Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Geschichtsvermittlung und Reflexion der eigenen Identität im Comic "Persepolis" von Marjane Satrapi. Um in die Thematik einzuleiten möchte ich im Folgenden auf die Entstehung des Comics, sowie des Comic-Buchs eingehen und kurz schildern, wie sich der wissenschaftliche Umgang mit dem Medium Comic entwickelte. Ein wichtige Rolle in der Entwicklung des Comics spielte die Erfindung des Flachdrucks 1796 durch Senefelder. Die seitdem druckbaren Lithografen stellten eine günstige Möglichkeit dar, Zeichnungen in hohen Auflagen zu vervielfältigen.
Eine weitere Voraussetzung für die Entwicklung des Comics war die Massenalphabetisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert entwickelte sich der Comic als Mischung altbekannter Stilmittel aus den Traditionen von Karikatur und Bildergeschichte. Als sogenannte Geburtsstunde des Comics bezeichnet man den 25. Oktober 1896, als der erste Teil aus der Reihe „Yellow Kid Episode“ im New York Journal erschien.
Der Hauptcharakter der Unterhaltungsbeilage ist ein Junge aus einem New Yorker Slum. Durch die Verzahnung von Bild und Text, sowie der sequenziellen Erzählweise des Zeichners Outcault, bezeichnet man die Serie als ersten Comic-Strip überhaupt. In seinen Anfängen richtete sich der Comic vor allem an ein urbanes und erwachsenes Publikum. Die Ostküste der USA war Ende des 19. Jahrhunderts geprägt durch europäische Einwanderer, sprich durch eine große ethnische Durchmischung. In New York sprach man um die 70 Sprachen.
Das Erzählen mittels Bildern war für alle gleichermaßen verständlich und verhalf zu einem Gefühl gemeinsamer Identität, trotz verschiedener Sprache und Herkunft. Adorno sprach bezüglich dieser Möglichkeit der Identitätsstiftung durch Bildersprache in seinem Resumée über Kulturindustrie vom „Potential der niederen Kunst“ und der dadurch verursachten „zivilisatorischen Bändigung“ der Bevölkerung. Der Comic wurde zu einem zielgruppenorientierten Produkt.
In den Jahren nach dem Börsen-Crash 1929, als Prohibition und Gangstertum die USA prägen und in Deutschland Hitler an die Macht kommt, entsteht eine Generation neuer Helden im Comic. Superhelden wie Buck Rogers Tarzan und Alex Raymonds Flash Gordon werden Teil einer multimedialen Unterhaltungsindustrie.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entwicklung des Comics
- Das Comicbuch als eigenständiges Medium
- Die wissenschaftliche Perspektive auf den Comic
- Persepolis - eine Autofiktion
- Graphic Novel, Autofiktion oder dokumentarischer Comic?
- Der Comic in Ländern ohne Comic-Tradition
- Geschichtsprojektionen in „Persepolis“
- Leitmotive in „Persepolis“: Schleier und Spiegel
- Schlusswort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Rolle des Comics in der Geschichtsvermittlung und seine Relevanz für die Reflexion der eigenen Identität am Beispiel von Marjane Satrapis Autofiktion „Persepolis“. Die Analyse beleuchtet die Entstehung und Entwicklung des Comics sowie die spezifischen Herausforderungen seiner Verwendung in Ländern ohne etablierte Comic-Tradition.
- Der Comic als Medium der Geschichtsvermittlung
- Die Rolle des Comics in der Reflexion der eigenen Identität
- Die Verwendung des Comics in Ländern ohne Comic-Tradition
- Die spezifischen Merkmale von „Persepolis“ als Autofiktion
- Leitmotive und zentrale Themen in „Persepolis“
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung des Comics vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, beleuchtet die Entstehung des Comic-Buchs als eigenständiges Medium und behandelt die wissenschaftliche Debatte über den Comic.
- Persepolis - eine Autofiktion: Dieses Kapitel analysiert die Einordnung von „Persepolis“ in die verschiedenen Genres, beleuchtet den Kontext des Comics in Ländern ohne Comic-Tradition, untersucht die Geschichtsprojektionen in der Geschichte und analysiert die Leitmotive „Schleier“ und „Spiegel“.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Geschichtsvermittlung, Comic, Autofiktion, Identität, Iran, Naher Osten, Persepolis, Marjane Satrapi, Schleier, Spiegel, Kulturgeschichte, Medienwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Marjane Satrapis Comic "Persepolis"?
"Persepolis" ist eine Autofiktion, die die Geschichte von Satrapis Kindheit und Jugend im Iran während der Islamischen Revolution und des Ersten Golfkriegs erzählt.
Warum wird "Persepolis" als Autofiktion bezeichnet?
Es verbindet autobiografische Elemente mit fiktionalen Erzählweisen und Reflexionen, um sowohl persönliche Identität als auch Zeitgeschichte zu vermitteln.
Welche Bedeutung haben die Motive "Schleier" und "Spiegel" im Comic?
Der Schleier steht für Unterdrückung und kulturelle Identität, während der Spiegel die Selbstreflexion und die Suche nach der eigenen Identität symbolisiert.
Wie trägt der Comic zur Geschichtsvermittlung bei?
Durch die Kombination von Text und Bild macht der Comic historische Ereignisse emotional greifbar und verständlich, besonders für Leser ohne Vorwissen über den Iran.
Wann gilt die Geburtsstunde des modernen Comics?
Als Geburtsstunde gilt der 25. Oktober 1896 mit dem Erscheinen des ersten "Yellow Kid" Comic-Strips im New York Journal.
Welche Rolle spielte die Massenalphabetisierung für die Entwicklung des Comics?
Sie war eine wesentliche Voraussetzung, da sie ein breites Publikum schuf, das in der Lage war, die Verzahnung von Text und Bild in Zeitungsbeilagen zu konsumieren.
- Citation du texte
- Hildegard Pank (Auteur), 2016, Persepolis, eine Autofiktion. Geschichtsvermittlung und Reflexion der eigenen Identität im Comic, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354107