Eine ganze Reihe von Gesundheitsreformen haben gezeigt, welcher Dynamik das Gesundheitswesen unterliegt. Der Gesetzgeber muss immer schneller auf Reformvorhaben reagieren und eine beinahe nur in der Theorie gültige uneingeschränkte Reaktionsgeschwindigkeit aufzeigen. Die Gesundheitsökonomie beschäftigt sich nicht nur mit den Ausgaben und Einnahmen auf der Finanzierungsseite, sondern stellt eine wichtige ordnungspolitische Säule dar. Gegenstand der Ordnungspolitik ist die Gestaltung der ethischen, rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft. Sie ist eine Gestaltungsgrundlage für das Verhalten von Wirtschaftssubjekten und politischen Entscheidungsträgern.1 Im Umkehrschluss kann über eine Wirtschaftsordnung auf der einen Seite und über eine Staatsordnung auf der anderen Seite gesprochen werden. Die Ordnungspolitik geht oft mit einem Wirtschaftssystem einher. Wirtschaftssysteme bestimmen die wirtschaftlichen Prozesse einer Volkswirtschaft und sollten das Ziel der optimalen Allokation im Auge haben. Wirtschaftssubjekte handeln meist nach Regeln und Gesetze einer Wirtschaft in denen Sie ihre Güter austauschen, d.h. das Verhalten eines Wirtschaftssubjektes ist durch ein bereits vordefiniertes Wirtschaftssystem gegeben.
Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich zunächst mit unterschiedlichen Modellen der Wirtschaftssystemtheorie und beschreibt anschließend weitere Arten. Infolge dessen wird das Phänomen des Marktversagens in der mikro- und makroökonomischen Betrachtung und seine Bedeutung für das Gesundheitswesen näher beschrieben. Im Hinblick auf die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft wird die Bedeutung des Gesundheitswesens im Rahmen einer wirtschaftspolitischen Schlussfolgerung näher erläutert. Im Kern dieser Hausarbeit wird auf die Besonderheiten des Gesundheitswesens hingewiesen. Weiterhin wird über den unterschiedlichen Charakter einer Gesundheitsleistung diskutiert und bestimmte Probleme auf dem gegenwärtigen Markt kurz dargestellt.
Im Hauptteil wird die Annahme, dass das Verhalten von Wirtschaftssubjekten stark von einem Wirtschaftssystem und einer Ordnungspolitik abhängig ist, am Beispiel des Verhaltens eines Arztes validiert. Dabei wird ein Modellbeispiel von Breyer, Zweifel und Kifmann veranschaulicht, welches die Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen mit der Ärztedichte einer Region in Verbindung bringt. Das Fazit zum Ende der Ausarbeitung soll eine kritische Würdigung und eine Diskussionsgrundlage bilden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arten und Modelle der Wirtschaftssystemtheorie
3. Marktversagen
3.1 Mikroökonomische Betrachtung
3.2 Makroökonomische Betrachtung
3.3 Wirtschaftspolitische Schlussfolgerung
4. Der Gesundheitsmarkt und die angebotsinduzierte Nachfrage
4.1 Problemdarstellung auf dem gegenwärtigen Markt
4.3 Die Ärztedichte und die Inanspruchnahme von ärztlichen Leistungen
4.4 Ein Modell des ärztlichen Verhaltens
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Phänomen des Marktversagens im Gesundheitswesen mit einem besonderen Fokus auf die angebotsinduzierte Nachfrage, indem sie verhaltensökonomische Ansätze auf das Handeln von Ärzten und Patienten anwendet.
- Grundlagen der Wirtschaftssystemtheorie im Vergleich
- Analyse von Marktversagen in mikro- und makroökonomischer Perspektive
- Mechanismen der angebotsinduzierten Nachfrage im Gesundheitssektor
- Darstellung des Prinzipal-Agent-Problems bei medizinischen Leistungen
- Einfluss der Ärztedichte auf die Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen
Auszug aus dem Buch
4.4 Ein Modell des ärztlichen Verhaltens
Um die Gründe für eine künstliche Nachfrageschaffung und die ärztlichen Grenzen hierzu näher zu erläutern wird eine Funktion von Prof. Dr. Breyer vorgestellt. Folgende Annahmen trifft Breyer dazu:
Der Arzt als nutzenmaximierender Entscheider über die Menge an ärztlichen Leistungen, die er seinen Patienten vorschreiben will. Die ärztliche Behandlung sei ein homogenes Gut, ferner gebe es nur ein weiteres Konsumgut. Mengeneinheit beider Güter seien so festgelegt, dass der Preis jeweils 1 GE beträgt. Sparen und Kreditaufnahme sei ausgeschlossen. Alle Ärzte (a) seien identisch. t bezeichnet die vom einzelnen Arzt geleistete Arbeitszeit als Anteil an seiner insgesamt verfügbaren Zeit. Die Region habe n Einwohner. Künstliche Nachfrageschaffung sei mit s versehen. Medizinische Leistungen mit M. Y steht für das Einkommen, u für den Nutzen und R definiert die Einwohnerzahl je Arzt.
Beyer hat hieraus folgende Funktion aufgestellt:
Abbildung 5: Notwendige Bedingung zur Interpretation der angebotsinduzierten Nachfrage / Quelle: Gesundheitsökonomie, Breyer, 1997, Seite 314
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Dynamik der Gesundheitsreformen und führt in die ordnungspolitische Bedeutung der Gesundheitsökonomie innerhalb verschiedener Wirtschaftssysteme ein.
2. Arten und Modelle der Wirtschaftssystemtheorie: Dieses Kapitel diskutiert die theoretischen Grundmodelle der reinen Marktwirtschaft und der totalen Zentralverwaltungswirtschaft als komplementäre Ansätze der Ressourcensteuerung.
3. Marktversagen: Es wird erörtert, warum der Markt bei Vorliegen von externen Effekten oder asymmetrischer Informationsverteilung nicht zu optimalen Ergebnissen führen kann.
4. Der Gesundheitsmarkt und die angebotsinduzierte Nachfrage: Dieses Kapitel analysiert spezifische Probleme des Gesundheitsmarktes, insbesondere das Prinzipal-Agent-Problem und die Möglichkeit, dass Ärzte durch ihr Handeln zusätzliche Nachfrage generieren.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass kein System perfekt ist und betont die Notwendigkeit, gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Fehlsteuerungen im Gesundheitswesen vermieden werden.
Schlüsselwörter
Gesundheitswesen, Marktversagen, angebotsinduzierte Nachfrage, Gesundheitsökonomie, Wirtschaftssysteme, Prinzipal-Agent-Modell, Ärztedichte, Moral Hazard, Asymmetrische Information, Patientenverhalten, Versorgungsqualität, Ordnungspolitik, Wohlfahrtsökonomie, Krankenkassen, Zwei-Klassen-Medizin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ökonomischen Strukturen des Gesundheitswesens und der Frage, wie Marktmechanismen in diesem sensiblen Sektor zu Marktversagen führen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Wirtschaftssystemtheorie, der Entstehung von Marktversagen, der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen Arzt und Patient sowie den Anreizstrukturen für ärztliches Handeln.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Gründe für angebotsinduzierte Nachfrage zu identifizieren und aufzuzeigen, wie sich diese durch verhaltensökonomische Modelle und eine kritische Würdigung der Marktstrukturen erklären lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Darstellung von Modellen der Wirtschaftssystemtheorie sowie spieltheoretischen und mikroökonomischen Erklärungsansätzen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die mikro- und makroökonomischen Bedingungen des Gesundheitsmarktes und vertieft das Modell des ärztlichen Verhaltens zur Erklärung der künstlichen Nachfrageschaffung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Marktversagen, angebotsinduzierte Nachfrage, Gesundheitsökonomie, Prinzipal-Agent-Problem und die ordnungspolitische Steuerung des Gesundheitswesens.
Inwiefern spielt das Prinzipal-Agent-Problem eine Rolle?
Das Modell dient dazu, das Ungleichgewicht zwischen dem Patienten als Auftraggeber und dem Arzt als Informiertem zu erklären, was den Arzt in die Lage versetzt, ökonomische Eigeninteressen über den medizinischen Bedarf des Patienten zu stellen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Gesundheitswesens?
Der Autor schließt, dass Gesundheit kein reines Luxusgut werden darf und fordert eine konstruktive Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft, um die Nachhaltigkeit und den gerechten Zugang zur Versorgung sicherzustellen.
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- Mourat Mehmet Ali (Author), 2016, Marktversagen im Gesundheitswesen durch angebotsinduzierte Nachfrage?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354458