Die Fugger. Die deutschen Medici?

Ein Vergleich der Kaufmannsgeschlechter der Fugger und der Medici


Projektarbeit, 2014
36 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung (B/W)

2 Aufstieg zur Macht (W)
2.1 Die Fugger in Augsburg (B)
2.2 Die Medici in Florenz (W)

3 Mäzenatentum und Fördererdasein (B)
3.1 Die Fuggerschen Stiftungen (B)
3.2 Die Kunstförderung der Medici (W)
3.3 Wechselseitiger Einfluss (B/W)

4 Vergleich der Fuggerschen Stiftungen und der Kunstpatronage der Medici (B/W)

5 Fazit (B/W)

Literaturverzeichnis

1 Einleitung (B/W)

(B) Die Fugger in Augsburg und die Medici in Florenz zählen nicht nur „zu den bedeutendsten Mäzenen ihrer Zeit“,[1] sondern sind auch das Thema zahlreicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Allerdings widmen sich nur wenige Texte einem Vergleich der beiden Familien. Eine Ausnahme bilden hier lediglich Pölnitz, der bereits 1942 in einem Buch und einem Artikel die Kaufmannsgeschlechter gegenübergestellt hat und Johann, die als erste das Mäzenatentum beider Geschlechter in Beziehung setzt.[2] Jedoch beschränkt sie ihre Ausführungen, wie der Titel bereits ankündigt, auf jeweils nur ein Mitglied der beiden Familien.[3]

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob die Fugger als deutsche Medici bezeichnet werden können. Dabei soll der besondere Fokus auf das Mäzenatentum und Fördererdasein gelegt werden. Um diese Thematik zu bearbeiten, gilt es zunächst genauer auf die Geschichte der beiden genannten Familien einzugehen; im Speziellen, wie die Fugger in Augsburg und die Medici in Florenz an die Macht gelangten. Danach wird das Mäzenatentum und Fördererdasein beider untersucht, wobei im Besonderen die Fuggerschen Stiftungen ebenso wie die Kunstförderung der Medicis, an denen jeweils mehrere Generationen beteiligt waren, genauer dargestellt werden. Anschließend gilt es wechselseitige Einflüsse auszumachen. Drauf folgend wird untersucht, inwiefern ein Vergleich der Stiftungen mit der Kunstpatronage möglich ist, um abschließend im Fazit die Frage zu beantworten, ob die Fugger wirklich als deutsche Medici bezeichnet werden können.

(W) Als Untersuchungszeitraum bieten sich das 15. und 16. Jahrhundert an. In diese Zeitspanne fällt nicht nur der Aufstieg der Firmen, sondern gleichzeitig auch der Ausbau des Mäzenatentums beider Familien.

Wie bereits erwähnt waren beide Familien der Gegenstand diverser wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Die verwendeten Werke dieser Arbeit stammen überwiegend aus den 1940er bis 1950er Jahren oder den vergangenen zehn Jahren. Zweifelsohne wurden auch in der Zwischenzeit Publikationen über die Fugger, beziehungsweise die Medici verfasst, allerdings nicht in dem Maße und nicht in den für diese Arbeit bedeutenden Themenbereichen. Dennoch finden auch einige wenige Werke aus dieser Zeit im weiteren Verlauf Beachtung.

(B) Es handelt sich hierbei um eine Projektarbeit, die als Teamarbeit angefertigt wurde. Die von Andrea Benesch verfassten Kapitel wurden mit einem (B) gekennzeichnet, Annalena Willers mit einem (W).

2 Aufstieg zur Macht (W)

Die Familie der Fugger und die Familie der Medici gelten als herausragende Kaufleute, Bankiers und Mäzene ihrer Zeit. Doch weder die einen noch die anderen vollbrachten diesen Aufstieg über Nacht. Ihre Stellung erlangten die Familien über Generationen hinweg durch harte Arbeit, strategische Investitionen und taktische Familien- und Machtpolitik.[4] Der Aufstieg beider Familien wird im Folgenden, zunächst für die Fugger, anschließend für die Medici, dargestellt.

2.1 Die Fugger in Augsburg (B)

Die Aufstiegsgeschichte der Fugger in Augsburg begann im Jahr 1367, als der Weber Hans Fugger von Graben nach Augsburg zog.[5] Ein solcher „Umzug vom Land in die Stadt [war] nichts Ungewöhnliches, denn Textilgewerbe und Fernhandel Augsburgs befanden sich [...] im Aufschwung, und die günstige konjunkturelle Entwicklung zog zahlreiche Landweber an.“[6] Hans Fugger kam allerdings nicht als armer Mann nach Augsburg, sondern brachte „ein ansehnliches Vermögen“ mit.[7]

Durch zwei geschickte Ehen „mit Töchtern von Webermeistern“ gelang ihm ein schneller Aufstieg in der Weberzunft und sogar den Rat der Stadt.[8] Zum Zeitpunkt seines Todes „belief sich sein städtisches Vermögen auf ca. 2000 fl.[9], [und] sein Handwerksbetrieb hatte sich zum kaufmännischen Unternehmen ausgeweitet.“[10]

Hans Fuggers zweite Ehefrau Elisabeth Gfattermann führte die Geschäfte bis zu ihrem Tod 1436.[11] Danach betrieben die gemeinsamen Söhne Andreas und Jakob[12] das Unternehmen für beinahe zwanzig Jahre, bis sich ihre Wege 1455 trennten.[13] „Andreas wurde zum Stammvater der Fugger ‚vom Reh‘ [...] deren steiler ökonomischer Aufstieg 1499 mit ihrem Bankrott zu einem abrupten Ende kam.“[14] Der Familienzweig Jakobs des Älteren, Stammvater der ‚Fugger von der Lilie‘, besaß von Beginn an ein größeres Vermögen als die Fugger vom Reh,[15] dennoch verlief ihr Aufstieg langsamer aber dafür dauerhaft.[16] Der Sprung in die Augsburger Oberschicht „gelang den Fuggern in der dritten Generation, das heißt den Söhnen Jakobs d. Ä“.[17] Die Brüder Ulrich, Georg und Jakob[18] führten das Unternehmen zunächst gemeinsam und traten 1463 „von der Weber- in die Kaufmannszunft über“.[19] 1473 wurde ihnen von Kaiser Friedrich III. das Lilienwappen verliehen, nach dem der Familienzweig benannt ist. Laut dem Fuggerschen Ehrenbuch erhielten sie das Wappen „als Gegengabe dafür [...] dass die Fugger erstmals einem Habsburger aus einer prekären finanziellen Lage heraushalfen“.[20] Durch geschickte Eheschließungen schmiedeten die Fugger[21] „Allianzen mit politisch einflussreichen und gesellschaftlich hoch angesehenen Familien“ und vermehrten dabei ihr Vermögen.[22] Nach dem Tod seiner Brüder wurde Jakob Fugger zum „Alleinherrscher der Firma“.[23] Seine vier Neffen verpflichteten sich nicht nur, ihr gesamtes Erbe im Unternehmen zu belassen, sondern auch „zu unbedingtem Gehorsam“ gegenüber ihrem Onkel.[24]

Durch diverse Darlehen gelang den Fuggern der „Einstieg in den Metallgroßhandel“,[25] wenige Jahre später „kontrollierten [...] [sie] praktisch das gesamte Tiroler Silbergeschäft“[26] und hielten ein Monopol auf Kupfer, das sie vor allem dem ‚Ungarischen Handel‘ mit den Thurzos zu verdanken hatten, in den sie im November 1494 investierten.[27] Weniger als zwanzig Jahre später, im Jahre 1511, wurde Jakob Fugger „in den Adels- und 1514 in den Grafenstand erhoben“.[28] In das Augsburger Patriziat nahm man ihn allerdings erst 1538 auf.[29]

Daneben baute Jakob Fugger seine Firma zu einer Großbank aus.[30] Die Fugger zählten nicht nur zu den Gläubigern der Kurie in Rom,[31] sondern verhalfen durch umfangreiche Darlehen, „Karl, Herzog von Burgund und König von Spanien“ zur Kaiserkrone;[32] dies brachte Jakob auch den Beinamen „Kaisermacher“ ein.[33]

Berühmt ist Jakob der Reiche jedoch vor allem für seine Stiftungen, doch dazu an späterer Stelle mehr.

Nach seinem Tod trat sein Neffe Anton Fugger die Nachfolge an der Spitze der Firma an. Allerdings sah er sich gleich zu Beginn mit diversen Problemen konfrontiert, zu denen eine Krise im ‚Ungarischen Handel‘, sowie Aufstände der Arbeiter in Tirol gehörten.[34] Schließlich entschied er sich einige Jahre später für eine Neustrukturierung der Firma, indem er den Metallhandel in Tirol zurückfuhr und den ‚Ungarischen Handel‘ beendete.[35] Das Hauptgeschäft der Fugger verlagerte sich nun zugunsten des Finanzsektors. Karl V. nahm während seiner Regierungszeit „insgesamt rund 28 Millionen Dukaten auf“, ungefähr 5,5 Millionen, also etwa ein Fünftel der Gesamtsumme stammte von den Fuggern.[36] Sie waren somit „der wichtigste einzelne Finanzier des Kaisers“.[37] Die „Jahrzehnte dauernde Unterstützung der Augsburger Bankiersfamilie“ belohnte dieser schließlich 1526, als er Anton sowie dessen Bruder Raymund und deren Cousin Hieronymus in den Grafenstand erhob.[38] Den erblichen Reichsgrafenstand erhielten sie vier Jahre später, es dauerte allerdings bis 1570, bis die „Familie ihre Adelstitel im Namen“ führte.[39]

Doch nicht nur der Kaiser, sondern auch die Könige von Portugal, Dänemark und England, sowie der Großherzog von Florenz, Cosimo I. de‘ Medici waren, neben vielen anderen Fürsten, bei dem Augsburger Unternehmen teils hoch verschuldet.[40] Demzufolge lässt sich festhalten, dass die Fugger in der Mitte des 16. Jahrhunderts europaweit operierende Bankiers waren.[41]

Manche Wissenschaftler schlussfolgern, „[d]ie Blütezeit der Fugger [...] [sei] mit dem Niedergang des Habsburger Kaisers Karl V. und mit Antons Tod beendet“.[42] Andere widersprechen und sehen in der Generation nach Anton Fugger keineswegs den ‚Niedergang‘ der Firma, sondern eine weitere Neuorientierung, eine Anpassung an veränderte wirtschaftliche Umstände.[43]

Die Jahre zwischen 1485 und 1560, in denen Jakob Fugger die Handelsgesellschaft zum führenden süddeutschen Großunternehmen ausbaute und sein Neffe Anton die Firma erfolgreich weiterführte, sind [...] häufig als ‚Zeitalter der Fugger‘ charakterisiert worden.[44]

Wie die Darstellung gezeigt hat, waren die Fugger eine sehr einflussreiche und mächtige Familie in Augsburg und Europa. Diese Stellung war das Ergebnis kluger Investitionen, geschickter Eheschließung und wohl platzierter Darlehen über mehrere Generationen hinweg.

2.2 Die Medici in Florenz (W)

Ihren Ursprung hat die Familie Medici in Mugello, einer italienischen Landschaft etwa 30 Kilometer nördlich von Florenz.[45] Als erster Medici wird Charissimo de‘ Medici erwähnt, der 1201 Mitglied im Stadtrat von Florenz war. Allerdings existieren bis zum Ende des 13. Jahrhundert keine weiteren Belege für die Medici in Florenz. Erst im Jahre 1291 wird Ardingho de‘ Medici als Kaufmann angeführt, der 1296 als gonfalonier [46] den höchsten Posten der Republik besetzte.[47] Zu dieser Zeit war das Mediceische Unternehmen nur eines von vielen. Erst im 14. Jahrhundert stellte sich der Erfolg nicht nur im kaufmännischen sondern auch im Finanzsektor ein.[48]

Nach einer Reihe von vermeintlichen Verschwörungsversuchen gegen den Staat wurde die Familie zum größten Teil aus Florenz verbannt. Zu jenen, die um 1400 die Erlaubnis erhielten, in die Stadt zurückzukehren und öffentliche Ämter zu übernehmen, zählte Vieri de‘ Medici, der bis zum Ende des 14. Jahrhunderts als einer der erfolgreichsten Bankiers seiner Zeit gilt. Ein weiteres Mitglied der Medici, das nach Florenz zurückkehren durfte, war dessen Bruder Averardo Bicci de‘ Medici, der allerdings weit weniger erfolgreich war. Averardos Sohn, Giovanni di Averardo de‘ Medici (1360-1429)[49], der bei seinem Onkel die Fertigkeiten eines Bankiers erlernte, legte nicht nur den Grundstein der mediceischen Kunstförderung, sondern gilt auch als Begründer der Medici-Dynastie.[50] Durch sein Geschick war Giovanni ab 1393 als selbstständiger Bankier in Rom in einem eigenen Bankhaus tätig und wurde 1413 zum Hauptbankier des Papstes ernannt. Den Hauptsitz der Banco Medici verlegte er 1397 nach Florenz.[51] Im Laufe der Zeit setzte sich diese gegen die Konkurrenz durch, sodass „die Bank der Medici zur größten Handelsorganisation wurde und Cosimo als reichster Mann der Welt galt“.[52] Giovanni war politisch sehr aktiv und begann schon früh, verschiedene Künstler zu fördern. Damit legte er den Grundstein der Kunstpatronage, die durch die folgenden Generationen ausgebaut wurde.[53] Giovanni galt als erster großer Staatsmann der Familie, der seine politischen Geschäfte stets adäquat ausrichtete, denn „historische Zeugnisse beweisen, daß Giovanni di Averardo sich nie durch verfassungswidrige Mittel Macht verschafft hat und nie seine Autorität mißbraucht hat.“[54] Obgleich seiner politischen Aktivitäten wurde er erst 1421 zum gonfalonier.[55]

Die umfangreiche Familiengeschichte lässt sich mit seinen Söhnen Lorenzo di Giovanni de‘ Medici (1395 – 1440)[56], genannt Lorenzo der Ältere, und Cosimo de‘ Medici (1389 – 1464)[57], bekannt als Cosimo il Vecchio, in zwei Linien aufteilen. Young bezeichnet diese Linien als Generationen, wobei Cosimo zur älteren und Lorenzo zur jüngeren Generation gehörte. Der älteren Generation entstammten die bedeutendsten Medicis, während die jüngere lange Zeit keine nennenswerten Staatsmänner hervor brachte. Erst mit der Vermählung von Giovanni delle Barde Nere (1498 – 1526)[58] und Maria Salviati (1499 – 1543)[59] vereinen sich in Cosimo I. de‘ Medici (1519 – 1574)[60] beide Generationen.[61]

Im Folgenden liegt der Schwerpunkt der Darstellung daher auf dem bedeutenderen Teil der Familiendynastie, das heißt der älteren Generation des Cosimo il Vecchio, bis zur Vereinigung beider Generationen unter Cosimo I. de‘ Medici.

Die erste große Blüte erlebte die Medici-Dynastie unter Cosimo il Vecchio. Er übernahm nicht nur die Bankgeschäfte seines Vaters, sondern handelte zusätzlich mit Wolle, später sogar mit Seide, Gewürzen, Silber und Edelsteinen. Schließlich errichtete er eine Seiden- und Tuchfabrik.[62] Zudem galt Cosimo als „heimlicher Puppenspieler der florentinischen Politik“[63], da er seine politischen Aktivitäten stets im Hintergrund betrieb.[64] Neben der Förderung einer Vielzahl von Künstlern unterstützte er insbesondere die Kirche und verschiedene Klöster, um eine Einmischung jener in seine oftmals gegen das klerikale Zinsverbot verstoßenden Geschäfte zu verhindern. Zudem errichtete er 1444 die erste öffentliche Bibliothek Europas. Cosimo il Vecchio nutzte seine Förderungen hauptsächlich als politisches Instrument und propagandistisches Mittel für seine eigene Familie.[65] Noch heute gilt er als einer der bedeutendsten Medicis, dies zeigen nicht nur seine Tätigkeiten als Bankier und Mäzen, sondern auch seine Grabinschrift pater patriae, Vater des Vaterlandes.[66]

Cosimos Enkel Lorenzo de‘ Medici (1449-1492)[67] wurde vor allem durch seine Kunstförderungen und seine Tätigkeiten in Florenz als Lorenzo il Magnifico bekannt. Durch seine strategische Machtpolitik erhob er „Florenz zur bedeutendsten Stadt in Italien […] zur anerkannten geistigen und künstlerischen Hochburg von Europa und [entwickelte] den Wohlstand der Bürger zur Hochblüte“.[68] Neben seiner Tätigkeit als Kunstförderer versuchte sich Lorenzo in der Dichtkunst. Er schrieb verschiedene Gedichte und Karnevalslieder.[69]

Während seiner Herrschaft musste sich Lorenzo mehrmals verschiedenen Verschwörungsversuchen gegen seine Familie und die Stadt stellen.[70]

Die Medici waren nicht nur Großherzöge, sondern heirateten auch in verschiedene Königshäuser ein. So war es ihnen möglich, ihren Einfluss und ihre Machtposition auch außerhalb der Toskana zu festigen. Die wohl bekannteste Medici, die in ein Königshaus einheiratete, war Katharina de‘ Medici (1519-1589)[71], eine Nichte des Medici-Papstes Clemens VII..

Als letzte legitime Nachfahrin der älteren Generation heiratete Katharina 1533 auf Anraten ihres Onkels Papst Clemens VII. den zweitgeborenen Sohn des französischen Königs Heinrich, Herzog von Anjou. Nach dem Tod Franz I. 1547 bestiegen Heinrich und Katharina den Thron, da Heinrichs Bruder bereits 1536 verstorben war. Einer ihrer Nachkommen war der spätere französische König Franz II., der durch die Heirat mit Maria Stuart auch in das schottische Königshaus eingeheiratet hatte. Wie jedes Mitglied der Medici-Familie, war auch Katharina strenge Katholikin. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Historiker ihr eine gewisse Mitschuld an der Pariser Bluthochzeit vorwerfen. Am Morgen des Bartholomäustages, dem 24. August 1572 begann eine Art Kreuzzug gegen die Hugenotten, der mindestens 2000 Protestanten das Leben kostete. Hierfür wurden die Katholiken verantwortlich gemacht. Allerdings war auch Katharina, in Anlehnung an ihr mediceisches Erbe, eine Reformationskämpferin, die die religiöse Koexistenz befürwortete und sich des Öfteren den Protestanten zuwandte.[72]

Trotz weiterer ruhmreicher Familienmitglieder kam es erst unter Cosimo I. de‘ Medici (1519-1587)[73] zur zweiten und letzten großen Blüte der Medici-Dynastie.[74] In ihm vereinen sich beide Generationen der Familie. Cosimo I. wurde mit gerade siebzehn Jahren zum Herrscher von Florenz ernannt.[75] Bereits drei Jahre später heiratete er die Tochter des Vizekönigs von Neapel, Eleonora von Toledo. Durch diese Verbindung vereinten sich die Familien der Medicis mit der mächtigen, spanischen Familie der Toledo.[76] Cosimos I. vorrangiges Ziel war die Vereinigung der gesamten Toskana unter seiner Herrschaft. Um dies zu erreichen, ließ er diejenigen verbannen, die im Verdacht standen, seine Autorität als Herzog in Frage zu stellen. Zudem befahl er die Enthauptung republikanischer Gefangener.[77] Des Weiteren verhandelte Cosimo I. mit Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Nach einer Auseinandersetzung zwischen Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich 1542, unterstütze Cosimo I. den Kaiser mit einer Geldsumme von 150000 Scudi. Als Gegenleistung verlangte Cosimo I. die Unterstützung des Kaisers bei der Eroberung der Toskana und der Festungen von Livorno und Florenz, die sich bis dahin in spanischem Besitz befanden und für die Ausdehnung seines Herzogtums von großer Bedeutung waren.[78] Nur kurze Zeit später kam es erneut zu einer Streitigkeit zwischen Karl V. und dem neuen französischen König Heinrich II., da Karl V. versuchte, eine Festung in Siena zu errichten. Nachdem Siena durch französische Truppen besetzt wurde, bat der Kaiser Cosimo I. um Unterstützung. Dieser willigte unter der Voraussetzung ein, dass ihm die Herrschaft über die Stadt übertragen werde solange Karl V. seine Schulden bei ihm nicht beglichen hatte. Am 17. April 1555 wurde Siena von Florenz erobert und Cosimo I. wurde von Philipp II. von Spanien, dem Sohn Karls V. „offiziell zum Herrscher von Florenz und Siena“ ernannt.[79]

Die nachfolgenden Generationen der Medici brachten noch einige weitere wichtige Staatsmänner und auch die Päpste Leo X. (1513 – 1521)[80] und Clemens VII. (1523 – 1534)[81] hervor, jedoch war die Zeit der großen Blüte vorüber.[82] Die männliche Linie des Großherzogtums endete 1737 mit dem Tode Gian Gastone de‘ Medici. Das letzte Mitglied des Großherzogtums Anna Maria Luisa, Ehefrau des Kurfürsten Jan Wellem, starb 1743.[83] Andere Zweige der Familie Medici existierten weiterhin, sodass noch heute der letzte Nachkomme der Medici-Familie ,Lorenzo de‘ Medici, in Spanien lebt.[84]

3 Mäzenatentum und Fördererdasein (B)

„Mäzenatentum bezeichnet die fördernde und wohltätige Haltung gegenüber Künstlern, Schriftstellern und Gelehrten“. Um dies leisten zu können, muss die „doppelte[] Voraussetzung der Verfügung des ‚Mäzens‘ über Geld und Macht“ gegeben sein. „Im Goldenen Zeitalter des Mäzenatentums, der Renaissance, wirkten nicht nur hochgeborene Fürsten als Mäzene, sondern auch Leute von bürgerlicher Herkunft.“[85]

Im Folgenden gilt es das Mäzenatentum der Fugger und der Medici darzustellen. Während erstere zahlreiche Stiftungen gründeten, richteten die Medici ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die Kunstförderung.

3.1 Die Fuggerschen Stiftungen (B)

Lange vor der Abfassung seines Testaments ist Jakob Fugger der Reiche als Stifter aufgetreten. Dabei dienen gerade die zwei Versionen seines Testaments von 1521 und 1525 als Quellen für dessen Stiftungsmotivation.[86] Noch wichtiger ist jedoch sein parallel zum ersten Testament abgefasster Stiftungsbrief, in dem er die Verhältnisse für drei große Stiftungen regelt: Die Grabkapelle in der St. Anna Kirche, die Prädikatur von St. Moritz und die „Armensiedlung in der Augsburger Jakobervorstadt, später gemeinhin als die ‚Fuggerei‘ bezeichnet“.[87]

Obwohl auch andere Familienmitglieder als Stifter auftraten,[88] liegt der Fokus im Folgenden vor allem auf den Stiftungen von Jakob Fugger, im Besonderen auf der Grabkapelle in der St. Anna Kirche und der Fuggerei.

Doch zunächst ein paar Worte zur Fuggerschen Kunstförderung. „Von kaum einer anderen deutschen Familie des 16. Jahrhunderts sind mehr Bildnisse erhalten, als von den Fuggern, nur der Kaiser und der Kurfürst von Sachsen wurden häufiger portraitiert.“[89] Das wohl bekannteste Fugger-Portrait stammt von Albrecht Dürer und zeigt Jakob den Reichen. Es ist als Reproduktion in jeder Wohnung der Fuggerei zu sehen.[90] Aber auch andere Mitglieder der Familie ließen sich malen, so stammt das bekannteste Bild Anton Fuggers von Hans Holbein dem Älteren. Doch auch diverse andere Künstler wurden von den Augsburger Kaufleuten engagiert, darunter „Hans Maler von Schwaz, Jakob Seisenegger [...], Christoph Amberger, Jörg Breu d. Ä., Jörg Breu d. J. [...], Giovanni Bellini und Goan Paolo Pace“.[91] Viele Fugger-Portraits gingen jedoch über die Zeit verloren oder wurden im Krieg zerstört.[92]

Dennoch lässt sich festhalten, dass die Familie „[w]ährend des gesamten 16. Jahrhunderts [...] in Augsburg als Auftraggeber für Kunstwerke eine exzeptionelle Stellung ein[nahmen].“[93] Darüber hinaus machten sie sich auch als Kunstvermittler, zum Beispiel für den Kaiser, einen Namen.[94] Zusätzlich verdichteten sich im 16. Jahrhundert die Aktivitäten der Familie auf dem Gebiet der Musik-Förderung.[95] Zur gleichen Zeit „gehörten die Mitglieder des Hauses Fugger neben den Habsburgern und den bayerischen und pfälzischen Wittelsbachern zu den größten Büchersammlern Mitteleuropas“.[96] Bücher aus dem Besitz der Familie „gehören heute zu den Kostbarkeiten der Bayerischen Staatsbibliothek in München, der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und der Vatikanischen Bibliothek in Rom.“[97] Der erste Fugger, der eine Bibliothek anlegte und damit „den Grundstock für die wesentlich umfangreicheren Sammlungen seiner Söhne bildete“, war Raymund Fugger.[98] Doch er erwarb nicht nur Werke, sondern förderte die Veröffentlichung neuer Bücher und war somit auch als Mäzen tätig.[99] Als wahrer Gelehrten Förderer gilt sein Sohn Hans Jakob Fugger. Er baute, wie bereits erwähnt, die Bibliothek seines Vaters aus und eiferte auch dessen Rolle als Mäzen nach. Hans Jakob Fugger förderte „Philologen, Theologen und Naturforscher[ ]“, sowie das Studium einiger mittlerweile bekannter Personen auf dem Gebiet der Medizin und des Rechts.[100]

Im Jahre 1571 ging die gesamte, etwa 12.000 Bände umfassende Bibliothek in den Besitz der Bayernherzöge über, die kurz zuvor ein neues Bibliotheksgebäude errichtet hatten. Diese Sammlung bildet den Grundstock der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek.[101]

Auch die Brüder Hans Jakob Fuggers legten Bibliotheken an, die der seinen ebenbürtig waren. Die Sammlung Ulrich Fuggers ist heute Teil der Bibliotheca Vaticana.[102] Georg Fugger setzte den Schwerpunkt auf naturwissenschaftliche Schriften. Sein Sohn erweiterte die Bibliothek, sodass sie schließlich über 15.000 Bände umfasste, als sie „im Jahre 1655 für den Spottpreis von 15.000 Gulden an die Wiener Hofbibliothek verkauft“ wurde.[103]

Kurz vor seinem Tod verfügte Anton Fugger in seinem Testament, „wie mit Firmen- und Familiendokumenten zu verfahren sei“.[104] Er betonte vor allem, „dass auf die

[...]


[1] Johann, Marie: Cosimo I. de‘ Medici - Anton Fugger. Macht und Mäzenatentum in Florenz und Augsburg, (= Dialoghi / Dialogues, Band 16) Frankfurt am Main 2012, S. 125.

[2] Vgl. Pölnitz, Götz von: Fugger und Medici. Deutsche Kaufleute und Handwerker in Italien, Leibzig 1942, vgl. Pölnitz, Götz von: Fugger und Medici, in: Historische Zeitschrift 166 (1942), S. 1-23 und vgl. Johann, Marie: Cosimo I. de‘ Medici - Anton Fugger. Macht und Mäzenatentum in Florenz und Augsburg (= Dialoghi / Dialogue Band 16), Frankfurt am Main 2012.

[3] Vgl. Johann, Marie: Cosimo I. de‘ Medici - Anton Fugger. Macht und Mäzenatentum in Florenz und Augsburg (= Dialoghi / Dialogue Band 16), Frankfurt am Main 2012.

[4] Vgl. Johann, Cosimo, S. 126 und S. 11f.

[5] Vgl. Häberlein, Mark: Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367-1650), Stuttgart 2006, S. 17.

[6] Häberlein, Fugger, S. 17.

[7] Scheller, Benjamin: Memoria an der Zeitenwende. Die Stiftungen Jakob Fuggers des Reichen vor und während der Reformation (ca. 1505-1555) (= Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft Reihe 4, Band 28; Studien zur Fuggergeschichte Band 37), Berlin 2004, S. 34.

[8] Ebenda.

[9] Die Abkürzung fl. steht für florenus und bezeichnet den rheinischen Gulden. (vgl. Wenninger, Markus: Man bedarf keiner Juden mehr. Ursachen und Hintergründe ihrer Vertreibung aus den deutschen Reichsstädten im 15. Jahrhundert (= Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte, Band 14), Köln u.a. 1981, Abkürzungsverzeichnis.)

[10] Scheller, Memoria, S. 34.

[11] Vgl. ebenda.

[12] Gemeint ist Jakob der Ältere.

[13] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 20.

[14] Scheller, Memoria, S. 34.

[15] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 25.

[16] Vgl. Scheller, Memoria, S. 34.

[17] Ebenda, S. 35.

[18] Gemeint ist Jakob der Reiche.

[19] Johann, Cosimo, S. 36.

[20] Scheller, Memoria, S. 35.

[21] Gemeint sind im Folgenden immer die Fugger der Lilie.

[22] Häberlein, Fugger, S. 27.

[23] Scheller, Memoria, S. 35.

[24] Häberlein, Fugger, S. 39.

[25] Ebenda, S. 40f.

[26] Scheller, Memoria, S. 43.

[27] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 44 und 47.

[28] Scheller, Memoria, S. 38.

[29] Vgl. ebenda.

[30] Vgl. Johann, Cosimo, S. 39.

[31] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 49.

[32] Ebenda, S. 65.

[33] Johann, Cosimo, S. 41.

[34] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 71f.

[35] Vgl. Ebenda, S. 84-88.

[36] Ebenda, S. 76.

[37] Ebenda, S. 93.

[38] Johann, Cosimo, S. 62.

[39] Ebenda, S. 106.

[40] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 89f.

[41] Vgl. Johann, Cosimo, S. 66.

[42] Ebenda, S. 69.

[43] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 97 und S. 119.

[44] Ebenda, S. 93.

[45] Vgl. Johann, Cosimo, S. 15.

[46] Bannerträger, vgl. Cleugh, James: Die Medici, München 52009, S. 18.

[47] Vgl. ebenda, S. 17-20.

[48] Vgl. ebenda, S. 32.

[49] Vgl. ebenda, S. 49.

[50] Vgl. Johann, Cosimo, S. 15f.

[51] Vgl. Hale, John R.: Die Medici und Florenz. Die Kunst der Macht, Stuttgart 1979, S. 12.

[52] Ebenda, S. 13.

[53] Vgl. Johann, Cosimo, S. 16.

[54] Cleugh, Medici, S. 51.

[55] Vgl. ebenda, S. 48.

[56] Young, George Frederick: Die Medici, München 1950, S. 379.

[57] Ebenda, S. 47.

[58] Ebenda, S. 402.

[59] Ebenda.

[60] Ebenda, S. 411.

[61] Vgl. ebenda, S. 46.

[62] Vgl. Johann, Cosimo, S. 17-19.

[63] Hale, Die Medici und Florenz, S. 50.

[64] Vgl. Johann, Cosimo, S. 19.

[65] Vgl. ebenda, S. 19f.

[66] Vgl. Hale, Die Medici und Florenz, S. 52.

[67] Young, Die Medici, S. 135.

[68] Ebenda, S. 136.

[69] Vgl. Johann, Cosimo, S. 25.

[70] Siehe dazu: Martines, Lauro: Die Verschwörung. Aufstieg und Fall der Medici im Florenz der Renaissance, Darmstadt 2004.

[71] Cleugh, Medici, S. 362.

[72] Vgl. Cleugh, Medici, S. 356-366.

[73] Young, Die Medici, S. 411.

[74] Vgl. Johann, Cosimo, S. 71.

[75] Vgl. ebenda, S. 51.

[76] Vgl. ebenda, S. 53.

[77] Vgl. Cleugh, Medici, S. 342f.

[78] Vgl. Johann, Cosimo, S. 54.

[79] Johann, Cosimo, S. 55.

[80] Hale, Die Medici und Florenz, S. 109-114.

[81] Ebenda.

[82] Vgl. Young, Die Medici, München 1950, S. 438-505.

[83] Vgl. Heilmann, My: Florenz und die Medici. Die Geschichte eines Patriziergeschlechts der Renaissance, Köln 1985, S. 143.

[84] Vgl. Gregorio, Walter de: Ich hatte alles, es reicht, in: Weltwoche Nr. 40.06, S. 70-74.

[85] o.A.: Lexikon des Mittelalters, Band 6, München 1993, S. 430f.

[86] Vgl. Scheller, Memoria, S. 15.

[87] Ebenda.

[88] So zum Beispiel Philipp Eduard Fugger als Gründer religiöser Stiftungen, wie dem Jesuitenkolleg (Vgl. Wölfle, Sylvia: Die Kunstpatronage der Fugger 1560-1618 (= Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft Reihe 4, Band 33; Studien zur Fuggergeschichte Band 42), Augsburg 2009, S, 228-232.) oder der Grabkapelle in St. Ulrich und Afra. (vgl. Wölfle, Kunstpatronage, S. 236.)

[89] Johann, Cosimo, S. 100.

[90] Vgl. ebenda, S. 99.

[91] Ebenda, S. 100.

[92] Vgl. ebenda, S. 102.

[93] Wölfle, Kunstpatronage, S. 304.

[94] Vgl. ebenda.

[95] Vgl. Häberlein, Fugger, S. 157.

[96] Ebenda, S. 158.

[97] Ebenda.

[98] Ebenda.

[99] Vgl. ebenda.

[100] Häberlein, Fugger, S. 159.

[101] Ebenda.

[102] Vgl. ebenda, S. 160.

[103] Ebenda.

[104] Johann, Cosimo, S. 120.

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Details

Titel
Die Fugger. Die deutschen Medici?
Untertitel
Ein Vergleich der Kaufmannsgeschlechter der Fugger und der Medici
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Geschichtswissenschaften - Abteilung für Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Vom Mäzenatentum zum Corporate Citizenship. Zivilgesellschaftliches Engagement von Unternehmen und Unternehmern in Mittelalter und Neuzeit
Note
1,3
Autoren
Jahr
2014
Seiten
36
Katalognummer
V355397
ISBN (eBook)
9783668412835
ISBN (Buch)
9783668412842
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fugger, medici, vergleich, kaufmannsgeschlechter
Arbeit zitieren
Andrea Benesch (Autor)Annalena Willer (Autor), 2014, Die Fugger. Die deutschen Medici?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355397

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