Jeder Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsunternehmens muss sich mit dem Wertesystem der Bundesrepublik Deutschland eingehend vertraut machen. Dazu gehört es, Grundkenntnisse über die Grundrechte unseres Landes zu erwerben.
Die hier aufbereiteten Informationen berücksichtigen alle für das private Sicherheitsgewerbe relevanten Grundrechte. Kenntnisse über diese Auswahl von Grundrechten müssen bei jedem „Security“ vorausgesetzt werden können, weil gerade diese Artikel für das Sicherheitsgewerbe von besonderer, z.T. „maßgeblicher“ Bedeutung sind.
Die Darlegungen verzichten auf umfassende Kommentierungen und erheben auch nicht den Anspruch, die vielfältigen Standpunkte zu den verschiedenen Rechtsfragen einzelner Grundrechtsartikel auch nur überblickhaft darzustellen. Sie beschränken sich ganz bewusst auf schlaglichtartige Aussagen, die Gehalt und Bedeutung einzelner Grundrechte grob umreißen und für die es in Rechtsprechung und Rechtslehre einen breiten Konsens gibt. Zahlreiche Hinweise auf Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes belegen die Praxisorientiertheit des Lehrstoffes.
Ziel dieses Lehrheftes ist es, dem Berufseinsteiger Einblick in und Verständnis für das Wertesystem zu verschaffen, das der Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland zugrunde liegt. Ihm sollen Wertmaßstäbe nahe gebracht werden, die auch auf das Verhältnis der Bürger untereinander ausstrahlen bzw. durchschlagen. Die Beschäftigten des Sicherheitsgewerbes müssen in die Lage versetzt werden, auch in den kritischen Momenten ihrer Berufstätigkeit die Rechtsposition ihres Gegenübers zutreffend beurteilen zu können. Dazu ist die Aneignung von Grundrechtswissen ein Einstieg, der den Zugang zu den anderen dafür einschlägigen Rechtsmaterien deutlich erleichtert: Gefahrenabwehrrecht, Bürgerliches Recht, Straf- und Strafprozessrecht.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Grundrechte - ein wesentlicher Bestandteil der Verfassung
1.1 Geschichtliche Entwicklung
1.2 Was ist eine Verfassung?
1.3 Was sind Grundrechte?
1.3.1 Definition
1.3.2 Fundort der Grundrechte
1.4 Bedeutung der Grundrechte für die Rechtsordnung
1.4.1 Unmittelbar geltendes Recht
1.4.2 Höherrangiges Recht
1.5 Drei verschiedene Arten von Grundrechten
1.5.1 Freiheitsrechte (Art. 1 - 2, 4 - 6, 8 - 14 und 16)
1.5.2 Gleichheitsrechte (Art. 3, 6, 33 und 38)
1.5.3 Verfahrensrechte (Art. 19, 101 und 103)
1.6 Die Doppelfunktion der Grundrechte
1.6.1 Aus der Sicht des Bürgers
1.6.2 Aus der Sicht des Staates
1.7 Die Grenzen der Grundrechte
1.8 Die Drittwirkung der Grundrechte
1.8.1 Problembeschreibung
1.8.2 Bedeutung für die Berufspraxis privater Sicherheitsdienste
2. Kurzkommentierung ausgewählter Grundrechte
2.1 Art. 1 [Schutz der Menschenwürde]
2.2 Die Freiheitsrechte des Art. 2
2.2.1 Das allgemeine Persönlichkeitsrecht
2.2.2 Das Recht zur allgemeinen Handlungsfreiheit
2.2.3 Das Recht auf Leben
2.2.4 Körperliche Unversehrtheit
2.2.5 Freiheit der Person
2.3 Die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit des Art. 4
2.3.1 Die Glaubens- und Bekenntnisfreiheit im engeren Sinne - Art. 4 Abs. 1
2.3.2 Die Freiheit der Religionsausübung - Art. 4 Abs. 2
2.3.3 Die Gewissensfreiheit - Art. 4 Abs. 1
2.3.4 Die Kriegsdienstverweigerung - Art. 4 Abs. 3
2.4 Meinungs- und Pressefreiheit; Freiheit der Kunst und der Wissenschaft - Art. 5
2.4.1 Allgemeines
2.4.2 Einzelbegriffe und -rechte
2.4.3 Konsequenzen des Art. 5 für die Tätigkeit des Sicherheitsgewerbes
2.5 Ehe, Familie, nicht eheliche Kinder, Schulwesen - Artikel 6 und 7
2.6 Versammlungsfreiheit - Artikel 8
2.7 Vereinigungsfreiheit - Artikel 9
2.7.1 Überblick
2.7.2 Auswirkungen
2.8 Wahrung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses
2.8.1 Briefgeheimnis
2.8.2 Postgeheimnis
2.8.3 Telekommunikationsgeheimnis
2.8.4 Auswirkungen auf die Berufspraxis
2.8.5 Eingriffe in das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis
2.9 Freizügigkeit, Freiheit der Berufswahl, Wehrpflicht, Artikel 11 - 12a
2.10 Die Unverletzlichkeit der Wohnung - Artikel 13
2.10.1 Schutzbereich des Art. 13
2.10.2 Eingriffsarten
2.10.3 Eingriffsanlässe
2.10.4 Arbeits-, Betriebs- und Geschäftsräume
2.11 Eigentum, Erbrecht und Enteignung - Artikel 14
2.12 Die Gleichheitsrechte
2.12.1 Der allgemeine Gleichheitssatz des Art. 3 Abs. 1
2.12.2 Die speziellen Gleichheitssätze
2.12.3 Praktische Schlussfolgerungen für das private Sicherheitsgewerbe
2.13 Sozialisierung, Ausbürgerung, Auslieferung, Asylrecht, Petitionsrecht, Wehr- und Ersatzdienst, Verwirkung von Grundrechten, Verfahrensrechte, Artikel 15 - 19, 101 und 103
2.14 Das Sicherheitsgewerbe und die Einschränkbarkeit der Grundrechte
3. Kontrollfragen
Zielsetzung & Themen
Das Lehrheft vermittelt Berufseinsteigern im privaten Sicherheitsgewerbe ein grundlegendes Verständnis für das Wertesystem der Bundesrepublik Deutschland sowie die für die tägliche Praxis relevanten Grundrechte. Ziel ist es, Sicherheitsmitarbeitern die nötigen Maßstäbe zu vermitteln, um in kritischen beruflichen Situationen die Rechtspositionen ihres Gegenübers zutreffend beurteilen zu können und konform zur Rechtsordnung zu agieren.
- Grundlagen und historische Entwicklung des Grundgesetzes
- Systematik und Schutzbereiche ausgewählter Grundrechtsartikel
- Drittwirkung der Grundrechte in der privaten Sicherheitspraxis
- Einschränkbarkeit und Grenzen von Grundrechten
- Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit staatlichen und privaten Schutzrechten
Auszug aus dem Buch
1.8.2 Bedeutung für die Berufspraxis privater Sicherheitsdienste
Es liegt in der Natur der Tätigkeit im Sicherheitsbereich, dass sich aus dem Aufeinanderprallen widerstreitender Interessen immer wieder Situationen ergeben, in denen auch und oft gerade von privaten Sicherheitskräften ein hohes Maß an Sensibilität für die Rechte des Gegenübers gefordert ist.
In solcher Lage falsch zu reagieren stellt u.U. nicht nur eine strafbewehrte Rechtsverletzung dar. Derartig unprofessionelle Verhaltensweisen tragen dazu bei, das Sicherheitsgewerbe immer wieder in die Negativschlagzeilen zu bringen und schaden damit dem Ansehen der gesamten Branche.
Wenn nun auf die einzelnen Grundrechte eingegangen wird, dann mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass jeder Sicherheitsprofi selbst Verantwortung für die Respektierung und Einhaltung der Grundrechtsnormen trägt:
Kein Auftraggeber, Kunde oder Vorgesetzter und keine innerbetriebliche Anweisung kann den Einzelmitarbeiter aus dieser persönlichen Pflicht entlassen; ggf. ist der Hinweis darauf, nur auf Weisung gehandelt zu haben, keine Entschuldigung.
Die persönliche Haftung für rechtmäßiges Verhalten geht auch dann nicht auf Dritte über, wenn diese vollmundig erklären: „Das nehme ich auf meine Kappe,“ oder „ich übernehme die Verantwortung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Grundrechte - ein wesentlicher Bestandteil der Verfassung: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung und Definition von Grundrechten sowie deren zentrale Rolle und Doppelfunktion innerhalb der staatlichen Rechtsordnung.
2. Kurzkommentierung ausgewählter Grundrechte: Dieser Abschnitt bietet eine praxisnahe Analyse der wichtigsten Grundrechte wie Menschenwürde, Freiheits- und Gleichheitsrechte sowie deren spezifische Bedeutung für das Sicherheitsgewerbe.
3. Kontrollfragen: Das abschließende Kapitel dient der Wissensüberprüfung durch gezielte Fragen, die den Lernstoff in Bezug auf Theorie und berufliche Anwendung reflektieren.
Schlüsselwörter
Grundrechte, Grundgesetz, Sicherheit, Verfassung, Menschenwürde, Handlungsfreiheit, Berufsrecht, Drittwirkung, Rechtsordnung, Sicherheitsmitarbeiter, Verhältnismäßigkeit, Schutzpflichten, Freiheitsrechte, Gleichheitsrechte, Rechtsstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Lehrheft grundlegend?
Das Werk behandelt die Grundrechte des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland und deren Relevanz für das private Sicherheitsgewerbe, um Mitarbeitern ein rechtssicheres Handeln in der Praxis zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten zählen neben den Grundzügen der Verfassung insbesondere der Schutz der Menschenwürde, Freiheitsrechte, Eigentumsrechte, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sowie die Gleichheitsgrundsätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Berufseinsteigern ein Verständnis für die Wertmaßstäbe der Rechtsordnung zu vermitteln, damit sie die Rechtspositionen Dritter in ihrer Tätigkeit präzise einschätzen und Haftungsrisiken vermeiden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Das Buch nutzt einen praxisorientierten Ansatz, bei dem rechtliche Grundlagen kompakt dargestellt und durch konkrete Beispiele und Hinweise auf Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts veranschaulicht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse einzelner Grundrechtsartikel, deren Anwendbarkeit im Sicherheitsbereich und die Erläuterung der Grenzen von Grundrechten sowie deren Drittwirkung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Das Werk wird durch Begriffe wie Grundrechte, Rechtsstaat, Sicherheit, Menschenwürde, Verhältnismäßigkeit und die spezifischen Verantwortlichkeiten von Sicherheitsmitarbeitern definiert.
Wie soll sich ein Sicherheitsmitarbeiter bei behördlichen Betretungsrechten verhalten?
Sicherheitsmitarbeiter sollten bei Betretungsersuchen nach Dienstausweis, Rechtsgrundlage und dem konkreten Zweck der Überprüfung fragen, sofern keine Gefahr im Verzug vorliegt.
Welche Konsequenzen hat ein Verstoß gegen Grundrechte für den Mitarbeiter?
Ein Verstoß gegen das Grundgesetz kann zu persönlichen rechtlichen Konsequenzen wie Schadensersatz oder strafrechtlicher Verfolgung führen, wobei der Verweis auf Weisungen durch Vorgesetzte den Mitarbeiter in der Regel nicht von seiner Verantwortung entbindet.
- Citar trabajo
- Ulf Erik Finkewitz (Autor), 2017, Grundrechte im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Elementarwissen für das Sicherheitsgewerbe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355514