Diese Arbeit geht der Frage nach, ob und inwiefern bei der Ernährungssicherung im Ersten Weltkrieg Verteilungs- und Distributionsprobleme eine gewichtige Rolle spielten.
Inwieweit war das Deutsche Kaiserreich auf den Ersten Weltkrieg ernährungstechnisch vorbereitet? Konnte das Kaiserreich einer langfristigen alliierten Blockade stand halten? Welche Maßnahmen ergriff Deutschland während dem Krieg, um die Ernährungslage zu verbessern? Mit welchen Schwierigkeiten war das Deutsche Reich bei der Ernährungswirtschaft konfrontiert? Und war die Kriegsernährungswirtschaft wirklich absolut planwirtschaftlich organisiert? Dies sind Fragen, die im Zentrum dieser Arbeit stehen.
Um die Frage nach der Ernährungspolitik am Beispiel der Distribution zu beantworten, beschäftigt sich diese Arbeit zunächst mit den drei Begrifflichkeiten der Marktwirtschaft, Gemeinwirtschaft und des Dirigismus, um dann die Ernährungslage kurz vor dem Krieg in Deutschland zu betrachten. Anschließend folgt die Betrachtung der einzelnen staatlichen Eingriffe und administrativen Strukturierungen für die Ernährungssicherung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Forschungsstand
I. Definition und Theorie der Begriffe Marktwirtschaft, Gemeinwirtschaft und Dirigismus
1. Die wirtschaftspolitische Systemformulierung als Rahmenbedingung für die Wirtschaftsordnung
2. Definition der Marktwirtschaft
3. Definition des Begriffs der Gemeinwirtschaft
4. Definition des Begriffs Dirigismus
II. Exkurs: Der Versuch des Aufbaus einer autarkischen Ernährungswirtschaft
1. Die Importabhängigkeit Deutschlands vor 1914 von Nahrungsmitteln
2. Die fehlerhaften statistischen Erhebungen zur Ernährungssicherheit vor dem Krieg
III. Die administrative Organisation der Ernährungswirtschaft
1. Das partikularistische System der Kriegsernährungswirtschaft, als Teil der Beibehaltung der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung
2. Das KEA als dirigistisches Verwaltungsorgan zur Behebung der Distributionsprobleme
IV. Höchstpreispolitik und Bewirtschaftung als dirigistischer Versuch, die Ernährungssicherung zu gewährleisten
1. Die Höchstpreispolitik und ihr Scheitern
2. Höchstpreispolitik und dirigistische Bewirtschaftung gehören zusammen
V. Das dirigistische Rationierungssystem als Mittel zur Ernährungssicherung
1. Die Vorratsstreckung
2. Das Problem der Ersatznahrungsmittel
3. Das gemeinwirtschaftliche Instrument der Massenspeisung
VI. Dirigistische Aushandelswirtschaft zur Stützung der Ernährungssicherung in Form der ZEG
Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Organisation der Ernährungssicherung im Deutschen Kaiserreich während des Ersten Weltkrieges zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das System marktwirtschaftlich, gemeinwirtschaftlich oder dirigistisch geprägt war und welche Rolle die mangelnde kriegswirtschaftliche Planung für die resultierenden Versorgungsengpässe spielte.
- Analyse der verschiedenen Wirtschaftsordnungen (Marktwirtschaft, Gemeinwirtschaft, Dirigismus)
- Untersuchung der administrativen Strukturen der deutschen Kriegsernährungswirtschaft
- Bewertung der Höchstpreispolitik und des Rationierungssystems
- Betrachtung der zentralisierten Außenhandelswirtschaft (ZEG)
- Einordnung der historischen Relevanz der Lebensmittelversorgung für den Kriegsverlauf
Auszug aus dem Buch
Die administrative Organisation der Ernährungswirtschaft
In der Einleitung der Analyse wurde festgestellt, dass für bestimmte soziale Entscheidungsfindungen eine bestimmte Rationalität gegeben sein muss, was wiederum bedeutet, dass eine Planung für bestimmte sozioökonomische Entscheidungen, sprich klare Rationalitätskonzepte, unabdingbar sind. Für den hiesigen analytischen Fall stellt Roerkohl zunächst einmal fest, dass das Deutsche Reich auf dem Gebiet der Ernährungssicherung völlig konzeptionslos in den Krieg von 1914 eintrat, was auch nach dem bisher Gesagten kaum verwundert. Dies heißt also, es gab überhaupt keine Planung für den militärischen Ernstfall und für die hierdurch entstehenden sozialen Probleme. Umso interessanter ist daher die hier gestellte Frage, wie die Ernährungssicherung in Deutschland organisiert war.
Man sollte zunächst davon ausgehen, dass die damalige Reichsregierung, trotz der Abhängigkeit von landwirtschaftlichen Importen Vorräte angehäuft hätte. Jedoch: „… die Reichsregierung als solche verfügte über kein eigens für den Kriegsfall aufgespeicherten Vorräte.“ So stellt sich für uns zunächst einmal die essentielle Frage, wie die Ernährungssicherung administrativ organisiert war. Anne Roerkohl kommt hier zu einem sehr praktischen Bild: Die verwaltungsmäßige Leitung der ernährungswirtschaftlichen Maßnahmen im Kriege lag organisatorisch in mehreren oberen Reichsbehörden. Bis zur Institutionalisierung des Kriegsernährungsamtes (KEA) unterstand die Ernährungsproblematik organisatorisch dem Reichsamt des Inneren.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung und Forschungsstand: Hinführung zum Thema der Ernährungssicherung im Ersten Weltkrieg und Diskussion des bisherigen Forschungsstandes.
I. Definition und Theorie der Begriffe Marktwirtschaft, Gemeinwirtschaft und Dirigismus: Theoretische Abgrenzung der ökonomischen Systeme, um eine analytische Basis für die Untersuchung zu schaffen.
II. Exkurs: Der Versuch des Aufbaus einer autarkischen Ernährungswirtschaft: Untersuchung der Importabhängigkeit Deutschlands vor 1914 und der fehlerhaften statistischen Grundlagen.
III. Die administrative Organisation der Ernährungswirtschaft: Analyse der administrativen Strukturen und der Institutionalisierung des Kriegsernährungsamtes (KEA).
IV. Höchstpreispolitik und Bewirtschaftung als dirigistischer Versuch, die Ernährungssicherung zu gewährleisten: Kritische Betrachtung der frühen Preisregulierungen und deren Auswirkungen auf den Markt.
V. Das dirigistische Rationierungssystem als Mittel zur Ernährungssicherung: Behandlung von Maßnahmen wie der Vorratsstreckung, dem Einsatz von Ersatzmitteln und der Massenspeisung.
VI. Dirigistische Aushandelswirtschaft zur Stützung der Ernährungssicherung in Form der ZEG: Bewertung der Rolle der Zentral-Einkaufs-Gesellschaft bei der Beschaffung von Lebensmitteln aus dem Ausland.
Schlüsselwörter
Ernährungssicherung, Erster Weltkrieg, Kriegsernährungswirtschaft, Marktwirtschaft, Dirigismus, Gemeinwirtschaft, KEA, Rationierung, Höchstpreispolitik, Importabhängigkeit, ZEG, Ersatzmittel, Kriegswirtschaft, Lebensmittelversorgung, Administrationsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Organisation der Lebensmittelversorgung im Deutschen Reich während des Ersten Weltkriegs und der Frage, wie der Staat auf die drohende Ernährungskrise reagierte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition ökonomischer Systeme, der Aufbau administrativer Behörden wie des KEA, die Preis- und Rationierungspolitik sowie die Außenhandelssteuerung über die ZEG.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie konzeptionslos Deutschland in den Krieg startete und wie sich daraus eine dirigistische Zuteilungswirtschaft entwickelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein historisch-analytischer Ansatz verfolgt, der auf der Auswertung zeitgenössischer Statistiken und der historischen Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die verwaltungstechnischen Schritte, die staatlichen Eingriffe in den Preisbildungsmechanismus sowie die Einführung von Rationierung und Ersatzmitteln detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kriegsernährungswirtschaft, Rationierung, Höchstpreispolitik, staatlicher Dirigismus und Autarkieproblematik.
Warum war das KEA zu Beginn in seiner Wirkung begrenzt?
Das KEA unterstand dem Reichsamt des Inneren, hatte keine polizeilichen Durchgriffsrechte und war stark von der Kooperation der Bundesstaaten abhängig.
Welche Rolle spielte die ZEG im Außenhandel?
Die ZEG monopolisierte die Auslandseinkäufe von Lebensmitteln, um den Bedarf zentral zu steuern, stieß jedoch an Grenzen durch den Druck der Entente auf neutrale Staaten.
Warum scheiterte die frühe Höchstpreispolitik?
Sie führte lediglich dazu, dass der Großhandel Städte mit niedrigen Preisen boykottierte und stattdessen den Schleichhandel förderte, da die begleitende Bewirtschaftung fehlte.
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- Ilya Zarrouk (Autor), 2017, Die Kriegsernährungswirtschaft im Ersten Weltkrieg und ihre Probleme, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353396