Weshalb wurde im Vietnamkrieg das Entlaubungsmittel „Agent Orange“ eingesetzt und was sind dessen Folgen?


Studienarbeit, 2017
15 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Vietnamkrieg
2.1 Vorgeschichte
2.2 Der amerikanische Krieg gegen Nordvietnam

3. Agent Orange
3.1 Entdeckung von Agent Orange
3.2 Zusammensetzung
3.3 Gründe und Zwecke des Einsatzes von Agent Orange
3.4 Wie wurde Agent Orange als Chemiewaffe eingesetzt?

4. Auswirkungen von Agent Orange
4.1 Unmittelbare Folgen
4.2 Spätfolgen
4.2.1 Für Mensch und Tier
4.2.2 Für die Umwelt

5. Taktisch-militärischer Nutzen von Agent Orange

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In Deutschland ist uns vieles über den 1. und 2. Weltkrieg bekannt. Dabei sind Konflikte, die in anderen Ländern ausgetragen wurden, oft weniger präsent. Ich möchte mich daher näher mit dem Vietnamkrieg auseinandersetzen, welcher in meinen Augen besonders dramatisch war, da die Langzeitschäden durch chemische Stoffe wie z.B. Agent Orange bis auf unabsehbare Zeit noch zu spüren sein werden. Bei diesem Krieg wurden nicht nur Menschen qualvoll und sinnlos umgebracht, sondern es wurde auch die Natur langfristig geschädigt und die chemische Belastung der Böden ist bis heute hoch.

Bereits in früheren Konflikten wurden chemische Stoffe als Kampfmittel verwendet. So wurde beispielsweise im ersten Weltkrieg Senfgas eingesetzt, um gegnerische Soldaten zu bekämpfen und aus den Schützengräben zu treiben. Dieser Einsatz war jedoch räumlich begrenzt und hinterließ keine langfristig ökologischen Folgen.

Ganz anders stellt sich der Einsatz von chemischen Kampfmitteln während des Vietnamkrieges dar. Während des Konfliktes wurden allein über 49 Millionen Liter des dioxinhaltigen Herbizids Agent Orange eingesetzt.[1] Es ist nicht das einzige Herbizid, das verwendet wurde, doch es kam am häufigsten zum Einsatz. Spuren von Agent Orange sind gegenwärtig in den angegriffenen Gebieten immer noch in der Erde vorhanden. Auch die Menschen, die nichts mehr mit diesem Krieg zu tun hatten, also erst Jahre/Jahrzehnte später geboren wurden, leiden unter angeborenen Fehlstellungen oder sonstigen Behinderungen.

2. Der Vietnamkrieg

2.1 Vorgeschichte

Um die Entstehung des Krieges zu verstehen, muss die Kolonialgeschichte Vietnams betrachtet werden. Mit der gewaltsamen Aneignung Vietnams durch Frankreich unter Napoleon III. endete die allgemeine Unterdrückung Vietnams durch China. Ab dem 18. Jahrhundert nahm der Einfluss Frankreichs auf das vietnamesische Kaiserreich stetig zu, bis es zum Mitte des 19. Jahrhunderts zu Ausschreitungen gegen französische Missionare durch die untere Bevölkerungsschicht kam. Frankreich ergriff indessen die Chance, Vietnam unter Kolonialherrschaft zu stellen, indem sie Schritt für Schritt neue Gebiete eroberte und schließlich 1883 das gesamte Land unter ihre Macht stellte. Frankreich konnte so eine systematische Ausbeutung Vietnams in Bezug auf Reis, Kautschuk und Kohle durchführen. Daraufhin bauten sie eine Kolonialverwaltung auf, die besonders die Infrastruktur zum Exportieren von Waren vorantrieb. Es wurden sowohl die Häfen in Saigon und Haiphong als auch Straßen und Eisenbahnnetze ausgebaut.[2]

Dies alles geschah auf Kosten der Vietnamesen, „ 45 000 Vietnamesen arbeiteten von 1917 bis 1944 auf Kautschukplantagen, die dem Unternehmen Michelin geh ö rten. Davon starben 12 000 Arbeiter an Unterernährung und Krankheiten. “ [3]

Anfang des 20. Jahrhunderts begann erster Widerstand gegen die Kolonialherrschaft Frankreichs. Mit der Weltwirtschaftskrise (1927-1931) wuchsen die Proteste und 1930/1931 kam es erstmals zu einem Bauernaufstand in Zentralvietnam, wobei der Ablauf dem der Oktoberrevolution 1917 glich. Der spätere Gründer der Bewegung Vietminh bzw. Kommunistischen Partei Indochinas, Ho Chi Minh (auch bekannt als Uncle Ho) bezeichnete diesen Aufstand später als Prolog zur erfolgreichen Augustrevolution 1945.[4]

Durch die Ausbeutung kam es zu verheerenden Hungersnöten, wodurch sich immer mehr Bürger der Opposition Vietminh anschlossen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wollten die Großmächte Großbritannien und Frankreich ihre Position im Land wieder einnehmen, was zu Bürgerprotesten führte. Nun sorgte der Vietminh dafür, dass die besetzten Gebiete wieder freigegeben wurden. Es kam zum Indochinakrieg. In diesen involvierte sich die USA, indem sie Frankreich unterstützten und somit gegen die vietnamesische Bevölkerung kämpfte. Während England die besetzten Gebiete wieder freigab, ließ Frankreich nicht locker und wollte mit aller Härte ihre Gebiete behalten. Aufgrund dessen gab es 1946 in Paris Verhandlungen bezüglich eines Abzugs französischer Gruppen aus Indochina. Daraufhin gab es dann kein unabhängiges Vietnam, da es Mitglied der Union-Francaise sein musste und französische Truppen aus Vietnam nicht abgezogen wurden. Durch das Genfer Abkommen wurde nach der Niederlage Frankreichs Vietnam in zwei Teile entlang des 17. Breitengrades geteilt. Der Süden des Landes wurde nun durch den Katholik Ngo Dinh Diem regiert, der Norden lag unter der Macht des Kommunisten Ho Chi Minh.[5]

„ Offiziell war es der 10. August 1961, als die amerikanische Luftwaffe auf Gehei ß von Präsident John F. Kennedy erstmals Pflanzenvernichtungsmittelüber den Wäldern Südvietnams versprühte.

Andere Quellen sprechen vom 8. Januar. Der 10. August ist seit 2009 in Vietnam offizieller Agent Orange-Gedenktag. “ [6]

Ab diesem Tag wurden bis zum 7. Januar 1971 etwa 72 Millionen Liter mit Dioxin verunreinigte Herbizide unter der Operation „Ranch Hand“ in Einsatzgebieten versprüht.[7]

„ Die 1960 in Südvietnam gegründete "Nationale Befreiungsfront (Vietcong)", deren Akzeptanz bei der unzufriedenen Bev ö lkerung schnell wächst, wird vom Norden unterstützt. 1963 wird der zunehmend diktatorisch herrschende Diem bei einem vom amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützten Militärputsch get ö tet. In der Folge wechseln sich verschiedene Militärjuntas an der Macht ab. “ [8]

2.2 Der amerikanische Krieg gegen Nordvietnam

Der Tonkin Zwischenfall 1964, bei dem zwei US-amerikanische Kriegsschiffe ohne Grund beschossen wurden, veranlasste die USA unter Präsident Johnson einen massiven Militäreinsatz gegen Nordvietnam zu starten. Die USA gingen davon aus, dass ein Sieg der Vietkong und Nordvietnams eine kommunistische Machtübernahme Südostasiens auslösen würde. 1965 wird die „Donnergroll“ (Rolling Thunder) Operation durch den ehemaligen US-Präsidenten Lyndon B. Johnson eingeleitet.[9]

„ 643 000 Tonnen Bomben wirft die US Air Force zwischen 1965 und 1968über Nordvietnam ab (...) [und flog] oft mehrere Hundert Attacken am Tag. “ [10]

Die Widerstandskämpfer waren zunächst unterlegen. Durch die am Vorabend des vietnamesischen Neujahrsfestes am 31. Januar 1968 gestartete Tet-Offensive (Operationen der Vietcong und der nordvietnamesischen Armee) nahmen sie jedoch Teile Saigons ein und drangen sogar bis zur US- Botschaft vor, obwohl ca. eine halbe Million US-Soldaten in Südvietnam stationiert waren.[11]

Die Bevölkerung in den USA entwickelte eine Anti-Kriegsstimmung, es kam zu einer gespaltenen Nation. „Kriegsgegner demonstrieren vor dem Weißen Haus. Immer wieder greifen sie Präsident Lyndon B. Johnson persönlich wegen der Eskalation des Konfliktes an (…) [und] skandierten etwa: LBJ, how many boys did you kill today? ´ . “ [12]

Am 31. März hielt der US-Präsident eine Fernsehansprache, in der er einen Bombardierungsstopp nördlich des 20. Breitengrades verkündete und der Führung Hanois ein vorbehaltloses Ende der Luftoffensive anbot - sofern diese positiv auf die Ansprache reagieren würden.[13]

Der neue US-Präsident Nixon verkündet 1969 die

„Vietnamisierung“, d.h. den Abzug amerikanischer Truppen aus Vietnam. Zeitgleich untersuchte sein Sicherheitsberater Henry Kissinger, ob ein entscheidender Schlag gegen Nordvietnam möglich wäre. Dabei war auch von Atomwaffen die Rede.[14] Im März 1970 befahl Nixon die Bombardierung des neutralen Kambodschas. Daraufhin kam es zur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Am 8. Juni 1972 wurde ein Dorf Nähe Saigons Opfer eines Luftangriffs, das Bild ging um die Welt

größten Antikriegsdemonstration der USA. Dies hatte zur Folge, dass nun die amerikanischen Truppen stückweise aus Vietnam abgezogen wurden. 1972 zogen sich die nordvietnamesischen Truppen immer weiter in den Süden zurück. Am 27. Januar 1973 unterzeichneten beide Fronten schließlich einen Friedensvertrag, welcher jedoch nicht lange hielt. Nachdem der Norden Saigon besetzte, kapitulierte Südvietnam. In diesem Zug wurde Saigon in Ho-Chi-Minh-Stadt umbenannt. Hiermit endete der politische Vietnamkrieg. Der ökologische Krieg ging jedoch weiter.[15]

3. Agent Orange

3.1 Entdeckung von Agent Orange

Es wird davon ausgegangen, dass der damalige Dekan Prof. Ezra J. Kraus der Botanischen Fakultät der Universität Chicago als Erster die Macht und das Potential des Herbizids entdeckte. Während des Zweiten Weltkrieges publizierte er ein Papier, auf dem er die Vernichtungskraft hoher Dosen des dioxinhaltigen 2,4-D (vgl. Abb. 3), einer Art Vorläufer Agent Oranges, beschrieb.

[...]


1 vgl. STELLMAN (2003), S. 681-687.

2 vgl. PRALLER, Kirsten: Geschichte Vietnams, Planet Wissen: http://www.planet- wissen.de/kultur/asien/vietnam/pwiegeschichtevietnams100.html (entnommen am 14.02.17).

3 Web Internet Service Ltd. (Hrsg.): Geschichte, Vietnam Reise: http://www.vietnam-reise.net/geschichte/ (entnommen am 15.02.17).

4 vgl. FELDBAUER, Gerhard:1930/31: Bauernaufstand und Sowjets in Vietnam, Neue Rheinische Zeitung: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=15576 (entnommen am 15.02.17).

5 vgl. PRALLER, Kirsten: Geschichte Vietnams, Planet Wissen: http://www.planet- wissen.de/kultur/asien/vietnam/pwiegeschichtevietnams100.html (entnommen am 14.02.17).

6 JAEGGI (2016), S. 64.

7 vgl. STELLMAN (2003), S. 681-687.

8 PRALLER, Kirsten: Geschichte Vietnams, Planet Wissen: http://www.planet- wissen.de/kultur/asien/vietnam/pwiegeschichtevietnams100.html (entnommen am 16.02.17).

9 JAEGGI (2016), S. 164-168.

10 VICARI (2016), S. 58.

11 vgl. WILLE, Karola (Hrsg.): Der Vietnamkrieg - die wichtigsten Daten, MDR Zeitreise: http://www.mdr.de/zeitreise/weitere-epochen/zwanzigstes-jahrhundert/chronik-vietnamkrieg102.html (entnommen am 14.02.17)

12 KLÜVER (2016), S. 94.

13 vgl. FREY (2016), S. 172.

14 vgl. STEININGER, Rolf: Der Vietnamkrieg, Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/internationales/amerika/usa/10620/vietnamkrieg?p=all (entnommen am 16.01.17).

15 vgl. WILLE, Karola (Hrsg.): Der Vietnamkrieg - die wichtigsten Daten, MDR Zeitreise: http://www.mdr.de/zeitreise/weitere-epochen/zwanzigstes-jahrhundert/chronik-vietnamkrieg102.html (entnommen am 14.02.17)

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Details

Titel
Weshalb wurde im Vietnamkrieg das Entlaubungsmittel „Agent Orange“ eingesetzt und was sind dessen Folgen?
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V355005
ISBN (eBook)
9783668411432
ISBN (Buch)
9783668411449
Dateigröße
1166 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
weshalb, vietnamkrieg, entlaubungsmittel, agent, orange, folgen
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Weshalb wurde im Vietnamkrieg das Entlaubungsmittel „Agent Orange“ eingesetzt und was sind dessen Folgen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355005

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