Soziale Dienste im Krankenhaus unter dem Blickwinkel von Angehörigen und medizinischem Personal


Hausarbeit, 2005

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Der Sozialdienst im Krankenhaus – Aufgaben und Herausforderungen

4. Geschichte des Sozialdienstes im Krankenhaus und der DVSG

5. Der Sozialdienst einer Kinderklinik

6. Eltern kranker Kinder und ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Sozialdienst

7. Sozialdienst aus der Sicht des erwachsenen Patienten und dessen Angehörigen

8. Ärzteschaft und sozialer Krankenhausdienst

9. Lösungsansätze

10. Conclusio

11. Schlüsselwörter

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einer Zeit von Einsparungen, wirtschaftlicher Stagnation und anderen ge­sellschaftlichen Sorgen und Nöten, machen die Rotstifte auch vor dem Gesundheitssystem nicht Halt. In der Konsequenz bedeuten diese Einsparungen Mehrbelastungen für den Patienten und seine Angehörigen. Mit einem Mal stehen chronisch Kranken die von den Krankenkassen bezahlten und allzu gewohnten Hilfsmittel nicht mehr zur Verfügung. Viele Menschen können diesen finanziellen Mehraufwand nicht tragen und brauchen deshalb Hilfe um auch weiterhin an die gewohnten Unterstützungen zu gelangen.

Um diese und andere Hilfen in Anspruch nehmen zu können, muss sich der Patient an den Sozialdienst des Krankenhauses wenden, denn oft ist das Krankenhaus für ihn erste Anlaufstelle. Diese Suche nach Hilfen ist in den vergangenen Jahren viel mehr geworden. Zwar leidet der Sozialdienst der Krankenhäuser noch nicht unter dem direkten Stellenabbau, hat aber auch keinen Personalausgleich trotz der immer mehr werdenden Arbeit erfahren. Dieser Dienst bietet seit vielen Jahrzehnten kompetente Hilfe für ratsuchende und hilfsbedürftige Menschen (wobei „Hilfsbedürftigkeit“ nicht immer gleich finan­zielle Notlage bedeutet) kann doch ein jeder durch Krankheit Unfall oder gar Geburt eines chronisch kranken oder behinderten Kindes von heute auf morgen in eine soziale oder psychische Notlage geraten. Den Problemen entsprechend ist das Hilfsangebot weit gefächert. Diese Hausarbeit soll ein wenig näher auf die umfangreiche Arbeit des Sozialdienstes im Krankenhaus eingehen.

Soziale Dienste spielen im Leben von in Not geratenen Menschen eine Schlüsselrolle, stellen sie sich doch als Vermittler zwischen Betroffenem und Behörde, Verein oder Selbsthilfegruppe zur Verfügung. Leider ist das Ansehen der sozialen Dienste nicht immer gebüh­rend gewertet, denn „ so lange sich Sozialarbeit auch selbst über die Vermittlungsleis­tungen definiert, wird sie früher oder später eingespart oder durch billigere Kräfte er­setzt und dies mit Recht.“[1] Bei der Erstellung dieser Hausarbeit ist mir deutlich geworden, dass der Sozialdienst weit mehr als ein „Vermittler“ ist. Darum sollen seine Aufgaben und Ziele in dieser kleinen Arbeit näher betrachtet werden um den Leser sensibler zu machen für diese Einrichtung.

Die Begriffe Sozialarbeiter und Sozial­pädagoge werden in Form von „SoAr/SoPä“ abgekürzt. Sie bezeichnen ein und denselben Beruf und werden als Bezeichnung auch deshalb gleichrangig behandelt.

2. Definitionen

Der „ Sozialdienst im Krankenhaus [ist ein] spezieller Zweig der Sozialarbeit im Gesundheitswesen; im Krankenhaus ist er eine unverzichtbare Ergänzung zur medizini­schen und pflegerischen Behandlung, durch die Erhebung der Sozialanamnese trägt er zur Zielbestimmung der Behandlung bei, er unterstützt diese, indem er psychosoziale Störungen und körperliche Beeinträchtigungen des Patienten in ihrem sozialen Zusam­menhang erkennt.“[2]

„Ziel von Case Management ist es, Fähigkeiten des Klienten zur Wahrnehmung sozialer Dienstleistungen zu fördern, professionelle, soziale und persönliche Ressour­cen zu verknüpfen und höchstmögliche Effizienz im Hilfeprozess zu erreichen.“[3]

Anamnese “ [griech.: Erinnerung] ist geboten, um aktuelle Befunde durch Er­hebung ihrer Vorgeschichte besser verstehen und deuten zu können. Anamnese ermög­licht somit, den Stellenwert der Auffälligkeiten im Rahmen eines Krankheits-, Bera­tungs- oder Erziehungsprozesses angemessen einschätzen zu können.“[4]

3. Der Sozialdienst im Krankenhaus – Aufgaben und Herausforderungen

Die Arbeit des Sozialdienstes im Krankenhaus wird in der Regel von diplomier­ten Sozialarbeitern/Sozialpädagogen (SoAr/SoPä) durchgeführt. Sie erfolgt bei der Bearbeitung der einzelnen Fälle in Zusammenarbeit mit Pflegepersonal, Ärzten, Krankengymnasten, Psychologen und Seelsorgern (u.a.) und betreut als Zielgruppe diejenigen Patienten, die aus den verschiedensten Gründen nicht dazu in der Lage sind durch Eigenhilfe anfallende Probleme und Schwierigkeiten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus kompetent und effektiv anzugehen. Darüber hinaus handelt es sich um einen eigenständigen Beruf, der durch die anderen oben aufgeführten Berufsgruppen nicht zu ersetzen wäre, sind doch spezielle Fachkenntnisse in den Bereichen Sozialpädagogik, Familien-, Sozialhilfe- und Versicherungsrecht sowie Sozialmedizin und –ethik (u.a.) erforderlich.[5]

Zielgruppen sind vor allem alte und multimorbid erkrankte Menschen sowie Menschen, deren Lebensalltag durch schwere Krankheit, Behinderung oder gar Sucht geprägt ist. Als Zielgruppe zu nennen wären aber auch Eltern, deren Kinder chronisch krank, behindert oder mit lebensbedrohlichen Symptomen zur Welt kommen sind.

Neben den krankenhäuslichen Schnittstellen arbeiten SoAr/SoPä eng mit ambulanten Pflegediensten, sozialen Netzwerken, Jugendämtern und Rehabilitationszentren zusammen, wobei auch die Kostenträger (Kranken- und pflegekasse, Sozialamt, u.a.) eine wichtige Rolle spielen. Fundierte Kenntnisse in den verschiedenen Büchern des Sozialgesetzbuches: SGB V, VI (Kranken-, Renten- und Unfallversicherung) und XI (Pflegeversicherung) sowie deren Anwendung sind unerlässlich.

Die Arbeit der SoAr/SoPä ist in zweifacher Hinsicht schwieriger geworden: Nicht nur die Arbeitsplätze der Sozialdienste werden nicht weiter aufgestockt; auch durch die immer wirtschaftlicher werdende Denkweise der Krankenhäuser und der damit kürzeren Verweildauer von Patienten im stationären Bereich, ist ein noch schnelleres und flexibleres Entscheiden, Beraten und Handeln durch Sozialarbeiter gefordert, damit der Patient nicht ohne die notwendigen Hilfen oder -maßnahmen, die ihm von Gesetzes wegen zustehen, entlassen wird.

Sozialdienst ist weder Kulanzleistung noch „spezieller Service“ des Krankenhauses, und auch sonst gibt es keinen Ermessensspielraum der einzelnen Einrichtung, ob und in welchem Maße er angeboten wird: Durch ein im Sozialgesetzbuch V niedergeschriebenes Gesetz sind die Krankenkassen zur Unterstützung sozialer Arbeit im Krankenhaus verpflichtet:

„(1) Die Landesverbände der Krankenkassen und die Verbände der Ersatzkassen gemeinsam schließen mit der Landeskrankenhausgesellschaft oder mit den Vereinigungen der Krankenhausträger im Land gemeinsam Verträge, um sicherzustellen, dass Art und Umfang der Krankenhausbehandlung den Anforderungen dieses Gesetzbuchs entsprechen.
(2) Die Verträge regeln insbesondere[...]

4. die soziale Betreuung und Beratung der Versicherten im Krankenhaus,

5. den nahtlosen Übergang von der Krankenhausbehandlung zur Rehabilitation oder Pflege[6]

Diese im Gesetz geforderte soziale Betreuung und Beratung erfolgt neben dem Gespräch mit Eltern bei Minderjährigen oft mit einer Bezugsperson, einem Berater oder von Gesetzes wegen zur Betreuung Beauftragten des Klienten bzw. Patienten; ist dieser durch psychosoziale, alters- oder morbiditätsbedingte Gründe zeitweilig oder auf Dauer nicht in der Lage sein eigenes Schicksal in verantwortungsvoll konsequenter und effektiver Weise in die Hand zu nehmen.

Der Sozialdienst der Krankenhäuser unterliegt nicht nur wirtschaftlich und strukturell bedingten Herausforderungen. Vielmehr sind es auch die demografischen Veränderungen, auf die sie neu eingehen müssen um zukünftigen Patienten und ihren notwendigen Ansprüchen gerecht werden zu können. „Zu den Hauptzielgruppen der Krankenhaussozialarbeit gehören traditionell die älteren Menschen. Durch die anhaltende Diskussion um die Verweildauerzeiten ist hier eine zusätzliche Dynamik entstanden. Nach wie vor werden Rehabilitationspotenziale bei älteren Menschen nicht erkannt oder nicht ausgeschöpft.“[7] Hier wird besonders die defizitäre Versorgung der diversen ambulanten Einrichtungen, wie z.B. Sozialstationen aber auch ambulante Rehabilitationseinrichtungen mit sozialdienstlichen Leistungen angesprochen, und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ältere Menschen, die einer ambulanten Pflegeeinrichtung angeschlossen sind nicht immer mit dem versorgt werden, was zur Verfügung steht, und worauf sie ein Recht hätten; hierzu zähle ich besonders Rehabilitations- oder Betreuungsmaßnahmen. – Um diese chronische und flächendeckende soziale Unterversorgung zu kompensieren, sollten in den Krankenhäusern Sozialarbeiter und –pädagogen gezielt diese Problematik mitberücksichtigen. Im neunten Kapitel wird im Bericht zur Pflegequalität noch näher auf diese Problematik eingegangen.

4. Geschichte des Sozialdienstes im Krankenhaus und der DVSG

Ursprünge sozialer Tätigkeit im Krankenhaus gehen auf das Jahr 1896 zurück, in dem „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“ „sozial Schwächeren“ in der Berliner Charité konkreten Beistand leisteten. Schon 1899 wird der „erste Jahreskurs zur beruflichen Ausbildung in der Wohlfahrtspflege in Berlin gegründet mit dem Ziel, neben ärztlichem Rat und Hilfe und pflegerischer Versorgung weitere „sachverständige Hilfe“ zukommen zu lassen. 1913 entsteht in Berlin die „Soziale Krankenhausfürsorge“. Dieses neu entstandene Komitee war verantwortlich für die Organisation und Koordination von Sozialarbeit in den Krankenhäusern mit folgender Zielsetzung:

„Sie gibt Rat und Hilfe allen Patienten des Krankenhauses in allen Notlagen und fördert ihre Heilung, denn sie erleichtert ihnen ihre Sorgen.

Sie beschleunigt ihre Entlassung, denn sie besorgt ihnen Unterkunft oder Krankenpflege im Hause. Dadurch werden Kosten gespart und das Krankenhaus wird entlastet.

Sie verhütet den Zusammenbruch des Familienlebens, denn sie betreut die Angehörigen daheim.

[...]


[1] Peter Reinicke (Hrsg.), Soziale Arbeit im Krankenhaus, Lambertus Verlag, 2001, Norbert Gödecker-Geenen, S. 38

[2] Fachlexikon der Sozialen Arbeit, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Eigenverlag, 2002, S. 852

[3] Fachlexikon der Sozialen Arbeit, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Eigenverlag, 2002, S. 185

[4] Fachlexikon der Sozialen Arbeit, Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Eigenverlag, 2002, S. 34

[5] Internetseite der Evangelischen Fachhochschule Berlin, http://www.evfh-berlin.de/evfh-ber­lin/html/sl/sg-sozial/sl-sg-sozial4.asp#1b, 2004

[6] § 112 Abs. 1 u. 2 Ziffer 4 u. 5, SGB V

[7] Peter Reinicke (Hrsg.), Soziale Arbeit im Krankenhaus, Lambertus Verlag, 2001, Peter Wißmann (u.a.), S. 117f

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Soziale Dienste im Krankenhaus unter dem Blickwinkel von Angehörigen und medizinischem Personal
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V35562
ISBN (eBook)
9783638354417
ISBN (Buch)
9783638759564
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Dienste, Krankenhaus, Blickwinkel, Angehörigen, Personal
Arbeit zitieren
Alexander Weber (Autor), 2005, Soziale Dienste im Krankenhaus unter dem Blickwinkel von Angehörigen und medizinischem Personal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35562

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