Das Bild der Niederlande in den deutschen Medien. Klompen und Königshaus


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das historische Niederlandebild der Deutschen

3. Die Clingendael-Studie 1993

4. Beispiele aus den Medien
4.1 “Frau Antje in den Wechseljahren“
4.2 “Kiffen, Kicken, Käse - Unser drolliger Nachbar”

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Fachliteratur wird oft über Ressentiments geschrieben, die die Niederländer vermeintlich oder tatsächlich gegenüber den Deutschen haben. Weniger gut untersucht sind jedoch die Vorurteile der Deutschen gegenüber der Niederlande und den Niederländern. Doch auch sie bestehen - mehr oder weniger ausgeprägt - mindestens seit dem 18. Jahrhundert.[1] Damals wie heute sind die Vorurteile natürlich nicht bei jeder Person gleichermaßen ausgeprägt. Jedoch kann man festhalten, dass die Stereotypen allgemein bekannt sind und zumindest unterbewusst einen gewissen Effekt erzeugen. Dies ist vor allem bei Deutschen zu beobachten, die keinen oder kaum Bezug zu den Niederlanden oder den Niederländern haben.

Aus der deutschen Perspektive ist die Niederlande eines von vielen Nachbarländern, welches weder als bedrohlich, noch als besonders exotisch wahrgenommen wird. Die Deutschen kennen die Niederlande vom Urlaub an der Nordsee oder der Hauptstadt Amsterdam, welche oft mit dem weniger bekannten Rest des Landes gleichgesetzt wird und aus der Werbung der niederländischen Milchwirtschaft, die den holländischen Käse mit Frau Antje nach Deutschland bringt. Weiter schätzen die Deutschen die talentierten niederländischen Fußballer und die traditionsreichen Duelle der beiden Nationalmannschaften. Lange galten die Niederlande in Deutschland gesellschaftlich und politisch als tolerant und links. Diese Wahrnehmung ist vor allem durch die Drogen-, Abtreibungs- und Sterbehilfepolitik zu erklären und wird je nach dem persönlichen politischen Standpunkt als positiv oder negativ erachtet. Dieses liberale Bild von der Niederlande verändert sich aktuell allerdings, da Berichte über die Rechtspopulisten Pim Fortuyn und Geert Wilders sowie die Ermordung des Regisseurs Theo van Gogh durch einen Islamisten für Irritationen über die vermeintlich multikulturelle Niederlande sorgen.

Um sich die Beziehung der beiden Länder zu vergegenwärtigen, muss man sich über die Größenverhältnisse im Klaren sein. Die Bundesrepublik Deutschland hat mehr als 80 Millionen Einwohner, während in der Niederlande nur knapp 17 Millionen Menschen leben. Wenn sich Deutsche oder Niederländer begegnen, dann sprechen sie entweder Englisch oder Deutsch, aber nur in ganz wenigen Ausnahmen Niederländisch miteinander. Außerdem gilt in der Bildformung, dass die menschliche Wahrnehmung Ereignisse oft so filtert, dass nur die Elemente wahrgenommen werden, die vorhandene Bilder bestätigen. Diese selektive Wahrnehmung verhindert unangenehme Widersprüche und reproduziert den gewünschten interpretativen Inhalt (vgl. Flohr 1995: 31ff.). Das bedeutet, dass Äußerungen von Deutschen über Niederländer oder die Niederlande mehr über die deutschen Betrachter und ihre Wahrnehmungen, als über die niederländische Realität aussagen. Diese Diskrepanz zwischen Bild und Realität kann je nach Betrachter sehr unterschiedlich ausfallen und unterstreicht die These, dass es kein einheitliches deutsches Niederlandebild gibt. Vielmehr gibt es verschiedene deutsche Niederlandebilder, die man genauer untersuchen muss.[2]

Die vorliegende Arbeit macht es sich zur Aufgabe, genau diesen Schritt zu gehen. Dabei stellt die Autorin die Frage, welche Bilder die Deutschen von Niederländern und der Niederlande haben. Als Ergebnis wird beschrieben, welche Gründe und Hintergründe es für diese speziell deutschen Bildformungen gibt. Weil die Arbeit großen Anspruch auf Aktualität legt, fokussieren sich die Betrachtungen auf das Niederlandebild der Deutschen auf die Zeit nach 1990. Denn die deutsche Wiedervereinigung machte den Unterschied zwischen den beiden Ländern plötzlich noch größer, als er ohnehin schon war. Durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland stieg sowohl die Bevölkerungszahl als auch die Fläche Deutschlands erheblich an. Diese Angst vor einem wiedererstarkten Deutschland, welches das Mächtegleichgewicht in Europa durcheinanderbringen könnte, war nicht nur in den Niederlanden, sondern in ganz Europa anzutreffen.

Das erste Kapitel zeichnet einen kleinen historischen Abriss von historischen Niederlandebildern zeitgenössischer Intellektueller. Es verdeutlicht, dass vermeintliche Unterschiede zwischen den beiden Ländern und Völkern schon seit mehreren Jahrhunderten bestehen und sich in ihrer Grundessenz bis heute nur sehr wenig verändert haben. Maßgebliche Quelle für die Zitate von Immanuel Kant, Ernst Moritz Arndt oder Otto von Bismarck ist hierbei das Standardwerk „Zwei ungleiche Nachbarn - Wege und Wandlungen der deutsch-niederländischen Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert“ des ehemaligen Direktors des Zentrum für Niederlande-Studien der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, Horst Lademacher.

Das zweite Kapitel schließt an die oben beschriebene Ausgangssituation nach der deutschen Wiedervereinigung an. Es fokussiert sich auf die Clingendael-Studie, welche im Jahr 1993 das niederländische Deutschlandbild evaluierte und als ein Schlüsselereignis der neueren deutsch-niederländischen Beziehungen gilt. Auch wenn sich die Autorin in diesem Schritt zunächst relativ ausführlich mit dem niederländischen Deutschlandbild beschäftigt, ist dieser Schritt doch insofern wichtig, als dass er nicht nur einen Transformationsprozess des niederländischen Deutschlandbildes einleitete, sondern auch in Deutschland gesellschaftliche und politische Reaktionen hervorrief, um das eigene Image im westlichen Nachbarland zu verbessern. Zusätzlich ist es einleuchtend, dass weder das eine, noch das andere Bild ausschließlich separat betrachtet werden kann, da es gegenseitigen Einflüssen unterliegt. Auch veränderte sich durch diese auch in den deutschen Medien inszenierte Fremdwahrnehmung das deutsche Niederlandebild nachhaltig. Die wichtigsten Literaturangaben für das umfangreichste der drei inhaltlichen Kapitel bilden Lútsen B. Jansens Aufsatz „Bekannt und unbeliebt. Die Clingendael-Studie. Das Bild von Deutschland und den Deutschen unter niederländischen Jugendlichen“ in Friso Wielengas Sammelband „Kannitverstan? Deutschlandbilder aus den Niederlanden“, Friso Wielengas Grundlagenliteratur für deutsch-niederländische Beziehungen „Zwischen Annäherung und Distanz. Niederländer und Deutsche seit 1945“ sowie Dik Linthouts Buch „Frau Antje und Herr Mustermann. Niederlande für Deutsche“.

Im dritten Kapitel werden zwei prägnante und von der Fachliteratur oft zitierte Beispiele aus den Medien präsentiert. Zum einen handelt es sich dabei um ein Titelthema des „Spiegel“ aus dem Jahr 1994, welches als Reaktion auf die Clingendael-Studie zu sehen ist und demzufolge ein düsteres Bild der Niederlande zeichnet. Nicht nur der Artikel, sondern auch die zum Artikel gehörenden Karikaturen machen hierbei eine umfassende wissenschaftliche Analyse des deutschen Niederlandebildes möglich. Zum anderen wird ein zweiter von der Forschung viel beachteter Artikel aus dem „Stern“ zum Vergleich herangezogen, der im Jahr 2008 ein wieder positiveres Bild der Niederlande zeichnete, dessen Tendenz bis in die Gegenwart anhält. Wiederum wird in diesem Schritt nicht nur der Artikel, sondern auch das zum Artikel gehörende Cover genauer betrachtet.

2. Das historische Niederlandebild der Deutschen

Schon der deutsche Philosoph Immanuel Kant konstatierte im 18. Jahrhundert, dass „der Holländer [...] von einer ordentlichen und emsigen Gemütsart“ ist und wenig Gespür für das hat, „was in feinerem Verstand schön oder erhaben ist“ (Lademacher 1989: 21).

Auch der deutsche Schriftsteller und Publizist Ernst Moritz Arndt schrieb, dass „wenn man mit dem Thüringer, Bayer, Schwaben von einem Holländer spricht [...], so macht er gar wunderliche Gebärden und noch wunderlichere Beschreibungen und Schilderungen von dem Volke, welche aber meistens nur eine Wahrheit der äußerlichen Erscheinung haben. Das Starre, Stumpfe, Steife, Kalte, jawohl das Unfröhliche und habsüchtige, kurz eine vollendete Pedanterei und Maniererei in Sitten, Weisen, Gebräuchen, Religion“. Diese Feststellungen berechtigten die Deutschen auch vollkommen dazu, „den Holländer als ein erstarrtes und verlebtes Ding über die Achseln anzusehen“ (ebd.: 43).

Der deutsche Schriftsteller Ludolf Wienbarg bewunderte die Niederlande im 19. Jahrhundert vor allem aufgrund ihrer großen Moral, durch die sie trotz vermeintlicher Unterlegenheit erfolgreich gegen die Großmacht Spanien oder die bedrohliche Nordsee bestehen konnten: „Ein Volk, das mit der größten europäischen Macht einen siegreichen Kampf durchkämpfte, einen noch größeren mit der Natur, mit Wasser, Erde und allen Elementen fortwährend auszukämpfen hat, kann nicht anders als moralisch sein; Moralität ist die geschichtliche Grundlage seiner Freiheit, ja die notwendige Bedingung seiner Existenz. Ihre Kanäle und Wasserbauten, ihre Häuser und Gärten, ihre Sauberkeit, Ökonomie, ihr vorsichtiges bedächtiges, ernstes und nüchternes Wesen sind nicht als sichtbare Zeichen, Beweise und Ausflüsse der nationalen Moralität. Grob aber nenne ich dieselbe, weil sie mit grobem Egoismus vermischt ist, weil Not und Bedürfnis ihre Erzeugerinnen, kalter Verstand ihre Triebfeder, Wuchergeist und Geldsucht ihre Begleiter, Argwohn, Missgunst und oft zu grausame Parteilichkeit ihre Folgen sind“ (ebd.: 13).

Der deutsche Geograf Georg Forster sammelte auf seinen zahlreichen Reisen im 18. Jahrhundert durch die Länder Europas ganz eigenwillige Erfahrungen mit den Niederlanden und den Niederländern: „Das Vertrauen in eigene Kräfte, die selbstzufriedene Behaglichkeit, gewinnt oft das Ansehen von kalter Unempfindlichkeit; die langsame bedächtige Gleichmütigkeit kann zuweilen in Trägheit und Amphibienzähigkeit ausarten: das entschiedene Wollen geht über in Starrsinn, und die nüchterne Sparsamkeit in Habsucht und Geiz. Solche Karikaturen drängen sich durch ihre eckigen Züge dem Gedächtnis am leichtesten auf, und darüber vergisst nicht selten der Beobachter die Tugenden anzumerken, aus denen sie entspringen.“[3]

Der Jurist Georg Friedrich Rebmann bemerkte Anfang des 19. Jahrhunderts, dass die Niederlande voll von kriminellen Deutschen seien, die ihr Glück im Nachbarland oder in den zahlreichen niederländischen Überseegebieten suchen wollten: „Die Holländer haben von jeher Glück gehabt, dass alle deutschen Auswürflinge sich hier anhäufen, teils in Ostindien ihr Glück zu suchen, teils um sich vom Statthalter zur Unterdrückung der Bürger als Höflinge und Soldaten brauchen zu lassen. Von jeher war der Deutsche Allen und zu Allem feil, und sie können sicher darauf rechnen, daß zwei Drittheile unserer Landsleute, die sich in Holland aufhalten, Kuppler, falsche Spieler, Spione, kurz Menschen sind, die gebranntmarkt zu werden verdienen. Ihr Zweck ist, Geld zu sammeln, und sie lassen sich, um dieses zu verdienen, zu den niedrigsten, schmutzigsten Kunstgriffen herab.“[4]

Vom ehemaligen deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck sind sogar politische Äußerungen überliefert: „Die Niederländer sind keine Deutschen; sie haben eine eigene Sprache, eine eigene Geschichte und eine ruhmreiche Vergangenheit, die volle Anerkennung verdient. Wir wollen mit dem Lande auf einer breiten freundschaftlichen Basis verkehren, und wenn sich das Land in der Eisenbahn- und Fischereifrage etwas nachgiebiger zeigen würde, wären die größten Hindernisse aus dem Wege geräumt und stände nichts mehr den herzlichsten, aufrechten und treuen Freundschaftsbanden entgegen“ (Lademacher 1989: 69).

3. Die Clingendael-Studie 1993

Im März 1993 veröffentlichte das niederländische Institut Clingendael die erschütternden Ergebnisse einer Umfrage über das Bild Deutschlands und der Deutschen unter niederländischen Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19. Dieses fiel im Vergleich zu anderen EU-Ländern sehr negativ aus. Während 56% der Studienteilnehmer eine negative Einstellung zu Deutschland hatte, hatten nur 15% eine positive (vgl. Jansen 1993: 47).[5] Zu keinem weiteren Land der Europäischen Union hatten niederländische Jugendliche eine klarere Einstellung als zu ihrem großen Nachbarn Deutschland. Ein Grund dafür könnte der Zweite Weltkrieg sein, mit dem Deutschland beinahe fünfzig Jahre nach Kriegsende noch immer assoziiert wurde. Weiter spielten die damaligen Gewalttaten gegen Ausländer in Deutschland eine große Rolle bei der negativen Bildformung. Obwohl die Probanden eine sehr gefestigte Meinung über Deutschland hatten, bleibt festzuhalten, dass der größte Teil von ihnen nur sehr begrenztes objektives Wissen über Deutschland hatte. Bei der Studie fiel vor allem auf, dass nur wenige Jugendliche die Größe der deutschen Bevölkerung nennen konnten, während überdurchschnittlich viele hingegen den Namen des damaligen deutschen Kanzlers Helmut Kohl kannten. Das Interesse an Deutschland war nicht geringer als am anderen Nachbarstaat Belgien, jedoch viel geringer als an von der objektiven Größe her vergleichbare Staaten wie Großbritannien und insbesondere Frankreich (vgl. Jansen 1995: 180f.).

Aus der Studie wurde deutlich, dass die Einstellung der niederländischen Jugendlichen stark mit dem direkten Kontakt zusammenhing, den sie zu Deutschland oder den Deutschen pflegten. Logisch erscheint dabei, dass sowohl Jugendliche mit deutschen Verwandten oder Freunden als auch Jugendliche, die sich etwa im Urlaub oft in Deutschland aufhielten, eine deutlich positivere Einstellung hatten als der Rest der Studienteilnehmer. Interessant war auch die Tatsache, dass Jungen allgemein etwas mehr von Deutschland hielten als Mädchen. Ein Zusammenhang bestand auch zwischen der Ausbildung und der Einschätzung der Jugendlichen. Je höher das Ausbildungsniveau war, desto größer war auch die Kategorie ohne sehr positive oder sehr negative Einstellungen. Zudem standen Jugendliche, die in der deutschen Grenzregion wohnten, ihrem Nachbarland und dessen Bevölkerung etwas positiver gegenüber als die anderen Jugendlichen.

Eine überwältigende Mehrheit der niederländischen Jugendlichen sah die Deutschen als dominierend (71%) und arrogant (60%) an. Weiter betrachteten 46% der Jugendlichen Deutschland als kriegstreiberisch und als ein Land, welches die Welt beherrschen wolle (47%). Nur 19% beurteilten Deutschland hingegen als ein friedliebendes Land (vgl. ebd.: 196ff.).

Bei der Interpretation der Studie muss trotz der sehr eindeutigen Ergebnisse dennoch Vorsicht geboten sein. Zu berücksichtigen ist etwa, dass Jugendliche in ihren Urteilen weitaus eindeutiger sind als Erwachsene. Weiter standen sie im Jahr 1993 unter dem starken Eindruck der Anschlagsserie auf Flüchtlingswohnheime in Rostock, Mölln oder Hünxe, über welche auch in den niederländischen Medien sehr ausgiebig berichtet wurde. Auch die deutsche Wiedervereinigung und die Übernahme des nationalen Techniksymbols Fokker durch die DASA bereitete einigen Jugendlichen Sorge. Dies alles trug also dazu bei, dass das Deutschlandbild der jugendlichen Niederländer Anfang der 90er-Jahre ein sehr schlechtes war.[6]

Es gibt noch weitere Erklärungen für dieses deutliche Ergebnis. Das Interview basierte primär auf geschlossenen Fragen und Antworten, was bedeutete, dass die Antwortmöglichkeiten vorgegeben waren. Auch die Ergebnisse zu den anderen Ländern waren sehr stereotypisch. Eine vergleichbare Studie in Deutschland hätte vermutlich ebensolche stereotypischen Ergebnisse hervorgebracht. Weiter sind Überzeugungen oder „beliefs“ emotional verankert und stärker als Fakten an Personen gebunden. Das bedeutet, dass es psychologisch gesehen kein Widerspruch ist, wenn ein Land positiver bewertet wird als seine Einwohner. Diese „beliefs“ basieren vor allem auf den familiären Situationen und den Medien und weiter auch auf Darstellungen in Lehrbüchern. Die Allgegenwärtigkeit der deutschen Besatzungszeit in der niederländischen Öffentlichkeit, ob durch Erzählungen von Zeitzeugen, Gedenktage, Medienberichte oder Spielfilme und Serien zum Ausdruck gebracht, erzeugt und nährt ein negatives Bild über Deutschland und die Deutschen. Es gibt evolutionsgeschichtlich gesehen einen ausgeprägten Hang dazu, in Kategorien zu denken, da diese Denkweise die eigene Vorstellung der Welt erleichtert. Die kognitive Absicherung dieser Kategorien erfolgt dadurch, dass alles ausgeblendet wird, was nicht in das eigene Schema passt. Darum ist die menschliche Wahrnehmung stets eine selektive.[7]

Der niederländische Historiker Friso Wielenga vermutet, dass die Clingendael-Studie eine reinigende Wirkung unter Niederländern hervorgebracht habe. Vor allem in linken Kreisen in der Niederlande habe es zum guten Ton gehört, sich negativ über Deutschland zu äußern. Nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der Studie hätten sich die Linken die Frage gestellt, inwiefern sie selbst am Deutschlandbild der Jugendlichen Schuld trügen. Wielengas Einschätzung nach sei man sich damals bewusst geworden, dass das Bild der Niederländer nicht mit der Wirklichkeit Deutschlands übereinstimmte.[8]

[...]


[1] vgl. Haus der Niederlande. Deutsch-niederländische Beziehungen: „Exkurs: Vorurteile einmal anders herum - Wie manche Deutsche früher und heute über die Niederländer dachten und denken“, online unter https://www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/Zentrum/Projekte/Schulprojekt/Lernen/Beziehungen/20/40.html, eingesehen am 26.10.2016.

[2] Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Niederlandenet. „Das Deutschland/Niederlandebild. I. Einführung“, online unter http://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nl-wissen/kultur/vertiefung/dnlbild/, eingesehen am 26.10.2016.

[3] Haus der Niederlande. Deutsch-niederländische Beziehungen: „Exkurs: Vorurteile einmal anders herum - Wie manche Deutsche früher und heute über die Niederländer dachten und denken“, online unter https://www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/Zentrum/Projekte/Schulprojekt/Lernen/Beziehungen/20/40.html, eingesehen am 26.10.2016.

[4] ebd.

[5] Deutschland erschien in dieser Studie als das demokratischste und fortschrittlichste Land nach den Niederlanden. In der niederländischen Berichterstattung über die negativen Ergebnisse der Clingendael-Studie ging dieses positive Ergebnis vollkommen unter, obwohl es zur Relativierung des eigenen Images hätte führen müssen. vgl. dazu Linthout, Dik (2012): 24-30.

[6] Westfälische Wilhelms-Universität Münster. Niederlandenet. „Das Deutschland/Niederlandebild. VI. Wiedervereinigung Deutschlands und die „Krise“ in den Beziehungen 1992/1993“, online unter http://www.uni-muenster.de/NiederlandeNet/nl-wissen/kultur/vertiefung/dnlbild/, eingesehen am 26.10.2016.

[7] Haus der Niederlande. Deutsch-niederländische Beziehungen: „Clingendael-Studie“, online unter https://www.uni-muenster.de/HausDerNiederlande/Zentrum/Projekte/Schulprojekt/Lernen/Beziehungen/20/40.html, eingesehen am 26.10.2016.

[8] vgl. Bronkhorst 1999: Calimero-effect in Duits-Nederlandse betrekkingen belangrijker dan oorlog, online unter http://www.ublad.uu.nl/WebObjects/UOL.woa/1/wa/Ublad/archief?id=1013069, eingesehen am 26.10.2016.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Bild der Niederlande in den deutschen Medien. Klompen und Königshaus
Hochschule
Radboud Universiteit Nijmegen
Note
1,7
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V353773
ISBN (eBook)
9783668398788
ISBN (Buch)
9783668398795
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, niederlande, medien, klompen, köningshaus
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Das Bild der Niederlande in den deutschen Medien. Klompen und Königshaus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353773

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