Noch bis vor 10 Jahren war Compliance ein unbekannter Begriff in deutschen Unternehmen. Die Korruptionsskandale bei Samsung, die Spitzelaffäre bei Telekom und viele weitere Skandale in den letzten Jahren zeigten deutlich auf, dass ein unternehmensinternes Kontrollsystem zur Einhaltung von rechtlichen und ethischen Normen notwendig ist. Folge der Skandale war eine Vielzahl neuer Gesetzesentwürfe.
Die Umsetzung dieser neuen und bereits bestehenden Vorgaben bedarf einer eigenen Abteilung - der Complianceabteilung. Internationale Unternehmen müssen die Regelwerke mehrerer Länder simultan erfüllen, wodurch die Komplexität an Vorschriften weiter zunimmt. Um die Fülle an Gesetze einzuhalten bedarf es einem Informations-, Planungs- und Koordinationssystem innerhalb des Unternehmens. Diese Aufgabe wird im Allgemeinen von dem Controlling erbracht.
Spezifiziert auf den Bereich der Finanzen wird diese Funktion von dem Finanzcontrolling erfüllt. Das folgende Kapitel enthält eine kurze Beschreibung des Begriffs ,,Internationales Unternehmen''. Anschließend wird ein ausführlicher Einblick in die Compliance und das Finanzcontrolling in internationalen Unternehmen vermittelt. Im Kapitel 5 wird letztendlich das Zusammenspiel zwischen dem Finanzcontrolling und der Compliance analysiert und anhand praxisnahen Gesetztestexten verdeutlicht. Ziel dieser Arbeit ist es, Instrumente des Finanzcontrollings aufzuzeigen, welche zur Befriedigung der Complianceansprüche dienen können.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 Einleitung
Kapitel 2 Das Internationale Unternehmen
Kapitel 3 Compliance in internationalen Unternehmen
3.1 Begriffserklärung & Übersicht
3.2 Theoretische Erklärungsansätze der Compliance
3.2.1 Managementansatz
3.2.2 Enforcementansatz
3.3 Compliance-Verstöße (non-compliance) und deren Folgen
Kapitel 4 Finanzcontrolling in internationalen Unternehmen
4.1 Finanzcontrolling als Funktion des Finanzmanagement
4.2 Ziele des Finanzcontrollings
4.2.1 Liquidität
4.2.2 Rentabilität
4.2.3 Risikovermeidung
4.2.4 Bonität
4.3 Instrumente des Finanzcontrollings
4.3.1 Übersicht
4.3.2 Langfristiger Finanzplan
4.3.3 Kurz- und Mittelfristiger Finanzplan
4.3.4 Kennzahlen
4.4 Schwierigkeiten des Finanzcontrollings bei internationalen Unternehmen
Kapitel 5 Das Zusammenspiel zwischen dem Finanzcontrolling und der Compliance
5.1 Unterstützung der Compliance durch das Finanzcontrolling
5.2 Rechnungslegung & Finanzcontrolling
5.3 Beitrag des Finanzcontrollings zur Erfüllung der Basel II Anforderungen
5.4 Unterstützung des Finanzcontrollings zur Erfüllung des Sarbanes-Oxley Act
Kapitel 6 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Instrumente des Finanzcontrollings zu identifizieren und aufzuzeigen, wie diese zur Erfüllung komplexer Compliance-Anforderungen in internationalen Unternehmen effektiv eingesetzt werden können. Die Arbeit untersucht dabei insbesondere, wie finanzorientierte Informationen und Kontrollmechanismen dazu beitragen, regulatorische Risiken zu minimieren und eine rechtskonforme Unternehmensführung sicherzustellen.
- Grundlagen des internationalen Managements und der Compliance-Strukturen
- Aufgaben, Ziele und Instrumente des Finanzcontrollings
- Herausforderungen der Koordination in internationalen Konzernstrukturen
- Die Rolle des Finanzcontrollings bei der Einhaltung von Basel II und dem Sarbanes-Oxley Act
- Das Zusammenspiel zwischen Finanzcontrolling und Compliance-Management
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Enforcementansatz
Dem Modell des Managementansatzes steht der Enforcementansatz gegenüber. Er basiert auf dem Modell der Kosten-Nutzen-Kalkulation.
Nach dem Enforcementansatz haben Unternehmen keine intrinsische Motivation zur Einhaltung von Regeln und Normen. ,,Zweckrational handelnde Akteure konstruieren und halten internationale Normen folglich immer dann ein, wenn sie ihnen helfen, ihre exogen vorgegebenen Ziele zu erreichen. Die Normeinhaltung wird aber nicht selbst zum Ziel von Akteurshandeln'' (Deutschbein, 2006, p. 41). Eine Norm wird also immer dann eingehalten, wenn sie im Einklang mit den Zielvorstellungen eines Unternehmen stehen. Steht ein Gesetz nicht im Einklang mit einem Ziel wird anhand einer Kosten-Nutzen-Kalkulation ermittelt ob der Verstoß oder die Einhaltung des Gesetzes das bessere Finanzergebnis aufweist. Bringt der Verstoß gegen ein Gesetz und das daraus resultierende Zielerreichen einen positiven Ertrag, so wird das Unternehmen bewusst gegen das Gesetz verstoßen. Sind die Strafen bei einem Verstoß jedoch größer als der erwartete Ertrag, so wird ein Unternehmen das Gesetz einhalten und seine Zielvorstellung ändern. Im Gegensatz zu dem Managementansatz sind Regelverstöße also gewollt und es wird bewusst gegen Regeln verstoßen.
Dieser Ansatz erscheint zunächst ziemlich theoretisch, dennoch lassen sich einige Gesetzesverstöße z.B. Umweltverschmutzung oder Kinderarbeit auf diesen Ansatz zurückführen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Bedeutung von Compliance in internationalen Unternehmen ein und beschreibt, wie das Finanzcontrolling dabei als zentrales Informations- und Steuerungssystem fungiert.
Kapitel 2 Das Internationale Unternehmen: Dieses Kapitel definiert, was internationale Unternehmen auszeichnet und erläutert, welche erhöhte Komplexität in den Unternehmensprozessen durch Internationalisierung entsteht.
Kapitel 3 Compliance in internationalen Unternehmen: Hier werden der Compliance-Begriff und die verschiedenen internen, nationalen und supranationalen Regelwerke erläutert sowie die theoretischen Ansätze (Management- vs. Enforcementansatz) diskutiert.
Kapitel 4 Finanzcontrolling in internationalen Unternehmen: Dieses Kapitel beschreibt das Finanzcontrolling als Teilbereich des Finanzmanagements, erläutert dessen zentrale Ziele, Instrumente wie die Finanzplanung und Kennzahlensysteme sowie die spezifischen Herausforderungen im internationalen Kontext.
Kapitel 5 Das Zusammenspiel zwischen dem Finanzcontrolling und der Compliance: In diesem Kapitel wird aufgezeigt, wie das Finanzcontrolling die Compliance durch seine Informations-, Kontroll- und Planungsfunktion unterstützt, insbesondere unter Bezugnahme auf Basel II und den Sarbanes-Oxley Act.
Kapitel 6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass das Finanzcontrolling zwar essenzielle Instrumente zur Compliance-Erfüllung bereitstellt, eine vollständige Unterbindung von Non-Compliance jedoch durch rein instrumentelle Ansätze aufgrund menschlicher Faktoren nicht möglich ist.
Schlüsselwörter
Compliance, Finanzcontrolling, Internationales Unternehmen, Risikovermeidung, Compliance Management System, Finanzmanagement, Finanzplanung, Kennzahlen, Basel II, Sarbanes-Oxley Act, Rechnungslegung, Unternehmensführung, Liquidität, Rentabilität, Non-Compliance
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle des Finanzcontrollings als Instrument zur Sicherstellung der Compliance innerhalb von internationalen Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Compliance-Strukturen, das Finanzmanagement, die strategische und operative Finanzplanung sowie die regulatorischen Anforderungen an internationale Konzerne.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Instrumente des Finanzcontrollings gezielt zur Erfüllung von Compliance-Ansprüchen eingesetzt werden können, um regulatorische Risiken zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Auswertung bestehender regulatorischer Anforderungen sowie Controlling-Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Compliance, die Instrumente des Finanzcontrollings und die praktische Schnittstelle zwischen beiden Bereichen anhand konkreter Beispiele wie Basel II und dem Sarbanes-Oxley Act.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Compliance, Finanzcontrolling, Risikovermeidung, Kennzahlensysteme und regulatorische Compliance-Standards.
Inwiefern unterscheidet sich der Managementansatz vom Enforcementansatz bei der Compliance?
Der Managementansatz setzt auf intrinsische Motivation zur Regeleinhaltung, während der Enforcementansatz auf einer zweckrationalen Kosten-Nutzen-Kalkulation basiert, bei der Regelverstöße bei entsprechendem positivem Ertrag bewusst in Kauf genommen werden.
Warum ist das Finanzcontrolling besonders für die Einhaltung des Sarbanes-Oxley Act entscheidend?
Da der Sarbanes-Oxley Act hohe Anforderungen an die Transparenz und Richtigkeit der Finanzberichterstattung stellt, liefert das Finanzcontrolling durch korrekt berechnete Kennzahlen und ein funktionierendes internes Kontrollsystem die notwendige Basis für die Zertifizierung durch CEO und CFO.
- Arbeit zitieren
- Florian Köpf (Autor:in), 2014, Finanzcontrolling als Instrument der Compliance bei internationalen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353844