Militärtechnische Innovationen der Neuzeit. Die Landsknechte


Seminararbeit, 2011

12 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

Die Neuzeit als historische Epoche

Innovationen in der Waffentechnologie

„Viel Feind, viel Ehr`“ - Die Landsknechte

Weiterführende Literatur bzw. Grafikmaterial

Die Neuzeit als historische Epoche

Die Neuzeit folgt auf das europäische Mittelalter und dauert bis heute an. Die Geschichtswissenschaft ist über den genauen Beginn uneins. Meist nennt sie entweder die osmanische Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 oder die Entdeckung Amerikas 1492. Manchmal geben Historiker auch Luthers Reformation von 1517 als Anfang des historischen Zeitraums an. Weitere damit verbundene Zäsuren sind die Renaissance, der Humanismus und die Entwicklung des Buchdrucks in Europa mit beweglichen Lettern.[1] Eine wesentliche Rolle spielte die Entdeckung des Seewegs nach Indien und Ostasien. Damit wurden wesentliche Waren- und Finanzströme auf neue Handelswege umgeleitet, der Aufschwung von Lissabon und Antwerpen im 16. Jahrhundert als Welthandelsplätze begründete und die Voraussetzungen geschaffen, dass asiatische Waren (nicht nur Gewürze) den Europäern nun auch ohne Zwischenhändler. Die Ablösung des geozentrischen (Ptolemaios)[2] durch das heliozentrische Weltbild (Nikolaus Kopernikus)[3] und die mit der Erstürmung Konstantinopels durch das Osmanische Reich verbundene Flucht vieler griechischer Gelehrten in den Westen bildeten weitere Markierungspunkte auf unterschiedlichen Ebenen, die die Zeitenwende begründen. Die Kugelgestalt der Erde war allerdings schon im Altertum (Aristarchos von Samos) und Mittelalter bekannt. Somit werden der Beginn des überseeischen Kolonialismus (und die beginnende Vorherrschaft Westeuropas) als Übergang zur neuen Zeit angesehen. Gerade die Revolutionierung des geographisch-astronomischen Weltbildes läutete das Ende jenes ideologischen Monopols ein, das die Kirche im Mittelalter innegehabt hatte. Das Deutungsmonopol ging von der Kirche schrittweise zu den Naturwissenschaften über. Die wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen wiederum (Krise des Feudalsystems) erlaubten den Beginn der Reformation, die ebenfalls die beiden Epochen voneinander abgrenzt.[4]

Innovationen in der Waffentechnologie

Nicht nur in kunst- und kulturgeschichtlichen Belangen kommt es in der Neuzeit zu gewaltigen Umwälzung, besonders auch im Bereich der Waffentechnologien und Kriegsführung. Hierbei ist besonders das Schießpulver zu erwähnen. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Holzkohle, Salpeter und Schwefel. Es stammt ursprünglich aus China und war dort vermutlich seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. bekannt. Seit dem 13. Jahrhundert erst wurde es auch als pyrotechnisches Kriegsmittel verwendet, allerdings noch nicht als Treibmittel für Geschosse. Vielmehr kam es in Form von Brandsätzen und salpeterhaltigen Kriegsfeuern zum Einsatz, die während einer Belagerung durch die Mongolen im Jahr 1232 mit Wurfmaschinen gegen die Angreifer geschleudert wurden. Über die Araber gelangte die Kenntnis über dieses explosive Gemisch nach Europa, wobei die genaue Zeit dieses Transfers in der neueren Forschung mehr denn je umstritten ist.[5] In Europa vollzog sich in der Folge ein entscheidender Wandel im Einsatz des Sprengstoffes, der Einsatz als Treibmittel. Dies setzte die Erkenntnis voraus, dass der Expansionsdrang des entzündeten Pulvers als kinetische Energie für Geschosse verwendet werden konnte. 1326 ist diese neue Technik erstmals in Florenz bezeugt, 1327 in einer englischen Handschrift für König Edward III., 1331 in Cividale (Friaul) und erst 1332 in China. Somit muss die Frage nach dem Ort, dem genauen Zeitpunkt dieses Entwicklungsschritts sowie nach dem Urheber der Erfindung unbeantwortet bleiben. Alte Zuschreibungen, etwa an einen „Berthold Schwarz“, haben sich mittlerweile als unhaltbare Mythen erwiesen.[6] Festzuhalten bleibt aber, dass rein die Kenntnis von der Zusammensetzung des Schießpulvers aus China über die Araber nach Europa gelangte, der entscheidende Schritt zum Einsatz für Feuerwaffen aber in Europa – und vielleicht zeitgleich und unabhängig davon in China – erfolgte. Die spätmittelalterlichen Feuerwaffen werden als Büchsen bezeichnet. Man unterscheidet dabei zwischen den von einem Schützen zu bedienenden Handbüchsen und größeren kanonenartigen Geschützen, den so genannten Steinbüchsen. Letztere haben ihren Namen von den Steinkugeln, die die hauptsächliche Munition darstellten. Sie wurden im 14. Jahrhundert zumeist aus Gusseisen, im 15. Jahrhundert vornehmlich aus Bronze fabriziert. Glocken- und Kunstgießer wandten dabei ihre traditionellen Fähigkeiten für die Herstellung von Büchsen an. Leichte bzw. mittlere Steinbüchsen waren für Kugeln mit einem Durchmesser von etwa 12-20 cm ausgerichtet, große Steinbüchsen für Kugeln mit 25-45 cm Durchmesser, Riesenbüchsen, etwa der so genannte „Pumhart von Steyr“ (heute im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien), erreichten einen Kugeldurchmesser von bis zu 80 cm. Kleinere Geschütze wurden im 15. Jahrhundert auf Karren oder Böcke verlegt, um die Zielrichtung des Geschützes auf das Ziel rascher anpassen zu können. Allen Büchsentypen ist der grundsätzliche Aufbau aus dem so genannten Flug, das ist der Teil, in dem die Kugel steckt, und der Pulverkammer gemein. Wichtig war dabei die völlige Verdichtung von Flug bzw. Kugel und Pulverkammer. Die Kugel wurde zusätzlich „verschoppt“, das heißt der ganze Flug mit Lehm oder Sand zugestopft, da durch die so entstehende Hemmung des Gasdrucks die Treibkraft für die Kugel noch erhöht wurde. Ein ständiges Problem stellte der Rückstoß dar. Besonders bei großen Geschossen wurden so genannte Legstücke, das sind Balkenwiderlager, angebracht. Das Beladen mit Schießpulver erforderte große Fachkenntnis. Etwa im Verhältnis von 1:19 zum Gewicht der Kugel musste Schießpulver in die Pulverkammer eingefüllt werden. Besonders bei kleinen Geschossen und bei schlechter Witterung konnte das Zünden der Lunte extrem schwierig werden. Insgesamt dauerte somit der Ladevorgang sehr lange. Bei den großen Steinbüchsen, die zum Durchbrechen von Stadtmauern verwendet wurden, dürften nur etwa zwei bis drei Schuss pro Tag möglich gewesen sein. Wenn diese großen Geschosse trafen, so verfehlten sie im Normalfall ihre Wirkung nicht, doch ist gerade im ausgehenden Mittelalter von zahlreichen Pannen auszugehen. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts finden sich in zahlreichen städtischen und landesfürstlichen Abrechnungen Hinweise auf den verstärkten Einsatz von Handfeuerwaffen. Diese waren im Prinzip ähnlich aufgebaut wie die großen Steinbüchsen, doch waren sie im Durchschnitt nur etwa 50 cm lang. Im Normalfall wurden sie auf einem langen Stab angebracht, den der Schütze in den Boden rammte und/oder mit einem Haken am Geschützstand fixierte. Der Einsatz im Kampf dürfte freilich nicht sehr effizient gewesen sein. Die Reichweite der Munition betrug zwischen 30 und 50 Metern. Traf man den heranrückenden Feind jedoch nicht, so blieb bis zu dessen Eintreffen nicht mehr genug Zeit zum Nachladen.[7]

„Viel Feind, viel Ehr`“ - Die Landsknechte

Als Landsknecht bezeichnet man den zu Fuß kämpfenden, zumeist deutschen Söldner des späten 15. und des 16. Jahrhunderts, dessen primäre Waffe nach Schweizer Vorbild die Pike war. Obwohl Landsknechte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ursprünglich als kaiserlich-habsburgische Söldner angeworben wurden, kämpften sie unter den verschiedensten europäischen Fürsten. Sie galten aufgrund ihrer fortschrittlichen und disziplinierten Kampfweise als besonders schlagkräftig, waren aber zugleich als Plünderer bekannt, die nach ausgebliebenen Soldzahlungen ganze Landstriche verheerten. Begründet wurden die Landsknechtheere von Kaiser Maximilian I.. Die Bezeichnung Landsknecht ist seit den 1480er Jahren belegt. Ihre Bedeutung wird als bewusste Abgrenzung zu den aus dem Gebirge – und nicht vom flachen Land – stammenden, Schweizer Pikenieren vermutet. Bereits um 1500 setzte sich die irreführende Bezeichnung Lanzknecht durch, welche auf die eigentlich als Langspieße einzustufenden Piken der Söldner anspielte. „Knecht“ weist wahrscheinlich auf die Verpflichtung des Söldners gegenüber Reich und Kaiser hin. Das aus dem deutschen Heer im Ersten und Zweiten Weltkrieg stammende Wort „Landser“ leitet sich direkt von Landsknecht ab. Im heutigen Sprachgebrauch wird Landsknecht gelegentlich als Synonym für „Söldner“ verwendet. Gelegentlich werden heute noch Soldaten der Bundeswehr, speziell des Heeres, als "Landser" bezeichnet.[8]

Im Verlauf des Spätmittelalters wurde in mehreren Schlachten deutlich, dass eine eigenständig agierende, schwere Reiterei, wie sie für die Ritterheere des Mittelalters typisch gewesen war, gegen eine mit Stangenwaffen ausgestattete, diszipliniert kämpfende Infanterie nur wenig ausrichten konnte. Auf blutige Weise demonstrierten dies vor allem die Schweizer Eidgenossen, die 1315 in der Schlacht am Morgarten[9] und 1386 in der Schlacht bei Sempach[10] die habsburgischen Österreicher vernichtend schlugen. In den Burgunderkriegen (1474–1477) errangen die Schweizer Hellebardiere und Pikeniere, die in mehreren Tausend Mann starken Gewalthaufen kämpften, diverse Siege über Karl den Kühnen von Burgund, welcher in der Schlacht bei Nancy den Tod fand. Diese militärischen Erfolge veranlassten zahlreiche europäische Herrscher dazu, Schweizer Söldner anzuwerben, die auch als „Reisläufer“ bekannt waren.[11]

Durch Erbfolge fielen die burgundischen Territorien an den Habsburger Maximilian, Sohn des damaligen Kaisers Friedrich III.. In der Schlacht bei Guinegate (1479) konnte Maximilian den Großteil seiner neu gewonnenen Gebiete gegen König Ludwig XI. von Frankreich behaupten, darunter die Niederlande, Luxemburg und Burgund. Um weiteren französischen Angriffen begegnen zu können und um Druck auf die mächtigen Territorialstaaten Bayern und Böhmen auszuüben, plante Maximilian die Aufstellung eines schlagkräftigen Heeres von Fußsoldaten. Im Jahre 1487 ließ der wenige Monate zuvor zum deutschen König gekrönte Maximilian die ersten Einheiten dieses Fußvolkes zusammenstellen. Er war es, der

„das Fussvolk nach Art der römischen Legionen in Haufen, Regimenter, teilte, dieselben mit langen Stangsspiessen oder Piquen versehen lassen und sie in diesem Gewehr dermassen abgerichtet, dass sie es allen anderen Nationen zuvorthaten, dannenhero von dieser Zeit an kein Krieg in Europa ohne die Teutschen Lanzknechte geführet worden und kein kriegsführender Potentat derselben entbehren wollen[12]

Sie wurden in Brügge von Graf Eitelfritz von Hohenzollern ausgebildet und gingen siegreich aus Feldzügen in Flandern und Böhmen hervor. Um die Kampfmoral seiner Soldaten zu erhöhen, verpflichtete sie Maximilian seit 1490 dazu, einen Gefolgschaftseid auf ihn zu leisten. Als Ende des 15. Jahrhunderts der Konflikt zwischen dem Schwäbischen Bund und der Schweizer Eidgenossenschaft eskalierte, kam es zum bewaffneten Konflikt. In dem so genannten Schwabenkrieg kämpften Maximilians Truppen auf Seiten des Schwäbischen Bundes, der 1488 als Gegengewicht zu den Expansionsbestrebungen der bayerischen Wittelsbacher gegründet worden war[13]. Die kaiserlichen und schwäbischen Aufgebote mussten im Kampf gegen die Schweizer schwere Niederlagen hinnehmen, die mit dem Frieden von Basel 1499 ihre faktische Unabhängigkeit vom Reich erlangten. An dem Krieg hatte auf schwäbischer Seite auch Georg von Frundsberg teilgenommen, der noch im selben Jahr in kaiserlichen Diensten gegen die in das Herzogtum Mailand eingefallenen Franzosen kämpfte. Frundsberg half Maximilian bei der Aufstellung und Ausbildung der Landsknechtheere, wobei er sich aufgrund der im Schwabenkrieg gesammelten Erfahrungen an den Schweizer Söldnerhaufen orientierte, deren Taktiken er aber weiterentwickelte. Frundsberg sollte zum bedeutendsten Landsknechtführer werden, dessen Truppen in den Italienkriegen mehrere wichtige Siege gegen Franzosen und auch Schweizer erkämpfen konnten. Sein Tod im Jahre 1528 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Landsknechte.[14] Bereits im frühen 16. Jahrhundert war der militärische Ruf der deutschen Landsknechte mit dem der Schweizer Reisläufer vergleichbar. Dies führte dazu, dass nicht nur der Kaiser und die Reichsfürsten, sondern auch ausländische Herrscher Landsknechte anwarben, insbesondere die französischen Könige. Zwischen Landsknechten und Reisläufern entwickelte sich eine latente Feindschaft, die in mehreren Schlachten der Italienkriege zum Ausdruck kam.[15]

[...]


[1] Skalweit, Stephan, Der Beginn der Neuzeit. Epochengrenze und Epochenbegriff, Darmstadt 1982

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Geozentrisches_Weltbild, Zugriff: 10.09.2007

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Heliozentrisches_Weltbild, Zugriff: 10.09.2007

[4] Vgl. Tönnies, Ferdinand, Geist der Neuzeit, Berlin/New York 1935

[5] Gabriel, Erich, Pulver und Pulverwaffe. In: Lexikon des Mittelalters 7. München/Zürich 1995, Sp. 327 f.

[6] Ludwig Karl-Heinz /Schmidtchen Volker, Metalle und Macht, Berlin 1992, S.312-348

[7] Schmidtchen, Volker, Kriegswesen im späten Mittelalter. Technik, Taktik, Theorie, Weinheim 1990

[8] Baumann, Reinhard, Landknechte. Ihre Geschichte und Kultur vom späten Mittelalter bis zum Dreißigjährigen Krieg, München 1994

[9] http://www.schweizerseiten.ch/info/info_morgartenschlacht.htm, Zugriff: 11.09.2007

[10] http://www.schweizerseiten.ch/info/info_schlacht_sempach.htm, Zugriff: 11.09.2007

[11] Blau, Friedrich, Die deutschen Landsknechte, Görlitz 1882, Nachdruck Wien 1985

[12] Götzinger, Ernst, Reallexikon der Deutschen Altertümer, Leipzig 1985

[13] http://lexikon.meyers.de/meyers/Schw%C3%A4bischer_Bund, Zugriff: 12.09.2007

[14] Baumann, Reinhard, Georg von Frundsberg. Der Vater der Landsknechte und Feldhauptmann von Tirol, München 1991

[15] http://www.kriegsreisende.de/neuzeit/italien.htm, Zugriff: 12.09.2007

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Militärtechnische Innovationen der Neuzeit. Die Landsknechte
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Neuzeit)
Note
1
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V353723
ISBN (eBook)
9783668400825
ISBN (Buch)
9783668400832
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
militärtechnische, innovationen, neuzeit, landsknechte
Arbeit zitieren
Mag. Armin Kofler (Autor:in), 2011, Militärtechnische Innovationen der Neuzeit. Die Landsknechte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353723

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