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Dämonische Verführer in der Literatur

Die Adaption des Vampirmotivs bei Byron, Polidori, Le Fanu und Stoker

Titel: Dämonische Verführer in der Literatur

Magisterarbeit , 2010 , 151 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Katrin Reichwein (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Seit mehr als zwei Jahrhunderten beißen sich Vampire weltweit durch diverse Medien. Zu allen Zeiten transportierte das Vampirmotiv psychologische, wissenschaftliche sowie religiöse und gesellschaftskritische Aussagen. Die sexuelle Symbolkraft des Vampirs tritt jedoch am offensichtlichsten in der klassischen europäischen Vampirliteratur hervor. Die dort dargestellten Vorstellungen von Erotik haben nicht nur eine komplexe Beziehung zur Sexualität innerhalb der jeweiligen gesellschaftlichen Ordnung: Zum Bedeutungskern des Vampirismus gehört auch das Geschlecht im Sinne von Gender.

Dieses Buch untersucht, wie die weibliche Blutsaugerin in der Literatur des 19. Jahrhunderts dargestellt wird. Neben einem Einblick in die antiken Vorstellungen von blutsaugenden Dämoninnen werden auch die gesellschaftlichen Erwartungen an die Rolle der Frau des 19. Jahrhunderts sowie die zeitgenössischen Vorstellungen weiblicher Sexualität thematisiert, welche sich auf das Bild der Vampirin auswirkten. Als Vorläufer des literarischen Vampirmotivs wird Goethes „Braut von Korinth“ betrachtet. Die Werke von Sheridan Le Fanu und Bram Stoker, die das Bild der vampirischen femme fatale maßgeblich geprägt haben, rücken ebenfalls in den Fokus.

Auch die Konzeption der männlichen Vampire wird in dieser Analyse nicht vernachlässigt. „Dracula“ und Lord Byrons Textfragment sowie John William Polidoris Erzählung „Der Vampyr“ werden in Hinblick auf die Sexualität, die homosexuelle Komponente des Motivs, die Beziehungen der Geschlechter sowie die literarischen Entwürfe von Weiblichkeit und Männlichkeit betrachtet. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Ausblick in das 21. Jahrhundert: Stephenie Meyers „Twilight“-Tetralogie wirft einen weiblichen Blick auf das Phänomen Vampir(in) und gehört mittlerweile fest zur amerikanisch-europäischen Populärkultur.

Aus dem Inhalt:

- Gender und Vampirismus;
- Homosexuelle Vampire;
- Dämonisierung der Weiblichkeit;
- Dracula;
- Twilight;
- Feminismus

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitende Bemerkungen

2 Vorüberlegungen: Weiblichkeit und Vampirismus

2.1 Die Dämonisierung der Weiblichkeit: Von der Göttin zur Vampirin

2.2 Weiblichkeit, Gender und Vampirismus

2.3 Weibliche Sexualität im 19. Jahrhundert

2.4 Weiblichkeitsentwürfe zwischen femme fatale und femme fragile

3 Die Anfänge der literarischen Vampirin: Goethes Ballade „Die Braut von Korinth“

4 Der männliche Vampir: Lord Byrons Fragment und John William Polidoris „Der Vampyr“

4.1 Angst vor dem weiblichem Begehren

4.2 Darvell und Ruthven – Homosexuelle Vampire?

5 Die lesbische Vampirin: Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“

5.1 Von Tätern und Opfern

5.2 Carmillas Verführungsstrategie

5.3 Tabubruch Homosexualität

5.4 Die Vampirin als Naturwesen

5.5 Carmillas Tod – Die Wiederherstellung patriarchaler Ordnung

6 Der Klassiker: Bram Stokers „Dracula“

6.1 Draculas Rolle als Katalysator

6.2 Draculas weibliche Gefolgschaft

6.3 „Dracula“ im Kontext der New-Woman-Bewegung

7 Fazit: Die Vampirin des 19. und ihre Schwestern des 20. Jahrhunderts

8 Ausblick: No Sex Sells – Stephenie Meyers „Twilight“-Saga

8.1 „Twilight“ und Sexualität

8.2 „Twilight“ und Feminismus

8.3 „Twilight“ und Religion

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die literarische Adaption und den Wandel des Vampirmotivs in der Literatur des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Hinblick auf Geschlechterrollen, Sexualität und patriarchale Strukturen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie die Figur der weiblichen Vampirin als Projektionsfläche für männliche Ängste vor emanzipierter, aktiver weiblicher Sexualität dient und wie diese durch gesellschaftliche Normen und patriarchale Gegenstrategien in der Literatur reglementiert wird.

  • Historische Herleitung des Vampirmotivs aus antiken Dämonenglauben.
  • Analyse geschlechtsspezifischer Konstruktionen von Männlichkeit und Weiblichkeit.
  • Untersuchung der lesbischen Vampirin als Tabubruch in "Carmilla".
  • Betrachtung von "Dracula" im Kontext der New-Woman-Bewegung des späten 19. Jahrhunderts.
  • Ausblick auf die zeitgenössische Rezeption des Vampirmotivs in der "Twilight"-Saga.

Auszug aus dem Buch

Die Dämonisierung der Weiblichkeit: Von der Göttin zur Vampirin

Die Figur des Vampirs ist keineswegs erst im 17. oder 18. Jahrhundert aus dem Nichts aufgetaucht. Blutsauger bevölkern seit der Antike Volksglauben und Literatur. „Die ältesten Vampyre, wovon wir Nachricht haben, waren bei den Griechen zu Hause“, schreibt Carl von Knoblauch zu Hatzbach bereits 1791 im Taschenbuch für Aufklärer und Nicht-Aufklärer und verweist damit auf die Lamien und Empusen der klassischen Antike. Ohne völlig identisch zu sein, ähneln viele dieser Gestalten dem Vampir so stark, dass sie zu seinen geistigen Vätern bzw. Müttern zu rechnen sind. So begegnen in der Antike häufig weibliche Dämonen, denen man das nächtliche Töten von Kindern, aber auch von Männern und öfters explizit das Aussaugen von Blut nachsagt. Dämonische Gestalten wie die Lamien und Empusen erscheinen in der Mythologie fast aller Völker. Die weite Verbreitung des Mythos der kinderraubenden und blutsaugerischen Wesen einerseits und der verführerischen Frauen andererseits lassen Vampire als archetypische Figuren erkennen.

Der Volksglaube an Vampire entsteht als sich die Gottheiten in gute und böse scheiden. Während die frühesten menschlichen Kulturen eine Große Göttin verehrten, die alle positiven und negativen Aspekte des Lebens in sich vereinte, wurden diese aufgespalten als die von der Natur geprägten (weiblichen) Erdkulte von den (männlichen) Himmelkulten abgelöst wurden. In den frühen Entwicklungsphasen des Glaubens stehen zwei Begriffe im Vordergrund: die Fruchtbarkeit und das Weibliche. Beide werden als Einheit angesehen und dominieren die religiöse Ebene dieser Ära, die als Matriarchat bezeichnet wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitende Bemerkungen: Ein Überblick über die Langlebigkeit des Vampirmotivs in der Literatur und dessen enge Verknüpfung mit menschlichen Ängsten und Wünschen.

2 Vorüberlegungen: Weiblichkeit und Vampirismus: Theoretische Untersuchung der geschlechtsspezifischen Dämonisierung der Frau und der Entwicklung von Geschlechtsmodellen im 19. Jahrhundert.

3 Die Anfänge der literarischen Vampirin: Goethes Ballade „Die Braut von Korinth“: Analyse des ersten bedeutenden Textes, in dem eine junge Frau als Vampirin auftritt und als Kritik an kirchlicher Enthaltsamkeit fungiert.

4 Der männliche Vampir: Lord Byrons Fragment und John William Polidoris „Der Vampyr“: Untersuchung der Entstehung des britischen Vampirs und dessen Verknüpfung mit maskuliner Potenz und (latenter) Homosexualität.

5 Die lesbische Vampirin: Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“: Dekonstruktion der lesbischen Vampirin als Bedrohung für patriarchale Familienstrukturen und Ordnung.

6 Der Klassiker: Bram Stokers „Dracula“: Umfassende Analyse des wohl berühmtesten Vampirromans und dessen Rolle als Reaktion auf die aufstrebende New-Woman-Bewegung.

7 Fazit: Die Vampirin des 19. und ihre Schwestern des 20. Jahrhunderts: Zusammenfassende Betrachtung des Wandels der Vampirfigur von der stigmatisierten "femme fatale" hin zu einer selbstbestimmten Identitätsfigur.

8 Ausblick: No Sex Sells – Stephenie Meyers „Twilight“-Saga: Untersuchung der modernen, mormonisch geprägten und durch Enthaltsamkeit definierten Neuinterpretation des Vampirmotivs im 21. Jahrhundert.

Schlüsselwörter

Vampirismus, Weiblichkeit, Gender Studies, Femme fatale, femme fragile, Sexualität, Patriarchat, Literatur des 19. Jahrhunderts, Dracula, Carmilla, New Woman, Sexualmoral, Symbolik, Mythen, Identitätsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung weiblicher Vampire im 19. Jahrhundert und wie diese Figur genutzt wurde, um gesellschaftliche Ängste vor weiblicher Emanzipation und Sexualität zu thematisieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das Geschlechterverhältnis im 19. Jahrhundert, die Pathologisierung abweichender weiblicher Sexualität sowie die Konstruktion der Frau als "Heilige oder Hure" in männlich geprägten Literaturwerken.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Vampirmotiv als Instrument diente, um "entgleiste" oder emanzipierte Frauen als dämonische Bedrohung für die patriarchale Ordnung zu brandmarken und durch männliche Autorität wieder unter Kontrolle zu bringen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, unter Einbeziehung feministischer Literaturtheorie und Gender Studies, um die Funktion und den Wandel der Vampirgestalt zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen kanonischer Texte, von Goethes "Braut von Korinth" über Polidoris "Der Vampyr" und Le Fanus "Carmilla" bis hin zu Bram Stokers "Dracula".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vampirismus, Gender, femme fatale, Sexualmoral und das patriarchale Machtverhältnis charakterisiert.

Wie wird die Rolle der Frau in "Dracula" interpretiert?

Frauenfiguren wie Mina Harker werden als Idealtypen der "reinen" viktorianischen Frau dargestellt, während Lucy Westenra durch ihre Verwandlung in eine Vampirin zum negativen Gegenbild und damit zum Feindbild einer sexuell aktiven Frau degradiert wird.

Welche Bedeutung hat die "Twilight"-Saga für die vorliegende Arbeit?

Die Saga dient als Ausblick in das 21. Jahrhundert, um zu verdeutlichen, dass sich das Motiv gewandelt hat: Während Vampire im 19. Jahrhundert für "verbotene" Erotik standen, symbolisieren sie in "Twilight" eine konservative Moral der Enthaltsamkeit.

Ende der Leseprobe aus 151 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Dämonische Verführer in der Literatur
Untertitel
Die Adaption des Vampirmotivs bei Byron, Polidori, Le Fanu und Stoker
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Germanistik)
Note
2,0
Autor
Katrin Reichwein (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
151
Katalognummer
V354601
ISBN (eBook)
9783668402683
ISBN (Buch)
9783960950486
Sprache
Deutsch
Schlagworte
femme fatale femme fragile Dracula Twilight Die Braut von Korinth Der Vampyr Carmilla Stephenie Meyer Goethe Gender Vampirismus Weiblichkeit Le Fanu Polidori Stoker Byron Homosexualität Dämonisierung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katrin Reichwein (Autor:in), 2010, Dämonische Verführer in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354601
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