In dieser Arbeit wird eine indirekte Messmethode vorgeschlagen, mit der implizite Einstellungen von Heterosexuellen gegenüber homosexuellen Frauen und Männern festgestellt werden können.
Die Akzeptanz von Homosexualität ist ein aktuelles Thema: Der Großteil der deutschen Gesellschaft toleriert gleichgeschlechtliche Liebe – und trotzdem fühlen sich homosexuelle Frauen und Männer nicht akzeptiert. Kann es sein, dass die so gewollte Toleranz tief im Inneren eines Individuums gar nicht vorhanden ist?
Menschen verarbeiten Informationsprozesse auf zwei unterschiedlichen Ebenen: entweder mit geringem kognitiven Aufwand, indem sie automatische Entscheidungsprozesse in Anspruch nehmen oder sie nutzen aktiv vorhandene kognitive Ressourcen und entscheiden bewusst und kontrolliert. Aufgrund dieser Modelle ist anzunehmen, dass Einstellungen von diesen beiden Ebenen Einfluss auf das Verhalten ausüben. Ergebnisse direkter Messverfahren, wie Befragungen, spiegeln in diesem Sinne nur die kontrollierten, sogenannten expliziten Einstellungen wieder. Dem Probanden wird so ermöglicht, kontrolliert zu antworten und Strategien zu entwickeln. Antworttendenzen bzw. Methodeneffekte, wie Soziale Erwünschtheit sind kaum zu vermeiden.
Um automatische Prozesse und sogenannte implizite Einstellungen zu messen, werden indirekte Messverfahren genutzt. Vor allem bei gesellschaftlich sensitiven Themen wie der sexuellen Orientierung oder bei Themen, zu denen eine politisch Korrekte Meinung vorherrscht, ist es wichtig, dass den Probanden keine Möglichkeit zur strategischen Selbstdarstellung gegeben wird. Dies ist mit indirekten Messmethoden möglich.
So lässt sich herausfinden, ob diskriminierende Verhaltensweisen in impliziten Einstellungen begründet sein könnten, auch wenn eine Person scheinbar positiv gegenüber Homosexualität eingestellt ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zentrale Erkenntnisse über die indirekte Messung von Einstellungen
3. Einstellung gegenüber homosexuellen Frauen und Männern
4. Methode zu Messung impliziter Einstellungen gegenüber homosexuellen Frauen und Männern
4.1 Herleitung der Messmethode
4.2 Durchführung
4.3 Auswertung der Ergebnisse
5. Einschätzung der Machbarkeit der vorgeschlagenen Messmethode
5.1 Gütekriterien
5.2 Mögliche Probleme und Fehlerquellen
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, eine indirekte Messmethode zu entwickeln, um implizite Einstellungen von heterosexuellen Personen gegenüber homosexuellen Frauen und Männern zu erfassen und dabei die Verzerrungen durch soziale Erwünschtheit bei expliziten Befragungen zu minimieren.
- Vergleich von expliziten und impliziten Einstellungen
- Einfluss von sozialen Erwünschtheitstendenzen auf Umfrageergebnisse
- Analyse und Anwendung des affektiven Primings als Messverfahren
- Methodische Konzeption zur Reduktion von Messfehlern durch Antwortfenstertechnik
- Diskussion der Gütekriterien für indirekte Messmethoden
Auszug aus dem Buch
4.2 Durchführung
Um ein maskiertes affektives Priming durchzuführen werden zuerst sowohl Priming-Stimuli als auch in ihrer Valenz eindeutig positive oder negative Target-Stimuli festgelegt. Die Primes bestehen aus acht Fotos von Hetero- und acht Fotos von Homosexuellen in eindeutigen Situationen, wie bei der Hochzeit oder beim Küssen. Die Targets bestehen aus 16 Fotos von eindeutig positiven oder negativen Situationen oder Umgebungen. Die Valenz wurde zuvor durch Befragung von zehn Personen geprüft, die eine Vielzahl von Fotos in die Kategorien „positiv“, „negativ“ und „neutral“ einordneten. Es wurden bewusst keine Bilder mit Personen ausgewählt, um Attraktivitätseffekte zu vermeiden. Die Prime und Target-Stimuli sind in Anhang A zu finden.
Die Primes werden von Maskierungsreizen überschrieben, damit dem Probanden die Messintention des Tests verborgen bleibt. Die Maskierungen werden aus verschlüsselten Elementen der Prime-Stimuli erstellt (Wittenbrink, 2007). In diesem Fall wurde der Prime mit in einem Bildbearbeitungsprogramm mit eines Bildrauschen-Filters maskiert. Ein Beispiel ist in Anhang A.3 zu finden.
Nach diesen Vorarbeiten wird der Test aus Primes, Maskierungen und Targets zusammengesetzt. Der Aufbau eines Durchgangs, inkl. Zeitangaben orientiert sich an der Studie 1a von Degner (2006), da sich diese bereits bewährt haben und eine Testphase aufgrund der zeitlichen Begrenzung sowie der technischen Möglichkeiten für diese Arbeit nicht möglich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Einstellung gegenüber Homosexualität und Erläuterung der Relevanz impliziter Messverfahren zur Vermeidung sozialer Erwünschtheit.
2. Zentrale Erkenntnisse über die indirekte Messung von Einstellungen: Theoretische Grundlagen zu impliziten Einstellungen sowie Erläuterung der Funktionsweise von deliberativen und spontanen Messmethoden.
3. Einstellung gegenüber homosexuellen Frauen und Männern: Darstellung des gesellschaftlichen Einstellungswandels anhand von Daten sowie Analyse der Diskrepanz zwischen positiven expliziten Antworten und häufig negativem Verhalten.
4. Methode zu Messung impliziter Einstellungen gegenüber homosexuellen Frauen und Männern: Herleitung, Konzeption und technische Durchführung eines maskierten affektiven Priming-Tests zur Erfassung impliziter Einstellungen.
5. Einschätzung der Machbarkeit der vorgeschlagenen Messmethode: Kritische Reflexion der methodischen Gütekriterien sowie Identifikation potenzieller Fehlerquellen und Lösungsansätze.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Nützlichkeit des affektiven Primings als ergänzendes Instrument zur IAT-Forschung und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung aller im Rahmen der Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Implizite Einstellungen, Indirekte Messverfahren, Affektives Priming, Soziale Erwünschtheit, Homosexualität, Reaktionszeitmessung, Antwortfenstertechnik, Validität, Reliabilität, MODE-Modell, Einstellungswandel, Maskierung, Experimentaldurchgang, Diskriminierung, Sozialpsychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung einer psychologischen Methode, um implizite Einstellungen von heterosexuellen Menschen gegenüber homosexuellen Personen zu messen, ohne dass das Ergebnis durch soziale Erwünschtheit verzerrt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Felder sind die psychologische Einstellungsmessung, die Abgrenzung zwischen expliziten und impliziten Einstellungsdaten, die Verwendung von Priming-Verfahren und die gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein Testdesign zu entwerfen, das auf dem affektiven Priming basiert, um die Diskrepanz zwischen explizit geäußerter Toleranz und tatsächlichen unbewussten Einstellungen zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit schlägt die Methode des maskierten affektiven Primings vor, ergänzt durch eine Antwortfenstertechnik zur Steigerung der Messgenauigkeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der indirekten Messung, der Analyse der Einstellungsforschung zu Homosexualität, der konkreten methodischen Herleitung des Priming-Experiments sowie einer kritischen Machbarkeitsanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind implizite Einstellungen, affektives Priming, soziale Erwünschtheit, Validität und psychologische Messmethodik.
Warum wird eine Alternative zum IAT gesucht?
Der Implizite Assoziationstest (IAT) wird häufig kritisiert, da die Messintention für Probanden durchschaubar sein kann und Ergebnisse durch parallele Aufgaben beeinflusst werden könnten.
Wie unterscheidet sich die Antwortfenstertechnik in der Auswertung?
Die Antwortfenstertechnik zwingt Probanden zu einer schnellen Reaktion, wodurch der Fokus von der inhaltlichen Korrektheit auf die Reaktionsgeschwindigkeit verlagert wird, was die interne Konsistenz der Messung verbessert.
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- Natascha Koppermann (Autor), 2014, Messung impliziter Einstellungen gegenüber homosexuellen Frauen und Männern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354715