Eine Prüfung einer Neudefinition der Arbeiterklasse unter besonderer Berücksichtigung der politischen Ausrichtung von ArbeiterInnen heute


Seminararbeit, 2017

22 Seiten


Leseprobe

Einleitung:

Die vorliegende Seminararbeit setzt sich mit der Frage einer Neudefinition der Arbeiterklasse mit spezifischem Bezug auf den Standpunkt der politischen Ausrichtung auseinander. Durch einen massiven rech tsparteilichen Aufschwung in Europa, wie in Deutschland mittels der Alternative für Deutschland[1], wird häufig die Frage gestellt, wie groß der Anteil sozioökonomisch schwächerer Klassen[2] am Aufstieg der AfD sei. Auch durch den Status als Arbeiterkind sowie aktives Gewerkschaftsmitglied möchte ich den Kontrast der Arbeiterklasse skizziert nach Marx mit den Charakteristika der „Arbeiterklasse heute“ vergleichen und bestenfalls Rückschlüsse daraus ziehen, welche für die Wahl rechter Parteien verantwortlich sein könnten.

Zu meiner Vorgehensweise erwartet den Lesenden zuerst eine Einordnung des Begriffs der Arbeiterklasse in den historischen Kontext, zu dem sowohl mit Primär- als auch Sekundärliteratur[3] gearbeitet wird. Anschließend erfolgt eine nähere Untersuchung der Charakteristika der heutigen Arbeiterklasse mittels gewerkschaftsnaher Quellen, gefolgt von einer Wahlanalyse, zu denen explizit die letzten Landtagswahlen nach den Wahlentscheidungen von sozioökonomisch schwächeren Klassen und bildungsfernen Schichten untersucht werden. Letztlich erfolgt im Hinblick auf die politischen Charakteristika ein Vergleich zwischen den Bildern der Arbeiter*innen früher und heute, der Rückschlüsse bieten soll, ob eine Neudefinition der Arbeiterklasse aufgrund der politischen Ausrichtung von Arbeiter*innen möglich ist.

Noch vor Beginn des Hauptteils sei eine Anmerkung zur aktuellen Forschungslage zu meiner Fragestellung gestatten: Zwar lag Material zum Wahlverhalten von Arbeiter*innen u.a. durch genaue Wahlergebnisse vor, jedoch ist die Forschung um das Bestehen der klassischen Arbeiterklasse geschweige denn einer Neudefinition scheinbar ein junges Forschungsgebiet, auch wenn zu berücksichtigen gilt, dass die aktuellen Zustände von Arbeiter*innen auf dem Arbeitsmarkt und ihren Arbeitsbedingungen in mehreren Quellen durchaus genau beschrieben werden und somit die Grundlage für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Fragestellung möglich erscheint.

Hauptteil:

Historische Einordnung des Begriffs der Arbeiterklasse:

Zunächst erfolgt eine historische Einordnung des Begriffs der Arbeiterklasse. Hierbei ist festzustellen, dass „[v]or Marx und Engels […] die entstehende Arbeiterklasse als außerhalb der Gesellschaft stehende „Masse“ [galt], der keinerlei geschichtsgestaltende Kraft zukomme“[4]. Allerdings entwickelte sich diese Klasse zu Zeiten der Industrialisierung weiter, welche schließlich mit klaren Definitionen versehen wurden. So „[hieß] [d]iese Klasse die Klasse der Proletarier oder das Proletariat.“ [5]

Unter Engels wird die Dimension des Proletariats in vier Dimensionen unterteilt. „Die ersten Proletarier gehörten der Industrie an und wurden direkt durch sie erzeugt, die industriellen Arbeiter, diejenigen, die sich mit der Verarbeitung von Rohstoffen beschäftigen, […] [d]ie Erzeugung des industriellen Materials, […] konnte so ein neues Proletariat hervorbringen: die Arbeiter in den Kohlegruben und Metallbergwerken. In dritter Instanz wirkte die Industrie auf den Ackerbau und in vierter auf Irland zurück.“[6]

Herausforderungen und politischer Kampf:

Engels skizzierte die Realität des Proletariats auf der Mikroebene sehr deutlich. So sind Herausforderungen aus seiner Perspektive, dass der „[…] Arbeiter […] nicht für den vollen Wert der Ware entlohnt [wird], sondern nur mit einem Teil davon. Der übrig gebliebene Mehrwert ist der Profit des Kapitalisten.“[7] Weitere Folgen sind Lohnkürzungen, denn „[…] wie wir bereits festgestellt haben, ist der Arbeiter von ihm abhängig und wird die niedrigeren Löhne akzeptieren müssen. Ein weiteres Druckmittel des Arbeiters ist die Konkurrenz mit anderen Arbeitern.“[8] Ein weiteres wichtiges Merkmal erschließt sich bei näherer Betrachtung der individuellen Dimension des Arbeiters, denn Engels vertritt die Ansicht, dass durch die Arbeit eine Entfremdung entstehe, wonach „[…] [d]er Arbeiter […] entfremdet von dem Produkt seiner Arbeit [sei] […], [weil] [d]as Produkt der Arbeit […] kein Produkt der eigenen kreativen individuellen Leistung, sondern ein vorgeschriebener Prozess [sei], der den Menschen [so] von seinem „Sein“ entfremde[…]“[9], womit eine persönliche Desorientierung impliziert werde[10].

Neben bestehender ungerechter Lohnverteilung und dazu kommenden Lohnkürzungen, enormer Konkurrenzdruck sowie der zuletzt genannten Entfremdung der Arbeit skizziert Marx erweiternd zu Engels ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeitenden und Kapitalisten.

Die Sichtbarkeit jenes Abhängigkeitsverhältnis wird u.a. damit deutlich, „[…], dass der Arbeiter nicht notwendig … mit dem Gewinn des Kapitalisten [gewinnt], aber er [notwendig mit ihm] verliert. Hat das Unternehmen nämlich Erfolg, bedeutet dies nicht eine automatische Verbesserung der Verhältnisse für den Arbeiter.“[11]

In Bezug auf die politische Ausrichtung und Arbeit entfachte das Industriezeitalter „[…] eine revolutionäre Arbeiterbewegung […], die mehr als nur bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Arbeitszeiten [und] höhere Löhne einforderte. Sie kämpfte zugleich um Koalitionsfreiheit[12],[…], für weitergehende soziale wie auch politische Rechte […], da „die Aufrechterhaltung des Lohnes, […] [die Arbeiter] in einem gemeinsamen Gedanken des Widerstandes [vereinigte]. [13]

Bevor die historische Einordnung abgeschlossen wird und die Zuwendung zu Charakteristika der heutigen Arbeiterklasse erfolgt, gilt zu berücksichtigen, dass auch im historischen Kontext die Bildung von Klassen sowie die Inhalte in ihrer Mitte stets Wandel unterliegen. So auch „[…] am Ende des [19.] Jahrhunderts, [als sich die Arbeiterklasse] mit der Entwicklung der Produktivkräfte, der Entstehung der großen Industrie […], durch den wachsenden Einfluss der Arbeiterorganisationen […] auch selbst veränderte (Größe, Bildungsgrad, soziale Differenzierung, Organisationsgrad, Erfahrung aus Klassenkämpfen, politisches Bewusstsein)“[14], womit zum Abschluss der historischen Einordnung festgehalten wird, dass eine Grundlage für eine Neudefinition vorhanden sein könnte.

„Arbeiterklasse heute“:

Blickfeld Industrie

„Das statistische Bundesamt zählte für 2008 für die Bundesrepublik 35,845 Millionen […] „lohnabhängige Beschäftigte““[15], wobei die „Statistik des Bundesamts […] nichts über die Form der Beschäftigung und die Höhe der Entlohnung aus[sage]. Sie erklärt nicht, warum die Zahl jener, die im „produzierenden Gewerbe“ tätig sind, vor allem in den letzten Jahrzahlen deutlich […] abnahm, dass dahinter beispielsweise gewaltige Produktivitätssteigerungen stehen [oder] Verlagerungen in Billiglohnländer“[16], womit die vermeintliche Anzahl an Arbeiter*innen relativiert wird.

Bei der näheren Untersuchung einer heutigen Arbeiterklasse bietet sich der Fokus auf das größte Feld des damaligen Proletariats, der Industriearbeit heute, an. Hinzukommt auch die Situation in der Arbeitslosigkeit beziehungsweise bereits der Übergang von Arbeiter*innen in die Situation der Arbeitslosigkeit.

[...]


[1] Nachfolgend abgekürzt auf AfD

[2] Gemeint sind: Arbeiter*innen und Arbeitslose

[3] Überwiegend zu Marx/Engels

[4] (Hager, 2010)

[5] Vgl. (MEW, Bd.4, S.365)

[6] Vgl. (Engels, 1976)

[7] Ebd.

[8] (Alvanos, 2010)

[9] Vgl. (Marx, 1964)

[10] Erwähnenswert ist, dass solche Arbeiterrealitäten auch heute z.T. erscheinen (Vgl. S.5 f.)

[11] Vgl. (Marx, 1974)

[12]„Das Recht sich zum Kampf für die eigenen Rechte in Arbeiterorganisationen zusammenzuschließen“

[13] (Hager, 2010)

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Eine Prüfung einer Neudefinition der Arbeiterklasse unter besonderer Berücksichtigung der politischen Ausrichtung von ArbeiterInnen heute
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V354803
ISBN (eBook)
9783668449749
ISBN (Buch)
9783668449756
Dateigröße
896 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, prüfung, neudefinition, arbeiterklasse, berücksichtigung, ausrichtung, arbeiterinnen
Arbeit zitieren
Rohat Akcakaya (Autor:in), 2017, Eine Prüfung einer Neudefinition der Arbeiterklasse unter besonderer Berücksichtigung der politischen Ausrichtung von ArbeiterInnen heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/354803

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