Kinder auf der ganzen Welt leiden unter den schrecklichen Folgen von Kriegen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Flucht, Hunger, Unterernährung, Krankheit, fehlender Ausbildung, Verlust von Familienmitgliedern, eigene Verletzungen (physisch, psychisch) und sexueller Missbrauch, das sind Dinge, mit denen überlebende Kinder zurechtkommen müssen. Nach Angaben von Olara Otunnu gab es außerdem allein zwischen den Jahren 1990 und 2000 etwa zwei Millionen Kinder, die an den Folgen von Kriegen und anderen bewaffneten Konflikten verstorben sind.
Besonders schockierend ist in diesem Zusammenhang die Situation von Kindersoldaten, also Kindern, die in bewaffneten Konflikten nicht nur zu Opfern, sondern auch zu Tätern gemacht werden. Sie nehmen direkt am Kriegsgeschehen teil und sind den obig genannten Gefahren des Krieges daher im besonderen Maße ausgesetzt. Zudem gehen die physischen und psychischen Folgen des Daseins als Kindersoldat noch über die obig genannten Auswirkungen eines Krieges hinaus. Trotz zahlreicher Bemühungen mittels des Völkerrechts Instrumentarien zu schaffen, die den Einsatz von Kindern in kriegerischen Konflikten verhindern, werden aktuell weltweit schätzungsweise bis zu 300.000 Kinder als Soldaten eingesetzt.
Vor diesem Hintergrund soll in der Arbeit untersucht werden, wie das Phänomen der Kindersoldaten wirksam bekämpft werden kann und worin momentan die Schwierigkeit besteht, die Zahl neuer Rekrutierungen von Kindersoldaten zu vermindern.
Die Arbeit ist hierzu in zwei große Themenschwerpunkte gegliedert worden. Kapitel drei bis sechs ordnen die Problematik in den Kontext von Forschung (Kapitel 2), Geographie (Kapitel 3), Demographie (Kapitel 4), Kindheitsdefinition (Kapitel 5) und Kinderarbeit (Kapitel 6) ein. Das Phänomen der Kindersoldaten tritt zwar weltweit auf. Die Untersuchung begrenzt sich jedoch auf den Raum des subsaharischen Afrika. Als Beispiele werden Sierra Leone und Uganda herangezogen, da aus den beiden Ländern eine Vielzahl von Erlebnisberichten vorliegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Geographischer Hintergrund
4. Demographischer Hintergrund
5. Definition Kindheit
5.1 Wandel des Verständnisses von Kindheit
5.2 Völkerrechtliche Definition
6. Kinderarbeit
6.1 Definition Kinderarbeit
6.2 Ursachen
7. Kindersoldaten
7.1 Definition Kindersoldaten
7.2 Einsatzorte Kindersoldaten
7.3 Ursachen
7.3.1 Kriege und bewaffnete Konflikte
7.3.2 Problematik der Kleinwaffen
7.4 Rekrutierung
7.5 Tätigkeiten der Kindersoldaten
7.6 Rolle der Mädchen
7.6.1 Sexuelle Ausbeutung
7.7 Folgeerscheinungen des Daseins als Kindersoldat
7.8 Demobilisierung und Reintegration
8. Schlussfolgerungen und Handlungsbedarf
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Kindersoldaten im subsaharischen Afrika, mit einem besonderen Fokus auf die Situation in Sierra Leone und Uganda, um effektive Bekämpfungsstrategien zu identifizieren und die zentralen Schwierigkeiten bei der Verringerung neuer Rekrutierungen aufzuzeigen.
- Analyse des Einflusses der Altersstruktur und Armut auf die Rekrutierung von Kindersoldaten.
- Untersuchung des Wandels des Kindheitsbegriffs und dessen völkerrechtlicher Bedeutung.
- Darstellung der Zusammenhänge zwischen Kinderarbeit, Kleinwaffenverbreitung und dem Einsatz von Kindersoldaten.
- Evaluierung bestehender Ansätze zur Demobilisierung und Reintegration ehemaliger Kindersoldaten in die Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
7.1 Definition Kindersoldaten
Vor der eigentlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Kindersoldat, muss zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff zu verstehen ist.
Das Fehlen eines universellen Verständnisses von Kindheit (vgl. Kapitel 5) wirkt sich dabei auf die Definitionsmöglichkeiten von Kindersoldat aus. Auch der Terminus Kindersoldat ist umstritten und wird nicht einheitlich verwendet.
Eine erste Annäherung erfolgt durch die Zerlegung des Wortes in seine Einzelteile Kind und Soldat. Da Kindheit bereits in Kapitel 5 definiert worden ist, soll nachfolgend nur auf das Wort Soldat eingegangen werden.
Wird der Begriff Soldat in einem handelsüblichen Lexikon nachgeschlagen, lässt sich zunächst dessen ursprüngliche Bedeutung finden. Übersetzt aus dem Lateinischen bedeutet er: „der in Wehrsold genommene“ (Lexikoneintrag Soldat 2005, S.969) Im Zusammenhang mit dem Phänomen Kindersoldat ist diese Begriffsbestimmung jedoch irreführend, da Kindersoldaten in den meisten Fällen kein Entgelt für ihre Tätigkeit erhalten. Das heute übliche Verständnis von Soldat als eine „Person, die den Streitkräften eines Landes angehört“(Lexikoneintrag Soldat 2005, S.969), lässt eine Annäherung an den Begriff Kindersoldat ebenfalls nur bedingt zu. Die so genannten Kindersoldaten gehören viel häufiger nicht-staatlichen bewaffneten Formationen (bspw. Rebellen und Milizen) als Regierungstruppen an (vgl. childsoldiersglobalreport.org 2008, S.3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kindersoldaten und Erläuterung der Zielsetzung sowie der methodischen Herangehensweise der Arbeit.
2. Forschungsstand: Überblick über die verfügbare Fachliteratur und die Rolle von Hilfsorganisationen bei der Erforschung des Phänomens.
3. Geographischer Hintergrund: Kurzer Abriss zur Geographie Afrikas und der beispielhaften Staaten Sierra Leone und Uganda.
4. Demographischer Hintergrund: Untersuchung der Altersstruktur in den Beispielländern und deren Zusammenhang mit der Rekrutierung von Kindersoldaten.
5. Definition Kindheit: Analyse des historischen Wandels des Kindheitsbegriffs und der völkerrechtlichen Definition.
6. Kinderarbeit: Definition von Kinderarbeit und Untersuchung der Ursachen, da dieses Phänomen eng mit dem Einsatz von Kindersoldaten verknüpft ist.
7. Kindersoldaten: Detaillierte Untersuchung des Phänomens, inklusive Definition, Ursachen (Kriege/Kleinwaffen), Rekrutierung, Tätigkeiten, Rolle der Mädchen sowie Demobilisierung und Reintegration.
8. Schlussfolgerungen und Handlungsbedarf: Diskussion der Ergebnisse und Ableitung von Empfehlungen für eine wirksamere Bekämpfung des Kindersoldatentums.
Schlüsselwörter
Kindersoldaten, Subsaharisches Afrika, Sierra Leone, Uganda, Kinderarbeit, Armut, Rekrutierung, Demobilisierung, Reintegration, Kindheitsbegriff, Kleinwaffen, Völkerrecht, Traumata, Sexuelle Ausbeutung, Kinderrechtskonvention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von Kindersoldaten in Entwicklungsländern, speziell im subsaharischen Afrika, und untersucht deren Ursachen sowie Ansätze zu deren Bekämpfung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Kindheitsbegriff, die Auswirkungen von Armut und Krieg, die Bedeutung von Kleinwaffen sowie die Herausforderungen bei der Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie das Phänomen der Kindersoldaten wirksam bekämpft werden kann und worin die Schwierigkeiten liegen, die Zahl neuer Rekrutierungen zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse statistischer Daten zur Demographie, Auswertungen von völkerrechtlichen Dokumenten sowie die Einbeziehung von Erlebnisberichten ehemaliger Kindersoldaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Kindheit und Kinderarbeit, die Einsatzorte, Ursachen für die Rekrutierung, die Tätigkeiten der Kinder, die Rolle der Mädchen sowie Programme zur Demobilisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Kindersoldaten, subsaharisches Afrika, Armut, Demobilisierung, Reintegration, Kindheitsbegriff und Kleinwaffen.
Welche Rolle spielen Mädchen bei der Rekrutierung als Kindersoldaten?
Mädchen machen schätzungsweise 30% der Kindersoldaten aus, wobei neben dem Kampfeinsatz insbesondere die sexuelle Ausbeutung ein zentraler Grund für ihre Rekrutierung ist.
Warum erschwert der aktuelle Forschungsstand die Behandlung von Traumata?
Traumata wurden in der Literatur lange vernachlässigt, und die Stigmatisierung sowie der Mangel an Rechtssystemen in den betroffenen Ländern erschweren die Identifizierung und therapeutische Aufarbeitung dieser psychischen Folgen.
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- Robert Behrens (Author), 2010, Kindersoldaten in Entwicklungsländern. Das subsaharische Afrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354597