In dieser Arbeit wird untersucht, welcher Metaphorik sich Marine Le Pen bezüglich der Flüchtlingskrise bedient, um die in ihrem aktuellen Parteiprogramm aufgeführten Forderungen zu popularisieren. Diese Forderungen befürworten unter anderem die Ausweisung illegaler Einwanderer, eine Begrenzung des Asylrechts sowie eine Bevorzugung der Franzosen auf dem Arbeitsmarkt und bei Sozialleistungen.
In der Arbeit wird die Sprache nicht als isoliertes Phänomen betrachtet, sondern soll den Zusammenhang zwischen den kognitiven Fähigkeiten des Menschen und dem sprachlichen Phänomen der Metapher aufzeigen. Die Theorie der Linguisten Lakoff/ Johnson (2007) besagt, dass der größte Teil des menschlichen Konzeptsystems metaphorisch strukturiert ist und deshalb erst ein Verständnis sowie eine Bedeutungszuschreibung von Sprache möglich sei. Diese Annahme bildet den theoretischen Rahmen der kognitiven Metapherntheorie und damit auch dieser Arbeit.
Die Analyse metaphorischer Konzepte in innen- sowie außenpolitischen Diskursen des Front National in Bezug auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte Europas in Frankreich stellt besonders vor den bevorstehenden Regionalwahlen im Dezember 2015 einen Aktualitätsbezug dar, da in der Analyse zahlreiche Metaphern identifiziert werden können, die auf mögliche Manipulationsversuche Le Pens zurückzuführen sind und demnach Einfluss auf das Wahlverhalten der französischen Bevölkerung ausüben könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundzüge einer kognitivien Metapherntheorie
2.1 Der klassische Metaphernbegriff
2.2 Das ‘neuere‘ Metaphernverständnis
2.3 Die Kognitive Metapherntheorie nach Lakoff/ Johnson
2.3.1. Klassifikation der konzeptuellen Metaphern
2.3.1.1 Strukturmetaphern
2.3.1.2 Ontologische Metaphern
2.3.1.3 Orientierungsmetaphern
2.4 Die kognitive Funktion der Metapher
2.4.1 Erklärungs- und Verständnisfunktion
2.4.2 Fokussierungseffekt
2.5 ‘Wahrheitsgehalt‘ von Metaphern
3. Sprache und Politik
3.1 Pragmatische Grundlage
3.2 Sprachliche Handlungsfelder in der Politik
3.3 Metaphorik in der Politik
3.4 Politisches Framing – Manipulation des Gehirns
4. Qualitative Inhaltsanalyse metaphorischer Konzepte in der Flüchtlingsdebatte des Front National
4.1 Vorstellung des politischen Untersuchungsgegenstandes: Front National
4.2 Kategorisierung metaphorischer Konzepte
4.2.1 Strukturmetaphern im Diskurs der Flüchtlingsdebatte des Front National
4.2.2 Ontologische Metaphern im Diskurs der Flüchtlingsdebatte des Front National
4.2.3 Orientierungsmetaphern im Diskurs der Flüchtlingsdebatte des Front National
4.3 Kohärenz metaphorischer Konzepte
4.4 Einschätzung politischer Manipulation des Front National mittels metaphorischer Konzepte
5. Fazit
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die metaphorischen Konzepte im Diskurs der aktuellen Flüchtlingsdebatte in Frankreich, wobei der Fokus auf den innen- und außenpolitischen Diskursen des Front National am Beispiel von Marine Le Pen liegt. Dabei soll analysiert werden, wie diese Metaphern kognitive Prozesse widerspiegeln, als Instrumente des menschlichen Verstandes dienen und zur politischen Manipulation eingesetzt werden können.
- Kognitive Metapherntheorie nach Lakoff/Johnson
- Zusammenhang von Sprache, Politik und Framing
- Qualitative Inhaltsanalyse metaphorischer Ausdrücke im Diskurs des Front National
- Systematische Kohärenz und manipulative Wirkung metaphorischer Konzepte
- Kontrastive Analyse der metaphorischen Strategien in der Flüchtlingsdebatte
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Plus que jamais, sur ce sujet comme sur d’autres, le Front National devient la boussole des Français“ (Marine Le Pen 2015) (199), S. X1
Reform des Asylrechts, Zuwanderungspolitik, Steuerung der legalen Einwanderung: letztendlich sind all diese Themen Gegenstand politischen Alltags und nehmen aufgrund öffentlichen Interesses einen hohen Stellenwert auf Seiten der Politiker sowie auf Seiten des Volkes ein. An dieser Stelle wird bereits deutlich, dass Sprache und Politik nicht voneinander getrennt betrachtet werden sollten, denn politische Akteure müssen die Öffentlichkeit über Sachverhalte informieren, ihr politisches Vorgehen legitimieren, überzeugen sowie begründen. Der zu Beginn zitierte metaphorische Ausdruck (199), S. X Marine Le Pens zeigt auf, dass besonders das sprachliche Phänomen der Metapher in politischen Diskursen Anwendung findet, wie das Beispiel des Front National als zukünftiger ‘Kompass‘/ ‘Richtungsweiser‘ Frankreichs aufzeigt.
Bestandteil sprachwissenschaftlicher Theorien war zu Zeiten Aristoteles, dass das antike Metaphernverständnis dieses sprachliche Phänomen als reine Kunstform betrachtete. Das Zitat Marine Le Pens hingegen vermittelt bereits einen ersten Eindruck darüber, dass die Metapher eine weitaus größere kognitive Kraft besitzen kann, als dem Rezipienten eine bloße Ästhetik zu vermitteln: Es kann das Denken und Handeln von Individuen aufgrund bestimmter mentaler Denkprozesse beeinflussen und zu Handlungsbereichtschaft führen (vgl. Lakoff/ Wehling 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema der Metaphorik in der politischen Debatte um Flüchtlinge und stellt das Ziel der Arbeit vor, die kognitive Kraft von Metaphern im Diskurs des Front National aufzuzeigen.
2. Grundzüge einer kognitivien Metapherntheorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Metaphernforschung von Aristoteles über Black bis hin zur kognitiven Metapherntheorie nach Lakoff und Johnson.
3. Sprache und Politik: Hier wird das komplexe Verhältnis von sprachlichem Handeln und politischer Kommunikation erörtert, wobei insbesondere die Rolle von Metaphern als Werkzeuge der Persuasion und Manipulation im Fokus steht.
4. Qualitative Inhaltsanalyse metaphorischer Konzepte in der Flüchtlingsdebatte des Front National: Der Hauptteil der Arbeit analysiert das gesammelte Textkorpus aus Reden und Pressemitteilungen, kategorisiert die Metaphern und bewertet ihre Wirkung hinsichtlich der politischen Strategie von Marine Le Pen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und bestätigt die zentrale Annahme, dass die Sprache des Front National durch eine systematische, metaphorisch strukturierte Wirklichkeitsgestaltung geprägt ist.
6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche für die Arbeit herangezogene wissenschaftliche Literatur und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Metapherntheorie, Kognitive Linguistik, Front National, Marine Le Pen, Flüchtlingsdebatte, Politisches Framing, Manipulation, Strukturmetaphern, Ontologische Metaphern, Orientierungsmetaphern, Diskursanalyse, Sprache und Politik, Konzeptionelle Metaphern.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung von metaphorischen Konzepten im politischen Diskurs des Front National während der Flüchtlingsdebatte in Frankreich im Jahr 2015.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die kognitive Metapherntheorie, die Rolle der Sprache in der politischen Kommunikation und die praktische Analyse metaphorischer Äußerungen in den Diskursen von Marine Le Pen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Marine Le Pen durch den strategischen Einsatz von Metaphern kognitive Prozesse ihrer Wähler beeinflusst und so ihre politischen Forderungen popularisiert und legitimiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die qualitative Inhaltsanalyse metaphorischer Konzepte, basierend auf der kognitiven Metapherntheorie von Lakoff und Johnson, um ein selbst erstelltes Korpus von 345 metaphorischen Ausdrücken auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der kognitiven Metapherntheorie und das Verhältnis von Sprache und Politik dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Metaphernarten (Struktur-, ontologische und Orientierungsmetaphern) im Kontext des Front National.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die wichtigsten Begriffe sind Metapherntheorie, Front National, politisches Framing, Flüchtlingsdebatte, kognitive Linguistik und diskursive Manipulation.
Welche Rolle spielt das Konzept der „Strukturmetaphern“ für Marine Le Pen?
Strukturmetaphern helfen ihr dabei, komplexe und abstrakte Probleme, wie die Flüchtlingskrise, durch vertraute Kategorien wie „Naturkatastrophe“ oder „Krieg“ zu konzeptualisieren und so das Verständnis sowie die Wahrnehmung der Wähler gezielt zu steuern.
Was schlussfolgert die Autorin hinsichtlich einer möglichen Manipulation durch den Front National?
Die Autorin stellt fest, dass durch die hohe Frequenz negativer Metaphernkonzepte, die in den „common sense“ der Adressaten integriert werden, eine Form der sprachlichen Beeinflussung und Meinungssteuerung vorliegt, die dem Diskurs einen manipulativen Charakter verleiht.
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- Master of Education Lysiane Schützler (Author), 2016, Metaphorische Konzepte im Diskurs der aktuellen Flüchtlingsdebatte Europas in Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353811