Schon seit jeher ist die Beziehung zu Tieren für den Menschen von großer Bedeutung. Sie wurden mal vergöttert und mal geächtet, aber sie beeinflussten den Menschen schon immer. Grund für die starke und auf Gegenseitigkeit beruhende Bindung zwischen Mensch und Tier ist die gut zueinander passende soziale Veranlagung. Mensch und Tier „teilen speziesübergreifende, konservative Hirnstrukturen und ähnliche Prinzipien der Verhaltensorganisation; sie verfügen über vergleichbare Bindungsmechanismen und emotionale Systeme; sie haben ein ähnliches Stressmanagement und ähnliche Persönlichkeitsvariabilitäten“ (Saumweber 2009).
Die Begegnung mit einem Tier kann sich positiv auf unsere Lebensqualität auswirken. Dabei ist weniger das Tier an sich entscheidend, sondern vielmehr die freie Begegnung und der Dialog mit diesem, denn dadurch werden Emotionen und Hormone angesprochen und ein Impuls für einen möglichen heilenden Prozess gesetzt. Wie dies bewusst in der Sozialpädagogik eingesetzt und durch die / den SozialpädagogIn unterstützt werden kann, soll diese Arbeit klären. Dabei wird zunächst die Entwicklung der emotionalen Kompetenzen geschildert, um anschließend die Wirkungsweise tiergestützter Interventionen zu beschreiben. Darauf aufbauend wird speziell die Förderung emotionaler Kompetenzen durch tiergestützte Interventionen erläutert, was abschließend in einer Fall- und Feldanalyse auf die Praxis bezogen wird. Dabei ist es auch ein Anliegen dieser Arbeit, zu zeigen, wie die theoretischen Überlegungen und Forschungsergebnisse in der Praxis umgesetzt werden können und welche Herausforderungen sich dadurch möglicherweise ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionale Kompetenzen
2.1 Definition emotionaler Kompetenzen
2.2 Abgrenzung zu sozialen Kompetenzen
2.3 Entwicklung emotionaler Kompetenzen
2.4 Empathie
3. tiergestützte Interventionen
3.1 Definition tiergestützter Interventionen
3.2 Wirkungsspektrum tiergestützter Interventionen auf Kinder
3.3 Die Wahl des Tieres
3.4 Bedeutung der Beziehung zwischen Tier, KlientIn und SozialpädagogIn
4 Förderung emotionaler Kompetenzen
4.1 Methoden zur Förderung emotionaler Kompetenzen durch tiergestützte Interventionen
4.2 Auswirkungen der tiergestützten Interventionen auf emotionale Kompetenzen
4.3 Einschränkungen der tiergestützten Interventionen
5 Fall - und Feldanalyse
5.1 Forschungsdesign
5.1.1 Untersuchungsziel
5.1.2 Methode und Auswertungsverfahren
5.2 Interview
5.2.1 Entwicklung und Aufbau des Leitfadens
5.2.2 Stichprobe
5.2.3 Ablauf und Durchführung
5.3 Auswertungsverfahren
5.3.1 Transkription des Interviews
5.3.2 qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2010)
5.3.3 Entwicklung des Kategoriensystems
5.4 Vorstellung der Ergebnisse
5.4.1 emotionale Kompetenzen
5.4.1.1 Definition und Bedeutung emotionaler Kompetenzen
5.4.1.2 Unterschiede in den sozio- emotionalen Kompetenzen
5.4.2 tiergestützte Interventionen
5.4.2.1 Bedeutung tiergestützter Interventionen
5.4.2.2 Methoden tiergestützter Interventionen
5.4.2.3 Auswirkungen tiergestützter Interventionen auf emotionale Kompetenzen
5.4.2.4 Einschränkungen tiergestützter Interventionen
5.4.3 Wahl des Tieres
5.4.4 weitere Auswirkungen tiergestützter Interventionen auf Kinder
5.5 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.6 kritische Reflexion des Interviews und der Auswertung
6 Diskussion und Kritik
7. Literatur
8. Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelor-Arbeit untersucht die Möglichkeiten der Förderung emotionaler Kompetenzen bei Kindern im Alter von 0 bis 7 Jahren durch den gezielten Einsatz tiergestützter Interventionen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie theoretische Konzepte dieser Interventionsform in der Praxis einer Kinder- und Jugendfarm umgesetzt werden können und welche Herausforderungen dabei entstehen.
- Grundlagen und Entwicklung emotionaler Kompetenzen im Kindesalter.
- Wirkungsspektrum und Methoden tiergestützter Interventionen.
- Bedeutung der Mensch-Tier-Beziehung in der Sozialpädagogik.
- Qualitative Analyse der Praxisanwendung durch ein Experteninterview.
- Kritische Reflexion der Rahmenbedingungen und Tierschutzaspekte.
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition tiergestützter Interventionen
Die Pädagogik lässt sich in vier Kategorien einteilen: (1) allgemeine Pädagogik, (2) historische Pädagogik, (3) vergleichende Pädagogik und (4) besondere Pädagogik. Die tiergestützte Pädagogik kann dabei als eine Unterkategorie der besonderen Pädagogik verstanden werden. Sie kann im Rahmen institutionsgebundener pädagogischer Settings wie beispielsweise der Schule oder des Kindergartens, aber auch in außerschulischen Bereichen auftreten (vgl. Waschulewski / Ignatowicz 2013, S. 9).
Das Ziel tiergestützter Interventionen im Allgemeinen ist die Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens sowie die Förderung der Selbstständigkeit des Klienten (vgl. Gras / Brenk / Rippke 2013, S. 131).
Zu dem Oberbegriff tiergestützte Interventionen lassen sich die Begriffe tiergestützte Aktivität, tiergestützte Pädagogik und tiergestützte Therapie zählen (vgl. Vernooji / Schneider 2013, S. 34). Diese orientieren sich an den englischen Begriffen Animal-Assisted Activities und Animal-Assisted Therapy. Diese wiederum entstanden aus den Begriffen Pet-Facilitated Therapy und Pet-Facilitated Psychotherapy. Da das Wort Pet eher die klassischen Haustiere bezeichnet, wurde der umfassendere Begriff Animal eingeführt (vgl. ebd., S. 29f.).
Als tiergestützte Aktivität werden Aktivitäten mit Tieren gezählt, „die zur Steigerung des Wohlbefindens und der Lebensqualität der Klienten beitragen. Dabei können die Aktivitäten von Professionellen, aber auch von Laien bzw. Freiwilligen mit speziell für diese Aktivitäten vorbereiteten Tieren angeboten werden“ (Kirchpfening 2012, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Bedeutung der Mensch-Tier-Beziehung und führt in die Fragestellung ein, wie tiergestützte Ansätze in der Sozialpädagogik zur Förderung emotionaler Kompetenzen bewusst eingesetzt werden können.
2. Emotionale Kompetenzen: In diesem Kapitel werden Definitionen emotionaler Kompetenzen erörtert, ihre Abgrenzung zu sozialen Kompetenzen vorgenommen und der Entwicklungsprozess vom Kleinkind- bis ins Vorschulalter beschrieben.
3. tiergestützte Interventionen: Es wird definiert, was unter tiergestützten Interventionen zu verstehen ist, ihr Wirkungsspektrum aufgezeigt und die Bedeutung der Mensch-Tier-Beziehung für den therapeutischen bzw. pädagogischen Prozess erläutert.
4 Förderung emotionaler Kompetenzen: Dieses Kapitel verknüpft die Methoden tiergestützter Arbeit mit den spezifischen Zielen der Förderung emotionaler Kompetenzen und beleuchtet sowohl die positiven Auswirkungen als auch die notwendigen Einschränkungen.
5 Fall - und Feldanalyse: Im Hauptteil wird die qualitative Untersuchung durch ein Experteninterview mit einer Leiterin einer Kinder- und Jugendfarm beschrieben, inklusive Forschungsdesign, Auswertungsverfahren und Ergebnisdarstellung.
6 Diskussion und Kritik: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung vor dem Hintergrund der theoretischen Literatur und formuliert kritische Anmerkungen zur praktischen Umsetzung tiergestützter Konzepte.
Schlüsselwörter
Tiergestützte Interventionen, Emotionale Kompetenzen, Sozialpädagogik, Kinder- und Jugendfarm, Empathie, Entwicklungspsychologie, Qualitative Inhaltsanalyse, Mensch-Tier-Beziehung, Soziale Kompetenz, Pädagogik, Emotionsregulation, Verhaltensförderung, Tierschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie tiergestützte Interventionen dazu beitragen können, emotionale Kompetenzen bei Kindern zwischen 0 und 7 Jahren gezielt zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen emotionaler Entwicklung, Methoden der tiergestützten Pädagogik, die praktische Umsetzung in offenen Einrichtungen sowie der Tierschutz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Verknüpfung von theoretischen Erkenntnissen zu tiergestützten Interventionen mit der praktischen Umsetzung in einer Kinder- und Jugendfarm zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin wählt eine qualitative Fall- und Feldanalyse und führt ein leitfadengestütztes Experteninterview durch, welches nach der Methode von Mayring ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Methoden tiergestützter Interventionen in der Praxis, die Auswirkungen auf die emotionale Entwicklung und Herausforderungen bei der Finanzierung und Umsetzung detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind tiergestützte Interventionen, emotionale Kompetenzen, Sozialpädagogik, Empathie und qualitative Forschung.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "freier" und "gelenkter" Interaktion eine Rolle?
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, ob die Arbeit als tiergestützte Aktivität (ohne feste Ziele) oder als pädagogische Intervention (mit gezielten Förderplänen) erfolgt.
Welche Rolle spielt die Einbindung des Tierschutzes bei den Interventionen?
Der Tierschutz ist essenziell, da die Tiere nicht als bloße Arbeitsmittel betrachtet werden dürfen; sie benötigen Rückzugsmöglichkeiten und Ruhetage, um das Stresslevel zu minimieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Tiere in der Einrichtung?
Die Tiere fungieren als "Türöffner" und Co-Pädagogen, die soziale Interaktionen beschleunigen und Kindern dabei helfen, ihr Verhalten durch direktes, ehrliches Feedback zu reflektieren.
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- Lisa Jelowik (Author), 2017, Die Förderung emotionaler Kompetenzen von Kindern zwischen 0 und 7 Jahren durch tiergestützte Interventionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353971