia. Diese postuliert, dass man Gerechtigkeit zum größten Teil durch das Studium von ‚Schrift‘ und ‚Weisheit‘ erfährt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Begriff Gerechtigkeit: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen und religiösen Grundlagen des Gerechtigkeitsbegriffs in Christentum und Islam und arbeitet deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
2. Gerechtigkeitsverständnis im schulischen Alltag: Hier wird der Bogen zur Lebenswelt von Jugendlichen geschlagen und untersucht, wie diese Gerechtigkeit in der Schule wahrnehmen und welche Rolle die kognitive Entwicklung dabei spielt.
3. Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit im Alltag – ein Stundenentwurf: Dieses Kapitel präsentiert ein konkretes didaktisches Konzept für den Religionsunterricht, inklusive Verlaufsplan, Reflexionsmethoden und notwendigen Materialien.
Schlüsselwörter
Gerechtigkeit, Ungerechtigkeit, Christentum, Islam, Religionsunterricht, Mittelschule, Sozialethik, Werteerziehung, Rollenspiel, Schulalltag, Gerechtigkeitsverständnis, Barmherzigkeit, Bildungsgerechtigkeit, Didaktik, Koran.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Begriff der Gerechtigkeit aus einer vergleichenden christlich-islamischen Perspektive und entwickelt daraus ein Unterrichtskonzept für die Mittelschule.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die theologischen Grundlagen der Gerechtigkeit, die Entwicklung von Gerechtigkeitsvorstellungen bei Jugendlichen sowie die praktische Umsetzung dieser Thematik im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Schülern durch eine theoretisch fundierte Einführung die Vielschichtigkeit von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit aufzuzeigen und sie für soziale Disparitäten zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theologischer und erziehungswissenschaftlicher Quellen sowie auf der Erstellung eines didaktisch begründeten Stundenentwurfs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Gerechtigkeitsbegriffe beider Religionen, die Analyse der schulischen Situation und die detaillierte Ausarbeitung des Stundenentwurfs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gerechtigkeit, Religion, Schule, Didaktik, Sozialethik und Rollenspiel.
Warum wird im Stundenentwurf ein „stummer Impuls“ eingesetzt?
Der stumme Impuls ermöglicht einen niederschwelligen und druckfreien Einstieg in die Thematik, bei dem die Schüler eigene Assoziationen äußern können, ohne direkt abgefragt zu werden.
Welche Funktion hat das Rollenspiel im Unterrichtskonzept?
Das Rollenspiel dient dazu, dass Schüler am eigenen Leib soziale Ungerechtigkeit erfahren und durch den Perspektivwechsel ein tieferes Verständnis für die Lebenswirklichkeit anderer entwickeln.
- Citar trabajo
- Max Bretschneider (Autor), 2016, Gerechtigkeit als multireligiöser Begriff im (schulischen) Alltag. Ein Stundenentwurf für die Mittelschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353305