Performative Akte. Julia Dick "Die Erweiterung der Möglichkeiten"


Ausarbeitung, 2016
10 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Julia Dick: Die Erweiterung der Möglichkeiten

1.) Definition „Performance“

2.) Einführung

3.) Wichtigkeit des Themas/Schulischer Kontext

4.)Verknüpfung zu meinem bisherigen Kunstwissen

5.) Fazit

6.) Anschließende Fragen an Julia Dick

7.) Reflexion des Interviews

Quellen

Julia Dick: Die Erweiterung der Möglichkeiten

1.) Definition „Performance“ :

„Performative Akte sind Handlungen, die etwas in einer Situation vorführen, bewirken und leisten, Handlungen, deren essentielle Wirklichkeit in ihrem hier und jetzt wirksamen Vollzug liegt (per-formare: durch-kneten, durch- formen), Handlungen, die insofern unübersetzbar in ein anderes Medium sind und auch nicht als Text oder Bild fixierbar sind, weil es gerade ihr wirklicher situativer Akt-Charakter ist, der ihr Wesen ausmacht. Performative Akte sind ferner mit der agierenden Person verbunden, sie sind wegen ihrer Authentizität keine schauspielerischen Darstellung oder das Nachahmen einer Rolle“.[1]

2.) Einführung

Julia Dick hat zusammen mit Katharina Lima das Performerduo „Katze und Krieg“ gegründet. In ihren Performance-Arbeiten versuchen sie die Grenzen ihrer Möglichkeiten in sozialen Räumen zu testen.

Julias Ziel ist dabei ihre Utopie und ihre Sehnsucht: Frei mit der Welt zu sein. Sie möchte sich mit Hilfe ihrer Kunst dieser Sehnsucht nähern und möchte nach dieser Sehnsucht ausgerichtet leben.

„Von der Sehnsucht nach Freiheit und Grenzenlosigkeit getrieben brechen wir auf in die Welt. Wir wissen nicht, welchen Weg wir fahren werden, noch was passieren wird. Aber wir haben ein Ziel: Wir streben die Entgrenzung an, unserer Selbst und der Außenwelt. Wir wollen der Welt anders begegnen, sie theatralisieren, ihre Freiräume entdecken und diese in vollen Zügen ausschöpfen. Alles ist möglich“(Julia Dick/Katharina Sandner).

Die Suche nach der Freiheit im Leben wird dabei zum Gegenstand der Kunst.

Dabei steht die Strategie der Grenzüberschreitung für „das Aufbrechen und Ausdehnen von (sozialen) Grenzlinien zu temporären Grenzräumen“[2].

Julia hat fünf Grundbausteine für sich errichtet: 1.) Erweitern des Handlungsrepertoires, 2.) Etablierung des Kontextes, 3.) Bewusst werden, 4.) Möglichkeiten sehen, 5.) Sich öffnen für Bewegung.

Julia sieht ihre Performance-Arbeit in allen Lebensfeldern präsent, sie greift in allen Lebenslagen überein: „Das was ich als Mensch will, will ich als Künstlerin und auch als Pädagogin“ (Julia Dick).

Da Julia Kunst im öffentlichen Raum aufführt, spielt die Begegnung mit Menschen eine große Rolle für sie und mit der gerade gegebenen Situation und ihren vorherrschenden Erwartungen ergibt sich unendlich viel Material für die aktive Gestaltung.

„Jede Situation hat unendlich viele Möglichkeiten, sie sind aber nicht unbegrenzt“(Julia Dick).

Das Sehen der Möglichkeiten hilft einem seine eigene Autonomie zu erkennen und zu handeln, dabei hat man selber die freie Entscheidung welchen Weg man einschlagen möchte. Die gängigste Option wäre es sich an die Konventionen zu halten, es existieren aber auch andere Handlungsspielräume, die man aber in seiner normgebundenen Denkstruktur vergisst.

Die Performance-Arbeit hat durch die eigene Herausforderung, die man sich stellt, eine therapeutische Wirkung. Julia beschreibt, dass sie durch ihre Taten über sich hinauswächst und eine Art Katharsis erlebt.

Die Erfahrungen, die während der Performance gesammelt wurden, werden abgespeichert und man wird sich selber seines Transformationsprozesses bewusst.

Das Performerduo agierte stets im öffentlichen Raum und versuchte seine Wirkung auf die Zuschauer herauszufinden, sowie auch die Wirkungsmacht von bestimmten Orten und Objekten: Bsp.: Ballkleider verlangsamen den/die TrägerIn.

Die größte Herausforderung ist es sich über seine eigenen Muster zu befreien, dafür müssen diese erst als solche erkannt werden. Als zweiten Schritt gilt es seine Grenzen und Möglichkeiten zu erforschen.

3.) Wichtigkeit des Themas/Schulischer Kontext

Die Performerinnen lernen durch die Grenzüberschreitung die Grenzen im gegebenen Kontext kennen, dadurch erweitert sich ihr Handlungsrepertoir und sie erweitern ihre Fähigkeiten. Hier stellt sich ein Bezugspunkt zur Bildung dar, laut Julia Dick: „Die künstlerische Bildung muss immer die Selbstbildung sein“. Performance arbeitet mit Bildern sowie auch Bilder in der Kunst beteiligt sind. Die in der Performance entstandenen Bilder haben eine Wirkung auf den Betrachter und der Betrachter kann seine eigene Wirklichkeit interpretieren. Performance kann gesellschaftliche Aufklärungsarbeit über momentane Strukturen leisten, „Denn Kunst soll nicht nur Kunst unterrichten, sondern Menschen bilden“ (Julia Dick).

Performancearbeit im kunstpädagogischen Kontext hat das Ziel, die individuellen, konzeptbildenden Aktionsfähigkeiten der agierenden Person zu fördern und zu entwickeln, sich also im Gebrauch der Mittel der Performance-Art zu üben.[3] Performative Prozesse sind ein Kern des Lernens, sie hinterfragen den Lernprozess. Somit kann eine Selbstbildung entstehen, ein Ausleben des eigenen Selbst in Beziehung zur Mit- und Umwelt.[4]

Wie Gunter Otto im Folgenden erläutert: „Die Präsentation von Unterrichtsinhalten nach der performativen Sichtweise ziele nicht auf die „Ansammlung von Wissen“, sondern auf die „Auslösung von Prozessen sowohl des Lehrenden wie des Lernenden“. Das Gespräch „mit den Schüler und Schülerinnen über deren Gefühle und Befindlichkeit“ sei hier „richtiger“, „als vorschnell das Objekt zu deuten“.[5]

4.)Verknüpfung zu meinem bisherigen Kunstwissen

Ich sehe zu dem Transformationsprozess, den Julia Dick während ihrer Arbeit erlebt, eine Parallele zu Marina Abramovics Werken. In der Arbeit „Lips of Thomas“ (24.10.1975 Galerie Krinzinger in Innsbruck) bewirkt Abramovic eine qualvolle Situation, in der bisher fraglos gültige Normen, Regeln und Sicherheiten außer Kraft zu sein scheinen.[6] In der Arbeit „Bevor wir sterben“ von „katze und krieg“ bricht das Performerduo ebenfalls scheinbar sozial normgebundene Regeln.

Eine weitere Parallele besteht darin, dass in den Situationen eine Relation neu bestimmt werden muss: Die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt, da die Zuschauer zum Akteur transformiert werden. Die Subjekt- und Objektpositionen bestimmen sich in einem osziellierenden Verhältnis, die sich kaum noch deutlich voneinander unterscheiden lassen.[7]

Beide Künstler bringen Ereignisse hervor, in denen nicht nur sie selbst, sondern auch die Betrachter involviert sind. Es ist die leibliche Ko-Präsenz von Akteuren und Zuschauern, welche eine Aufführung zuallererst ermöglicht, welche die Aufführung konstituiert. Damit eine Aufführung stattfinden kann, müssen sich Akteure und Zuschauer für eine bestimmte Zeitspanne an einem bestimmten Ort versammeln und gemeinsam etwas tun.[8]

Alle Performances haben die Gemeinsamkeit, dass sie eine flüchtige Materialität haben und dass sie weder fixier- noch tradierbar sind, sondern flüchtig und transitorisch. Die Akteure und die Zuschauer wirken permanent aufeinander, daher sind Aufführungen weder planbar noch vorhersagbar. Dieselbe Aufführung wird auch deshalb immer ein anderes Ergebnis erzielen.

Der Zuschauer kann sich, im Gegensatz zu einem Gemälde, auch nicht von einer Aufführung distanzieren, durch die Räumlichkeit ist der Zuschauer immer mit in die Aufführung involviert. Er kann sich die Aufführung nicht von einer zeitlichen Distanz aus nur ansehen, sondern ist ab sofortigem Zeitpunkt mitinvolviert.

5.) Fazit

Julia Dick sucht durch den performativen Akt ihre Freiheit und Grenzenlosigkeit in unserer heutigen normstrukturierten Gesellschaft. Sie tritt dabei selber als Performerin auf und involviert zugleich auch die Zuschauer.

Performance lässt sich auch im Handlungsspielraum Schule ausüben, da sie zur Selbstbildung verhilft. Zugleich kreuzen sich bei einer Performance die Bereiche Kunst, soziale Lebenswelt und Politik, welche auch in der Schule im kunstpädagogischen Bereich thematisiert werden können.

Dadurch, dass ich mich umfassend mit dem Bereich der Performance befasst habe, habe ich viel über die Chancen und die Reichmöglichkeiten von Kunst gelernt. Mein Blick auf performative Kunst und die Künstler Marina Abramovic und Joseph Beuys haben sich durch den Vortrag „Die Erweiterungen der Möglichkeiten“ von Julia Dick geändert. Im Folgenden möchte ich der Künstlerin Julia Dick noch anschließende Fragen stellen.

6.) Anschließende Fragen an Julia Dick

1.) Welche Aufgabe stellst du dir selber als aktuelle zeitgenössische Künstlerin?

Mit zeitbasierter, flüchtiger, immaterieller Kunst Geld zu verdienen und mein Leben zu bestreiten.

Außeralltägliche transformierende Erfahrungen zu machen und diese auch anderen Menschen zu ermöglichen.

Vorschläge (für eine Zukunft) zu generieren und auch gleich in der Gegenwart zu erproben, um sie ggf. sofort wieder wegschmeißen zu können, sprich mit Möglichkeiten zu experimentieren und etwas über diese herausfinden.

Eine glänzende schicke scheinende Schicht abzukratzen und zu dem was darunter liegt vorzudringen.

2.) Kann deine Arbeit auch misslingen? Du möchtest ja mit deiner Kunst deine Zuschauer dazu anregen über norm-, und gesellschaftliche Kontexte hinaus zu denken, falls dir dies nicht erfolgt, siehst du deine Arbeit als gescheitert an?

Ich glaube, es reicht und ist bereits ein großes Geschenk, wenn es gelingt ein paar einzelne Menschen zu erreichen, zu berühren und zu transformieren. Die unangenehmste Reaktion auf meine Arbeit oder auch Lehre wäre wohl absolute Gleichgültigkeit von allen Partizipierenden. Das wäre wie ein Selbstgespräch führen. Normalerweise beobachte ich das so nicht - zum Glück. Aber eigentlich, selbst wenn es danach aussehen würde, könnte ich ja doch nie gänzlich wissen, was in den Köpfen der Menschen wirklich passiert. Ich bin da der Einfachheit halber optimistisch und gehe davon aus, dass meine Arbeit, wenn sie auf mich selbst eine transformatorische Wirkung hat, auch auf mein Umfeld eine Wirkung hat. Das ist ein Glaube. Ohne diesen könnte ich meine Arbeit nicht machen.

3.) Hattest du schon einmal bei einem deiner Werke die Absicht eine bestimmte Wirkung bei den Zuschauern zu erzielen?

Ja, ich wünsche oft, dass meine Zuschauer inspiriert sind und sich erweitert und frei fühlen.

4.) Siehst du in deiner Kunst einen Teil als politische Aufklärungsarbeit an?

Ich würde meine Performances nicht als Aufklärungsarbeit ansehen. Wenn ich aufklären wollen würde, würde ich das wohl eher mit Worten tun. Ich mag auch nicht gerne andere belehren oder Verallgemeinerungen machen, sondern versuche von mir selbst ausgehend zu sprechen und zu erzählen. Aber ich begreife meine Arbeit als politisch. Ich habe Werte und die sind auch kongruent zu meinen personalpolitischen Zielen: das Freisein miteinander, Offenheit und Toleranz, Gleichberechtigung, Sichtbarmachen von Machtstrukturen einerseits und den Möglichkeiten zum Empowerment andererseits, Expansion von Kreativität, Rückgewinnung von Ausgegrenztem, Verflüssigung von dem, was fest ist.

5.) Inwieweit beeinflusst dich der Raum bei deinen Werken, achtest du bewusst auf die Räumlichkeit oder beeinflusst er dich nur indirekt?

Der Raum - begriffen als ein soziales und dynamisches Gefüge, von dem ich selbst ein Teil bin - bringt die Arbeit erst hervor. Sie entsteht aus ihm heraus. Sie liegt in ihm. Ich muss dem, was im Raum (von dem ich ja wie gesagt selbst ein Teil bin) liegt, nur nachgehen, sozusagen ein bisschen wie ein Medium agieren und die Arbeit entsteht.

6.) Hast du dir selber moralische oder auch körperliche Grenzen auferlegt ?

Keine mentale, körperliche oder verbale Gewalt.

Keinen Menschen als weniger wertvoll ansehen.

Keine Lügen

7.) In einem anderen Interview ((im)personally) hast du beschrieben, dass du in Deutschland keine genaue aktuelle Kunstszene erkennen kannst, gibt es denn eine bestimme Kunstszene an einem Ort die dich inspiriert?

Die Frage in dem Interview hatte ich damals so verstanden, dass mich mein tschechisches Gegenüber nach einer Art „aktueller Deutschen Kunst" gefragt hatte. Und diese Frage konnte ich nicht beantworten, oder fand ich auch absurd - da ich eher beobachte, dass Künstler*innen international arbeiten. Und sich mit denjenigen zusammen tun und auch über den Globus hinweg verknüpfen, die ähnliche Interessen haben. Künstler*innen gehen dorthin, wo gute Bedingungen existieren, um dort zu arbeiten. Das war in den letzten Jahren viel Berlin, dem entsprechend florierend ist dort die Kunstszene und ich bin gerne da, mir Sachen anzugucken. Die (Performance) Künstler*innen, die mich wirklich interessieren, sind aber individuell verlesen und nicht an einem Ort versammelt, sondern auf der Welt verteilt…zu finden gleichermaßen in Offenbach, Hildesheim und Rijeka wie in Wien und New York .

[...]


[1] Vgl. Peez, 2012, S.94.

[2] Vgl. Charon, 1999. S.14.

[3] Vgl. Peez, 2012, S.95f..

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Fischer-Lichte, 2004, S.10.

[7] Vgl. ebd., S.20.

[8] Vgl. ebd., S.47.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Performative Akte. Julia Dick "Die Erweiterung der Möglichkeiten"
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
10
Katalognummer
V354703
ISBN (eBook)
9783668419698
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
performative, akte, julia, dick, erweiterung, möglichkeiten
Arbeit zitieren
Maria-Eleni Kanela (Autor), 2016, Performative Akte. Julia Dick "Die Erweiterung der Möglichkeiten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354703

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