Kontrastive Phraseologie. Übersetzung von deutschen Spielanleitungen ins Französische und Spanische


Hausarbeit, 2016
32 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale von Phraseologismen
2.1 Polylexikalität
2.2 Festigkeit
2.3 Idiomatizität
2.3.1 Vollidiomatische Phraseologismen
2.3.2 Teilidiomatische Phraseologismen
2.3.3 Nicht-idiomatische Phraseologismen

3. Klassifikation von Phraseologismen nach Harald Burger
3.1 Referentielle Phraseologismen
3.2 Strukturelle Phraseologismen
3.3 Kommunikative Phraseologismen
3.4 Syntaktische Phraseologismen

4. Übersetzung von Phraseologismen
4.1 Kulturgebundenheit und Äquivalenzbeziehung
4.2 Äquivalenztypologie
4.2.1 Voll-/ Totaläquivalenz
4.2.2 Partielle Äquivalenz
4.2.3 Nulläquivalenz
4.2.4 Scheinäquivalenz

5. Übersetzungsvergleich von Spielanleitungen
5.1 Vergleichsaspekt 1: Idiomatizität
5.2 Vergleichsaspekt 2: Klassifikation nach Burger
5.3 Vergleichsaspekt 3: Syntaktische Klassifikation
5.4 Vergleichsaspekt 4: Äquivalenzrelation zur Quellsprache

6. Fazit

7. Bibliographie

1. Einleitung

Ausdrücke wie auf der Hut sein, grün und blau ärgern, jdm. auf`s Glatteis führen etc. sind häufig in der Textsorte der Spielanleitungen enthalten und werden in der Regel sofort vom Rezipienten identifiziert und ebenfalls unbewusst in Alltagssituationen verwendet. Diese Art der festen Wortverbindungen sind in der Linguistik auch unter dem Terminus Phraseologismus bekannt.

Bei der Phraseologie handelt es sich um eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die erst verhältnismäßig spät, seit den 90er Jahren, zunehmende Aufmerksamkeit erhielt. Die Germanistin Gertrud Gréciano spricht diesbezüglich von einer “überraschenden Verspätung im Bereich der Romanistik“ (Gréciano nach Zurdo 2007: 703). Dies gilt sowohl für die spanische als auch die französische Phraseologieforschung, denn auch hier wird von einer Ämarginalization oft the frozenness phenomen“ (vgl. Mejri 2007: 682) gesprochen, wenn es um die linguistische Teildisziplin Phraseologie geht.

Die vorliegende Arbeit legt ihren Schwerpunkt auf die kontrastive Analyse von Phraseologismen der deutschen Sprache als Ausgangssprache und des Französischen sowie des Spanischen als Zielsprachen. Das bedeutet, dass ein interlingualer Vergleich nach spezifischen Kriterien vollzogen wird. Hierbei wird sich in der Arbeit auf die Vergleichsaspekte der Idiomatizität, der möglichen Klassifizierung nach Burger, der syntaktischen Funktion sowie der Äquivalenzrelationen bei der Übersetzung beschränkt. Dieser Vergleich erfasst sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der Phraseologie in der deutschen, französischen und spanischen Sprache.

Besondere Relevanz stellt der kontrastive Vergleich in Bezug auf die Übersetzungsproblematik dar, da Phraseologismen die Übersetzer oft vor Schwierigkeiten stellen. Da dieses sprachliche Phänomen in allen Textsorten, vom literarischen bis zum wissenschaftlichen Text, vorzufinden ist, scheint es besonders wichtig für diese Thematik zu sensibilisieren, Probleme zu identifizieren, aber auch Lösungsstrategien vorzustellen. In der vorliegenden Arbeit wird die Textsorte der Spielanleitungen als Untersuchungskorpus verwendet. Dieser besteht aus sechs Spielanleitungen (Saboteur, La Cucaracha Loop, Wunderland, Lobo77, Mogel Motte, Meisterdiebe), die jeweils in deutscher Sprache und ihrer entsprechenden Übersetzung vorliegen.

Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden welche Phraseologismen auftreten und in welcher Art und Weise diese in die Zielsprachen übersetzt werden. Gleichzeitig soll für die Übersetzungsproblematik dieses sprachlichen Phänomens sensibilisiert werden.

2. Merkmale von Phraseologismen

Die Phraseologie kann als Teilgebiet der Sprachwissenschaft zugeordnet werden und beschäftigt sich entweder mit der Erforschung von Phraseologismen oder kann auch die Gesamtheit der phraseologischen Erscheinungen in bestimmten Einzelsprachen umfassen (vgl. Fleischer 1982: 9). In der Literatur ist die Bezeichnung für phraseologische Erscheinungen breit diskutiert. In der vorliegenden Arbeit werden die Termini Phraseologismus und phraseologische Wortverbindung im Sinne Burgers (vgl. 2003) synonym verwendet. Burger definiert das Lexem Phraseologismus wie folgt:

Phraseologisch ist eine Verbindung von zwei oder mehr Wörtern dann, wenn die Wörter eine durch die syntaktischen und semantischen Regularitäten der Verknüpfung nicht voll erklärbare Einheit bilden, und wenn die Wortverbindung in der Sprachgemeinschaft, ähnlich wie ein Lexem gebräuchlich ist. (Vgl. Burger nach Hemmi 1994: 39)

Aus der Definition lässt sich bereits schließen, dass Phraseologismen als feste Wortverbindungen verstanden werden, die mit semantischen Veränderungen einhergehen, die sich unter anderem durch die zentralen Merkmale der Polylexikalität, der Festigkeit/ Stabilität sowie der Idiomatizität äußern (vgl. Hemmi 1994: 40). Im Folgenden sollen die genannten Merkmale detailliert beschrieben und zugleich auf den Untersuchungsgegenstand der Spielanleitungen übertragen werden.

2.1 Polylexikalität

Das Kriterium der Mehrgliedrigkeit besagt, dass ein phraseologischer Ausdruck mehrere Wörter umfasst. Laut Burger (vgl. 2003: 15-16) ist die obere Grenze nicht auf lexikalischer, sondern auf syntaktischer Ebene definiert. Als maximale Ausdehnung wird der Satz angesehen, als minimale Ausdehnung mindestens zwei Lexeme. Entscheidend ist, dass die phraseologischen Wortverbindungen zum Sprachebesitz einer Gruppe bzw. einer gesamten Generation gehören. Es besteht jedoch Uneinigkeit darüber, ob es sich um Autosemantika1 und/ oder Synsemantika2 handeln muss. Da es laut Burger keine plausiblen Kriterien für die eine oder andere Entscheidung gibt, nimmt er keine Präzisierungen vor und zählt aus diesem Grund jede feste Verbindung von zwei Wörtern zu den Phraseologismen . Auch in der kontrastiven Analyse wird diese Herangehensweise Anwendung finden.

2.2 Festigkeit

Das Merkmal der Festigkeit impliziert ebenfalls die Reproduzierbarkeit der phraseologischen Äußerungen. Diese müssen in einem synchronischen Sprachquerschnitt bekannt und gebräuchlich sein, sodass sie dem Menschen kognitiv, ähnlich wie bei Lexemen, zur Verfügung stehen. Dabei ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass sich die Gebräuchlichkeit sowohl auf eine Sprachgemeinschaft sowie auf einen bestimmten soziolektalen oder arealen Bereich beziehen kann (vgl. Burger 2003: 16). Bezugnehmend auf das Kriterium der Festigkeit lassen sich drei Ebenen der Betrachtung unterscheiden.

Die erste Ebene beschreibt die psycholinguistische Festigkeit, bei der der Phraseologismus, genauso wie Lexeme, kognitiv als eine Einheit gespeichert, abgerufen sowie reproduziert werden können (vgl. Burger 2003: 17-18).

An zweiter Stelle nennt Burger (vgl. 2003: 20-21) die strukturelle Festigkeit, welche auf die sprachliche Ebene Bezug nimmt. Um dieses Kriterium verständlicher zu machen, soll an dieser Stelle eine Gegenüberstellung der Phraseologismen und freien Wortverbindungen dienen. Diese sind durch morphosyntaktische und semantische Regeln eingeschränkt, das bedeutet, dass deren Verletzung zu ungewöhnlichen oder gar sinnfreien Äußerungen führen würde. Phraseologismen weisen oft Irregularität sowie Restriktionen auf, die über normale Regularien hinausgehen. Mögliche Diskrepanzen, auch Anomalien genannt, können ebenfalls ein Symptom für Idiomatizität des Phraseologismus sein. Beispielhaft soll zur Veranschaulichung die Irregularität der Valenz im Sinne Burgers dienen. Unter Betrachtung eines Auszuges der Spielanleitung des Spiels “Mogel Motte“ kann dies illustriert werden:

deutsch: Du musst versuchen deinen Gegner hinters Licht zu führen. ➔jdm. hinters Licht führen (‘jdm. täuschen‘)

französisch: Tu dois tenter d´induire en erreur à ton adversaire. ➔induire en erreur à qn (dt. ‘jdm. in die Irre führen‘) spanisch: Tienes que intentar tender una trampa a tu adversario. ➔tender una trampa a alguien (dt. ‘jdm. eine Falle stelle‘)

Die Valenz der Verben im Sinne Burgers besitzt obligatorische sowie fakultative Leerstellen, die mit beliebigen Lexemen der jeweiligen Wortart aufgefüllt werden können. Die zitierten Phraseologismen haben in diesem Fall eine obligatorische Leerstelle (z.B: dt. jemand, frz. quelqu´un, span. alguien), die durch Substantive mit dem Merkmal ‘menschlich‘ beliebig aufgefüllt werden k|nnen. Diese Leerstellen werden als externe Valenz des Phraseologismus bezeichnet. Der lexikalisch feste Teil hingegen besitzt eine interne Valenz (z.B. dt. hinters Licht führen, frz. induire en erreur, span. tender una trampa), die zum Beispiel von den Verben abhängig ist.

Ein weiteres Merkmal der Irregularität stellen die Restriktionen dar. Auch hierbei kann zwischen morphosyntaktischen und lexikalischen Restriktionen unterschieden werden:

- Morphosyntaktische Restriktion:

Schummeln, das ist falsches Spiel! (‘unfair sein‘/ ‘nicht aufrichtig sein‘)

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass durch morphologische/ syntaktische Operationen, wie die Versetzung des Adjektivs in prädikativer Position: das Spiel ist falsch, die phraseologische Bedeutung verlorengehen würde.

- Lexikalisch-semantische Restriktion:

Du hast die Karten in der Hand. (‘Es liegt an dir.‘)

Die scheinbare Beschränkung liegt hierbei an einer relativ festen lexikalischen Besetzung, die nicht einfach durch ähnliche oder synonyme Lexeme ausgetauscht werden kann, ohne die phraseologische Bedeutung zu verlieren, wie dies zum Beispiel für: Du hast die Karten in der Faust. oder Du hast die Spielsteine in der Hand. der Fall wäre. Die strukturelle sowie lexikalische Festigkeit von Phraseologismen lässt sich vor allem durch Variationen3 und Modifikationen4 relativieren.

Die dritte Ebene umfasst die pragmatische Festigkeit (vgl. Burger 2003: 29) und bezieht sich demnach auf die Verwendung von Phraseologismen in spezifischen Kommunikationssituationen. In Bezug auf die Analyse von Spielleitungen erscheinen insbesondere die Klasse der Glückwunsch- und Mitleidsformeln, die im Kontext einer Spielsituation verankert sind, eine große Rolle. Als Beispiel soll im Folgenden ein Ausschnitt aus der Spielanleitung des Spiels “Wunderland“ illustriert werden:

deutsch: Ist ein Kartenfeld bereits leer, hast du Pech gehabt. ➔Pech gehabt.

französisch: Si un champ de carte est déjà vide, tant pis pour toi. ➔Tant pis.

spanisch: Si la casilla para tarjetas ya está vacía, has tenido mala suerte. ➔Mala suerte.

Die verschiedenen Arten der Restriktion zeigen auf, dass es innerhalb von Phraseologismen sehr stabile sowie weniger stabile Ausdrücke gibt, die trotz Variationen und Modifikationen nicht den Status als linguistische Einheit verlieren. Aus diesem Grund sollte eher von einer relativen Festigkeit gesprochen werden.

2.3 Idiomatizität

Das dritte entscheidende Merkmal umfasst laut Burger (2003: 31) die strukturellen Anomalien, die sich durch den Aspekt der Festigkeit und vor allem durch den semantischen Aspekt auszeichnen. Die Verwendung des Terminus semantische Idiomatizität beruht auf dem Vorhandensein unterschiedlicher Relationen zwischen der freien und phraseologischen Bedeutung der Komponenten. Sobald eine Diskrepanz zwischen diesen zwei Bedeutungen vorliegt, ist der Ausdruck im semantischen Sinne idiomatisch (vgl. Fleischer 1997: 30). Je stärker die Diskrepanz zwischen der wörtlichen und phraseologischen Wortverbindung erscheint, umso stärker idiomatisch ist auch der Ausdruck (vgl. Burger 2003: 31).

Die semantische Idiomatizität ist eine graduelle Eigenschaft, die von den verschiedenen Perspektiven der Betrachtung abhängig ist. Die in der Literatur am häufigsten gebräuchlichen Betrachtungsweisen, sind sie psycholinguistische sowie die strukturelle Perspektive. Im Folgenden sollen drei Arten der Gradualität beispielhaft in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand der Spielanleitungen vorgestellt werden.

2.3.1 Vollidiomatische Phraseologismen

Wird von einem vollidiomatischen Phraseologismus gesprochen, so besteht im Sprachsystem keine Relation zwischen der phraseologischen und der freien Bedeutung eines Ausdrucks (vgl. Burger 2003: 31). Als Beispiel dient ein Auszug aus der Spielanleitung des Spiels “Wunderland“.

deutsch: Mehr als 1 Million Besucher tauchen jährlich in diese Welt aus Träumen ein.

➔in eine Welt eintauchen (‘besuchen‘)

französisch: Plus d´un million de visiteurs plonge chaque année dans ce monde fait de rêves. ➔plonger dans un monde

spanisch: Más de un millión de visitantes se acercan cada año a este mundo de ensueño. ➔acercarse a este mundo (kein vollidiomatischer Phraseologismus)

Das Beispiel illustriert deutlich, dass unter Beherrschung von syntaktischen und semantischen Regeln der jeweiligen Zielsprache, die freie Bedeutung problemlos hergeleitet werden kann, aber es gibt keine semantische Regel, die es erlauben würde, die phraseologische Bedeutung ‘besuchen‘ abzuleiten. Aus strukturell-semantischer Sicht ist dieser Ausdruck also idiomatisch.

2.3.2 Teilidiomatische Phraseologismen

Wie das Lexem teilidiomatisch bereits verrät, handelt es sich hierbei um phraseologische Ausdrucke bei denen eine Teilkomponente seine autonome, freie Bedeutung beibehält. Zur besseren Veranschaulichung wird erneut auf die Spielanleitung von “Wunderland“ zurückgegriffen.

deutsch: In Knuffingen sammeln die Wunderländer keine Ansichtskarten, hier fühlen sie sich zu Hause.

➔sich zu Hause fühlen (‘sich wohlfühlen‘)

französisch: Les habitants de Knuffingen ne collectionnent pas de cartes postales, ils s´y sentent chez eux

➔se sentir chez eux

spanisch: Los habitantes de Wunderland no reúnen postales en Knuffingen, pues ahí se sienten en casa.

➔sentirse en casa

Der Phraseologismus ist hinsichtlich der Komponente ‘zu Hause‘ idiomatisch und meint sich in fremder Umgebung wohl zu fühlen, während ‘fühlen‘ die freie Bedeutung beibehält. Phraseologische Wortverbindungen, die solche semantischen Strukturen aufzeigen, werden als teilidiomatisch bezeichnet. Besonders häufig tritt diese Art der Gradualität bei phraseologischen Vergleichen auf, bei denen meist die Vergleichsobjekte die autonome Bedeutung beibehalten (vgl. Hessky 1992: 85). Auch die Analyse der Spielanleitungen konnte die Feststellung Hesskys bestätigen, wie das deutsche Beispiel aus dem Spiel “La Cucaracha Loop“ exemplarisch zeigt.

deutsch: In diesem Spiel brauchst du Würfelglück und Nerven wie Drahtseile […]. ➔Nerven wie Drahtseile (‘starke Nerven‘)

französisch: Dans ce jeu, il vous faudra de la chance au dé et des nerfs d´acier […]. ➔nerfs d´acier

spanisch: En este jugeo necesitarás tener suerte con los dados y unos nervios de acero […]. ➔nervios de acero

In allen drei Sprachen gilt die Bedeutung des Lexems ‘Nerven‘ als autonom und das Vergleichslexem ‘Drahtseil‘ kann als phraseologische Bedeutung ‘kaltblütig‘/ ‘geistesgegenwärtig‘/ ‘seelisch belastbar sein‘ betrachtet werden. Aus diesem Grund handelt es sich um einen teilidiomatischen Phraseologismus.

2.3.3 Nichtidiomatische Phraseologismen

Hierbei handelt es sich um autonome, freie Wortverbindungen, die keine phraseologischen Bestandteile besitzen (vgl. Burger 2003: 32), wie ein Auszug aus dem Spiel “La Cucaracha Loop“ exemplarisch zeigt.

deutsch: Drückt die 4 Löcher aus dem Spielplan.

französisch: Dégage soigneusement les 4 trous prédécoupés du plateau. spanisch: Presiona sobre los cuatro agujeros del tablero para seperarlos.

3 Klassifikation von Phraseologismen nach Harald Burger

Der Versuch Phraseologismen zu klassifizieren, wird in der Literatur anhand zahlreicher Kategorisierungsmodelle ersichtlich. Aufgrund von heterogenen Merkmalen der Phraseologismen erweist sich die Klassifikation auf semantisch-syntaktisch-pragmatischer Ebene am sinnvollsten. Die der Arbeit zugrundeliegende Basisklassifikation bezieht sich auf die Studien von Harald Burger (vgl. 2003) und soll im Folgenden einen kurzen Gesamtüberblick liefern. Burger (vgl. 2003: 36) unterscheidet drei Haupttypen von phraseologischen Wortverbindungen: die referentiellen, die syntaktischen sowie die kommunikativen Phraseologismen. Diese können folgender Grafik von Burger entnommen werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten5

Burgers Schema ist zu entnehmen, dass vor allem das Kriterium der Zeichenfunktion, die phraseologische Wortverbindungen in spezifischen Kommunikationskontexten haben, für die Klassifikation genutzt wurde.

3.1 Referentielle Phraseologismen

Referentielle Phraseologismen können sich entweder auf Objekte, Vorgänge oder Sachverhalte der Wirklichkeit beziehen. Burger (vgl. 2003) vollzieht zudem eine Zweigliederung in nominative und propositionale Phraseologismen, wobei die erste Kategorie hauptsächlich aus Idiomen6 und Teilidiomen besteht. Sobald die Ausdrücke auf Objekte, Sachverhalte und Vorgänge referieren (semantisches Kriterium) und diese satzgliedwertig sind (syntaktisches Kriterium), können sie als nominative Phraseologismen subklassifiziert werden. Diese Art der Wortverbindung besteht meist aus einer syntaktischen Einheit unterhalb der Satzgrenze. Propositionale Phraseologismen fungieren hingegen als Aussagen über Vorgänge oder Objekte und bestehen aus einem Satz oder größeren Einheiten (vgl. Burger 2003: 36-38). Als praxisnahes Beispiel können der Analyse der Spielanleitungen des Spiels “Mogel Motte“ folgende propositionale Phraseologismen entnommen werden:

- deutsch: jdm. hinters Licht führen
- französisch: induire en erreur à qn bezeichnen den Vorgang des ‘Täuschens‘
- spanisch: tender una trampa a alguien

Sind propositionale Phraseologismen in einen Kontext eingebettet und nur durch diesen verständlich, werden sie nach Burger (vgl. 2003: 39) als feste Phrasen bezeichnet.7Besonderheit der festen Phrasen sind die sogenannten Leerstellen (Valenz) der Phraseologismen, die an einen spezifischen Kontext geknüpft sind. Zur Veranschaulichung soll ein Beispiel der Spielanleitung “Saboteur“ dienen.

[...]


1 Es handelt sich hierbei um ein Lexem, dass eine vom Kontext unabhängige und selbstständige lexikalische Bedeutung aufweist. Autosemantika lassen auch in isolierter Form einen Rückschluss auf das Bezeichnete zu (vgl. Brauße 1994: 38).

2 Es handelt sich hierbei um Wortarten, die keine lexikalische Bedeutung aufweisen, sondern in einem Satz eine grammatikalische Funktion einnehmen. Aus diesem Grund werden sie auch als ‚Funktionswort‘ bezeichnet. (vgl. Brauße 1994: 37).

3 Es lassen sich hierbei unter anderem grammatische Variationen (z.B. Numerus, Genus etc.), lexikalische Varianten (z.B. Austausch von Präpositionen, Konjunktionen etc.), kürzere/ längere Varianten sowie Variationen der syntaktische Reihenfolge unterscheiden (vgl. Burger 2003: 25-27).

4 Modifikationen werden als okkasionelle Abwandlungen von Phraseologismen bezeichnet, die für Zwecke eines Textes, einer Werbung etc. verwendet werden (vgl. Ágel/ Hessky 1992: 90).

5 vgl. Burger 2003: 37

6Burger bezeichnet Idiom als den gegenwärtig geläufigsten Terminus für die idiomatischen Wortverbindungen (vgl. Burger 2003: 38).

7Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, wird im Folgenden nur auf die Klassifikationsformen eingegangen, die auch für die Analyse im Anschluss von entscheidender Bedeutung sein werden.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Kontrastive Phraseologie. Übersetzung von deutschen Spielanleitungen ins Französische und Spanische
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
32
Katalognummer
V353809
ISBN (eBook)
9783668401778
ISBN (Buch)
9783668401785
Dateigröße
1196 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phraseologismen, Sprachvergleich, Sprachwissenschaft, Übersetzung
Arbeit zitieren
Lysiane Schützler (Autor), 2016, Kontrastive Phraseologie. Übersetzung von deutschen Spielanleitungen ins Französische und Spanische, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353809

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