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Darstellung der Kolonialisierung in peruanischen Schulbüchern. Kritische Analyse aus einer antirassistischen postkolonialen lateinamerikanischen Perspektive

Title: Darstellung der Kolonialisierung in peruanischen Schulbüchern. Kritische Analyse aus einer antirassistischen postkolonialen lateinamerikanischen Perspektive

Diploma Thesis , 2016 , 121 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Francis Cuellar (Author)

Pedagogy - Pedagogic Sociology
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Summary Excerpt Details

Um Rassismus in der peruanischen aktuellen Gesellschaft zu thematisieren, ist es zuerst erforderlich, zu einem bestimmten Zeitpunkt in die Vergangenheit von ganz Lateinamerika zurückzublicken: die Kolonialzeit (15.-18. Jahrhundert). Zu dieser Zeit wurden „Rassenhierarchien“ durch ein institutionalisiertes Kastensystem (sistema de castas) nämlich so etabliert, dass Rassismus auch 300 Jahre nach der Kolonisierung, Unterdrückung und Machtausübung aus Europa immer noch ein großes soziales Problem ist. Auf diese Weise ist es bedeutsam zu erkennen, wie rassistische Praktiken in peruanischen Schulbüchern zu erkennen sind.

Meines Erachtens nach ist die Institution Schule eine der wichtigsten Begleiter in der Entwicklung von den zukünftigen Bürger*innen. Dort werden Weltanschauungen nicht nur gelehrt, sondern auch unbewusst, wie es Pierre Bourdieu ausdrückt, einverleibt. Aus diesem Grund hat diese vorliegende Arbeit die Fragestellungen zu untersuchen, (i) inwieweit Rassismus in der Kolonialzeit etabliert worden ist, (ii) ob es eine Kontinuität des Kolonialismus nach der Unabhängigkeit von Peru gegeben hat, (iii) wie das Fach Geschichte in das peruanische Schulsystem eingeführt wurde und wie es im aktuellen Lehrplan behandelt wird, (iv) wie die Schüler*innen die Eroberung und Kolonialisierung in unterschiedlichen Schuljahrgängen in peruanischen Schulbüchern erlernen, (v) welche pädagogischen Ziele in den konkreten Schulbüchern erwünscht sind und (vi) ob peruanische Schulbücher noch eine postkoloniale Anschauung beinhalten, was die Erklärung der Eroberung und Kolonialisierung betrifft.

Die postkoloniale Perspektive von Peru ist in einem europäischen Kontext von großer Bedeutung, weil die Geschichte der Kolonialisierung Perus genauso wie von anderen lateinamerikanischen Ländern hauptsächlich aus einer eurozentri-schen Ansicht definiert worden ist. Die europäische Herrschaft war nämlich sys-tematisiert, strukturiert und legimitiert, sodass die europäische Vorstellung der Weltordnung als Norm angesehen wurde und noch allgegenwärtig ist, wie bei vielen lateinamerikanische Soziolog*innen und Historiker*innen zu lesen ist. Aus diesem Grund ist die Mehrheit der verwendeten Quellen in dieser wissen-schaftlichen Arbeit von peruanischen, amerikanischen und lateinamerikani-schen Autor*innen. In diesem Sinne kann die hier dargestellte Problematik aus einer Innenperspektive erläutert werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Relevanz des ausgewählten Themas im deutschen Kontext

2. Rassismus in Peru: ein Überblick

3. Bedeutung der Kolonialisierung in Peru und Lateinamerika

3.1 Einführung in die Hierarchie von Menschenkategorien: „la clasificación racial“

3.2 Postkolonialismus und die sozialen Auswirkungen in der lateinamerikanischen Region

4. Das Fach Geschichte im peruanischen Schulsystem

4.1 Problematik des Wissens über die Kolonialzeit (los saberes coloniales) und der ethnografischen Schrift

4.2 Entwicklung des Fachs Geschichte im peruanischen Schulsystem im politischen Kontext im 20. Jahrhundert

4.3 Pädagogische Ziele des aktuellen Lehrplans in unterschiedlichen Schuljahrgängen

5. Untersuchung von peruanischen Schulbüchern

5.1 Das Schulbuch als Forschungsgegenstand

5.2 Methodologie für die Schulbuchanalyse

5.3 Buch „Personal Social 2, Libro de Área“

5.3.1 Bildnerische Darstellung

5.3.2 Textuelle Erzählung der Geschichte

5.3.3 Angestrebte pädagogische Ziele der Aufgaben

5.4 Buch „Personal Social 6“

5.4.1 Bildnerische Darstellung

5.4.2 Textuelle Erzählung der Geschichte

5.4.3 Angestrebte pädagogische Ziele der Aufgaben

5.5 Buch „Historia del Perú 3“

5.5.1 Bildnerische Darstellung und textuelle Erzählung der Geschichte

5.5.2 Angestrebte pädagogische Ziele der Aufgaben

5.6 Buch „Historía, Geografía y Economía 3“

5.6.1 Bildnerische Darstellung und textuelle Erzählung der Geschichte

5.6.2 Angestrebte pädagogische Ziele der Aufgaben

6. Finale Reflexion

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die kritische Darstellung der Kolonialisierung in peruanischen Schulbüchern aus einer antirassistischen und postkolonialen Perspektive. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie rassistische Strukturen und koloniale Wissensformen in der Vermittlung von Geschichte im peruanischen Schulsystem fortbestehen.

  • Analyse des Rassismus in Peru und dessen historischer Verwurzelung im Kastensystem.
  • Untersuchung der Entwicklung und pädagogischen Ausrichtung des Fachs Geschichte im peruanischen Schulsystem.
  • Kritische Schulbuchanalyse hinsichtlich bildnerischer Darstellung und textueller Erzählweise.
  • Reflexion über die Rolle von Patriotismus und nationaler Identitätsbildung in den Unterrichtsmaterialien.
  • Herausarbeitung des Zusammenhanges zwischen Kolonialzeit und gegenwärtiger gesellschaftlicher Exklusion.

Auszug aus dem Buch

3.1 Einführung in die Hierarchie von Menschenkategorien: „la clasificación racial“

„Weiß“ (blanco), „Indio“, „Schwarze“ (negro) und andere Menschenkategorien sind bis in die Gegenwart hinein noch soziale unreflektierte Bezeichnungen, deren Ursprung im 15. bis 16. Jahrhundert bei der Kolonialisierung von Lateinamerika liegt. Zu jener Zeit legitimierte die spanische Herrschaft Menschenklassen in einem systematisierten und strukturierten „Kastensystem“ (sistema de castas), obwohl der wissenschaftliche Rassismus (Rassismus aufgrund von phänologischen Körpermerkmalen) im 16. Jahrhundert noch nicht präsent war (vgl. Henk 2010, S. 13-14). In diesem Sinne kommen wichtige Fragen ans Licht: Worüber wurde ideologisch zu dieser Zeit im spanischen Königsreich geredet? Woher kommt die Übertragung von der „Reinheit des Blutes“?

Um eine Antwort auf diese Fragen geben zu können, ist es erforderlich, sich mit dem Kolonialismus als einen langen Prozess und mit seinen Inhalten zu befassen. Conrad verweist darauf, dass die Definition von Kolonialismus drei Aspekte enthält: Erstens wird ein Territorium beherrscht. Zweitens haben die kolonisierten und kolonisierenden Gesellschaften unterschiedliche soziale Ordnungen, und drittens ist die Trennung von beiden Gesellschaften aufgrund des unterschiedlichen Entwicklungsstands berechtigt (vgl. Conrad 2012, S. 3). Osterhammel führt auch aus, dass Kolonialismus eine Herrschaftsbeziehung zwischen Kollektiven sei, bei welcher die fundamentalen Entscheidungen über die Lebensführung der Kolonisierten durch eine kulturell andersartige und kaum anpassungswillige Minderheit von Kolonialherren unter vorrangiger Berücksichtigung externer Interessen getroffen und tatsächlich durchgesetzt worden seien.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Relevanz des ausgewählten Themas im deutschen Kontext: Beleuchtet die eurozentrische Sichtweise in deutschen Schulbüchern und die daraus resultierenden Mythen über Hispanoamerika.

2. Rassismus in Peru: ein Überblick: Analysiert das strukturelle Problem des Rassismus im heutigen Peru und dessen Verankerung in gesellschaftlichen Praktiken und Medien.

3. Bedeutung der Kolonialisierung in Peru und Lateinamerika: Untersucht die historischen Wurzeln des Kastensystems sowie die ökonomischen und machtpolitischen Aspekte des Kolonialismus.

4. Das Fach Geschichte im peruanischen Schulsystem: Arbeitet die Genese des Geschichtsunterrichts und die prägenden pädagogischen Zielsetzungen im 20. Jahrhundert auf.

5. Untersuchung von peruanischen Schulbüchern: Führt eine detaillierte Analyse spezifischer Schulbücher hinsichtlich ihrer Darstellung von Menschengruppen und Identitätskonstruktionen durch.

6. Finale Reflexion: Fasst die Ergebnisse zusammen und kritisiert die Kontinuität kolonialer Strukturen im heutigen Bildungssystem.

Schlüsselwörter

Kolonialisierung, Rassismus, peruanische Schulbücher, Postkolonialismus, Kastensystem, Geschichtsunterricht, nationale Identität, eurozentrische Perspektive, soziale Exklusion, indigene Bevölkerung, Machtverhältnisse, Patriotismus, Bildungsreform, ethnografische Schrift.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch, wie die Geschichte der Kolonialisierung Perus in aktuellen peruanischen Schulbüchern dargestellt wird und welche Auswirkungen diese Darstellung auf die Identitätsbildung der Schüler*innen hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der Rassismus in Peru, das koloniale Kastensystem, die Entwicklung des Geschichtsunterrichts im 20. Jahrhundert sowie die postkoloniale Kritik an eurozentrischen Geschichtsnarrativen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll untersucht werden, ob peruanische Schulbücher koloniale Hierarchien reproduzieren und inwieweit rassistische Praktiken durch eine unreflektierte Vermittlung von Geschichte fortbestehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine qualitative Schulbuchanalyse, die bildnerische Darstellungen sowie textuelle Erzählstrukturen und pädagogische Aufgabenstellungen in den Fokus nimmt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Genese des Rassismus, dem theoretischen Rahmen des Postkolonialismus sowie der spezifischen Analyse peruanischer Schulbücher für die Primar- und Sekundarstufe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kolonialisierung, Rassismus, nationale Identität, Kastensystem und postkoloniale Theorie geprägt.

Warum spielt das Kastensystem eine zentrale Rolle für die Analyse der Schulbücher?

Das Kastensystem bildet das historische Fundament der sozialen Hierarchien in Peru, dessen Auswirkungen bis in die moderne Gesellschaft reichen und in Schulbüchern oft durch veraltete Menschenkategorien reproduziert werden.

Inwiefern beeinflusst der Begriff "Nationalstolz" die aktuelle Vermittlung der peruanischen Geschichte?

Der Begriff wird genutzt, um ein homogenes, positives Wir-Gefühl zu erzeugen, was laut der Autorin jedoch kritische Reflexionsprozesse über gesellschaftliche Ungleichheiten und rassistische Exklusion eher behindert.

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Details

Title
Darstellung der Kolonialisierung in peruanischen Schulbüchern. Kritische Analyse aus einer antirassistischen postkolonialen lateinamerikanischen Perspektive
College
University of Cologne  (Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Francis Cuellar (Author)
Publication Year
2016
Pages
121
Catalog Number
V353572
ISBN (eBook)
9783668398887
ISBN (Book)
9783668398894
Language
German
Tags
Postkolonialismus Peru Schulbuch Schulbuchanalyse Bildanalyse Antirassismus Kastensystem Südamerika Lateinamerika Geschichte Pädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Francis Cuellar (Author), 2016, Darstellung der Kolonialisierung in peruanischen Schulbüchern. Kritische Analyse aus einer antirassistischen postkolonialen lateinamerikanischen Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353572
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