Framing im Bereich des transnationalen Terrorismus


Projektarbeit, 2016
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Framing

3. Datengewinnung

4. Codebook

5. Auswertung
5.1 Allgemein
5.2 Ausrufung des Islamischen Staates
5.3 Waffenlieferungen an die Kurden
5.4 Ausbildungsmission
5.5 Anschläge in Paris
5.6 2016/Status Quo

6. Zusammenfassung und Entwicklung

7. Probleme

8. Fazit

9. Codebook

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Innerhalb weniger Monate eroberte der sogenannte Islamische Staat, unter der Führung seines (selbsternannten) Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi ein Staatsgebiet von der Größe des Vereinigten Königreiches.1 Seine Kämpfer sind überzeugt, durch ihre demonstrative Gewalt und Brutalität das Ziel ihrer totalitären Ideologie, eine weltumspannende Herrschaft, zu erreichen.2 Der maßlose Fanatismus des IS beschränkt sich aber nicht mehr lediglich auf die arabische Welt, sondern hat mit den Anschlägen von Paris unlängst Einzug in Europa gehalten.3

Nun liegt es in der Natur des Gegenstandes, dass solche Ereignisse die Agenda der Politik und der politischen Kommunikation bestimmen. Dabei ist auch und in diesem Kontext die Prägung der Inhalte, also auch die Prägung und etwaige Verzerrung der Wirklichkeit von Interesse. Der Soziologe Erving Goffman erlaubt mit seiner Grundidee der „Rahmenanalyse“ zu hinterfragen, wie die eigentlich interpretationsoffenen Gegebenheiten mit Emotionalisierung, Kultivierung und Stereotypisierung aufgeladen werden.4

Diese kommunikative, soziale und symbolische Prägung und Erstellung von Deutungsmustern wird als „Framing“ betitelt.5

Für diese Arbeit relevant ist nunmehr, inwiefern der IS unter dem Umstand der vorherigen Terroranschläge von Paris und der Debatte um die Entsendung von militärischen Truppen nach Syrien und Irak von den Vertretern des Deutschen Bundestages sowie der relevanten Mitglieder der Deutschen Bundesregierung bewertet wird und welche Schlussfolgerungen diese für deren Handeln haben.

Daraus abgeleitet stellt sich nun folgende Frage: Mit welchen Frames interpretierten die Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Deutschen Bundesregierung das Phänomen des Islamischen Staates ?

Dabei wird zunächst die theoretische Grundlage zur Thematik des Framing behandelt, anschließend anhand der Auswertung von Interviews und Reden der Bundesregierung (Kanzlerin Merkel, Außenminister Steinmeier und Verteidigungsministerin von der Leyen) sowie von Plenarprotokollen der Bundestagssitzungen unter Zuhilfenahme der qualitativen

Datenanalyse mittels der Software MAXQDA die verwendeten Frames und deren Entwicklung dargestellt. Abschließend wird auf etwaige Probleme eingegangen und die gewonnenen Eindrücke in einem Fazit nochmals dargelegt.

2. Framing

Framing ist als ein mehrstufiger Prozess zu verstehen, in welchem gesellschaftliche Akteure durch kommunikative Mittel versuchen, eine spezifische Vorstellung der sozialen Realität zu erzeugen, um damit intendierte Wirkungen zu erzielen und öffentliche Diskurse zu strukturieren. Dabei sind alle Phasen des politischen Prozesses von Relevanz: von der Problemwahrnehmung über die Politikformulierung bis hin zur Entscheidungsfindung und Implementation dieser. Frames können innerhalb der öffentlichen, medienvermittelten politischen Kommunikation als das Ergebnis des Zusammenwirkens gesellschaftlicher, politischer und journalistischer Akteure angesehen werden.6

Die Wirkkraft dieser Frames ist dabei, nach Elisabeth Wehling, keinesfalls zu unterschätzen. Ihr zufolge sind Meinungen und entsprechende Entscheidungen - nicht lediglich politischer Natur - keineswegs immer faktenbasiert, sondern vielmehr durch eben jene Frames bedingt, da diese bereits bei der Rezeption von Informationen eine Vorauswahl treffen, welche wiederum eine völlig objektive Entscheidungsfindung nicht zulässt. Framing wirkt sich demnach auf gesellschaftliches und jeweils subjektives Denken aus, ebenso auf die Wahrnehmung der Welt und damit verknüpften entsprechendem Handeln.7 Zwar vereinfacht dies ebenso den tagtäglichen Entscheidungsprozess eines jeden, doch sind Frames dabei immer selektiv - heben also bestimmte Fakten und Realitäten hervor und lassen zugleich andere unter den Tisch fallen - was obiger Objektivität gegenspielt.8

Um den Aspekt der Steuerung erweitert unter anderem Frank Marcinkowski den Begriff des Framing. So statuiert dieser, dass das Framing im Sinne eines kommunikativen Handelns zu verstehen sei, durch welches „gesellschaftliche Umstände absichtsvoll oder auch unbewusst in einen bestimmten Zusammenhanggebracht werden und eben dadurch eine spezifische Bedeutung gewinnen“.9

Diese Bedeutung jedoch würde vermeintlich anders geartet sein, wäre der

Interpretationsrahmen a priori anders gesetzt worden. Daraus folgt, dass im Gegensatz zu Goffman, Framing inzwischen nicht mehr nur positive Konnotationen findet, sondern durch die Bedingung der Möglichkeit koordinierten sozialen Handelns auch negative Aspekte birgt. In seiner rbeit „The Sociology of News“ geht Michael Schudson davon aus, dass vornehmlich im Kontext von politischer Kommunikation, Framing häufig als externe Beeinflussung auf die individuelle und kollektive Meinungsbildung gehandhabt wird.10

Dem widerspricht die Ansicht, dass jedwede Form der Kommunikation auf eine Vorauswahl und Unterstellungen über die Beschaffenheit der Thematik respektive der Welt quasi angewiesen ist, man also „nicht nicht rahmen kann“.11

In den internationalen Beziehungen und der Außenpolitik ist die Verwendung des Framing beinahe an der Tagesordnung. Von Präsident Ronald Reagans Titulierung der Sowjetunion als „Evil Empire“ oder Bush Juniors Hitlervergleich Saddam Husseins. Dabei verfolgt Framing verschiedene Ziele. Nach Mintz und Geva können als die wesentlichen festgehalten werden:

- Zielgerichtetes Framing: Der Versuch politischer Führungskräfte oder anderer einflussreicher Akteure, in den Politikprozess steuern einzugreifen und Thematiken darzustellen, die sowohl deren Ziele affektieren wie auch das Publikum und andere Akteure in deren Aufnahmereaktionen bedingen.
- Thematisches Framing: beschreibt in der Regel inhaltsorientierte Kommunikation die von nationalem Führungspersonal an die Bevölkerung gerichtet ist und „organisierte Thematiken“ präsentiert.
- Evaluatives Framing: ist eben genanntem gegengerichtet und sucht nach der inhaltlichen Verschiebung solcher Thematiken und Inhalte. Beispielsweise wenn eine friedliche Lösung eines Konflikts als mehr oder weniger vorzuziehende gehandelt wird, unabhängig ihrer objektiv situativen Bedingtheit.
- Produktives Framing: kann schlichthin als erfolgreiches - also den ursprünglich intendierten Zweck tatsächlich erreichte Beeinflussung - gehandelt werden.
- Gegenframing: beschreibt letztlich den Versuch opponierender Parteien oder

Akteure, das ursprüngliche Publikum von gegenteiligen Ansichten zu überzeugen oder wenigstens die Thematik in ein anderes Licht zu rücken.12

Im hiesigen Kontext wurde nun das „Composite Model“ der Framingtheorien herangezogen. Von Benford und Snow entwickelt und durch Robert Entman popularisiert und fortgeführt setzt es bei den „Kernaufgaben“ jeder strategisch-politischen Kommunikation an.13 Nämlich Einigkeit über die Identität und Ursache eines politischen Problems herzustellen, die bevorzugte Form der Problembehandlung hervorzuheben und zur gemeinsamen Aktion zu motivieren. Dabei verstehen sie unter einem voll entwickelten Frame eine rhetorische Figur, die auf allen drei Deutungsdimensionen ein entsprechendes Kommunikationsangebot zu machen hat.14

Spezifischer beschrieben bedeuten diese drei „Core Frames“ oder Kernaufgaben nun folgendes15: Das Diagnostische Framing wird auch als Ungerechtigkeitsframing tituliert, da es die Aufmerksamkeit darauf legt, die Opfer von Ungerechtigkeiten zu identifizieren und auf Einzelheiten deren Schikanierung einzugehen. Das Prognostische Framing, die zweite Kernaufgabe, beinhaltet die Artikulation eines Problemlösungsvorschlags, oder wenigstens einen Aktionsplan und etwaige Strategien zur Ausführung dieser. Kurz ausgedrückt, es geht der Beantwortung der Frage nach dem was zu tun sei nach, sowie dem Problem des Konsens und der Mobilisierung zum Aktionismus. Motivationales Framing letztlich beinhaltet den „ ufruf zu den Waffen“, rationale Begründungen für ein Einschreiten wie auch immer geartet dies sei - inkludiert der Konstruktion eines Vokabulars, der Motivlage entsprechend. Dabei geht letzteres Vokabular auf die Effektivität des Handelns ebenso ein wie auf die Dringlichkeit und Angemessenheit.

3. Datengewinnung

Die Suche der Daten wurde unter Berücksichtigung des Themas der IS und nach Zeitpunkten, Sommer 2014 mit der Ausrufung des Kalifats, Herbst 2014 mit der Debatte um Waffenlieferungen an die Peschmerga, Winter 2014/15 bei der Diskussion um die Entsendung von (Ausbildungs-)Truppen, nach den Anschlägen in Paris 2015 und als letzte Kategorie das Jahr 2016 gewählt als neuralgische Punkte in der Beschäftigung der Regierung des Parlaments mit dem Thema.

Der vorliegende Datensatz besteht aus Reden und Interviews zweier Kategorien. Zum einen gibt es Sprechakte von der Exekutive, hier im speziellen der verantwortlichen Personen im Hinblick auf äußere Angelegenheiten und Militär. Dies sind der Bundesminister des Auswärtigen Dr. Frank-Walter Steinmeier, die Bundesministerin für Verteidigung Ursula von der Leyen und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Diese Sprechakte wurden auf den Websites der jeweiligen Institutionen gesucht unter der Einschränkung des Inhalts sowie dem Zeitraum. Durch die Recherche konnten so 15 Sprechakte gefunden werden. Der Versuch auch Sprechakte der Oppositionspolitiker zu finden, um einen Vergleich der Spitzenpolitiker möglich zu machen, musste wegen mangelndem Erfolg abgebrochen werden. Die zweite Kategorie sind die Protokolle des Bundestages. Hier wurden alle Gliederungen der Protokolle zu den jeweiligen Zeiträumen durchsucht nach relevanten Diskussionen. Hierbei war die Suchfunktion des Bundestages keine Hilfe, da dieser nur einzelne Wörter suchte und dies nicht half den Datenkorpus zu erstellen. Nach diesen Kriterien wurden die Protokolle und vom 2. Juli 2014 (Nr. 18045), 1. September 2014 (Nr. 18048), 25. September 2014 (Nr. 18054), 15. Januar 2015 (Nr. 18079), 29. Januar 2015 (Nr. 18082), 25. November 2015 (Nr. 18139), 2. Dezember 2015 (Nr. 18142), 3. Dezember 2015 (Nr. 18143) und 4. Dezember 2015 (Nr. 18144) gefunden, dort hatte das Thema jeweils viel Platz in der Diskussion eingenommen.

4. Codebook

Das Codebook besteht aus den 3 großen Kategorien der Framing-Theorie nach Benford & Snow mit Diagnostic, Prognostic und Motivational. Zu diesen Kategorien kam im Verlauf der Arbeit noch eine vierte Kategorie dazu, die des Akteurs. Diese wurde als sinnvoll beachtet um einen Überblick über die Akteure zu bekommen um sagen zu können, welche Gruppe bzw. Partei oder Koalition den Diskurs geprägt hat. In der Grafik kann man dies auch sehen, so wurde nicht nur nach Regierung/Opposition kodiert, sondern auch nach den verschiedenen Parteien. Des Weiteren wird aus der Abbildung deutlich, dass die Kategorie Diagnostik die Subkategorien „11_diag_warum handeln“, „12_diag_IS“ und „13_diag_Verursacher“ umfasst. Warum handeln umfasst die Codes, welche eine Notwendigkeit für das Eingreifen der Politik nahelegen. Die Subkategorie IS subsumiert die Codes wie der IS definiert wird, als vorwiegend religiös definiert, als Partei eines Stellvertreterkriegs oder als Rebellen bzw. Terroristen. Die dritte Subkategorie ist Verursacher, das heißt wer laut Redner verantwortlich für die Entstehung war. Die zweite Kategorie ist prognostic, hier gibt es keine weiteren Subkategorien und es werden die verschiedenen Codes subsumiert welche Handlungen durchgeführt werden sollen. Ein Beispiel wäre 21_prog_militärisch, hier werden die Forderungen nach dem Eingriff von Truppen zugeordnet. Motivational ist die dritte Kategorie und umfasst die Akteure, welche Handeln bzw. aktiv werden sollen. Dieses Gerüst war am Anfang nur in der Grobform gegenwärtig und wurde im Verlauf des Kodiervorgangs ständig überarbeitet und verfeinert. So umfasste am Ende der Auswertung das Codebook 4 Kategorien mit insgesamt 28 Unterkategorien.

5. Auswertung

5.1 Allgemein

Die Auswertung der Daten und Interpretation der Daten wird als erstes in einem Gesamtüberblick und in Grobform geschehen. Danach werden die Daten von für die einzelnen Zeitpunkte gesondert betrachtet und am Ende wird alles zusammengefügt und das Gesamtbild betrachtet.

[...]


1 Vgl. Verfassungsschutzbericht 2013, S. 197 f.

2 Todenhöfer, S.16

3 Scholl-Latour, S. 13

4 Könitz & Ruge, S. 4-6

5 Matthes & Kohring, S. 56 f.

6 Vgl. Marcinkowski (2010)

7 Vgl. Wehling (2016)

8 Wehling, S. 17-19

9 Marcinkowski (2011) S. 7

10 Vgl. Schudson (2003)

11 Vgl. Chong & Druckman (2007)

12 Mintz & Redd, S. 194-198

13 Vgl. Marcinkowski (2011) S. 10

14 Benford & Snow, S. 614

15 Benford & Snow, S. 616 f.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Framing im Bereich des transnationalen Terrorismus
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
1,0
Autoren
Jahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V353818
ISBN (eBook)
9783668401518
Dateigröße
2124 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Framing, Terrorismus, Islamischer Staat, Bundesregierung, MaxQDA
Arbeit zitieren
Martin Eichinger (Autor)Sebastian Kraus (Autor), 2016, Framing im Bereich des transnationalen Terrorismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353818

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