Wie bringt uns frankophone afrikanische Literatur zum Lachen? Ironie und Humor in "Le Pauvre Christ de Bomba" von Mongo Béti


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Funktion der Ironie und des Humors
2.1. Die Naivität des Erzählers
2.2. Das Kolonialsystem
2.2.1. Die Missionierung
2.2.2. Die Rolle der Kirche
2.3. Die Dekonstruktion von Symbolen

3. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ironie und Humor kennzeichnen die literarischen Werke Afrikas. Sie sind von Anfang an Stilmittel in den francophonen Literaturen Afrikas und sind es noch mehr in den modernen Romanen. Die aufmerksame Lektüre afrikanischer Literatur zwingt uns oft zum Lachen, Lachen wird durch Ironie und Humor provoziert. In dieser Hausarbeit werden auf der Grundlage des Romans Le Pauvre Christ de Bomba Ironie und Humor von Mongo Béti dargestellt. Nach der Vorstellung des Romaninhalts wird kurz das koloniale System mit seinen Strukturen beschrieben. Anschließend werden die Symbole betrachtet. Zuerst wird auf Leben und Werk des Autors eingegangen.

Mongo Béti ist ein wichtiger Vertreter der francophonen afrikanischen Literatur, insbesondere in seinen Romanen.

Mongo Béti wurde am 30. Juni 1932 in Akométan, eine kleine Ortschaft südlich von Yaoundé, geboren. Sein Geburtsname ist Alexandre Biyidi. Ähnlich wie Denis, der Erzähler in Le Pauvre Christ de Bomba, besuchte Béti die katholische Missionsschule.

Im Jahr 1946 ging er auf das Gymnasium in Yaoundé, das spätere Lycée Leclerc.

Nach dem Abitur 1951 geht Béti zum Studium nach Frankreich, wo er zuerst an der philosophischen Fakultät in Aix-en-Provence, dann an der Sorbonne aufgenommen wird.

Im Jahr 1959 absolvierte Béti die französische Lehramtsprüfung. « Ce qui est remarquable chez moi, c´est que j´ai fait des études françaises typiques (…) Coupé de l´Afrique traditionnelle, j´ai commencé tout de suite des études classiques françaises »1. Mit dem Wunsch eine Karriere als Lehrer zu machen, bewarb sich Béti zur Prüfung bei der Éducation Nationale Française und schaffte die Zulassung für das höhere Lehramt für klassische Sprachen. Er arbeitete als Lehrer im Westen Frankreichs in verschiedenen Einrichtungen, dann viele Jahre am Lycée Corneille de Rouen, Gipfel seiner beruflichen Laufbahn.

1978 gründete Mongo Béti (zusammen mit seiner Ehefrau Odile Tobner) die Zeitschrift Peuples Noirs - Peuples Africains, die sich dem kulturellen Widerstand gegen den Neokolonialismus in Afrika widmete.

Im Jahr 1994 wurde Béti pensioniert und kehrte nach Kamerun zurück, wo er seine Buchhandlung Librairie du Peuple Noir eröffnete. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte sich der Ort, trotz vieler Schwierigkeiten, zu einem wichtigen Treffpunkt des intellektuellen Lebens von Kamerun.

Mongo Béti starb am 8. Oktober 2001 in Yaoundé.

Die literarische Karriere Alexander Biyidis begann schon 1953. Während seines Studiums publizierte er in der Zeitschrift Pr é sence Africaine zwei Texte : einen Artikel "Problèmes de l´étudiant noir" und eine Novelle Sans haine et sans amour. 1954 erschien Ville cruelle unter dem Pseudonym Eza Boto, mit welchem seine Karriere als Romancier startete. In den folgenden vier Jahren erschienen die Romane: Le Pauvre Christ de Bomba (1956), publiziert unter dem neuen Pseudonym Mongo Béti, Mission termin é e (1957) und Le Roi miracul é (1958). In Le Pauvre Christ de Bomba, einem Roman über die koloniale Epoche, erarbeitet Mongo Béti, mittels des naiven Erzählers, seinen Sarkasmus, verbunden mit sokratischer Ironie. Von 1959 bis 1971 entstand eine literarische Pause und erst 1972 erschien Main basse sur le Cameroun.

Die Jahre 1978 - 1991 waren die produktivsten in Bétis ganzer Karriere als Schreiber und als Publizist : die Zeitschrift Peuples Noirs - Peuples Africains war für Béti eine Art Forum zur Diskussion aktuellen Probleme Afrikas. Es erschienen weitere Romane : La Ruine presque cocasse d ´ un polichinelle (1978), Les Deux M è res de Guillaume Isma ë l Dzewatama (1983), La Revanche de Guillaume Isma ë l Dzewatama (1984).

Die letzte Periode von Bétis Schaffen ist die Zeit der literarischen Bilanz. Nach 40 Jahren Kampf musste Béti akzeptieren, dass die Ungerechtigkeit fortdauert. Noch schlimmer : die moralische Korruption hatte ihren Höhepunkt erreicht. Der Verarbeitung dieser Befunde dienen die Romane : L ´ Histoire du fou (1994), Trop de soleil tue l ´ amour (1999) und Branle - bas en noir et blanc (2000).

2. Die Funktion der Ironie und des Humors

Humor und Ironie sind Stilmittel mit Ähnlichkeiten und schwierig zu unterscheiden. Laut Le Petit Larousse, ist der Humor « [f]orme d´esprit qui cherche à mettre en valeur avec drôlerie le caractère ridicule, insolite ou absurde de certains aspects de la realité, qui dissimule sous un air sérieux une raillerie caustique »2. In demselben Wörterbuch ist die Ironie definiert als « [r]aillerie consistant à ne pas donner aux mots leur valeur réelle ou complète ou à faire entendre le contraire de ce qu´on dit »3. In L ´ Ironie von V. Jankélévitch stehen der Humor und die Ironie nicht in Gegensatz. Humor widersetzt sich nicht der Ironie, er ist die höchste Form der Ironie. Für Jankélévitch ist es eine Frage der Gradierung.

Nach Jankélévitch ist die Ironie streng, boshaft, gallig, verächtlich. Demgegenüber hat der Humor die Nuance der Nettigkeit und der Gutmütigkeit, was es in der Ironie nicht gibt. Jankélévitch kommt auf die Idee, dass der Humor eine Überschreitung ist, er betrachtet Humor als etwas Ernsthaftes : « Cette ironie qui est finalement sérieuse, c´est ce qu´avec Höffding on pourrait appeler l´Humour »4. Zentral für Humors ist die Sympathie. Man bemerkt, dass Jankélévitch Ironie und Humor mit dem Wort «Ironie» bezeichnet, benutzt dafür « l´ironie fermée » und « l´ironie ouverte ». «L´ironie ouverte » wäre ein Aspekt des Humors, nach seiner Definition : « L´humour, c´est l´ironie ouverte : car si l´ironie close ne désire pas instruire , l´ironie ouverte est finalement principe d´entente et de communauté spirituelle »5. In der Ironie findet man Scherz, aber als Verspottung, man liest die Wahrheit wie ein offenes Buch.

Jankélévitch merkt an, dass der Humor die Ausführung der positiven Seite der Ironie ist. « L´ironie humoresque , accomplissant ainsi le message positif de l´ironie , veut n´être dupe du sérieux numéro un, et ceci pour aller au-delà même du sérieux numéro deux »6. Der Humor, wie Jankélévitch erläutert, bleibt positiv, die Ironie demgegenüber ist im Grunde genommen negativ.

Wie wir sehen, bringt Jankélévitch eine Nuance im Sinne der Gradierung zwischen Ironie und Humor. Die Ironie bleibt agressiv und negativ, während der Humor positiv und insbesondere leicht ist.

Mongo Béti verwendet den Humor bewusst, präsentiert in humoristischem Ton ein ernsthaftes, sogar dramatisches Subjekt. Das Lachen erzeugt beim Leser eine leichte und angenehme Lektüre. Beim Lesen Romane von Mongo Béti fühlt man keine Traurigkeit, was dem Leser die Möglichkeit gäbe, sich vom Text abzuwenden. Mongo Béti gelingt es, ein Klima zu schaffen, welches das Lesen angenehmer macht.

In Le Pauvre Christ de Bomba kann man ständig lachen, zum Beispiel in der Szene einer Konfrontation zwischen R. P. S. Drumont und Sanga Boto. R. P. S. Drumont, im Roman meist als R. P. S. abgekürzt, ist Missionar und Gründer der Missionsstation Bomba. Sanga Boto ist der Zauberer des Dorfes. R. P. S. hat den Zauberer überrascht und erschreckt, als er in seine Hütte kommt. Der Zauberer benimmt sich wie ein kleines Kind : « Il était effrayé et il criait presque en pleurnichant »7. R. P. S zerrt ihn gewaltsam aus der Hütte. Nur in Unterhosen läuft Sango Boto durch das ganze Dorf, er schämt sich und wird von Frauen und Kindern ausgelacht. Sanga Boto, der so mächtig erschien, fängt an R.P.S. zu bitten, ihn weg zu lassen, weil es für einen Zauberer peinlich ist, nackt zu sein. Nicht zufrieden mit diesem Sieg, zerstört der Missionar die Macht des Zauberers mit einer Strafpredigt vor allen Leuten. In dieser Szene in der Kirche macht R. P. S. Sanga Boto lächerlich, als ob dieser die Inkarnation des Satans und die Realisation der Prophetie sei.

Béti verwendet ständig die Ironie. Es werden Fakten und Phänomene in spottlustigem Ton präsentiert mit dem Versuch, alles zu banalisieren. Mongo Béti lächelt über die Figuren. Dadurch gibt uns der Autor die Möglichkeit, die Figuren besser kennenzulernen und einzuschätzen.

Die Ironie hinter dieser Art Präsentation spiegelt das Bewusstsein des Autors - er lacht über diese Welt, von der er erzählt. Er bevorzugt es, sich lustig zu machen. Der Autor will damit dem Leser zeigen, dass die Situationen, über die man sich kaputt lachen kann, auch tragisch sein können. Deswegen ist sein Mittel die Ironie, weil l’ironie développe d’abord en nous une sorte de prudence égoïste qui nous immunise contre toute exaltation compromettante et contre les déchirements de l´extrémisme sentimental : grâce à elle, nous ne serons plus écartelés entre des incompatibles également ambitieux. D’autre part, l’ironie nous donne le moyen de

[...]


1 Bernard Mouralis, Comprendre L ´ oeuvre de Mongo B é ti, Issy les Moulineaux, Editions Saint-Paul, 1981. S. 23.

2 Le Petit Larousse illustré, Paris, 2001. S. 519.

3 Ebd, S. 559.

4 Vladimir Jankélévitch, L´Ironie, Paris, Flammarion, 1964. S. 171.

5 Ebd, S. 172.

6 Ebd, S. 173.

7 Mongo Béti, Le Pauvre Christ de Bomba, Paris, Présence Africaine, 1976. S. 126.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wie bringt uns frankophone afrikanische Literatur zum Lachen? Ironie und Humor in "Le Pauvre Christ de Bomba" von Mongo Béti
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V353985
ISBN (eBook)
9783668401716
ISBN (Buch)
9783668401723
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrika, Frankophonie, Ironie, Humor, Afrikanische Literatur
Arbeit zitieren
Ekaterina Shugaeva (Autor), 2015, Wie bringt uns frankophone afrikanische Literatur zum Lachen? Ironie und Humor in "Le Pauvre Christ de Bomba" von Mongo Béti, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/353985

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