In dieser Arbeit soll eine Unterrichtssequenz des Sachunterrichts einer dritten Klasse betrachtet werden, die vor dem Hintergrund zweier konstruktivistischer Lerntheorien, Scaffolding und Conceptual Change, analysiert werden soll. Anders als bei behavioristischen oder kognitiven Theorien steht bei den betrachteten konstruktivistischen Theorien nicht Wissen, das durch den Lehrer an die Schüler herangetragen wird, im Zentrum. Es geht vielmehr um die Lernenden selbst, die neue Phänomene selbstständig entdecken und erklären. Thema der Unterrichtsstunde ist eine Stationenarbeit zum Thema Auftrieb. Die Schüler befassen sich mit der Fragestellung, wie Wasser sich verhält, wenn man einen Gegenstand eintaucht.
Der Teilrahmenplan Grundschule Rheinland-Pfalz gibt bei der Ausführung des Lernbereichs Sachunterricht bekannt, dass Kinder eine „natürliche Neugierde“ sowie einen „Forschergeist“ mit in den Unterricht bringen. Ihr Interesse sei außerdem auf die „Erkundung von Sachverhalten und Mechanismen“ gerichtet und sie entdeckten ihre „besonderen Interessen und Neigungen am besten, wenn der Sachunterricht die Möglichkeit […] zum Entdecken, Forschen und Lernen“ gebe. (vgl. MINISTERIUM FÜR BILDUNG, FRAUEN UND JUGEND 2006, 3). Dabei spielen Versuche und Experimente eine zentrale Rolle.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Theorieteil
II.1. Scaffolding
II.2. Conceptual Change
II.3. Diskussion der beiden Theorien
III. Manifestation von Scaffolding und Conceptual Change in der Lehrer-Schüler-Interaktion
III.1. Kurze Darstellung der Unterrichtssituation (Transkript)
III.2. Analyse der Unterrichtssituation vor dem Hintergrund der Theorien
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht eine Unterrichtssequenz im Sachunterricht einer dritten Klasse, um die Anwendung der konstruktivistischen Lerntheorien Scaffolding und Conceptual Change in der Lehrer-Schüler-Interaktion zu analysieren. Ziel ist es, auf Basis eines Transkripts zu evaluieren, wie die Lehrkraft durch gezielte Interventionen Lernprozesse und die Umstrukturierung von Präkonzepten der Schüler unterstützt.
- Analyse konstruktivistischer Lerntheorien im Unterrichtskontext
- Bedeutung von Scaffolding-Aktionen für den Wissenserwerb
- Entwicklung von Schülervorstellungen (Conceptual Change) im Sachunterricht
- Interaktionsanalyse zwischen Lehrkraft und Schülern bei physikalischen Experimenten
- Reflexion der Lehrerrolle bei der Lernbegleitung und Anregung kognitiver Konflikte
Auszug aus dem Buch
III. 2. Analyse der Unterrichtssituation vor dem Hintergrund der Theorien
Offensichtlich fällt es nicht allen Schülern leicht, das beobachtete Phänomen während des Versuchs, nämlich dass sich der größere Becher deutlich schwerer unter Wasser drücken lässt, in korrekter Weise nachzuvollziehen. Die erste Schüleräußerung belegt dies, denn das Kind fragt die Lehrerin, wie dies zustande kommt. Da für diese Hausarbeit nur ein Transkript vorliegt und keine Informationen über das Vorwissen der Kinder, lässt sich nur erahnen, warum dieses Kind zu Beginn erstaunt über den Ablauf des Versuchs ist: Es kennt bereits das Phänomen, dass große Gegenstände oftmals eine höhere Sinkgeschwindigkeit haben als kleinere. Dieses Vorwissen beinhaltet jedoch nur den Faktor des Maßes, nicht aber Gewicht oder Form. Ein Präkonzept des Kindes könnte demnach lauten: „Große Gegenstände sinken schneller und lassen sich auch leicht in Wasser eintauchen.“, ein weiteres: „Luft wiegt nichts und spielt daher keine Rolle“. Anhand dieser ersten Situation lässt sich mit Blick auf die Conceptual Change-Theorie erschließen, dass die Lehrerin diese konfrontierende Situation bewusst inszeniert hat, damit es zu einer Konzeptveränderung kommen kann. Bereits hier kommt es zu einer Scaffolding-Aktion, die sich während der gesamten Unterrichtssituation immer wieder beobachten lässt:
frustration control (vgl. WOOD u.a. 1976, 98). Die Lehrerin bleibt während der Problemlösung fortlaufend bei dem Schüler, wodurch sie ihm signalisiert, dass er mit seiner Schwierigkeit nicht alleine gelassen wird. Im Anschluss fragt die Lehrerin, warum sich der große Becher nicht so leicht untertauchen lässt. Ein Schüler derselben Gruppe antwortet, dass der große Becher „mehr Platz innen“ hat. Daran knüpft die Lehrerin an und fragt, welcher Becher denn mehr Platz im Wasser braucht. Darauf antwortet ein Kind „der Große“, was die Lehrerin bestätigt. Dann fragt ein Kind, warum dieser Becher „mehr drückt“. Sie fordert den Schüler dazu auf, den Versuch erneut durchführen. Dieser Schritt wäre im Sinne der Scaffolding-Theorie als demonstration zu bezeichnen, allerdings wird die Demonstration im Normalfall vom Lehrer selbst durchgeführt (vgl. ebd.). In diesem Fall ist es aber sinnvoll, dass das Kind die Erfahrung erneut macht, weil es nicht nur darum geht, ein visuelles Phänomen zu beobachten, sondern zudem den Druckunterschied bei der Durchführung selbst zu spüren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Sachunterricht der Grundschule und stellt die Forschungsfrage bezüglich der Anwendung von Scaffolding und Conceptual Change bei einer Stationenarbeit zum Thema Auftrieb.
II. Theorieteil: In diesem Teil werden die zentralen Theorien des Scaffoldings und des Conceptual Change sowie deren Bedeutung für den konstruktivistischen Unterricht detailliert dargelegt.
III. Manifestation von Scaffolding und Conceptual Change in der Lehrer-Schüler-Interaktion: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Konzepte mit einer praktischen Unterrichtssituation, die anhand eines Transkripts analysiert wird.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Lehrerin erfolgreich als Lernbegleiterin agiert, um erste Schritte zur Konzeptveränderung bei den Schülern einzuleiten.
Schlüsselwörter
Sachunterricht, Scaffolding, Conceptual Change, Grundschule, Konstruktivismus, Lehrer-Schüler-Interaktion, Unterrichtsplanung, Auftrieb, Experimente, Lernprozesse, Präkonzepte, Stationenarbeit, Wissenserwerb, Pädagogik, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie zwei konstruktivistische Lerntheorien – Scaffolding und Conceptual Change – in einer realen Unterrichtssituation im Sachunterricht der Grundschule umgesetzt werden können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Lernunterstützung durch die Lehrkraft, die Bedeutung von Vorwissen (Präkonzepte) und die gezielte Förderung wissenschaftlicher Denkprozesse bei Drittklässlern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die praktische Anwendung der genannten Theorien in der Lehrer-Schüler-Interaktion zu analysieren und aufzuzeigen, wie kognitive Konflikte im Unterricht genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse eines Transkripts einer Unterrichtssituation zum Thema Auftrieb, um die theoretischen Konzepte in der Interaktion zwischen Lehrperson und Schülern zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe Scaffolding und Conceptual Change sowie in die empirische Analyse eines Transkripts einer Stationenarbeit zum Thema Auftrieb.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Sachunterricht, Scaffolding, Conceptual Change, konstruktivistische Didaktik und Lehrer-Schüler-Interaktion.
Welche konkrete Rolle nimmt die Lehrkraft laut der Analyse ein?
Die Lehrkraft agiert als „Gerüstbauer“ (Scaffolder), der durch gezielte Hilfestellungen und Fragen den Wissenskonstruktionsprozess der Schüler moderiert und anleitet.
Warum sind kognitive Konflikte für den Lernprozess so wichtig?
Kognitive Konflikte provozieren bei den Schülern eine Unzufriedenheit mit ihren bisherigen Alltagsvorstellungen, was die notwendige Voraussetzung für den Übergang zu wissenschaftlicheren Konzepten darstellt.
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- Theresa Lichtenthal (Author), 2016, Scaffolding und Conceptual Change. Theorie und Manifestation in der Lehrer-Schüler-Interaktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355066