Die Diskussion um kooperative Aktivitäten zwischen den an der dualen Berufsausbildung in Deutschland beteiligten Lernorte „Berufsschule“ und „Betrieb“ verlor in der Geschichte der beruflichen Bildung nie an Aktualität. Der Begriff des „dualen Systems der Berufsausbildung“ begründet die Notwendigkeit zur Kooperation der Lernorte, um einer qualitativ hochwertigen Erstausbildung junger Erwachsener in der Bundesrepublik Deutschland gerecht werden zu können. Die Thematik Lernortkooperation stand stets im Fokus der Berufsbildungsforschung. Infolgedessen initiierte die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) in der Vergangenheit unterschiedliche Modellversuche, um die Zusammenarbeit der zuständigen Ausbildungsorte hinsichtlich ihrer Effektivität auf die berufliche Bildung zu überprüfen, bestehende Defizite aufzuzeigen und Verbesserungsmöglichkeiten anzuregen. 2 Im Rahmen dessen setzt sich die vorliegende Ausarbeitung mit dem Modellversuchsprogramm „Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung (KOLIBRI)“ auseinander. Im Folgenden soll ein Überblick zur Begrifflichkeit der Lernortkooperation gegeben werden [2]. Wie definiert sich Lernortkooperation? Welche Interessengruppen beteiligen sich an kooperativen Aktivitäten in der beruflichen Bildung? Welche Ergebnisse hinsichtlich der Kooperation der Lernorte konnten vorangegangene Modellversuche erbringen? Dem folgend soll das Konzept des Modellversuchsprogramms bezüglich seiner strukturellen Rahmenbedingungen und den zu erreichenden Zielen vorgestellt werden. Anschließend werden die praktische Umsetzung der Modellvorhaben, der dabei erzielte Erkenntnisgewinn gegliedert in einzelne Maßnahmenbereiche sowie deren Bedeutung für die berufliche Bildung beleuchtet [3]. Ein abschließendes Fazit dient dem Leser als Zusammenfassung der vorangestellten Ausführungen [4]. 1 Überlegungen der KMK (Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland) zur Weiterentwicklung der Berufsbildung vom 23.10.1998 [http://www.kmk.org/beruf/ueberleg.htm; 29.08.2004]. 2 Vgl. Euler, Dieter; u.a.: Kooperation der Lernorte im dualen System der Berufsbildung. Bericht über eine Auswertung von Modellversuchen von Dieter Euler, Klaus Berger u.a. Bonn: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung. 1999a (Materialien zur Bildungsplanung und Forschungsförderung, H. 73), S. 1.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Lernortkooperation – ein Überblick
3. „KOLIBRI schwirrt durch die Bildungslandschaft“
3.1. Die Struktur des Modellversuchsprogramms
3.2. Die Zielstellungen
3.3. Die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten
3.3.1. Maßnahmenbereich 1
3.3.2. Maßnahmenbereich 2
3.3.3. Maßnahmenbereich 3
3.3.4. Maßnahmenbereich 4
3.3.5. Maßnahmenbereich 5
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert das Modellversuchsprogramm „Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung“ (KOLIBRI) hinsichtlich seiner strukturellen Rahmenbedingungen, Zielstellungen sowie der Ergebnisse aus verschiedenen Maßnahmenbereichen, um Möglichkeiten zur Verbesserung der Lernortkooperation aufzuzeigen.
- Strukturelle Analyse des BLK-Modellversuchsprogramms KOLIBRI
- Untersuchung der Zielsetzungen im Kontext der dualen Berufsausbildung
- Detaillierte Auswertung der fünf definierten Maßnahmenbereiche
- Bedeutung der Lernortkooperation für die berufliche Bildung
- Diskussion über Transfer, Nachhaltigkeit und Verstetigung von Modellergebnissen
Auszug aus dem Buch
Die Lernortkooperation – ein Überblick
Lernortkooperation bezeichnet „das technisch-organisatorische und (vor allem) das pädagogische Zusammenwirken des Lehr- und Ausbildungspersonals der beteiligten Lernorte „Berufsschule und Betrieb“ (mit wiederum unterschiedlichen Lernorten)“, sprich: eine „Verzahnung von praktischem Handeln und theoretischer Reflexion“ in einem komplexen Bildungsnetzwerk. Im Allgemeinen wird dem Begriff des Lernorts mit der Assoziation Berufsschule oder Betrieb Rechnung getragen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Berufsschulen als auch die Unternehmen über mehrere „Lernorte“ verfügen können. Über- sowie außerbetriebliche Ausbildungsstätten, Lernbüros, Übungsfirmen oder der Arbeitsplatz haben sich für die Auszubildenden ebenfalls als alternative Lernstätten etabliert.
Im Weiteren beschränken sich die bestehenden Kooperationen oftmals ausschließlich auf die Berufsschulen und Betriebe. Mit Kooperation im Sinne von Zusammenarbeit verschiedener Partner kann jedoch eine Vielzahl von verschiedenen Interessengruppen definiert werden, die einen Beitrag zur Gestaltung der Lernortkooperation leisten und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung dieser ergreifen. Beispielsweise erkennt der Bund mit Übernahme der „Verantwortung aller Beteiligten für den Erhalt, die Sicherung und die Weiterentwicklung der dualen Berufsausbildung“ die Notwendigkeit der Zusammenarbeit auf allen bildungspolitischen Ebenen an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Lernortkooperation im dualen System und Vorstellung der Zielsetzung der Ausarbeitung zum Modellversuchsprogramm KOLIBRI.
2. Die Lernortkooperation – ein Überblick: Begriffsbestimmung der Lernortkooperation sowie Erläuterung der verschiedenen Akteure und Interessenkonflikte in diesem Bereich.
3. „KOLIBRI schwirrt durch die Bildungslandschaft“: Umfassende Darstellung des Modellversuchsprogramms, seiner Struktur, administrativen Steuerung und der konzeptionellen Grundlagen.
3.1. Die Struktur des Modellversuchsprogramms: Erläuterung der Entstehung, Finanzierung und administrativen Organisation des KOLIBRI-Programms zwischen Bund und Ländern.
3.2. Die Zielstellungen: Darlegung der von der BLK formulierten Ziele zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und der Förderung von Ausbildungspartnerschaften.
3.3. Die Ergebnisse der Forschungsaktivitäten: Überblick über die gewonnenen Erkenntnisse aus den 28 Einzelmodellversuchen.
3.3.1. Maßnahmenbereich 1: Analyse der curricularen Präzisierung und der Entwicklung von Instrumenten zur Beurteilung von Methoden- und Sozialkompetenzen.
3.3.2. Maßnahmenbereich 2: Untersuchung der Entwicklung modularer Zusatzqualifikationen zur Verzahnung von Ausbildung und Weiterbildung.
3.3.3. Maßnahmenbereich 3: Betrachtung der Integration von Praxisbezügen in vollzeitschulische Ausbildungsgänge.
3.3.4. Maßnahmenbereich 4: Erörterung der Entwicklung von Förderansätzen für Zielgruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf.
3.3.5. Maßnahmenbereich 5: Bewertung institutioneller und personeller Voraussetzungen zur Intensivierung der Kooperation und Transferförderung.
4. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse des Modellversuchsprogramms und Reflexion über die Bedingungen erfolgreicher Kooperationsaktivitäten.
Schlüsselwörter
Lernortkooperation, duale Berufsausbildung, KOLIBRI, Modellversuch, Bund-Länder-Kommission, Ausbildungspartnerschaft, Curriculumpräzisierung, Zusatzqualifikation, Praxisbezug, Sozialkompetenz, Transfer, Nachhaltigkeit, berufliche Bildung, Berufsschule, Betrieb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Modellversuchsprogramm „Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung“ (KOLIBRI), das von der Bund-Länder-Kommission (BLK) initiiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Verzahnung von Theorie und Praxis im dualen System, die Entwicklung kooperativer Lernkonzepte, die Förderung von Sozialkompetenzen sowie die Verstetigung dieser Ansätze in der beruflichen Ausbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über das Programm zu geben, die verschiedenen Maßnahmenbereiche zu evaluieren und aufzuzeigen, wie erfolgreich die Kooperation zwischen Berufsschulen und Betrieben gestaltet werden konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf die Analyse offizieller Abschlussberichte, Experten-Expertisen der BLK sowie wissenschaftliche Literatur zur Berufsbildungsforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine strukturelle Beschreibung des Programms und eine detaillierte Analyse der Ergebnisse aus fünf spezifischen Maßnahmenbereichen, die von der Curriculumentwicklung bis zur Transferförderung reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lernortkooperation, KOLIBRI, duale Ausbildung, Modellversuch, Ausbildungspartnerschaft und Transfer.
Wie wurde die „1. Schwelle“ der Berufsausbildung im Programm thematisiert?
Im vierten Maßnahmenbereich lag der Fokus gezielt auf der Unterstützung von jungen Erwachsenen mit Leistungsdefiziten, um deren Ausbildungserfolg zu sichern.
Welche Rolle spielten „Kundenaufträge“ für die Lernortkooperation?
Kundenaufträge dienten als methodisches Instrument, um den betrieblichen und schulischen Lernprozess inhaltlich zu verzahnen, indem Auszubildende reale oder fiktive Aufträge arbeitsprozessbegleitend bearbeiteten.
Warum ist das Engagement der Akteure laut Fazit so entscheidend?
Die Autorin konstatiert, dass es keine universelle Patentlösung gibt; der Erfolg von Kooperationen hängt maßgeblich von der persönlichen Bereitschaft, der Kommunikation und dem Engagement der beteiligten Lehrkräfte und Ausbilder ab.
- Quote paper
- Eileen Schott (Author), 2004, Das BLK-Modellversuchsprogramm "Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung (KOLIBRI)": Intentionen, Struktur und Ergebnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35443