Der vorliegende Praktikumsbericht wurde im Rahmen der forschungsbezogenen Schulpraktischen Studien im Lehramtsstudium erstellt. Mithilfe von Beobachtungsprotokollen aus einem fünfwöchigen Praktikum an einer Schule wurde diese Studie zum Thema Verbaler und Nonverbaler Kommunikation erstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Schule
1.1. Informationen zur Schule
1.2. Einbettung in das soziale Umfeld
1.2.1. Über die Sprache
1.3. Pädagogische Konzeption
1.4. Das Schulprofil
1.5. Institutionelle und informelle Kooperationsformen
2. Reflexion meiner eigenen Situation
2.1. Schwierigkeiten, Anforderungen und Ängste
2.1.1. Meine Rolle als Praktikantin
2.1.2. Das Problem mit Wahrnehmungsgewohnheiten
2.2. Fazit
3. Mein Unterrichtsversuch
3.1. Tabellarischer Ablaufplan
3.2. Didaktische Analyse
3.3. Reflexion der Stunde
4. Analyse
4.1. Einführung
4.2. Analyse des ersten Protokolls
4.3. Analyse des zweiten Protokolls
4.4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Lehrkräfte durch bewusste verbale und nonverbale Kommunikation das Verhalten von Schülerinnen und Schülern sowie das Unterrichtsklima maßgeblich beeinflussen können.
- Wirkung nonverbaler Signale (z. B. Blickkontakt, Körperhaltung)
- Rolle des Unterrichtsklimas für den Lernerfolg
- Einfluss von Lehrerpersönlichkeit und -verhalten auf Schülerbeteiligung
- Selbstreflexion der Praktikantin im Kontext schulpraktischer Erfahrungen
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Das Problem mit Wahrnehmungsgewohnheiten
Wie bereits beschrieben, fühlte ich mich auf „der anderen Seite“ grundsätzlich wohl. Allerdings gab es eine Unterrichtsstunde, in der dies nicht zutraf. Es handelt sich dabei um die beschriebene Unterrichtsstunde in Protokoll 1. Eine Stunde, die mich sowohl nachdenklich machte als auch emotional mitnahm. Obwohl ich vorne saß und eine Beobachtungsrolle einnahm, fühlte ich mich in jener Stunde tatsächlich eher als eine Schülerin. Aufgrund des für mich autoritären, Angst einflößenden Auftretens des Lehrers und der leblosen Atmosphäre in der Klasse, empfand ich die Stunde als ausgesprochen unangenehm und wollte diese am liebsten so schnell wie möglich verlassen. Unmittelbar nach der Stunde stand für mich nur in Frage, wie solch ein Mensch Lehrer werden konnte. Für die Schüler_innen empfand ich Mitleid und für das Mädchen, das sich für das Vortragen der Hausaufgaben nach Vorne begeben musste, ganz besonders. Meine Eindrücke von diesem Lehrer und seiner Unterrichtsgestaltung waren ausschließlich negativ geprägt.
Diese negativ geprägten Erfahrungen und Eindrücke möchte ich allerdings nicht so stehen lassen. Ich möchte hinterfragen und reflektieren, wieso mich vor allem diese Stunde so mitgenommen hat. War ich vom Lehrer und der Stunde möglicherweise betroffener als die Schüler_innen selbst?
Heike de Boer beschreibt, dass die in menschlichen Interaktionen entstehenden Interpretationen und Deutungen, stets gewissen Annahmen und Konzepten zugrunde liegen (vgl. de Boer 2012, 215). Dabei handelt es sich um sogenannte „automatisierte Bewertungen“ (ebd.), mit denen der oder die Beobachter_in bestimmte Situationen in bekannte Schemata oder Kategorien einordnet (vgl. Bromme, 1992). Dies gebe dem oder der Beobachter_in auf der einen Seite zwar Sicherheit (vgl. de Boer 2012, 215), weil zunächst ein logisches Bild vorliegt. Doch auf der anderen Seite verhindern diese „Wahrnehmungsgewohnheiten und subjektive[n] Theorien“ (ebd., 216) gewaltig den Beobachtungsprozess, weil sie tatsächliches Verstehen und unvoreingenommenes Beobachten der Situation verhindern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Schule: Vorstellung der Praktikumsschule unter Berücksichtigung des sozialen Umfelds, der pädagogischen Konzeption und des Schulprofils.
2. Reflexion meiner eigenen Situation: Reflexion über die eigene Rolle als Praktikantin, aufgetretene Ängste sowie die Auseinandersetzung mit eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten.
3. Mein Unterrichtsversuch: Dokumentation und Analyse der selbst gehaltenen Unterrichtsstunde im Fach Ethik.
4. Analyse: Empirische Untersuchung der Interaktionen in zwei verschiedenen Unterrichtssituationen hinsichtlich verbaler und nonverbaler Kommunikationssignale.
Schlüsselwörter
Praktikumsbericht, Lehrer-Schüler-Interaktion, nonverbale Kommunikation, Unterrichtsklima, Selbstreflexion, Wahrnehmungsgewohnheiten, Unterrichtsqualität, Schulpraktische Studien, Lehrerpersönlichkeit, Unterrichtsgestaltung, Körpersprache, Erziehung, Soziale Ungleichheit, Pädagogik, Feedback.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die Erfahrungen einer Praktikantin während ihrer Schulpraktischen Studien und analysiert, wie verbale und nonverbale Kommunikation das Verhalten von Schülern sowie das Unterrichtsklima beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wirkung von Lehrerkommunikation, die Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit, die Analyse von Unterrichtsqualität sowie die Rolle der Selbstreflexion in der Lehrerbildung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Lehrkräften auf das Schülerverhalten zu untersuchen und zu ergründen, ob eine bewusste Gestaltung der Kommunikation als "Geheimrezept" für erfolgreichen Unterricht dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Analyse von Beobachtungsprotokollen aus zwei verschiedenen Unterrichtssituationen durchgeführt, um Korrelationen zwischen Lehrerverhalten und Schülerreaktionen aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Kontextualisierung der Schule, die Reflexion der Praktikantenrolle, die methodische Planung eines eigenen Unterrichtsversuchs sowie eine detaillierte Analyse zweier Unterrichtsbeobachtungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kommunikation, Unterrichtsklima, Reflexion, Interaktion und Lehrerverhalten geprägt.
Inwiefern beeinflussen Wahrnehmungsgewohnheiten die Beobachtung des Praktikums?
Die Autorin stellt fest, dass subjektive Theorien und frühere Erfahrungen (automatisierte Bewertungen) den Beobachtungsprozess verzerren können, was durch das Beispiel einer als autoritär empfundenen Lehrkraft verdeutlicht wird.
Wie unterscheidet sich die Lehrerpersönlichkeit in den analysierten Protokollen?
Protokoll 1 zeigt einen autoritären Lehrer mit distanzierter Kommunikation, während Protokoll 2 einen Lehrer beschreibt, der durch Empathie, Humor und eine vertrauensvolle Basis ein deutlich lernförderlicheres Klima schafft.
- Citation du texte
- Thuy Linh Ly (Auteur), 2014, Inwiefern können Lehrer_innen auf verbaler und körpersprachlicher Ebene Einfluss auf das Verhalten von Schüler_innen nehmen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353791