Das Thema dieser Bachelorarbeit ist die Brautwerbungsdichtung des 12. Und 13. Jahrhunderts. Die Erschwernis einer Vermählung in dieser Zeit soll aufgeschlüsselt werden. Insbesondere die Spielmannsdichtungen „König Rother“ und den in hebräischer Schrift überlieferten „Dukus Horant“ sowie die Heldendichtung „Kudrun“ werden genauer betrachtet. Bei allen drei Stücken handelt es sich um erzählende Texte aus der mittelhochdeutschen Literatur, deren Fokus auf die Brautwerbung gelegt ist.
Als Teilthema der Brautwerbungsdichtung wird nun die gefährliche Brautwerbung abgesondert und noch einmal auf diesen Bereich reduziert. Es geht um die Hindernisse, die den Figuren in den erzählenden Texten „König Rother“, „Kudrun“ und „Dukus Horant“ begegnen und wie diese bewältigt werden können. Also konkret welche Umwege gegangen werden müssen, um das angestrebte Ziel zu erreichen, welche Möglichkeiten es gibt Hürden zu bezwingen, wie Hilfe von Dritten oder anderen Parteien dabei unterstützend sein kann und auch welche Opfer gebracht werden müssen, um die letztendlich angestrebte Ehe zu vollziehen. Somit dreht sich alles um die Fragen: Welchen Hindernissen müssen in der gefährlichen Brautwerbung bezwungen werden? Welche Optionen stehen den Handelnden des „König Rother“, der „Kudrun“ und des „Dukus Horant“ frei, um diese Hindernisse zu bewältigen? Kann aus der Erkenntnis der zwei vorangegangenen Fragestellungen eine Linie von Gemeinsamkeiten in den drei Texten gezogen werden?
Diese Literaturstudie arbeitet eine genaue Aufschlüsselung, was eigentlich der Unterschied zwischen einfacher und gefährlicher Brautwerbung, die beide unter die Gattung der Brautwerbungsdichtung fallen, heraus. Erst danach beginnt die Aufstellung der drei Einzelwerke, wobei jeder Text für sich alleine analysiert wird, ohne Bezug zu den anderen zwei zu nehmen. Im nächsten Kapitel wird dann der Vergleich untereinander gezogen und der Versuch Parallelen, Gegensätze oder Abweichungen in den vorkommenden Geschehen zu finden, unternommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fragestellung und Methodik
3. Forschungsstand
4. Arten der Brautwerbungsdichtung
4.1 Einfache Brautwerbung
4.2 Gefährliche Brautwerbung
4.2.1 Der Handlungsablauf
4.2.2 Die Handlungsträger
5. Gefährliche Brautwerbung & deren Hindernisse
5.1 König Rother
5.2 Kudrun
5.2.1 Hildeteil
5.2.2 Kudrunteil
5.3 Dukus Horant
6. Parallelen in den Beispieltexten
7. Exposé
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die erzähltechnischen Hindernisse und Bewältigungsstrategien innerhalb der Gattung der gefährlichen Brautwerbung in ausgewählten mittelhochdeutschen Texten. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in der narrativen Struktur und den Handlungsrollen zu identifizieren und zu analysieren, wie sich Figuren durch List, Treue oder Gewalt gegen den Widerstand des Brautvaters behaupten.
- Strukturelle Analyse der gefährlichen Brautwerbung
- Vergleichende Untersuchung der Werke König Rother, Kudrun und Dukus Horant
- Rolle und Funktion des Brautvaters als Antagonist
- Einsatz von Hilfsmitteln wie List und Täuschung zur Konfliktbewältigung
- Bedeutung von Treue und gesellschaftlicher Anerkennung für den Brauterwerb
Auszug aus dem Buch
5.1 König Rother
Bevor zum Kern der gefährlichen Brautwerbung vorgedrungen werden kann, hier erst einmal die stofflichen Rahmenbedingungen: Der weströmischer König Rother wirbt um die Tochter des byzantischen Herrschers Konstantin, welcher jedoch seinem Ruf gerecht ablehnt. Somit misslingt die erste Werbungsfahrt und die gesendeten 12 Grafen mit jeweils 12 Rittern lässt Konstantin in den Kerker werfen. Rother reist nach einem Jahr selbst hin, da die Boten nicht zurückkehren, wobei ihn nur wenige Genossen begleiten. Darunter befinden sich die Riesen Asprian, Grimme und Witolt. König Rother gibt sich Konstantin und seinen Gefolgsleuten gegenüber als Dietrich aus und behauptet von Rothers Hof vertrieben zu sein. Geschickt erwirbt er die Gunst des Volkes durch Freigiebigkeit und die Furcht des Hofes durch Gewalttätigkeit der Riesen. Er macht sich einen Namen. In einer Kemenatenszene enthüllt Rother der Königstochter seine wahre Identität, befreit gemeinsam mit ihr seine Verbündeten und entführt die ihm zugetane Braut in seine Heimat. Konstantin lässt daraufhin seine nach Italien verschleppte Tochter rückentführen. Eine zweite Fahrt ist notwendig, in der sich Rother nun als Pilger ausgibt. Er platzt herein als Konstantins Tochter gerade mit einem anderen Mann verheiratet werden soll. Rother wird daraufhin gefangengenommen und soll gehängt werden, jedoch gelingt es Rothers Vasallen ein großes Heidenheer zu besiegen, Rother zu befreien sowie die Braut heimzuführen. Schlussendlich verzeiht Rother Konstantin.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Bedeutung von Ehe und Brautwerbung im 12. und 13. Jahrhundert sowie Vorstellung der untersuchten Texte.
2. Fragestellung und Methodik: Definition der Forschungsfragen zur Überwindung von Hindernissen in der gefährlichen Brautwerbung und Erläuterung des methodischen Vorgehens mittels Literaturstudie.
3. Forschungsstand: Überblick über die literaturwissenschaftliche Einordnung der anonymen Brautwerbungsdichtungen und deren Bezug zum Brautwerbungsschema.
4. Arten der Brautwerbungsdichtung: Unterscheidung zwischen einfacher und gefährlicher Brautwerbung sowie detaillierte Aufschlüsselung von Handlungsabläufen und Rollenbildern.
5. Gefährliche Brautwerbung & deren Hindernisse: Analyse der konkreten Hindernisse und Lösungsstrategien in den Werken König Rother, Kudrun und Dukus Horant.
6. Parallelen in den Beispieltexten: Vergleich der drei Erzählungen hinsichtlich ihrer strukturellen Gemeinsamkeiten und narrativen Abweichungen.
7. Exposé: Fazit der Untersuchung und Ausblick auf weiterführende wissenschaftliche Analysen der Thematik.
Schlüsselwörter
Brautwerbung, gefährliche Brautwerbung, König Rother, Kudrun, Dukus Horant, Brautvater, Handlungsablauf, mittelhochdeutsche Literatur, Brautentführung, List, Exogamie, Spielmannsdichtung, Heldenepik, Hindernisse, Vermählung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Hindernisse und Bewältigungsstrategien in der Gattung der gefährlichen Brautwerbung innerhalb der mittelhochdeutschen Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Struktur des Brautwerbungsschemas, die Rolle des Brautvaters als Antagonist und die Anwendung von List und Gewalt zur Erlangung der Braut.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, herauszufinden, welchen Barrieren sich Werber gegenübersehen, welche Optionen sie zur Überwindung dieser Hürden nutzen und welche Gemeinsamkeiten die drei ausgewählten Texte aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der Literaturstudie, um Fachliteratur kritisch zu reflektieren und die Originaltexte strukturiert zu analysieren.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Brautwerbung, eine detaillierte Aufschlüsselung der Handlungsabläufe und Rollen sowie eine spezifische Werkanalyse von König Rother, Kudrun und Dukus Horant.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Brautwerbung, gefährliche Brautwerbung, Brautvater, List, Handlungsablauf, Brautentführung und mittelhochdeutsche Literatur.
Wie unterscheidet sich die Brautvaterfigur in König Rother von jener in der Kudrun?
Während der Brautvater in König Rother eine eher tyrannisierende und gewalttätige Rolle einnimmt, ist die Hagen-Figur in der Kudrun komplexer gestaltet und durch eine eigene Vorgeschichte sowie eine archaische Stärke charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt dem Dukus Horant im Vergleich zu den anderen Texten zu?
Dukus Horant ist eine fragmentarische Überlieferung, die sich erzähltechnisch dadurch auszeichnet, dass sie die Geschichte konsequent aus der Sicht des Boten berichtet.
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- Sophie Marie Scharner (Author), 2013, Gefahren und Hindernisse der Brautwerbung in der mittelhochdeutschen Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353742