Seit dem 17. Jahrhundert wüteten speziell in Europa viele Kriege, die die Menschen vor eine ungewisse Zukunft stellten. Eine Wegmarke war die Aufteilung des deutschen Gebietes. Rund 300 Kleinstaaten verwalteten sich eigenständig und ohne direkte übergeordnete Kontrollinstanz. Die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich, die Obrigkeit wurde immer reicher, während viele Menschen in der Unterschicht am Existenzminimum lebten.
Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, wie damals Armut definiert wurde. Laut Reinheimer gab es vier Gruppen von armen Menschen. Die erste Gruppe konnte ohne fremde Hilfe überleben, dies konnte sich jedoch schnell durch wirtschaftliche oder soziale Gegebenheiten ändern. Die zweite Gruppe war abhängig von der Unterstützung durch die Obrigkeit, kirchliche Institutionen oder Stiftungen. Sie waren gesellschaftlich anerkannt. Menschen, die nicht auf diese Weise anerkannt waren, erhielten keine Unterstützung und mussten sich auf ihre Art durch das Leben schlagen, sei es auf legale oder illegale Weise. Sie gehörten zur dritten Gruppe der armen Menschen. Die letzte Gruppe bildeten die Vaganten - eimatlose Menschen, die umherzogen und von dauerhafter Diskriminierung und Ausstoßung betroffen waren. Für viele waren kriminelle Vergehen, sei es Diebstahl, Mord oder Plünderung, der letzte Ausweg, um überleben zu können. Andere wurden durch ihre Vorfahren und die geringen Chancen des sozialen Aufstiegs in die Kriminalität hinein geboren.
Die Aneinanderreihung der Ereignisse, Kriege und wirtschaftliche Veränderungen, erhöhte die Anzahl der Vaganten schlagartig. Speziell die kriegerischen Auswirkungen nach der Eroberung der Rheinlande durch die Revolutionstruppen 1794 stellten die Territorien vor enorme Verwaltungsprobleme. Diese Lücken machten sich viele Menschen zu Nutze. Es bildeten sich zahlreiche neue Banden von Sozialrebellen, die auf deutschem Boden ihr Unwesen trieben. Vor allem die Große Niederländische Bande und die Räuberbande des Schinderhannes konnten sich durch ihre zahlreichen Vergehen in den Geschichtsbüchern verewigen.
In der folgenden Arbeit werden zunächst die einzelnen Gruppen der armen Menschen vorgestellt und wie die sozialen Auswirkungen in den Städten aussahen. An dieser Stelle wird erstmals die Flucht in die Kriminalität als letzten Ausweg aufgegriffen, bevor direkt auf den Schinderhannes, seine Bande und derer Taten eingegangen wird
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Soziale Herkunft und Lebenssituation von Randgruppen
- Vaganten und Unehrliche
- Zigeuner und Juden
- Der Schinderhannes als Leitfigur der Unterdrückung
- Kindheit und kriminelle Vorerfahrungen
- Die Räuberbande des Schinderhannes
- ,,Ein Robin Hood der Neuzeit?\"- Auswirkungen seiner Taten
- Gruppierungen von Banden
- Rekrutierung von Mitgliedern
- Struktur innerhalb der Räuberbande
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht die Ursachen und Auswirkungen der Kriminalität in den Unterschichten der Frühen Neuzeit, insbesondere im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie beleuchtet die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die Menschen in die Kriminalität trieben, und analysiert das Beispiel des Schinderhannes als Leitfigur der Unterdrückung.
- Soziale und wirtschaftliche Ursachen der Kriminalität in der Frühen Neuzeit
- Die Rolle von Krieg und politischer Instabilität
- Die Lebenssituation von Randgruppen und ihre Ausgrenzung
- Der Schinderhannes als Symbol der Rebellion und Unterdrückung
- Die Organisation und Struktur von Räuberbanden
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Kriminalität in den Unterschichten der Frühen Neuzeit ein und beleuchtet den historischen Kontext. Sie stellt die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen dar, die zu einem Anstieg der Kriminalität führten, und führt den Schinderhannes als Beispiel für die Flucht in die Kriminalität ein.
Das zweite Kapitel widmet sich der sozialen Herkunft und Lebenssituation von Randgruppen, insbesondere Vaganten, Unehrlichen, Zigeunern und Juden. Es analysiert ihre Ausgrenzung und die Schwierigkeiten, die sie bei der Integration in die Gesellschaft erlebten.
Das dritte Kapitel beleuchtet die Lebensgeschichte des Schinderhannes und seine Rolle als Leitfigur der Unterdrückung. Es analysiert seine Kindheit und kriminellen Vorerfahrungen sowie die Struktur und Organisation seiner Räuberbande.
Das vierte Kapitel befasst sich mit der Rekrutierung von Mitgliedern in Räuberbanden und den Strukturen, die innerhalb dieser Banden herrschten.
Schlüsselwörter
Kriminalität, Unterschichten, Frühe Neuzeit, Randgruppen, soziale Ausgrenzung, Armut, Krieg, Schinderhannes, Räuberbanden, Robin Hood, Vaganten, Zigeuner, Juden.
Häufig gestellte Fragen
Wie wurde Armut in der Frühen Neuzeit definiert?
Armut wurde in vier Gruppen unterteilt: Menschen, die ohne Hilfe überlebten (aber gefährdet waren), anerkannte Hilfsempfänger der Kirche/Obrigkeit, nicht anerkannte Arme ohne Unterstützung und schließlich Vaganten (Heimatlose).
Wer war der Schinderhannes?
Johannes Bückler, bekannt als Schinderhannes, war ein berühmter Räuberhauptmann, der im späten 18. Jahrhundert eine Bande anführte und oft als „Robin Hood der Neuzeit“ stilisiert wurde.
Welche sozialen Randgruppen waren besonders von Ausgrenzung betroffen?
Besonders betroffen waren Vaganten, sogenannte „Unehrliche“, sowie Zigeuner und Juden, denen die Integration in die städtische Gesellschaft massiv erschwert wurde.
Warum stieg die Kriminalität im späten 18. Jahrhundert stark an?
Häufige Kriege, wirtschaftliche Not und die politische Instabilität (z. B. nach der Eroberung der Rheinlande 1794) führten zu Verwaltungslücken und einer Zunahme heimatloser Menschen.
Wie waren die Räuberbanden dieser Zeit strukturiert?
Die Banden hatten oft feste Hierarchien und Rekrutierungsmechanismen, wobei sie sich die sozialen Missstände und die mangelnde Kontrolle der Kleinstaaten zunutze machten.
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- Dominik Thale (Author), 2014, Das organisierte Verbrechen in den Unterschichten der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354498