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Europäischer Rat und Ministerrat im politischen System der Europäischen Union

Title: Europäischer Rat und Ministerrat im politischen System der Europäischen Union

Seminar Paper , 2004 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alexander Vehrenkamp (Author)

Politics - Topic: European Union
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Wann auch immer man die Geburtstunde der Europäischen Integration und damit die der Europäischen Union ansetzt – sei es mit der Gründung der Zollunion zwischen den Benelux Ländern am 1. Januar 1948 oder der Unterzeichnung des Pariser Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) – die seither gemachten Fortschritte auf dem Weg der europäischen Integration oder gar Einheit sind beachtlich. Eines der deutlichsten Zeichen dieses Prozesses ist die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) zwischen zunächst zwölf Mitgliedstaaten der Union. Mit dem Abschluss der letzten Erweiterungsrunde am 01.05.2004 hat die Politik der EU nunmehr Einfluss auf über 470 Millionen Bürger in 25 Staaten. Analog zu ihrer demografischen und geografischen Erweiterung hat auch die politische Zusammenarbeit im Bereich der EU an Komplexität zugenommen. Zur Kontrolle und Verwaltung der vielfältigen zwischenstaatlichen Regime und supranationalen Aufgaben haben sich organische Strukturen herausgearbeitet, die denen eines modernen Staates nicht unähnlich sind. Trotz alledem ist die Europäische Union eines gewiss nicht: Ein Staat nach klassischem Verständnis. Es gibt keine europäische Regierung und keine Hauptstadt. Und dennoch besitzt sie eine Reihe von Institutionen und Einrichtungen, denen ihre Mitgliedsstaaten unter Aufgabe eines Teiles der nationalen Souveränität Kompetenzen übertragen. Die europäische Zusammenarbeit hat also die rein intergouvernementale Ebene längst verlassen. Auf europäischer Ebene geschaffene, für alle Länder der EU verbindliche Gesetze, Verordnungen und politische Richtlinien werden in den Mitgliedsstaaten umgesetzt und verdrängen demnach in Teilgebieten nationales Recht. Der Umfang dieses Machttransfers an die EU als supranationales Gebilde hat im Laufe der Zeit zugenommen und dürfte sich noch verstärken, beispielsweise im Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP), einer der Säulen der europäischen Integration. Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass alle Mitgliedsstaaten entsprechenden Einfluss bei Entscheidungen haben, welche die Politik der EU bestimmen. Dies spiegelt sich auch in der Zusammensetzung ihrer politischen Institutionen wider. In Gestalt des Ministerrates und des – institutionell lange strittigen – Europäische Rates wird das Gewicht der einzelnen Regierungen und Staatsoberhäupter in den politischen Prozess der EU eingebracht. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Europäische Rat – Motor der europäischen Integration

2.1. Die Entwicklung des Europäischen Rates

2.2. Struktur und Arbeitsweise des Europäischen Rates

2.3. Aufgaben und Rolle des Europäischen Rates

2.4. Zusammenfassung und Einordnung in das politische System der EU

3. Der Ministerrat als legislativer und politischer Akteur der EU

3.1. Zusammensetzung des MR – Ein Rat, viele Gesichter

3.2. Aufgaben und Rolle des Ministerrates im politischen System der EU

3.2.1. Das „Two Level Game“ – die politische Dimension

3.2.2. Abstimmungsverfahren

3.2.3. Rechtsetzungsverfahren im MR – die legislative Dimension

3.3. Zusammenfassung und Einordnung in das politische System der EU

4. Schlussbetrachtung

5. Anhang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Funktionen und die institutionelle Einordnung des Europäischen Rates sowie des Ministerrates innerhalb des komplexen politischen Systems der Europäischen Union vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung.

  • Rollenverständnis und Arbeitsweise des Europäischen Rates
  • Legislative und politische Funktion des Ministerrates
  • Herausforderungen der Entscheidungsfindung im Kontext des "Two Level Game"
  • Analyse der Abstimmungs- und Rechtsetzungsverfahren
  • Vergleich und Einordnung der Institutionen in das politische Gefüge der EU

Auszug aus dem Buch

3.2.1. Das „Two Level Game“ – Die politische Dimension

Im Normalfall stellen sich die Entscheidungsträger nationaler Politik als verhältnismäßig homogenes Gefüge dar, so beispielsweise eine Regierung, die sich auf eine komfortable Mehrheit im Parlament stützt. Im Gegensatz dazu sehen sich die Minister, die in den verschiedenen Räten zusammenkommen, unter Umständen einer ganzen Reihe konträrer Meinungen gegenüber, die es zu einer allgemein vertretbaren Lösung zu formen gilt. In diesem Prozess, der alleine schon durch die große Anzahl der Mitglieder schwierig erscheint, gilt es jedoch stets zwei „Ebenen“ im Auge zu behalten: Zum einen soll im Sinne der europäischen Sache gehandelt werden, zum anderen müssen auch die nationale Interessen gewahrt werden, schließlich kommt der Ministerrat in gewisser Weise einem föderalen Organ gleich. Vor diesem Hintergrund scheint es nicht verwunderlich, dass die Arbeitweise im Ministerrat stets einen diplomatischen Beigeschmack besitzt und die Tagungen internationalen Konferenzen ähneln.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Putnam hat zur Verdeutlichung dieses Spannungsfeldes zwischen innenpolitischer Interessenvertretung und Konsensdruck auf internationaler Ebene das so genannte „Two Level Game“ entwickelt. Vereinfacht gesagt vergleicht er hierbei internationale Konferenzen mit einer Art Spiel, bei dem die Spieler an verschiedenen Tischen zu spielen haben. An einem Tisch findet das Spiel mit den Verhandlungspartnern statt, im Falle des Ministerrats die Regierungen der EU Staaten. Am zweiten Spieltisch wartet die nationale Interessenlage bzw. die von der Regierung formulierten Vorgaben sowie die darauf gerichtete Öffentlichkeit. Weder darf – auch um des Wählers Stimme willen – zu weit von der eigenen Position abgerückt werden, noch dürfen die Mitspieler am europäischen Spieltisch verprellt werden. Dieses Problem verdichtet sich, je mehr Einfluss die Gesetze und Verordnungen in den Mitgliedsstaaten haben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Entwicklung der europäischen Integration und führt in die institutionelle Struktur der EU sowie die Relevanz von Europäischem Rat und Ministerrat ein.

2. Der Europäische Rat – Motor der europäischen Integration: Dieses Kapitel erläutert die informelle Entstehung, die Entwicklung zur zentralen politischen Steuerungseinheit sowie die Aufgaben des Europäischen Rates.

3. Der Ministerrat als legislativer und politischer Akteur der EU: Das Kapitel beschreibt den Ministerrat als zentrales Rechtsetzungsorgan, seine komplexe Zusammensetzung, die Abstimmungsmodalitäten und die legislative Rolle im EU-System.

4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Entwicklung der Institutionen zusammen und bewertet deren Rolle und Bedeutung im institutionellen Dreieck der Europäischen Union.

Schlüsselwörter

Europäischer Rat, Ministerrat, Europäische Integration, Rechtsetzung, EU-Institutionen, Two Level Game, Abstimmungsverfahren, Qualifizierte Mehrheit, Europäische Verfassung, politische Steuerung, Interessenvertretung, Mehrebenensystem, legislative Dimension.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Rollen, Funktionen und die Arbeitsweise des Europäischen Rates und des Ministerrates im politischen System der Europäischen Union.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die politische Steuerung durch den Europäischen Rat, die legislative Funktion des Ministerrates sowie die Herausforderungen der Entscheidungsfindung im EU-Mehrebenensystem.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese zentralen Organe arbeiten, welche Funktionen sie innerhalb des komplexen EU-Systems übernehmen und welche Probleme sich insbesondere bei der Entscheidungsfindung im europäischen Regierungskonzert ergeben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der einschlägigen Vertragswerke der EU, einschließlich des Verfassungsentwurfs, sowie auf eine Auswertung politikwissenschaftlicher Literatur zum politischen System der EU.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung des Europäischen Rates (Entwicklung, Struktur, Aufgaben) und des Ministerrates (Zusammensetzung, Two Level Game, Abstimmungs- und Rechtsetzungsverfahren).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Europäischer Integration, Rechtsetzung, Two Level Game, Qualifizierte Mehrheit und institutionelles Gefüge der EU charakterisiert.

Was bedeutet das "Two Level Game" im Kontext des Ministerrates?

Es beschreibt das Spannungsfeld der Minister, die gleichzeitig nationale Interessen (innenpolitische Ebene) vertreten und auf europäischer Ebene einen tragfähigen Konsens (europäische Ebene) erzielen müssen.

Warum wird die demokratische Legitimität des Europäischen Rates kritisiert?

Der Rat wird dafür kritisiert, dass er durch kein anderes EU-Organ wirksam kontrolliert wird und seine Zusammensetzung aus Regierungschefs zwar demokratisch in den Mitgliedstaaten legitimiert ist, aber die nationalen Minderheiten auf europäischer Ebene nicht adäquat repräsentiert.

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Details

Title
Europäischer Rat und Ministerrat im politischen System der Europäischen Union
College
Helmut Schmidt University - University of the Federal Armed Forces Hamburg  (Institut für Politikwissenschaft, Prof. Jürgen Hartmann)
Course
Das politische System der EU Frühjahrstrimester 2004
Grade
1,0
Author
Alexander Vehrenkamp (Author)
Publication Year
2004
Pages
27
Catalog Number
V35412
ISBN (eBook)
9783638353311
Language
German
Tags
Europäischer Ministerrat System Europäischen Union System Frühjahrstrimester
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alexander Vehrenkamp (Author), 2004, Europäischer Rat und Ministerrat im politischen System der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35412
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