Wie Sprecher Ausdrücke meinen: Dieser Frage geht Ludwig Wittgenstein in seinem Werk "Philosophische Untersuchungen" nach. Eike von Savigny untersucht Wittgensteins Äußerungen.
Diese Referatsausarbeitung geht fünf Themenfeldern nach. Teil 1: Meinen und Bedeutung, Teil 2: Die Bestimmungsleistung des Meinens, Teil 3: Kein Meinen dank der präsenten Bedeutung, Teil 4: Meinen als sozialer Sachverhalt, Teil 5: Sprecher wissen, was sie meinen. Diese Analysen werden anschließend in einem Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
TEIL 1: Meinen und Bedeutung
TEIL 2: Die Bestimmungsleistung des Meinens
TEIL 3: Kein Meinen dank der präsenten Bedeutung
TEIL 4: Meinen als sozialer Sachverhalt
TEIL 5: Sprecher wissen, was sie meinen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das von Eike von Savigny analysierte Verständnis Ludwig Wittgensteins zum Thema "Meinen" und "Bedeutung" innerhalb der Philosophischen Untersuchungen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern ein Sprecher aus eigener Machtvollkommenheit bestimmen kann, wie er einen Ausdruck meint, und welche Rolle soziale Verwendungsweisen dabei spielen.
- Die vier Bedeutungsaspekte des "Meinens" im Deutschen
- Die Bestimmungsleistung des Meinens in Bezug auf algebraische Formeln
- Die Kritik am Konzept der "präsenten Bedeutung"
- Meinen als eingebetteter sozialer Sachverhalt
- Die Grenzen des Sprecherwissens über das eigene Meinen
Auszug aus dem Buch
TEIL 2: Die Bestimmungsleistung des Meinens
Zwischen Anfang von PU 189 und Ende von PU 190 findet also folgendes statt: Die Klärung, welchen Fehler man zu vermeiden hat, wenn man zu Recht sagen möchte, die Übergänge seien durch die algebraische Formel zum Voraus bestimmt.
Von Übergängen ist die Rede, weil es seit PU 185 um die weitere Entwicklung von Zahlenfolgen an beliebigen Stellen geht. Der Übergang von 1000 auf 1002 ist durch „+2“ bestimmt. Aber wer „+2“ sagt, behauptet, er MEINT damit auch alle anderen Zahlen (z.B. 64 auf 66, 847 auf 849 etc).
Diskussionsfrage: Aber gibt es diesen Zusammenhang wirklich, oder besteht die Regel nur, wenn derjenige, der sie MEINT, auch tatsächlich ALLE Zahlen bedacht hat (unendlich, also unmöglich)?
Die folgenden zwei Sachverhalte müssen in diesem Zusammenhang laut Savigny nicht unterschieden werden:
a) Übergänge von einer beliebigen Stelle zur anderen sind bestimmt
b) Werte für beliebige Argumente sind bestimmt
PU 190 a: Man kann nun sagen: Wie die Formel gemeint wird, das bestimmt, welche Übergänge zu machen sind. Was ist das Kriterium dafür, wie die Formel gemeint ist? Etwa die Art und Weise, wie wir sie ständig gebrauchen, wie uns gelehrt wurde, sie zu gebrauchen.4
Kellerwessel sagt dazu: Zu meinen, man könne ein Formel auf eine bestimmte Weise gebrauchen, heißt im Grunde nur, es gibt bereits eine etablierte Verwendungsweise. Legt diese alles fest, kann man auch meinen, dass mit dieser Formel alles festliegt.
Zusammenfassung der Kapitel
TEIL 1: Meinen und Bedeutung: Dieses Kapitel führt in die vier Bedeutungsnuancen von „meinen“ ein und beleuchtet Wittgensteins These, dass Sprecher nur deshalb etwas meinen können, weil Ausdrücke bereits eine Bedeutung besitzen.
TEIL 2: Die Bestimmungsleistung des Meinens: Hier wird analysiert, inwiefern das Meinen die Anwendung von Formeln bestimmt und warum dies zwingend an etablierte, gemeinsame Verwendungsweisen gebunden ist.
TEIL 3: Kein Meinen dank der präsenten Bedeutung: Dieser Abschnitt kritisiert das Konzept der „präsenten Bedeutung“ (als Vorstellungsbild) und zeigt auf, dass daraus allein keine notwendigen Folgen für die richtige Verwendung eines Ausdrucks abgeleitet werden können.
TEIL 4: Meinen als sozialer Sachverhalt: Das Kapitel definiert „Meinen“ als einen sozialen Sachverhalt, bei dem die Bereitschaft des Sprechers, sich einer etablierten Verwendungsweise anzuschließen, zentral ist.
TEIL 5: Sprecher wissen, was sie meinen: Abschließend werden die vier Arten erläutert, auf die ein Sprecher wissen kann, was er meint, wobei die Grenzen dieses Wissens im Kontext der Philosophischen Untersuchungen aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter
Meinen, Bedeutung, Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen, Savigny, Verwendungsweise, Sprachspiel, Bestimmungsleistung, soziale Sachverhalte, präsente Bedeutung, Regelfolgen, Metasprache, Sprechervorrecht, Sprachphilosophie, Interpretationsregress
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Eike von Savignys Interpretation der Sprachphilosophie Ludwig Wittgensteins, speziell dessen Überlegungen zum Verhältnis von „Meinen“ und sprachlicher „Bedeutung“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Rolle von Konventionen und sozialen Verwendungsweisen, die Kritik an subjektiven Vorstellungsbildern (präsenten Bedeutungen) und die Frage, wie ein Sprecher festlegt, was er mit einem Ausdruck meint.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Klärung der Forschungsfrage, ob ein Sprecher durch ein inneres Meinen eine sprachliche Verwendung „aus eigener Machtvollkommenheit“ bestimmen kann, oder ob er dabei auf bereits existierende soziale Strukturen angewiesen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf den „Philosophischen Untersuchungen“ von Wittgenstein basiert und durch sekundärliterarische Quellen von Eike von Savigny und Wulf Kellerwessel gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Bestimmungsleistung des Meinens bei Formeln, die Kritik an der Bedeutung von Vorstellungsbildern und die Einordnung des Meinens als sozialen Sachverhalt, gekrönt von einer Untersuchung der Wissensformen des Sprechers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Meinen, Bedeutung, soziale Verwendungsweisen, Sprachspiel, Regelfolgen und der fehlerhafte unendliche Deutungsregress.
Warum spielt die algebraische Formel in PU 189 eine so wichtige Rolle?
Sie dient als Testfall für die Frage, ob eine Regel (wie „+2“) die unendliche Abfolge von Zahlen bereits im Voraus festlegt, allein dadurch, dass der Sprecher sie „meint“.
Was besagt das sogenannte "Sprechervorrecht"?
Es handelt sich um eine sozial vorteilhafte Konvention, die es Sprechern erlaubt, ihre eigenen, vielleicht unklaren Äußerungen nachträglich zu interpretieren, ohne dass dies als falscher Bericht gewertet werden kann.
Warum ist das "Mäuse-Beispiel" für Wittgenstein bedeutsam?
Es illustriert, dass unser Verständnis eines Ausdrucks auf dem ständigen, etablierten Gebrauch beruht, nicht auf einer privaten, inneren Definition, die vor Irrtümern oder abweichenden Interpretationen (wie einer Pflanze statt eines Tiers) gefeit wäre.
- Citar trabajo
- Sandra Lill (Autor), 2015, Wie Sprecher Ausdrücke meinen. Sprechvorgänge und -konzepte anhand Eike von Savignys Interpretation von "Philosophische Untersuchungen", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355228