Dieses Essay konzentriert sich auf die für die Kommunikationswissenschaft interessanten Aspekte innerhalb des Textes „Les techniques du corps“, übersetzt „Die Techniken des Körpers“, und wird überprüfen, inwiefern die von Marcel Mauss getroffenen Aussagen einen kritischen Blick überstehen. Wie gehaltvoll sind die zahlreichen Beispiele von Mauss wirklich? Ist die eingeführte Systematik wirklich konsequent und in sich stimmig? Anschließend wird der Text in Kontext zu anderen Kommunikationstheorien gestellt und nach Überschneidungen durchforstet.
1930 veröffentlichte der französische Soziologe Marcel Mauss sein Werk „Les techniques du corps“. In diesem verbindet er Beobachtungen aus seiner Zeit beim Militär und andere Beobachtungen von menschlichem Verhalten zu einer Theorie des Verhaltens von Menschen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Art und Weise, wie sich der Mensch seines Körpers immer wieder bedient. Diese Bewegungsabläufe nennt Mauss „Techniken des Körpers“ und räumt ihrer Anwendung und Überlieferung im täglichen Leben eine immense kulturelle Bedeutung bei. Er findet Beispiele von solchen Techniken des Körpers in nahezu allen Lebensbereichen und benennt sie. Der Text bettet diese Beispiele meistens in kleine Anekdoten aus dem Leben des Autors ein, und der Schreibstil ist, für einen wissenschaftlichen Text, durchaus ansprechend. Im Text finden sich auf diese Weise viele Beispiele, durch die Mauss‘ Behauptungen veranschaulicht werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Theorie und der Weg dorthin
Klassifizierungen
Mauss' Aufzählung von Körpertechniken
Im Kontext zu anderen Theorien
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Marcel Mauss' Werk "Techniken des Körpers" auseinander. Ziel ist es, Mauss' theoretischen Ansatz der körperlichen Verhaltensmuster auf seine kommunikationswissenschaftliche Relevanz zu prüfen, die methodische Konsistenz seiner Systematik zu hinterfragen und den Text in den Kontext moderner Kommunikationstheorien zu stellen.
- Kritische Analyse von Marcel Mauss' "Techniken des Körpers"
- Untersuchung der soziologischen und biologischen Argumentationslinien
- Bewertung der Klassifizierung von Körpertechniken
- Kontextualisierung mit Theorien von Schütz, Luckmann, Tomasello und Reichertz
- Reflexion der Rolle der Sozialisierung bei erlernten Verhaltensmustern
Auszug aus dem Buch
Die Theorie und der Weg dorthin
Mauss gliedert seinen Text in drei größere Abschnitte. Im ersten definiert er den Begriff der Körpertechniken und erläutert, wie und durch welche Beobachtungen er zu zu seinen Überlegungen gelangt ist. Im zweiten Abschnitt führt er Klassifizierungen für die Techniken des Körpers ein. Zum Schluss zählt er chronologisch geordnet die Techniken des Körpers auf, wie sie ein Mensch im Laufe seines Lebens erlebt bzw. erlernt. Diese Gliederung werde ich beibehalten und jedem seiner Kapitel ein eigenes widmen.Der Kernaspekt von Mauss' These sind besagte Techniken des Körpers, welche er als „die Weise, in der sich die Menschen in einer Gesellschaft traditionsgemäß ihres Körpers bedienen“1 beschreibt. Diese Techniken werden dem Menschen laut Mauss bereits ab dem Kindesalter durch Erziehung beigebracht und immer weiter modifiziert. Er nennt die Techniken des Körpers auch „Habitus“2 und grenzt sie von Gewohnheiten und erworbenen Fähigkeiten ab. Der Habitus, also das Repertoire und das Ausführen von Körpertechniken, werden durch die Gesellschaft, die individuelle Erziehung und aktuelle Modeerscheinungen beeinflusst und ändert sich damit auch innerhalb eines Menschenlebens mehrmals.
Dabei müssen die Körpertechniken auf drei Ebenen betrachtet werden. Zum einen mechanisch-physikalisch, also wie kann der menschliche Körper generell am vorteilhaftesten eingesetzt werden. Dazu anatomisch-physiologisch, welchen Einfluss hat die individuelle Beschaffenheit eines einzelnen Menschen oder einer spezifischen Menschengruppe auf die Bewegungsabläufe und schließlich psychologisch-soziologisch, welche Einflüsse hat das Wertesystem einer Gesellschaft und die dadurch beeinflusste menschliche Psyche auf eine Körpertechnik. Prinzipiell sind diese Aussagen durchaus nachvollziehbar, doch betrachtet man die nachher angeführten Beweise, zeigt sich nur die psychologisch-soziologische Ebene als tragfähig.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung von Marcel Mauss' Werk und Formulierung der kritischen Fragestellung hinsichtlich der kommunikationswissenschaftlichen Relevanz und Systematik.
Die Theorie und der Weg dorthin: Definition des Begriffs der Körpertechniken und Erläuterung der zugrunde liegenden Ansätze, einschließlich der Habitus-Theorie.
Klassifizierungen: Kritische Auseinandersetzung mit der Unterteilung der Körpertechniken in geschlechts- und altersspezifische Kategorien sowie die Analyse von Leistung und Überlieferung.
Mauss' Aufzählung von Körpertechniken: Besprechung des letzten Abschnitts des Werkes, der sich als chronologische Aneinanderreihung von Verhaltensbeispielen ohne tiefgehende theoretische Einordnung präsentiert.
Im Kontext zu anderen Theorien: Einordnung von Mauss' Überlegungen in den Rahmen sozialwissenschaftlicher Kommunikationstheorien von Autoren wie Schütz, Luckmann und Tomasello.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Stärken und Schwächen der Theorie sowie deren Wert für die moderne Kommunikationswissenschaft.
Schlüsselwörter
Techniken des Körpers, Marcel Mauss, Habitus, Sozialisierung, Kommunikationstheorie, Körperhaltung, Bewegungsabläufe, soziologische Analyse, kulturelle Prägung, Kommunikation, phänomenologischer Ansatz, Verhaltensmuster, Ethnologie, Körper, Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine kritische Auseinandersetzung mit Marcel Mauss' soziologischem Klassiker "Die Techniken des Körpers" unter besonderer Berücksichtigung kommunikationswissenschaftlicher Aspekte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Definition von Körpertechniken, deren Einteilung in spezifische Klassen, die Bedeutung der Sozialisierung und die Verknüpfung dieser Ansätze mit etablierten Kommunikationstheorien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit Mauss' Ausführungen einer kritischen Überprüfung standhalten und welche Relevanz seine Beobachtungen für die heutige Kommunikationsforschung haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der Mauss' Thesen kritisch hinterfragt und mit den Modellen anderer Theoretiker in Bezug gesetzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich entlang der Struktur von Mauss' Werk und analysiert dessen Begriffsbildung, die Klassifizierungssysteme sowie die empirischen Beobachtungen des Autors.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Körpertechniken, Habitus, soziale Prägung, Kommunikation und die interdisziplinäre Einordnung zwischen Biologie und Soziologie.
Warum bewertet der Autor Mauss' Vorgehen bei der Klassifizierung als problematisch?
Der Autor kritisiert, dass Mauss zwischen soziologischen Erklärungsansätzen und biologisch-reduktionistischen Argumenten schwankt, was die wissenschaftliche Konsistenz der Klassifizierungen teilweise untergräbt.
Wie ordnet der Verfasser die Bedeutung der Sozialisierung in Mauss' Theorie ein?
Obwohl Mauss die Sozialisierung als zentralen Faktor betont, wirft der Autor ihm vor, in vielen Beispielen dennoch auf biologische oder psychologische Erklärungen zurückzugreifen, die den soziologischen Fokus verwässern.
- Citar trabajo
- Niels Brause (Autor), 2014, Techniken des Körpers. Wahrheitsgehalt, Bedeutung und kommunikationstheoretischer Kontext von Marcel Mauss' "Les techniques du corps", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355557