Die Gesellschaftsverträge von Thomas Hobbes und John Locke im Vergleich

Wer war fortschrittlicher?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Thomas Hobbes
2.1 Vorstellung und Allgemeines
2.2.1 Naturzustand und Freiheit
2.2.2 Naturzustand und Gesetz
2.3.1 Gesellschaftsvertrag und Gesetz
2.3.2 Gesellschaftsvertrag und Freiheit

3. John Locke
3.1 Vorstellung und Allgemeines
3.2.1 Naturzustand und Freiheit
3.2.2 Naturzustand und Gesetz
3.3.1 Gesellschaftsvertrag und Gesetz
3.3.2 Gesellschaftsvertrag und Freiheit

4. Vergleich und Schlussfolgerungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit Anbeginn der Neuzeit im 16. Jahrhundert hat der Mensch das Bedürfnis nach neuen Arten der politischen Analyse und Überlegung (vgl. Kersting 1999: 46). Die Weltordnung des Mittelalters hat keinen Bestand mehr. Doch was nun? Thomas Hobbes und John Locke - zwei englische Intellektuelle des 17. Jahrhunderts - sind die ersten Philosophen, welche sich mit der Vertragstheorie des neuen Zeitalters auseinandersetzen. Mit ihren jeweiligen Denkansätzen möchten sie die Ansammlung von Individuen zu einem Kollektiv formen, den Menschen vom Naturzustand in den Gesellschaftszustand versetzen. Beide haben dabei unterschiedliche Vorstellungen und Ansichten, die aber auf das gleiche Ziel hinauslaufen sollen: die Gründung eines staatlichen Gebildes, beruhend auf einem gesetzmäßigen Vertrag. Diese wissenschaftliche Arbeit soll die Kontraktmodelle der beiden Philosophen vergleichen. Nach einer kurzen Bekanntmachung der Theoretiker wird jeweils dargestellt, welche Vorstellung die Autoren von Freiheit und Gesetz im Naturzustand sowie innerhalb des Gesellschaftsvertrages haben. Danach soll schlussgefolgert und erkannt werden, welcher der Entwürfe dem anderen voraus und fortschrittlicher formuliert ist. Als Grundlage der Gedankengänge dienen die Werke „Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und staatlichen Gemeinwesens“ (Hobbes, erste Veröffentlichung 1651) und „Zweite Abhandlung über die Regierung“ (Locke, erste Veröffentlichung 1690), beide in einer ungekürzten Neuauflage und ins Deutsche übersetzt.

2. Thomas Hobbes

2.1 Vorstellung und Allgemeines

Thomas Hobbes wurde 1588 in Westport, Wiltshire, England geboren und entstammte einfachen Verhältnissen. Schon im frühen Kindesalter galt er als Wunderkind, sodass ihm ein wohlhabender Onkel Privatunterricht in klassischen Fremdsprachen ermöglichte. Diese sollten als Grundstein für den Hochschulzugang dienen. Schließlich studierte er bereits als Jugendlicher an der University of Oxford die Schwerpunkte Logik und Philosophie (vgl. Münkler 2001: 28f.). Besonders geprägt wurden er und demnach auch seine wissenschaftlichen Arbeiten von politischen Handlungsträgern seiner Gegenwart sowie dem Miterleben des englischen Bürgerkrieges von 1642-1649. Das erschütternde Ereignis bewegte den jungen Universalgelehrten dazu, etwas verändern zu wollen und seine Gedankengänge nicht nur in privater und intimer Atmosphäre zu diskutieren, sondern diese auch der breiten Öffentlichkeit bereitzustellen (vgl. ebd.: 51). Zwei Jahre nach dem Kriegsende wurde das Werk „Leviathan“ veröffentlicht.

2.2.1 Naturzustand und Freiheit

Um auf den Gesellschaftszustand zu sprechen zu kommen, ist es unumgänglich, zuvor den Naturzustand zu beleuchten. Man kann ihn als Zustand des menschlichen Zusammenlebens ohne jegliche staatliche Ordnung bezeichnen. Für Thomas Hobbes ist dieser logischerweise vorstaatlich (vgl. Hobbes 1984: 136). Er geht davon aus, „daß [sic] die Menschen während der Zeit, in der sie ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, sich in einem Zustand befinden, der Krieg genannt wird“ (Hobbes 1976: 96). Abgesehen von offensichtlichen kämpferischen Handlungen zähle zum Kriege auch „die Bereitschaft […], in der man sich des Gegenteils nicht sicher sein kann“ (ebd.). Solange man also außerhalb eines staatlichen Systems lebe, sei man nach Hobbes ein Teilnehmer im „Krieg eines jeden gegen jeden“ (ebd.) oder zumindest in der Gefahr hineinverwickelt zu werden. Der beschriebene Kampf beruhe auf der natürlichen Freiheit des Menschen. Ursprünglich gelte jedermann als frei und unabhängig. Es existierten keinerlei Instanzen, denen man Folge zu leisten hat. Die Voraussetzungen seien für alle gleich. Da der Mensch aber mit einer Vielzahl seiner Spezies zusammenlebe, und im Naturzustand jeder das Recht auf alles habe, entstünden beim Aufeinandertreffen verschiedener Individuen Konflikte. Der Naturtrieb des Menschen lasse ihn eher auf sein Privatwohl als auf das Gemeinwohl achten (vgl. Hobbes 1984: 133). Die aus einem „ständigen Wettkampf um Ehre und Würde“ (ebd.: 131) resultierenden Eigenschaften Neid und Hass bewirkten, dass man sich im Sinne der Selbsterhaltung vor anderen schützen wolle und müsse. Hobbes schreibt über das natürliche Recht und definiert es als „die Freiheit eines jeden, seine eigene Macht nach seinem Willen zur Erhaltung seiner eigenen Natur, das heißt seines eigenen Lebens, einzusetzen, und folglich alles zu tun, was er nach eigenem Urteil und eigener Vernunft als das zu diesem Zweck geeignetste Mittel ansieht“ (Hobbes 1976: 99). Das Recht zur Selbsterhaltung mit allen dazu benötigten Mitteln sei der Sinn und Zweck der Freiheit, jeder habe ein Recht auf alles. Ein Leben im Naturzustand bedeute eine ständige Gefahr des Angriffs durch andere, was zu einer Stimmung voller Angst und auch Unsicherheit führen könne. Dass die absolute Freiheit und Selbstbestimmtheit zum Krieg - also dem kompletten Gegensatz - führen würden, scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Aufgrund genau dieser Erkenntnis zielt der Autor auf die Notwendigkeit eines Vertragsschlusses, der die Existenz innerhalb einer Gesellschaft regeln soll (siehe 2.3.1 und 2.3.2).

2.2.2 Naturzustand und Gesetz

Der Naturzustand ziehe die „Abwesenheit aller externen verhaltensregulierenden Normen“ (Kersting 2009:108) mit sich. Das heißt, wie bereits angedeutet, dass eine der Menschenmasse übergeordnete Instanz nicht vorhanden sei. Demnach gebe es keine verabschiedeten Gesetze und auch keine Rechtmäßigkeit. Das Handeln eines jeden Einzelnen im Naturzustand sei ihm selbst überlassen. Eine Bewertung von schlechten und guten Taten finde nur aus subjektiver Sicht statt (vgl. ebd.: 112), auf objektiver Ebene fehle eine Institution, die Recht spreche. Jene subjektive Wertung sei aber als nichtig anzusehen, da niemand dem anderen höhergestellt und somit in der Lage sei, ihn zu belangen. Neben dem Naturrecht (siehe 2.2.1) formuliert Thomas Hobbes zwei Naturgesetze. Der Unterschied zwischen einem Recht und einem Gesetz besteht darin, dass jenes einer freiwilligen Entscheidung unterliegt und dieses der Verbindlichkeit.

Ein Naturgesetz schreibe der Menschheit vor, alles zu verhindern und zu vermeiden, was der Selbsterhaltung entgegenwirke. Außerdem solle nicht zugelassen werden, sich der benötigten Mittel zur Selbsterhaltung berauben zu lassen (vgl. Hobbes 1976: 99). Naturgesetze hätten keinen institutionellen Ursprung, sondern entsprängen vielmehr der geistigen Natur eines Menschen. Daher hätten sie aber auch keinen rechtmäßigen Gültigkeitskreis. Das erste Naturgesetz nach Hobbes besagt: „Suche Frieden und halte ihn ein. […] Wir sind befugt, uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen“ (ebd.: 100). Im zweiten Naturgesetz lässt sich die geistige Grundlage und Bereitschaft zur Gründung einer Gesellschaft, also der Abgabe von Freiheit zugunsten von Frieden und somit auch Selbsterhaltung erkennen: „Jedermann soll freiwillig, wenn andere ebenfalls dazu bereit sind, auf sein Recht auf alles verzichten, soweit er dies um des Friedens und der Selbstverteidigung willen für notwendig hält, und er soll sich mit soviel [sic] Freiheit gegenüber anderen zufrieden geben, wie er anderen gegen sich selbst einräumen würde“ (ebd.). Wie sich der Vertragsschluss zur Herstellung des Gesellschaftszustandes in Bezug auf die Freiheit und Gesetze der Menschen auswirkt, soll in den Unterkapiteln 2.3.1 und 2.3.2 betrachtet werden.

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Gesellschaftsverträge von Thomas Hobbes und John Locke im Vergleich
Untertitel
Wer war fortschrittlicher?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V354494
ISBN (eBook)
9783668423435
ISBN (Buch)
9783668423442
Dateigröße
751 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesellschaftsverträge, thomas, hobbes, john, locke, vergleich
Arbeit zitieren
Stefan Wilke (Autor), 2017, Die Gesellschaftsverträge von Thomas Hobbes und John Locke im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354494

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