Regionale vs. weltwirtschaftliche Integration


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aufbau der Arbeit (Befund + Fragestellung)
1.2. Begriffsbestimmungen (regionale Integration, weltwirtschaftliche Integration)
1.3. Grundlagen der regionalen Integration

2. Regionalismus als Phänomen in der Weltwirtschaft
2.1. Beliebtheit regionaler Integration - Gründe
2.2. Politische Ökonomie regionaler Integration
2.3. Freihändlerische und protektionistische Regionalabkommen

3. Vereinbarkeit regionaler und weltweiter Integration
3.1. Vergleich zwischen Regionalismus und Multilateralismus
3.2. Rahmenbedingungen für eine fruchtbare Koexistenz von regionaler und weltwirtschaftlicher Integration 10
3.3. Regionalismus und künftige Entwicklung der WTO

4. Zusammenfassung der Ergebnisse/Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Aufbau der Arbeit (Befund + Fragestellung)

„Das Zeitalter der Globalisierung, in dem wir leben, ist auch eine Zeit intensiver regionaler Integration. Gegenwärtig sind über 200 regionale Integrationsabkommen bei der WTO angemeldet.“[1] Der Bedeutungsgewinn regionaler Abkommen wird von Kritikern als Abkehr von der multilateralen Handelsordnung gesehen. Befürworter eines Regionalismus dagegen sehen die Möglichkeit durch regionale Integration die Liberalisierung des Welthandels in der Breite voranzutreiben. Beide Positionen näher zu beleuchten und Argumente für die weltwirtschaftliche und die regionale Integration zusammentragen ist Bestandteil dieser Hausarbeit. Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen wird dabei die Frage nach der Vereinbarkeit von regionaler und weltwirtschaftlicher Integration stehen. Ich möchte insbesondere die Frage beantworten, inwieweit beide Strategien sich ergänzen bzw. miteinander konkurrieren. Grundlage meiner Arbeit bilden Aufsätze in verschiedenen Fachzeitschriften sowie Ausführungen in ausgewählten Büchern. Im ersten Teil der Arbeit lege ich durch Begriffsbestimmungen und das Aufzeigen von Zusammenhängen die Grundlage für die folgenden Kapitel. Im zweiten Teil zeige ich Gründe für die Popularität regionaler Integration auf, gehe aber auch auf Schwierigkeiten und Probleme des Regionalismus ein. Ich wähle dabei diesen Schwerpunkt bewusst und werde nicht ausführlich auf die weltwirtschaftliche Integration eingehen, um den Regionalismus im Rahmen dieses begrenzten Hausarbeit in einer größeren Tiefe behandeln zu können. Um eine nähere Betrachtung der weltwirtschaftlichen Integration zu erhalten, möchte ich auf die Arbeit meines Kommilitonen zum selben Thema hinweisen.

1.2. Begriffsbestimmungen (regionale Integration, weltwirtschaftliche Integration)

„Die heutige Weltwirtschaft zeichnet sich durch ein Nebeneinander von weltweiter und regionaler wirtschaftlicher Integration aus.“[2] Was aber ist unter diesen

beiden Begriffen zu verstehen? Skala liefert eine, meiner Meinung nach umfassende Definition für regionale Integration. So bezeichnet er Regionalismus als „einen Prozess, in dem Länder einer Region sich gegenseitig außenhandelspolitische Vorzugsbehandlung einräumen und/oder auf supranationaler Ebene kooperieren, um gemeinsame wirtschaftspolitische Strategien ... zu entwickeln und zu verfolgen.“[3] Durth zieht zusätzlich einen anschaulichen Vergleich hinzu, in dem er regionale Integration mit der Bildung von machtvollen Gilden und Zünften vergleicht, welche sich in mittelalterlichen europäischen Städten herausgebildet hatten.[4] Diese Zünfte verfolgten v.a. das Ziel große Veränderungen, z.B. technologische Entwicklungen, fern zu halten. Dementsprechend ist für Durth der Regionalismus eine Form, um sich vor effizienteren Anbietern zu schützen und den eigenen Markt abzuschotten. Inwieweit mit der regionalen Integration dieses Ziel des Protektionismus angestrebt wird, will ich im Laufe der Hausarbeit untersuchen. Der regionalen Integration gegenüber steht die weltwirtschaftliche Integration. Sie hat als ein „System mehrseitiger (multilateraler) Handelsabkommen und Zahlungsabkommen im internationalen Handel ...“[5] das Ziel, nicht-tarifäre und tarifäre Handelshemmnisse abzubauen sowie den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen.[6] Institutionalisiert wird diese multilaterale Handelsordnung in der WTO, welche 1995 aus dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) hervorging.[7] Dieses Abkommen ist dabei auch weiterhin eine tragende Säule der WTO. Daneben stehen das Allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS) und das Abkommen über den Schutz handlungsrelevanter geistiger Eigentumsrechte (TRIPS).

1.3. Grundlagen der regionalen Integration

„Die regionale Integration kann ...zwischen den beiden Extrempunkten unilateraler Freihandel und nationale Autarkie eingeordnet werden. Dabei wird mit der regionalen Integration versucht, die Vorteile des Freihandels mit den Vorteilen der Protektion zu verbinden.“[8] Bei der Beurteilung regionaler Integrationsabkommen ist allerdings zwischen den Wirkungen auf Mitglieder des Integrationsraumes und auf Drittstaaten zu trennen. Während innerhalb des Integrationsraumes die regionale Integration ähnlich wirkt wie eine multilaterale Liberalisierung,[9] kann sie auf Drittstaaten diskriminierend wirken.[10] Hier zeigt sich der wesentliche Unterschied zwischen multilateraler Liberalisierung, welche sich in der Meistbegünstigung ausdrückt und nicht diskriminierend ist, und der regionalen Integration.[11] Im Rahmen der regionalen Integration sind die ökonomischen Wirkungen u.a. abhängig von der Form der Integration. Dabei sind neben der Freihandelszone, die Zollunion, die Wirtschaftsunion und die Wirtschafts- und Währungsunion zu unterscheiden.[12] So untersuchten insbesondere Viner und Meade die Wirkungen der Zollunion in der statischen Zollunionstheorie.[13] Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Zollunionen sowohl positive handelsschaffende Wirkungen[14], als auch negative handelsumlenkende Wirkungen[15] haben können. Auf diese Effekte werde ich bei der Darstellung der regionalen Integration fortlaufend zu sprechen kommen, da sie sich eignen die Vorteilhaftigkeit regionaler Integration, unabhängig ob z.B. in Form einer Zollunion oder Freihandelszone, aufzuzeigen. Auf die genaue Darstellung der Zollunionstheorie, Integrationstheorie und Aussenwirtschaftstheorie möchte ich aber genauso verzichten, wie auf die ausführliche Darstellung der Formen regionaler Integration, da dies den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde. Mir geht es hier nur darum dem Leser einen kurzen Überblick zu verschaffen. Erwähnen möchte ich jedoch, dass Freihandelszonen in der Praxis zahlenmäßig die größte Rolle spielen. Es sei jedoch darauf verwiesen, dass insbesondere der Einfluss der EU als Zollunion und Binnenmarkt sowie partieller Währungsunion zu Beginn des 21.Jahrhunderts eine dominierende Rolle spielt.[16]

2. Regionalismus als Phänomen in der Weltwirtschaft

Ausgehend von Europa seit den fünfziger Jahren, haben sich in vielen Weltregionen, zunehmend auch in Ostasien, Formen regionaler Integration gebildet.[17] Wo aber liegen die Ursachen für diese weltweite Ausbreitung? Hinzu kommt die Frage, inwieweit die Interessen von Wählern und Lobbyisten einen Einfluss auf die Bildung und Ausgestaltung regionaler Bündnisse haben. Abschließend möchte ich eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen regionaler Integration vornehmen.

2.1. Beliebtheit regionaler Integration - Gründe

Im Jahre 2001 waren bei der WTO 152 Regionalabkommen verzeichnet. Darunter befanden sich 108 Freihandelszonen und 10 Zollunionen.[18] Beispiele für regionale Bündnisse sind dabei insbesondere die Europäische Union (EU), das nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) und die Assoziation südostasiatischer Staaten (ASEAN). Während noch in den sechziger Jahren bei regionalen Integrationsprojekten der sicherheitspolitische Aspekt der Zusammenarbeit im Vordergrund stand, so hat sich dies, insbesondere auch nach Ende des kalten Krieges, zu Gunsten der ökonomischen Dimension verschoben.[19] „So wird im Zusammenhang mit Regionalismus häufig auf die Zunahme des intraregionalen Handels[20] hingewiesen.“[21] Problematisch an diesem Hinweis ist jedoch, dass dieser Anstieg insbesondere auf die Entwicklungen in Westeuropa zurückzuführen ist. „Die europäische Integration ist jedoch sowohl in Bezug auf ihre Dauer als auch ihre Tiefe einmalig.“[22] Aus ökonomischer Sicht wird weiterhin angeführt, dass regionale Integration für die Insider zu hohen Gewinnen führen kann, während Outsider solcher Bündnisse Wohlfahrtsverluste erleiden.[23] Dahinter steht ein Denken des Protektionismus, welcher Regionalismus mit Diskriminierung von Drittstaaten gleichsetzt, wobei Wohlfahrtsgewinne dann durch eine Handelsumlenkung erreicht werden. Nicht berücksichtigt wird bei dieser Denkweise, dass Gegenmaßnahmen der Drittländer zu Wohlfahrtsverlusten führen können.[24] Das Integrationsstreben vieler Staaten, kann aber auch in der Furcht vor der Festung Europa und dem daraus erwachsenden Bestreben begründet sein, durch eigene Integrationsmaßnahmen zu einer schnelleren Handelsliberalisierung sowie einem stärkeren Verhandlungsgewicht bei internationalen Vereinbarungen zu kommen.[25] Auch der Vertrauensverlust in die multilaterale Handelsordnung, kann als Ursache für die aktuelle Popularität regionaler Abkommen angeführt werden.[26] Insgesamt lässt sich festhalten, dass multilaterale Verhandlungen zwar in der Vergangenheit das dominante Vorgehen zur Ausgestaltung internationaler Wirtschaftsbeziehungen darstellten, sich das Gewicht aber zu Gunsten regionaler Strategien verschoben hat.[27]

[...]


[1] Skala, M. (2004), S. VII

[2] Seliger, B. (2000), S.388

[3] Skala, M. (2004), S.7

[4] Vgl. Durth, R. (2001), S.298

[5] O.V. (2000), S. 2176

[6] Vgl. Zimmermann, R. (1999), S.1

[7] Vgl. Ebd., S.1

[8] Skala, M. (2004), S.35

[9] positive Wirkungen der regionalen Integration können sein: Preise innerhalb des Integrationsraumes sinken, ineffiziente Produktion wird abgebaut, neue Beschaffungs- und Absatzmärkte können erschlossen werden, die Produktvielfalt erhöht sich etc. (Vgl. Zimmermann, R. (1999), S.7)

[10] Vgl. Zimmermann, R. (1999), S.7

[11] Vgl. Ebd., S.7

[12] Vgl. Cassel, D. u.a. (2003), S.8

[13] Vgl. Viner, J. (1950), S.51f., in: Skala, M. (2004), S.36 ; Meade, J.E. (1955), S.32, in: Dieter, H. (2004), S. 283

[14] „Handelsschaffung bezeichnet den Ersatz von teureren inländischen Produkten durch

preiswertere Güter aus anderen Ländern des Integrationsraumes“ (Dieter, H. (2004), S.283)

[15] Handelsumlenkung liegt vor, wenn ein Produkt aus einem kostengünstigeren Drittland durch ein Erzeugnis aus einem weniger kostengünstigeren Land des Integrationsraumes ersetzt wird, in dem Zölle erhoben werden (vgl. Dieter, H. (2004), S.283)

[16] Vgl. Cassel, D. u.a. (2003), S.9

[17] Vgl. Seliger, B. (2000), S.388

[18] Vgl. Schmidt, O. (2002), S.279

[19] Vgl. Seliger, B. (2000), S.388

[20] Intraregionalen Handel = Importe und Exporte zwischen Ländern einer Region

[21] Kaiser, C. (2003), S.97

[22] Ebd., S.97

[23] Vgl. Zimmermann, R. (1999), S.114

[24] Vgl. Heinemann, H.J. (1995), S.345

[25] Vgl. Seliger, B. (2000), S.389

[26] Vgl. Schüller, A. u.a. (2002), S.113

[27] Vgl. Krueger, A.O. (1999), S.109 in: Schüller, A. u.a. (2002), S.107

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Regionale vs. weltwirtschaftliche Integration
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V35511
ISBN (eBook)
9783638354042
ISBN (Buch)
9783640257362
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Regionale, Integration, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Rico Hetzschold (Autor), 2005, Regionale vs. weltwirtschaftliche Integration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35511

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