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Soziopsychosomatik - Heilkunst im Spannungsfeld von Subjektivität und Gesellschaft

Title: Soziopsychosomatik - Heilkunst im Spannungsfeld von Subjektivität und Gesellschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 27 Pages , Grade: 1

Autor:in: Oliver Laqua (Author)

Psychology - Social Psychology
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Summary Excerpt Details

Der Gegenstand dieser Arbeit ist der Versuch, aus verschiedenen in den achtziger Jahren veröffentlichten Aufsätzen Klaus Horns zur Medizinsoziologie1 einen systematisch verfassten Grundriss seiner Überlegungen zur „Soziopsychosomatik“ zu zeichnen. Hinter diesem Begriff steht die Einsicht, dass eine allein auf den Naturwissenschaften gegründete Medizin und ein an diese gekoppeltes Gesundheitssystem nicht in der Lage sind die gesundheitspolitischen Herausforderungen der Moderne zu meistern. Um die Volkskrankheiten des 20/21`Jahrhunderts in effektiver und nachhaltiger Weise zu bekämpfen und den drohenden Bankrott der Gesundheitssysteme in den Industrieländern zu verhindern, bedarf es einer kritischen Medizinsoziologie mit interdisziplinärer Gestalt: „Soziopsychosomatik“ meint eben die Vereinigung von soziologischen, psychologischen und medizinischen Perspektiven zur Analyse von Krankheit bzw. Gesundheit und deren systemischen Agenturen in der Gesellschaft.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Prozess der Rationalisierung: Erkranken und

2. Zwei Begriffe von Krankheit

3. Die unheilvolle Koalition

4. Soziopsychosomatische Heilkunst

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, einen systematischen Grundriss der medizinsoziologischen Überlegungen von Klaus Horn zu einer „Soziopsychosomatik“ zu zeichnen und diese als kritische Theorie des Subjekts auszuweisen, um die Grenzen einer rein naturwissenschaftlich orientierten Medizin und eines funktionalistischen Gesundheitssystems aufzuzeigen.

  • Kritik an der naturwissenschaftlich verengten Organmedizin und deren Reduktionismus.
  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen individueller Subjektivität und gesellschaftlichen Rationalisierungsprozessen.
  • Untersuchung der Funktion von Krankheit als Ventilmechanismus und Mittel sozialer Kontrolle.
  • Erarbeitung eines soziopsychosomatischen Krankheitsbegriffs auf Basis psychoanalytischer Erkenntnisse.
  • Reflexion der Widerstände gegen eine Neuorientierung der Heilkunst durch eine „unheilvolle Koalition“.

Auszug aus dem Buch

3. Die unheilvolle Koalition

Die unheilvolle Koalition zwischen medizinischem Angebot und Versorgungsnachfrage zentriert sich in einem Bündnis zwischen dem Krankheitsbegriff der naturwissenschaftlichen Medizin und dem primär somatisch ausgerichteten Krankheitsverständnis der Patienten. Gesundheit wird weder von den nach der Schulmedizin arbeitenden Ärzten noch von deren Patienten als eine Kompetenz des Subjekts verstanden, als eine Kompetenz der Auseinandersetzung in und mit Konflikten. Krankheit wird von beiden Fraktionen dieser Koalition primär als somatisches Phänomen verstanden, als eine vom passiven Subjekt bzw. dessen Organismus erlittene Phase des Übergangs zwischen dem gewohnten Zustand der Selbstverständlichkeit einer sich selbst regulierenden, gesunden Funktionseinheit „Körper“.

Der Subjektivierungstendenz des naturwissenschaftlichen Krankheitskonzepts - Krankheit als somatisches Problem des einzelnen Subjekts - entspricht also eine tendenzielle Passivisierung des Patienten bei der Mitarbeit an seiner Gesundung, die dessen Bedürfnis nach Reduktion von belastender Komplexität, welche durch die Integration der psychischen und der sozialen Dimension in die therapeutische Praxis deutlich zunimmt, entgegenkommt. Der Rückhalt des verdinglichenden Krankheitskonzepts durch den persönlichen Widerstand des Subjekts gegen die Auffassung von Krankheit als Symptom für unbewältigte Konflikte ist aber nicht einfach nur ein Produkt der manipulativen Intervention durch die ideologische Funktionalisierung des Gesundheitsdiskurses. Dieser Widerstand des Subjekts gegen eine konfliktgenealogische Auffassung von Krankheit, gegen den Blick hinter die Fassade des Symptoms und damit auch hinter die Fassade versteinerter Strukturen der naturwissenschaftlichen Medizin, lässt sich nur mit Blick auf den funktionalen Aspekt von Krankheit verstehen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die medizinsoziologische Perspektive von Klaus Horn ein und skizziert die Notwendigkeit einer interdisziplinären Soziopsychosomatik angesichts der Krise moderner Gesundheitssysteme.

1. Der Prozess der Rationalisierung: Erkranken und: Dieses Kapitel thematisiert, wie gesellschaftliche Rationalisierungsprozesse die Subjektivität einschränken und Krankheit zunehmend als Problem der sozialen Kontrolle sowie als Ventil für einseitige Leistungsanforderungen erscheinen lassen.

2. Zwei Begriffe von Krankheit: Hier wird der eindimensionale naturwissenschaftliche Krankheitsbegriff kritisiert und durch ein psychoanalytisch fundiertes Konzept von „Krankheit als Konflikt“ ergänzt, um den Sinngehalt von Symptomen zu erschließen.

3. Die unheilvolle Koalition: Das Kapitel analysiert das Bündnis zwischen dem medizinischen Angebot der Organmedizin und der Nachfrage der Patienten, welches eine paradigmatische Wende in der Medizin behindert.

4. Soziopsychosomatische Heilkunst: Im abschließenden Teil werden die Aspekte der Soziopsychosomatik zusammengeführt und als kritische Theorie des Subjekts begründet, die eine Emanzipation von Herrschaftsstrukturen anstrebt.

Schlüsselwörter

Soziopsychosomatik, Medizinsoziologie, kritische Theorie des Subjekts, soziale Kontrolle, Rationalisierung, Krankheit als Konflikt, Organmedizin, Heilkunst, psychosomatische Medizin, Patient, Gesundheitssystem, Entfremdung, Symptom, psychoanalytische Sozialpsychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die medizinsoziologischen Ansätze von Klaus Horn mit dem Ziel, eine „Soziopsychosomatik“ als kritische Theorie des Subjekts zu entwerfen, die über rein naturwissenschaftliche Erklärungsmodelle von Krankheit hinausgeht.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft, der Einfluss gesellschaftlicher Rationalisierung auf die Gesundheit sowie die Kritik an der modernen medizinischen Versorgungspraxis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die strukturellen Verkürzungen der gegenwärtigen Medizin aufzudecken und ein komplexeres, interdisziplinäres Verständnis von Krankheit und Gesundheit zu formulieren, das psychologische und soziale Dimensionen einbezieht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine sozialwissenschaftliche Analyse, insbesondere auf Ansätze der kritischen Theorie des Subjekts und der Psychoanalyse, um medizinische Konzepte genealogisch und systemkritisch zu hinterfragen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Krankheit als Ventil für gesellschaftlichen Druck, die Problematisierung des naturwissenschaftlichen Krankheitsbegriffs, die Analyse der „unheilvollen Koalition“ zwischen Ärzten und Patienten sowie die Grundlegung einer emanzipatorischen Heilkunst.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Soziopsychosomatik, soziale Kontrolle, Rationalisierung, Krankheit als Konflikt, Organmedizin und Emanzipation.

Was genau versteht Horn unter der „unheilvollen Koalition“?

Diese beschreibt ein Bündnis zwischen der Schulmedizin, die Krankheit auf somatische Funktionen reduziert, und den Patienten, die eine solche Entlastung suchen, um die Komplexität ihrer Lebensweltkonflikte auszublenden und sich an die Rolle des Patienten anzupassen.

Warum scheitert die heutige Medizin laut Autor oft?

Die Medizin scheitert, da sie sich zu stark auf rein organische Funktionen fixiert und die sozialen sowie biographischen Entstehungsursachen von Krankheiten ausblendet, wodurch sie die Patienten in eine passive, durch das System kontrollierte Rolle drängt.

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Details

Title
Soziopsychosomatik - Heilkunst im Spannungsfeld von Subjektivität und Gesellschaft
College
University of Frankfurt (Main)  (Sigmund Freud Institut (SFI))
Course
Subjektivität und Gesellschaft heute - Ansatzpunkte psychoanalytischer Sozialpsychologie
Grade
1
Author
Oliver Laqua (Author)
Publication Year
2001
Pages
27
Catalog Number
V35489
ISBN (eBook)
9783638353861
Language
German
Tags
Soziopsychosomatik Heilkunst Spannungsfeld Subjektivität Gesellschaft Subjektivität Gesellschaft Ansatzpunkte Sozialpsychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Laqua (Author), 2001, Soziopsychosomatik - Heilkunst im Spannungsfeld von Subjektivität und Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35489
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