Wie Sprecher Ausdrücke meinen. Sprechvorgänge und -konzepte anhand Eike von Savignys Interpretation von "Philosophische Untersuchungen"


Referat (Ausarbeitung), 2015

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Eike von Savigny: Wie Sprecher Ausdrücke meinen (Referat von Sandra Lill)

TEIL 1: Meinen und Bedeutung

Was ist Wittgensteins Bild davon, dass ein Sprecher etwas mit einem Ausdruck MEINT? Vier Bedeutungen von „meinen“ mit persönlichem Subjekt im Deutschen nach Savigny1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fokus Wittgensteins auf Fall 2: Was hat dieses Meinen mit der Bedeutung des Ausdrucks zu tun?

These Wittgensteins: Sprecher können nur deshalb etwas meinen, weil Ausdrücke schon etwas bedeuten.

Diskussionsfrage: Kann ein Sprecher aus eigener Machtvollkommenheit bestimmen, wie er einen Ausdruck meint? Was aus den bisher bekannten Inhalten der PU spricht dafür / dagegen?

Savigny: „…die beiden aussagekräftigsten Abschnitte der PU (…), in denen Wittgenstein am Anfang eine Frage* stellt, die er auf Grund einer für den Stil des Buchs ungewöhnlich systematischen Argumentation am Schluss explizit beantwortet: die Abschnitte 189 und 190. Zusammengenommen stellen sie seine Antwort auf die seit PU 186 mit besonderer Eindringlichkeit diskutierte Frage dar, ob der Sprecher aus eigener Machtvollkommenheit bestimmen kann, wie er einen Ausdruck meint“2

*Die am Anfang besagte Frage lautet: „Aber sind die Übergänge also durch die algebraische Formel nicht bestimmt?“3

TEIL 2: Die Bestimmungsleistung des Meinens

Zwischen Anfang von PU 189 und Ende von PU 190 findet also folgendes statt: Die Klärung, welchen Fehler man zu vermeiden hat, wenn man zu Recht sagen möchte, die Übergänge seien durch die algebraische Formel zum Voraus bestimmt.

Von Übergängen ist die Rede, weil es seit PU 185 um die weitere Entwicklung von Zahlenfolgen an beliebigen Stellen geht. Der Übergang von 1000 auf 1002 ist durch „+2“ bestimmt. Aber wer „+2“ sagt, behauptet, er MEINT damit auch alle anderen Zahlen (z.B. 64 auf 66, 847 auf 849 etc).

Diskussionsfrage: Aber gibt es diesen Zusammenhang wirklich, oder besteht die Regel nur, wenn derjenige, der sie MEINT, auch tatsächlich ALLE Zahlen bedacht hat (unendlich, also unmöglich)?

Die folgenden zwei Sachverhalte müssen in diesem Zusammenhang laut Savigny nicht unterschieden werden:

a) Übergänge von einer beliebigen Stelle zur anderen sind bestimmt

b) Werte für beliebige Argumente sind bestimmt

PU 190 a: Man kann nun sagen: Wie die Formel gemeint wird, das bestimmt, welche Übergänge zu machen sind. Was ist das Kriterium dafür, wie die Formel gemeint ist? Etwa die Art und Weise, wie wir sie ständig gebrauchen, wie uns gelehrt wurde, sie zu gebrauchen.4

Kellerwessel sagt dazu: Zu meinen, man könne ein Formel auf eine bestimmte Weise gebrauchen, heißt im Grunde nur, es gibt bereits eine etablierte Verwendungsweise. Legt diese alles fest, kann man auch meinen, dass mit dieser Formel alles festliegt.

Drei mögliche Fälle laut Savigny5:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diskussionsfrage: Warum ist der Fall x nicht denkbar „Man meint etwas bekanntes/übliches mit einem unbekannten Ausdruck“?

PU 190a spricht über Bestimmungsleistung des Meinens in Fall c. Dieser Fall ist laut Savigny zur Klärung der Bestimmungsleistung des Meinens weniger interessant. Wittgenstein nennt im Folgenden vielmehr den Fall a.

Man kann Fall a laut Savigny genauso behandeln wie Fall b, „da es hier nicht um die Frage geht, wie man es macht, mit einem bekannten Ausdruck nicht das Übliche, sondern überhaupt etwas zu meinen“6

Diskussionsfrage: Warum genau denkt Savigny folgendes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Oder ist „irgendetwas“ und „überhaupt etwas“ (Fall a) nicht das Selbe?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten7

Denn dann ist das Kriterium, dass man das unbekannte Zeichen „x!2“ irgendwie meint, offenbar der ständige Gebrauch eines Zeichens, nämlich entweder der von „x²“ oder der von „2x“.

Ein Mäuse-Beispiel:

Wir nehmen das unbekannte Zeichen „M a u s“. Im ständigen Gebrauch meint das Zeichen „Maus“ ein kleines graues Tier und NICHT eine große grüne Pflanze. Daher ist das Kriterium dafür, dass der Hörer das Zeichen „Maus“ als Tier versteht, der ständige Gebrauch des Zeichens. ABER: Keine Gewährleistung, dass es nicht vielleicht doch eine Pflanze ist.

[...]


1 Tabelle frei nach Savigny, S. 97 f.

2 Savigny, S. 99

3 Wittgenstein PU 189

4 Wittgenstein PU 190

5 Tabelle frei nach Savigny S. 101

6 Savigny S. 101

7 Savigny S. 102

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wie Sprecher Ausdrücke meinen. Sprechvorgänge und -konzepte anhand Eike von Savignys Interpretation von "Philosophische Untersuchungen"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V355228
ISBN (eBook)
9783668412798
ISBN (Buch)
9783668412804
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache, Sprachphilosophie, Eike von Savigny, Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico philosophicus
Arbeit zitieren
Sandra Lill (Autor), 2015, Wie Sprecher Ausdrücke meinen. Sprechvorgänge und -konzepte anhand Eike von Savignys Interpretation von "Philosophische Untersuchungen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355228

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