Für Deutschland und Frankreich wird das Thema Integration immer relevanter. Dies zeigt sich daran, dass das Thema immer wieder in der öffentlichen Debatte steht. Sei es mit dem 2010 erschienen Buch von Thilo Sarrazin (SPD) „Deutschland schafft sich ab – Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“ oder den Aufständen in den französischen Vorstädten 2005.
Trotz der hohen Aktualität des Themas unterscheiden sich die beiden Länder im Umgang mit Integration von MigrantInnen stark voneinander. Während in Deutschland lange galt, dass die MigrantInnen irgendwann in ihre Heimat zurückkehren und deshalb nicht stark integriert werden müssen („Gastarbeitermodell“), ging man in Frankreich davon aus, dass sich die MigrantInnen selbst integrieren würden.
Die Beantwortung meiner Forschungsfrage, wie sich Bildung auf die Integration von MigrantInnen auswirkt, bedient sich folgender Hypothese: Je höher das Bildungsniveau von Menschen mit Migrationshintergrund, desto besser die Integrationschancen. Zur Beantwortung meiner Forschungsfrage ziehe ich zunächst in Kapitel 2 die Integrationskonzepte sowohl Deutschlands als auch Frankreichs heran. Erst einmal beschäftige ich mich in Kapitel 2 mit der Begriffsdefinition von Integration in beiden Ländern. Dann gehe ich sowohl auf die aktuellen als auch auf die historischen Entwicklungen der Integrationskonzepte ein, des Weiteren erläutere ich abschließend zu Kapitel 2 die aktuellen Debatten in beiden Ländern. Ergänzend zum Kapitel 2 geht es im 3. Kapitel um die Bildungspolitik in beiden Ländern mit dem Fokus auf die Einbeziehung von MigrantInnen, wobei ich junge in Deutschland lebende Türken und junge in Frankreich lebende Maghrebiner als Fallbeispiele heranziehen möchte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Integrationspolitik im Nationalstaat
2.1 Deutschland
2.1.1 Integrationsbegriffsverständnis in Deutschland
2.1.2 Einwanderungs- und Integrationskonzept in Deutschland seit 1950
2.1.3 Nationaler Aktionsplan Integration in Deutschland
2.1.4 Aktuelle Debatten
2.2 Frankreich
2.2.1 Integrationsbegriffsverständnis in Frankreich
2.2.2 Integrationskonzepte in Frankreich seit 1950
2.2.3 Aktuelles Integrationsmodell in Bezug auf Bildung
2.2.4 Aktuelle Debatten
3 Fallbeispiele
3.1 Türken in Deutschland
3.2 Maghrebiner in Frankreich
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Bildungssystemen auf die Integration von MigrantInnen in Deutschland und Frankreich, geleitet von der Hypothese, dass ein höheres Bildungsniveau direkt mit besseren Integrationschancen korreliert.
- Historische Entwicklung der Integrationspolitik in Deutschland und Frankreich
- Vergleichende Analyse bildungspolitischer Ansätze und Konzepte
- Untersuchung der Integrationschancen von Türken in Deutschland als Fallbeispiel
- Untersuchung der Integrationschancen von Maghrebinern in Frankreich als Fallbeispiel
- Identifikation struktureller Barrieren und bildungsrelevanter Diskriminierung
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Einwanderungs- und Integrationskonzept in Deutschland seit 1950
Lange galt Deutschland als „nicht“-Einwanderungsland. Das wird auch klar, wenn man sich das Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz von 1913 ansieht, dass noch bis 1990 galt.
Trotz dessen warb man in Deutschland ab 1955 „Gastarbeiter“ aus Italien an, die aufgrund des Wiederaufbaus im Nachkriegsdeutschland dringend gebraucht wurden. Es folgten 1960 Spanier und Griechen, 1961 schoss man ein Abkommen mit der Türkei, 1964 mit Portugal und 1968 mit dem damaligen Jugoslawien. Aufgrund des „Gastarbeiterstatus“ wurden diese Menschen jedoch nicht wirklich integriert, da man jahrzehntelang davon ausging, sie verließen Deutschland wieder. Von 1955 bis zum Anwerbestopp 1973 kamen ca. 14 Millionen MigrantInnen in den BRD, ca. 11 Millionen zogen in diesen Jahren auch wieder weg.3 So wurde die BRD schon in ihrer frühen Phase zum Einwanderungsland ohne, dass dies von der breiten Öffentlichkeit diskutiert und registriert wurde.
„Aus diesem Grund beschloss die Bundesregierung 1978, einen „Beauftragten zur Förderung der Integration der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen“ zu berufen.“ Obwohl dieses Ressort des Ausländerbeauftragten an das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung gebunden war, sollte sich der Beauftragte um alle Bereich des Lebens der ausländischen Mitbürger kümmern und die deutsche Bevölkerung für Integration sensibilisieren.4
1979/80 gab es sogar die ersten Integrationskonzepte und der erste „Ausländerbeauftragte“ der Bundesregierung Heinz Kühn (SPD) kritisierte die bisherige Ausländerpolitik und forderte Eingliederungsmaßnahmen (z.B. Kommunalwahlrecht für Ausländer). Er sagte sogar den demographischen Wandel voraus und wies auf die sich daraus ergebenden Folgen auf dem Arbeitsmarkt hin. Es gebe keine „Gastarbeiter“ mehr, sondern Einwanderer.5
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema Integration in Deutschland und Frankreich vor, definiert die Forschungsfrage bezüglich des Einflusses von Bildung auf Integrationschancen und erläutert das methodische Vorgehen.
2 Integrationspolitik im Nationalstaat: In diesem Kapitel werden die historischen Entwicklungen, Integrationskonzepte sowie aktuelle politische Debatten beider Länder detailliert dargestellt und analysiert.
3 Fallbeispiele: Hier werden die Erfahrungen von in Deutschland lebenden Türken und in Frankreich lebenden Maghrebinern herangezogen, um die Auswirkungen der jeweiligen Bildungspolitik auf die Integrationserfolge zu verdeutlichen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, vergleicht die Ähnlichkeiten der Integrationsprobleme und bestätigt die Hypothese, dass Bildung ein entscheidender Faktor für die soziale Teilhabe ist.
Schlüsselwörter
Integration, Bildungssystem, Migrationshintergrund, Deutschland, Frankreich, Gastarbeiter, Einwanderung, Chancengleichheit, Arbeitsmarkt, Staatsangehörigkeit, Assimilation, Sozialintegration, Bildungschancen, Diskriminierung, Integrationspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, inwieweit das Bildungssystem in Deutschland und Frankreich die Integration von MigrantInnen fördert oder behindert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung der Einwanderungspolitik, das jeweilige Integrationsverständnis der Nationen und der spezifische Stellenwert von Bildung für die soziale Teilhabe.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich unterschiedliche Bildungsniveaus von Menschen mit Migrationshintergrund auf deren langfristige Integrationschancen auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin verwendet einen vergleichenden politikwissenschaftlichen Ansatz, der durch Literaturanalyse und die Betrachtung spezifischer Fallbeispiele gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Untersuchung der Integrationskonzepte in beiden Ländern, der bildungspolitischen Situation sowie einer Analyse der jeweiligen Situation von Türken in Deutschland und Maghrebinern in Frankreich.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am stärksten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Integrationspolitik, Bildungsgerechtigkeit, Staatsbürgerschaftsrecht, Assimilation versus Integration und soziale Teilhabe gekennzeichnet.
Worin liegt der Hauptunterschied beim Integrationsansatz von Deutschland und Frankreich?
Deutschland hat sich historisch vom „Gastarbeitermodell“ hin zu einer gezielteren Integrationsförderung entwickelt, während Frankreich lange Zeit ein stark an Assimilation orientiertes Modell verfolgte, das auf dem Gleichheitsprinzip basiert und nationale Sonderförderungen für Gruppen eher ablehnt.
Warum wurden genau die Türken in Deutschland und Maghrebiner in Frankreich als Fallbeispiele gewählt?
Diese Gruppen wurden gewählt, da sie jeweils die größte Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund in ihrem jeweiligen Aufnahmeland darstellen und somit repräsentativ für die Integrationsdebatte sind.
Welches Fazit zieht die Autorin in Bezug auf ihre Arbeitshypothese?
Die Autorin bestätigt ihre Hypothese, dass ein höheres Bildungsniveau maßgeblich zu besseren Integrationschancen und einer gelungeneren sozialen Teilhabe führt.
- Arbeit zitieren
- Sarah Kutscher (Autor:in), 2013, Das Bildungssystem als Faktor für den Erfolg oder Misserfolg der Integration von MigrantInnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354044