In meiner Studie handelt es sich um eine interdisziplinäre Arbeit bezüglich der Zusammenarbeit zwischen der kognitiven beziehungsweise Wahrnehmungspsychologie und der Psycholinguistik. Die Studie setzt sich in erster Linie zum Ziel, den Einfluss der Farbe auf das lexikalische Gedächtnis beim Fremdsprachenlernen in den Anfangsstadien zu untersuchen. Zielgruppe dieser Untersuchung waren chinesische MittelschülerInnen zwischen 13-14 Jahren. Sie haben bereits seit ungefähr vier Jahren gemeinsam Englisch gelernt, besaßen aber zu Beginn der Untersuchung keine deutschen Sprachkenntnisse. Sie verfügten folglich über keine Vorkenntnisse und Erfahrung mit den präsentierten deutschen Vokabeln, womit interne Störfaktoren des lexikalen Gedächtnisses ausgeschlossen werden können.
Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Darin umfasst die theoretische Grundlage drei Teile: Der erste Teil beschäftigt sich allgemein mit dem menschlichen Gedächtnis, nämlich mit der Speicherung von Wörtern im Gehirn, ausgehend vom sensorischen Register bis hin zum Langzeitgedächtnis. Außerdem soll hierzu ein Einblick in das bilinguale Gedächtnis vermittelt werden, wozu schwerpunktmäßig mentales Lexikon sowie bilinguales lexikales Gedächtnis detailliert erörtert werden sollen.
Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Verbindung zwischen Stimulus der Außenwelt und aufgenommenen Informationen im Gehirn. Hiermit ist der visuelle Wahrnehmungsprozess des Lexikons gemeint, der als wichtige frühe Phase beim fremdsprachlichen Wortschatzerwerb gilt. Wenn die Farbe als zusätzlicher Stimulus benutzt wird, wird bei der Wahrnehmung des Wortschatzes auch die Farbe wahrgenommen. Beide aufgenommenen Informationen werden weiter zum visuellen Gebiet des Gehirns transportiert und danach im Gedächtnis im dafür zuständigen Gebiet des Gehirns gespeichert.
Der dritte Teil thematisiert die Beziehungen zwischen der Farbwahrnehmung und dem lexikalen Gedächtnis. Die Argumente der Hypothese dieser Studie werden anhand heutiger empirischer Ansätze bezüglich der Interferenz zwischen Farben und Gedächtnisleistungen erklärt. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die Farbe beim Fremdsprachelernen Auswirkungen auf das lexikalische Gedächtnis hat. Dabei findet ferner die semantisch-konzeptuelle Entschlüsselung im konzeptuellen System statt, welches auf die begrifflichen Konzepte (,,Wissen über die Welt’’) zugreift.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das bilinguale lexikalische Gedächtnis
2.1 Das menschliche Gedächtnis
2.2 Das lexikalische Gedächtnis: mentales Lexikon
2.3 Das bilinguale lexikalisches Gedächtnis: bilinguales mentales Lexikon
3 Wahrnehmungsprozesse
3.1 Prozesse bei der Wahrnehmung von Wortschatz
3.2 Prozesse bei der Wahrnehmung von Farben
3.3 Die Verarbeitungsprozesse Top-down und Bottom-up
4 Interferenz zwischen Farben und lexikalischem Gedächtnis
4.1 Wahrnehmungstheorien und kognitive psychologische Theorien
4.2 Assoziation von Farbinformationen und semantisch-konzeptuellem System
4.3 Forschungsstand: Beziehung zwischen Farben und Gedächtnis
5 Beschreibung der untersuchten Methoden und der Vorbereitung
5.1 Fragestellung: Beziehungen zwischen Farbe und lexikalem Gedächtnis
5.2 Beschreibung der Untersuchungsmethoden
5.2.1 Untersuchungsmethode von Gedächtnis
5.2.2 Methode der visuellen Darbietung
5.2.3 Variablencharakteristik
5.2.4 Auswahl der ProbandInnen
5.2.5 Auswahl von untersuchten lexikalischen Materialien
5.2.6 Auswahl der Farbenmaterialien
5.2.7 Sehtest
5.2.8 Exkurs: Die Buchstaben der deutsche Sprache
5.2.9 Datenanalyse durch ANOVA und T-Test
6 Experimenteller Teil
6.1 Experiment 1
6.1.1 Ziel des Experiments 1
6.1.2 Untersuchte Materialien in Experiment 1
6.1.3 Folien
6.1.4 Durchführung von Experiment 1
6.1.5 Ergebnisse der deskriptiven Datenanalyse
6.1.6 Ergebnisse der Datenauswertung von Experiment 1
6.2 Experiment 2
6.2.1 Ziel des Experiments 2
6.2.2 Materialien und Folien
6.2.3 Durchführung von Experiment 2
6.2.4 Ergebnisse der deskriptiven Datenanalyse
6.2.5 Ergebnisse der Datenauswertung von Experiment 2
6.3 Vergleich beider Experimente
7 Interpretation der Ergebnisse
7.1 Hemmung der Gedächtnisleistung
7.2 Vergleich der Ergebnisse aus der Farbperspektive
7.3 Vergleich der Ergebnisse aus den lexikalischen Verarbeitungsinformationen
7.3.1 Wechselwirkung zwischen Farben und Wortlänge
7.3.2 Auswirkung vorkommender Frequenzen der chinesischen Übersetzung
7.4. Auswirkung von Top-down- und Bottom-up-Prozessen
7.5 Aktivierung der Farbe auf der mentalen lexikalischen Repräsentation im semantisch-konzeptuellen System
8 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Farben auf das lexikalische Gedächtnis von Lernanfängern beim Fremdsprachenlernen. Das primäre Ziel ist es, mittels empirischer Experimente zu prüfen, ob Farbinformationen als unterstützender Stimulus bei der Wortspeicherung dienen können, wenn keine direkte semantische Verbindung zwischen Farbe und Wort besteht.
- Kognitive und wahrnehmungspsychologische Grundlagen des Wortschatzerwerbs
- Struktur und Funktionsweise des bilingualen mentalen Lexikons
- Interferenzphänomene zwischen Farbwahrnehmung und lexikalischer Gedächtnisleistung
- Methodik des experimentellen Wortlernen unter kontrollierten Bedingungen
- Analyse der Wechselwirkung von Farbe, Wortlänge und Frequenzeffekten
Auszug aus dem Buch
3.3 Die Verarbeitungsprozesse Top-down und Bottom-up
Die Wahrnehmung wird nicht allein durch die empfangenen Umweltreize bestimmt, sondern auch durch Erfahrungen, Erwartungen, Bedürfnisse und Einstellungen. Das Diagramm des Wahrnehmungsprozesses beinhaltet auch einen weiteren Faktor: Wissen. „Wissen umfasst jegliche Information, die der Wahrnehmende in einer Situation einbringt" (Goldstein 2015,7). Um die Verarbeitungsprozesse beim Wort ,,das Auto’’ zu erklären, wird vor allem das sprachliche Wissen sowie das Farbwissen beachtet. Während des Prozesses wird vorübergehend das lexikalische Wissen aufgerufen. Unter lexikalischem Wissen versteht man den sprachlichen Wissensstand im Langzeitgedächtnis, der die internen und externen Informationen über die lexikalischen Einheiten und die Relationen zwischen ihnen enthält. Hierbei geht es um die Wörter, die im unseren mentalen Lexikon gespeichert sind sowie um das semantische Wissen, das nicht nur die Wortbedeutung, sondern auch das mentale Bild von einem Auto enthält.
Dieses stammt aus dem semantisch-konzeptuellen System, dessen Wissen wir als Kind lernen und einen Teil unserer Wissensbasis bildet. Diese individuellen unterschiedlichen Kognitionsprozesse bringt der Wahrnehmende in die Situation ein, deren Zusammenwirken von Bottom-up und Top-down beeinflusst wird. Die Bottom-up-Verarbeitung bezeichnet eine daten- und reizgesteuerte Verarbeitung, die auf den beiden Rezeptoren eingehenden Reizen basiert. „Eingehende Reize stehen immer am Anfang der Wahrnehmung, denn wenn es keine eingehenden Reize gibt, dann gibt es auch keine Wahrnehmung“ (Goldstein 2015, 8). Wenn der Fremdsprachenlernende die Wörter ,,das Auto’’ gesehen hat, wird das Bild dieser Wörter auf der Netzhaut den Wahrnehmungsprozess anstoßen. Weil das Bild den ,,eingehenden Daten’’ entspricht, entsteht die Grundlage der Bottom-up-Verarbeitung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Schwierigkeiten beim Vokabellernen in der Anfangsphase des Fremdsprachenlernens und führt in das Forschungsinteresse ein, den Wortschatzerwerb durch kognitive Faktoren wie Farbwahrnehmung zu optimieren.
2 Das bilinguale lexikalische Gedächtnis: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des menschlichen Gedächtnisses und beschreibt das mentale Lexikon als zentralen Speicherort für Sprachwissen sowie dessen Entwicklung bei bilingualen Sprechern.
3 Wahrnehmungsprozesse: Hier werden die kognitiven Mechanismen der Aufnahme visueller Informationen, insbesondere der Wortschatz- und Farbwahrnehmung, sowie die Unterscheidung zwischen Top-down- und Bottom-up-Prozessen diskutiert.
4 Interferenz zwischen Farben und lexikalischem Gedächtnis: Das Kapitel befasst sich mit dem aktuellen Forschungsstand zur Interferenz zwischen Farbinformationen und Gedächtnisleistungen und hinterfragt die Rolle der Farbe für die mentale Repräsentation von Objekten.
5 Beschreibung der untersuchten Methoden und der Vorbereitung: Der methodische Teil definiert das Studiendesign, die Auswahl der Probanden und die experimentelle Vorbereitung, um den Einfluss von Farben auf das Wortgedächtnis bei chinesischen Schülern zu testen.
6 Experimenteller Teil: Dieser Abschnitt präsentiert die Durchführung und Ergebnisse der beiden durchgeführten Experimente, die das Kurzzeitgedächtnis unter verschiedenen Farb- und Wiederholungsbedingungen untersuchen.
7 Interpretation der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden im Hinblick auf Hemmungs- und Unterstützungseffekte analysiert, wobei besonders die beobachtete hemmende Wirkung bunter Farben kritisch diskutiert wird.
8 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, nach denen Farben im untersuchten Kontext eher keine unterstützende, sondern teilweise hemmende Rolle beim Fremdsprachenlernen spielen.
Schlüsselwörter
Fremdsprachenlernen, lexikalisches Gedächtnis, mentales Lexikon, Farbwahrnehmung, kognitive Psychologie, Interferenz, Wortschatzerwerb, Kurzzeitgedächtnis, Arbeitsgedächtnis, Bottom-up-Verarbeitung, Top-down-Verarbeitung, Stroop-Effekt, Vokabelmemorierung, Gedächtnisleistung, Psycholinguistik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die visuelle Präsentation von Wörtern in bestimmten Farben die Gedächtnisleistung bei Lernanfängern einer Fremdsprache verbessert oder beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Studie verknüpft Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie, der Wahrnehmungspsychologie und der Psycholinguistik, mit einem Fokus auf dem bilingualen Gedächtnis und den Prozessen der Wortspeicherung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll empirisch geklärt werden, ob Farbe als zusätzlicher Stimulus beim Memorieren von Vokabeln in der Anfangsphase des Fremdsprachenlernens eine unterstützende Wirkung auf die Behaltensleistung hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin führt zwei kontrollierte Experimente mit chinesischen Mittelschülern durch, die deutsche Vokabeln in verschiedenen Farb- und Kontrastbedingungen memorieren und anschließend in einem Test ihre Richtigkeit unter Beweis stellen müssen.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche theoretische Fundierung zu Wahrnehmung und Gedächtnis sowie den empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Experimente mittels statistischer Verfahren wie ANOVA und T-Tests ausgewertet werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit zusammenfassen?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen das mentale Lexikon, Wortschatzerwerb, Farbwahrnehmung, kognitive Interferenz und Gedächtnisleistung.
Welche Rolle spielt die Wortlänge in der Analyse?
Die Autorin untersucht, ob die Anzahl der Buchstaben in einem Wort die Speicherung beeinflusst, wobei sie auch den sogenannten Wortlängeneffekt im Kontext der farbigen Darbietung prüft.
Zu welchem Schluss kommt die Studie bezüglich der Farben?
Überraschenderweise zeigen die Ergebnisse, dass bunte Farben im untersuchten Kontext eher eine hemmende Wirkung auf die Gedächtnisleistung haben können, während schwarz-weiße Darstellungen stabilere Lernergebnisse lieferten.
- Citar trabajo
- Jingjing Shi (Autor), 2016, Der Einfluss der Farbe auf das lexikalische Gedächtnis beim Fremdsprachenlernen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354754