Schon Sigmund Freud bezeichnete den Lehrerberuf als eines „jener unmöglichen Berufe, in denen man des ungenügenden Erfolgs von vornherein sicher sein kann“. Die Aussage über den Lehrerberuf scheint in der heutigen Zeit mehr denn je zu gelten. Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich bis an ihre Grenzen belastet: Unterrichtsstörungen, Zeitstress, schwierige Schülerinnen und Schüler, nörgelnde Eltern oder Ärger über Bürokratie und Schulverwaltung. All diese Aspekte zählen zu den vielen Belastungsfaktoren, mit denen heutige Lehrerinnen und Lehrer tagtäglich zu kämpfen haben. Auch der Stern gab dem Lehrerberuf den Titel als „Höllenjob auf Lebenszeit“.
Doch was macht den Lehrerberuf eigentlich so „unmöglich“? Ist tatsächlich der Beruf an sich nicht realisierbar oder sind es eher die gestellten Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer, die den Beruf unmöglich machen? Genau diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Hierfür folgt zunächst ein Überblick über die Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer im Wandel der Zeit. Im nächsten Schritt werden die aktuellen Anforderungen an Lehrpersonen erläutert. Eingegangen wird dabei auf Ansprüche von Schülerinnen und Schülern, der Unterrichtsforschung und der Politik.
Außerdem beschäftigt sich die Arbeit mit Belastungen und Beanspruchungen, denen Lehrerinnen und Lehrer ausgesetzt sind. Auch Möglichkeiten der Bewältigung von alltäglichen Belastungen werden thematisiert. Nachdem dann das Verhältnis zwischen dem Sollen, dem Wollen und dem Können von Lehrerinnen und Lehrern erörtert wird, kommt es dann im letzten Schritt zu einem abschließenden Fazit dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anforderungen im Wandel der Zeit
2.1. Heutige Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer
2.1.1. Aus der Sicht von Schülerinnen und Schülern
2.1.2. Aus der Sicht der Unterrichtsforschung
2.1.3. Aus der Sicht der Politik
3. Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf
3.1. Bewältigung von alltäglichen Belastungen
3.1.1. Die Balance zwischen Sollen, Wollen und Können
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, inwieweit die an Lehrerinnen und Lehrer gestellten Anforderungen in der heutigen Zeit realisierbar sind, und analysiert dabei das Spannungsfeld zwischen idealisierten Erwartungen und der beruflichen Realität unter Berücksichtigung von Belastungsfaktoren.
- Historischer Wandel der Anforderungen an das Lehrerbild
- Perspektiven auf den Lehrerberuf: Schüler, Unterrichtsforschung und Politik
- Psychische und physische Belastungsfaktoren im Schulalltag
- Bewältigungsstrategien und die Balance zwischen Sollen, Wollen und Können
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Aus der Sicht der Unterrichtsforschung
Der Unterricht stellt eines der wichtigsten Quellen für Leitbilder des Lehrerberufs dar. So wird ein guter Lehrer auch mit einem guten Unterricht in Verbindung gebracht. Es ist die Unterrichtsforschung, die sich damit beschäftigt, wie Lehrerinnen und Lehrer „ihr Handeln [im Unterricht] gestalten sollen“20. Dabei fasst die Unterrichtsforschung das Handeln von Lehrerinnen und Lehrern als ein Prozess auf, der ein Produkt, nämlich die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler, erzeugt. Dieser Ansatz der Unterrichtsforschung, das sogenannte „Prozess-Produkt-Paradigma“21, bringt eine Menge an Erkenntnissen hervor, die sich zu Empfehlungen an einen guten Lehrer verdichten lassen.
So fasste beispielsweise der Erziehungspsychologe Jere Brophy im Jahr 2000 eine Liste mit „principles of effective teaching“22 zusammen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden im Folgenden einige der Prinzipien dargelegt: Aufgaben- und Lernorientierung der Schülerinnen und Schüler, ein unterstützendes Klassenklima, kriterienorientierte Beurteilung, angemessene Leistungserwartung, ideenreiche Unterrichtsgespräche, stoffbezogene Lerngelegenheiten, Unterstützung der Lernaktivitäten der Schülerinnen und Schüler, Vermittlung von Strategien des Lernens und der Selbstregulation.23 Auch von anderen Autoren der Unterrichtsforschung liegen ähnliche Listen über Prinzipien des guten Lehrens vor.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Lehrerberufs ein, thematisiert das Bild des „unmöglichen Berufs“ und umreißt die Fragestellung sowie den Aufbau der Untersuchung.
2. Anforderungen im Wandel der Zeit: Hier wird der historische Wandel des Lehrerbildes von den 50er Jahren bis heute nachgezeichnet und die veränderten Ansprüche verschiedener Bezugsgruppen beleuchtet.
3. Belastungen und Beanspruchungen im Lehrerberuf: Dieses Kapitel analysiert die zunehmenden beruflichen Belastungen, die gesundheitlichen Folgen und diskutiert Möglichkeiten zur Bewältigung des Arbeitsalltags.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer realistischen Reflexion eigener Berufsziele, um die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Lehrerberuf zu sichern.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, Lehrerbildung, Unterrichtsforschung, Lehrerbelastung, Burnout, Unterrichtsqualität, Lehrerpersönlichkeit, Selbstmanagement, Sollen-Wollen-Können, Lehrergesundheit, Berufsanforderungen, Schulentwicklung, Lehrer-Schüler-Beziehung, pädagogische Kompetenz, Bildungsanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Anforderungen an den Lehrerberuf und der Frage, ob diese in der heutigen Zeit von Lehrkräften realistisch umgesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen zählen der historische Wandel des Lehrerbildes, die Erwartungshaltungen von Politik und Forschung sowie die psychischen und physischen Belastungen des Lehrerberufs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu erörtern, ob die hohen Anforderungen an Lehrkräfte den Beruf „unmöglich“ machen oder ob durch Selbstreflexion und richtiges Management ein realisierbarer Mittelweg gefunden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit existierender Literatur, pädagogischen Leitbildern und aktuellen Studien zur Lehrergesundheit.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Anforderungen aus verschiedenen Perspektiven (Schüler, Forschung, Politik) analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der Belastungsfaktoren und Strategien zur Bewältigung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Lehrerbelastung, Unterrichtsqualität, Rollenerwartungen und die Balance zwischen Sollen, Wollen und Können definiert.
Warum sind die von der Forschung aufgestellten „Standards“ problematisch?
Die Autorin argumentiert, dass diese Standards oft auf schwacher empirischer Basis stehen und eine Willkürlichkeit aufweisen, die Lehrkräfte überfordern kann, da sie idealistische Supermenschen-Anforderungen stellen.
Welche Rolle spielt die „Balance zwischen Sollen, Wollen und Können“ für die Lehrergesundheit?
Das Ungleichgewicht, bei dem das externe Sollen die persönlichen Ressourcen (Können) übersteigt, wird als Hauptursache für Selbstüberforderung, Angst und letztlich Burnout identifiziert.
Inwiefern beeinflussen Schüler das Lehrerleitbild?
Schüler gelten als wichtigste Bezugsgruppe; ihre Erwartungen an fachliche Kompetenz, eine gute Beziehung zum Lehrer und soziale Unterstützung formen maßgeblich die alltägliche Unterrichtspraxis.
- Quote paper
- Thuy Linh Ly (Author), 2014, Anforderungen an den Lehrerberuf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353790