Die Darstellung der "narcotraficantes" im Genre der "narcocorridos". Das Lied "Leyenda M1" von El Komander


Hausarbeit, 2017

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mexikos Drogenkultur

3. Corridos
3.1 Das Genre der corridos
3.2 Narcocorridos
3.2.1 Typen der Narcotraficantes nach Edberg
3.2.2 weitere Symbolik in den Narcocorridos

4. Analyse
4.1 Einordnung
4.2 Textanalyse
4.3 Videoanalyse

5. Fazit

6. Bibliografie

1. Einleitung

Themen wie Drogen, Drogenschmuggel und Drogenkriegen werden in unserer Gesellschaft werden immer präsenter. Wirft man einen Blick in die von Netflix angebotenen Serien und Filme so finden sich auf der Beliebtheitsskala Medien wie Pablo Escobar: el patrón del mal, El más buscado oder natürlich die Klassiker Narcos und Breaking Bad ganz weit oben wieder. Obwohl wir doch wissen, dass das Drogengeschäft sehr gefährlich ist, lassen wir uns gerne von dieser Thematik unterhalten. Besonders die großen, einflussreichen Menschen in dieser Branche werden gerne zum Thema in den Medien gemacht, wie beispielsweise El Chapo. In Mexiko und im Südwesten der USA gibt es zudem noch viele Lieder, welche dieses gefährliche Geschäft thematisieren. Jedoch erfreuen sich diese Lieder großer Beliebtheit und werden oft in Clubs gespielt, für die Leute, die diese Musik hören, ist es also mehr Unterhaltung als purer Ernst.

Da die Inhalte dieser Lieder natürlich nicht aus der Luft gegriffen sind, soll in dieser Arbeit untersucht werden, wie die Personen, die in das Drogengeschäft verwickelt sind, in eben diesen dargestellt werden. Als Untersuchungsgegenstand dafür dient das Lied Leyenda M1 von dem bekannten Sänger El Komander.

Dafür wird zuerst die Drogenkultur in Mexiko genauer erläutert, wie kam es zu den Konflikten, welche heute besonders im Norden des Landes präsent sind, welche Kartelle gibt es und wie reagiert die Mehrheit der Mexikaner auf dieses schmutzige Geschäft. Anschließend wird die musikalische Gattung der corridos genauer untersucht, besonderes Augenmerk liegt hierbei natürlich auf den narcocorridos und den Symbolen, welche in ihnen vorkommen. Abschließend wir das Lied Leyenda M1 analysiert, wobei erstmal die Hintergrundinformationen für das Verstehen des Liedes gegeben werden und anschließend werden sowohl der Liedtext, als auch das Musikvideo genauer untersucht. Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit.

2. Mexikos Drogenkultur

Die Problematik des Drogenhandels in Mexiko entstand in den 1990ern durch die erfolgreiche Bekämpfung der Drogenkartelle in Kolumbien, in deren Zuge mehrere Kartellleiter in Gewahrsam genommen oder umgebracht wurden. Pablo Escobar Gaviria, der Anführer des Medellín Kartells wurde in 1993 von Polizisten erschossen, die Brüder Gilberto und Miguel Rodriguez Orejuela, Leiter und Gründer des Cali Kartells, wurden zwei Jahre später verhaftet. (Kellner 2010:29). Durch die Ausfälle ihrer Anführer waren die kolumbianischen Kartelle geschwächt, was die mexikanischen Gruppen als Chance sahen, um die Kontrolle über den Drogenhandel in Nordamerika zu erlangen. Nachdem der Anführer des mexikanischen Guadalajara Kartells, Miguel Félix Gallardo, 1989 bereits festgenommen worden war, begannen viele kleinere Kartelle zu entstehen, die mit den kolumbianischen Kartellen zusammen arbeiteten und die Drogen in Nordamerika in Umlauf brachten. So erhielten mexikanische Schmuggler zwischen 1.500 und 2.000 US-Dollar für jedes Kilogramm Kokain, das sie über die US-amerikanische Grenze beförderten. Nach einem neuen Abkommen in den frühen 1990ern erhielten die Schmuggler jedoch keinen festen Betrag mehr, sondern vielmehr einen Prozentsatz des geschmuggelten Kokains. Dadurch konnten nun auch die mexikanischen Organisationen in den Drogenhandel in den USA einsteigen, was die bisherige Monopolstellung der kolumbianischen Kartelle beendete und der Auslöser für zahlreiche Drogenkriege in Mexiko war.

Der US-amerikanische Markt ist für die Kartelle äußerst wichtig, da die Einnahmen dort besonders hoch sind. Im Jahr 2000 gaben US-Amerikaner schätzungsweise 62.900.000.000 US-Dollar für Drogen aus, etwas über die Hälfte davon für Kokain, welches zu 90 % über Mexiko in die USA gelangte. Je weiter die Einkünfte stiegen, desto mehr stieg auch die Kriminalität und die Gewalttätigkeit in Mexiko Mitte der 1990er. Die verschiedenen Organisationen begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen, da sie nach mehr Macht und größeren Gebieten strebten. Die folgenden Jahre waren von Einschüchterungen, kaltblütiger Gewalt und zahlreichen Hinrichtungen geprägt. Drogenkriege zwischen den Kartellen gehörten von nun an zur Tagesordnung und forderten bis 2010 bereits etwa 20.000 Todesopfer (Kellner 2010:30). Nach dem Präsidentschaftswechsel 2006 stationierte der neue Präsident Felipe Calderón über 6.000 Soldaten in der nordwestlichen Grenzregion Michoacán. Dies zeigte jedoch wenig Auswirkungen auf die Situation vor Ort, im Gegenteil, Polizisten und Soldaten wurden als Abschreckungsmanöver gefoltert, getötet und anschließend öffentlich zur Schau gestellt. Dies hatte eine starke Korruption der Gesetzeshüter zur Folge. 2010 wurden die Anzahl der Soldaten auf 45.000 erhört, das entspricht etwas einem Viertel der mexikanischen Armee. Trotz dieser Aufstockung ist kein Ende im Drogenkrieg erkennbar (Kellner 2010:31).

Im Laufe der Drogenkriege sind zwei Kartelle herausgestochen und aufgestiegen. Das Sinaloa-Kartell, das größte mexikanische Kartell, gemessen an der Menge der Drogen, die es schmuggelt. Es entstammt aus dem Bundesstaat Sinaloa an der Pazifikküste mit der Hauptstadt Culiacán und seine Mitglieder schmuggeln ihre Ware über Tijuana im Westen, Ciudad Juárez in der Mitte und Nuevo Laredo im östlichen Teil Mexikos über die Grenze in die USA.

Das Sinaloa-Territorium ist in mehrere kleinere Gebiete untergliedert, die alle von ihrem eigenen Oberhaupt, dem sogenannten capo[1] , geführt werden. Verantwortlich für alle Gebiete ist Joaquín Guzman, „El Chapo“, die rechte Hand von Félix Gallardo (Kellner 2010:31).

Das zweite Kartell ist das Golf-Kartell, welches in den 1970ern im Nordosten des Landes in der Provinz Tamaulipas am Golf von Mexiko gegründet wurde. In den 90ern weitete das Kartell sein Gebiet aus und ging von dem Drogenschmuggel zum Drogenhandel über, was zu einem Konflikt mit dem Sinaloa-Kartell führte. Zu dem Golf-Kartell gehörten die Los Zetas, eine Gruppe, bestehend aus etwa 1.200 Menschen, die meisten von ihnen Deserteure des mexikanischen Militärs. Die Gruppe war zunächst für den Personenschutz der Anführer der Golf-Kartells zuständig, heute spielen sie eine immer größere Rolle innerhalb der Organisation und haben Verbindungen zu diversen Gangs in den USA. 2003 kam es zwischen dem Sinaloa-Kartell und Los Zetas zum Streit um die Stadt Nuevo Ladero, der Heimat der Los Zetas. Im Zuge dieses Streites traten das Tijuana-Kartell und das Juárez-Kartell wieder in Erscheinung und brachen den Waffenstillstand, welcher mit dem Sinaloa-Kartell bestand. Seit dem steigt die Zahl der Opfer, die die Drogenkriege fordern, jedes Jahr stetig an (Kellner 2010:32). Waren es 2007 noch etwa 2.300 Morde, welche im Zusammenhang mit dem Drogenhandel standen, waren es 2009 bereits 6.500 Morde. Dabei wird nicht nur getötet, um Mitglieder anderer Kartelle zu beseitigen und Rache auszuüben, sondern auch Menschen, die sich dem Drogenhandel in den Weg stellen, fallen ihm zum Opfer. Ein mexikanischer Händler, welcher Lebensmittel in Lastwagen aus Mexiko Stadt nach Laredo in Texas lieferte, verweigerte seine Mitarbeit im Drogenschmuggel über die US-amerikanische Grenze.

Nach zahlreichen Drohanrufen von Drogendealern wurde er schließlich einige Tage später auf offener Straße in Aguascalientes von Mitgliedern der Los Zetas erschossen (Kellner 2010:34).

Viele Menschen aus der Unterschicht begannen jedoch auch freiwillig in diesem Milieu zu arbeiten, da sie es als gute Chance sahen, zu etwas Geld zu kommen, denn die Arbeitslosenquote ist in Mexiko besonders hoch. Dies betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Durch die Ausweitung dieser Kultur des Drogenhandels wurden andere Wirtschaftssektoren vernachlässigt, da immer mehr Arbeiter für den Schmuggel der Ware in die USA und für den Anbau von Koka und Marihuana gebraucht werden. Für letzteres werden auch immer mehr landwirtschaftliche Fläche benötigt und Bauern bevorzugen immer mehr den Anbau dieser Substanzen, da es für sie ertragreicher ist als der Anbau von normalen Lebensmitteln. Nach Schätzungen der DEA (Drug Enforcement Administration) gehen etwa 350.000 Menschen in Mexiko einer Arbeit nach, welche in direktem Zusammenhang mit dem Drogengeschäft steht (Massard 2005:2f.).

3. Corridos

3.1 Das Genre der corridos

Ein corrido, auch mexikanische Ballade genannt, ist ein Lied mit erzählendem Charakter, dessen Inhalt die Werte und die Geschichte einer bestimmten Gemeinschaft widerspiegelt. Es ist eine Kulturform, die Inhalte thematisiert, welche in anderen, vom Staat kontrollierten Kulturformen keine Beachtung finden. Da er von „echten“ Menschen verfasst wird, werden seine Inhalte als authentisch und als unverfälschte Darstellungen der Wirklichkeit angesehen, er präsentieren also la pura verdad (Ramírez-Pimienta 2004:129f.). Somit ist sein hauptsächliches Ziel auch, dass die Zuhörer ihm Glauben schenken (143) Der corrido selber möchte das Bild vermitteln, er sei die Stimme des Volkes (131).

3.2 Narcocorridos

Das bekannteste Subgenre der corridos sind die narcocorridos, in welchen es um die Drogenkultur in Mexiko geht. Sie sind im Gegensatz zu den herkömmlichen corridos nicht der Wiedergabe der Wahrheit gewidmet, sondern dienen vielmehr als Sprachrohr derjenigen, welche sonst nicht gehört werden (Ramírez-Pimienta 2004:129). Zudem dienen sie dazu, die Geschichten, Tragödien und den Wagemut der Drogenbosse zu loben, ihre Lebensphilosophie, ihren Lebensstil und ihren Kampf gegen die Gesetzeshüter darzustellen. Es werden also jene Menschen in den Mittelpunkt gestellt, welche die gesetzlichen Grenzen überschreiten müssen, um in der Gesellschaft überleben zu können. Grenzen, die von ungerechten und autoritären Regierungen aufgestellt wurden und weiterhin aufrecht erhalten werden. Die Drogenbosse sind ihrer Auffassung nach also keine Verbrecher, sondern einfach nur die Benachteiligten in dieser Gesellschaft, welche ein Mittel finden mussten, um ihr Überleben zu sichern. Dadurch haben Menschen, welche in diesem Sektor arbeiten, den Stellenwert eingenommen, den einst die Banditen hatten. Sie sind zu Helden ihrer Nation aufgestiegen (Ramírez-Pimienta 2004:135).

Besonderen Anklang finden die narcocorridos aufgrund ihrer zweigeteilten Weltsicht: es gibt nur das Gute und das Böse, nichts dazwischen, diejenigen, die viel besitzen und solche, die gar nichts besitzen andere sind Freunde oder Feinde. Die Beliebtheit der narcocorridos wird auch dadurch nicht eingedämmt, dass sie kaum von Radiosendern gespielt werden und oft, aufgrund ihrer drogenverherrlichenden Inhalte, von der Kirche und dem Staat zensiert werden. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen den normalen corridos und den narcocorridos: den Standpunkt des Interpreten. Während es bei den normalen corridos um die Darstellung der Wahrheit geht, werden viele narcocorridos mittlerweile auf Bestellung angefertigt, corridos por encargo. Es sind meinst Menschen aus dem Drogenbusiness, welche ein bestimmtes Bild von sich oder von jemand anderem vermitteln wollen. Menschen aus diesem Milieu werden oft als sehr maskulin, einflussreich und mutig dargestellt, möchten jedoch auch Eigenschaften wie respektvoll, vertrauenswürdig, gerecht und fleißig zugeschrieben bekommen. Da diese Darstellung dann natürlich nicht mehr der Wahrheit entspricht, kann man also sagen, dass der narcocorrido korrupt ist. Investieren die Auftraggeber genügend Geld in das Lied, so rückt der Wert der Wahrheit immer weiter in den Hintergrund. Im Gegenzug wird das Geschäft mit Drogen glorifiziert, sein guter Einfluss auf die Wirtschaft wird besonders gerne betont. Durch den Drogenhandel gebe es viele Jobs und Kartellleiter würden besonders viel für die Bildung tun, beispielsweise durch den Bau von Schulen. Das sind nur einige Argumente die gerne benutzt werden. Oft werden auch die Taten von Kartellleitern und dem Staat gegenüber gestellt, bei diesem Vergleich schneidet der Staat eher schlecht ab und die Menschen sollen erkennen, dass die Kartellleiter die Aufgaben übernommen haben, welchen die Politiker nicht nachkommen (Ramírez-Pimienta 2004:133ff.). Besonders im Norden Mexikos an der Grenze zu den USA sind die narcocorridos stark verbreitet und angesehen, da die Menschen in dieser Region tagtäglich mit Gewalttaten in Folge des Drogenkrieges konfrontiert werden (Massard 2005:1). Der Tod spielt auch eine wichtige und allgegenwärtige Rolle im Leben der Menschen in Mexiko und natürlich auch im Drogengeschäft. Daher wird die Person eines Drogenhändlers erst als „vollkommen“ angesehen, wenn er oder sie entweder unter einer großen Tragödie leiden musste oder selber gestorben ist. Damit kann das Leben eines Drogenhändlers zum Thema eines narcocorridos werden und seine Person lebt in diesen Erzählungen weiterhin fort.

Octavio Paz fasst es treffend zusammen, er sagt, dass der Tod das Leben erhellt und dass Geschichten über den Tod einer Person auch erzählen, wer sie war (Edberg 269).

Doch es gibt nicht nur inhaltliche Veränderungen gegenüber dem herkömmlichen corrido, auch musikalisch wurden einige kleine Veränderungen vorgenommen. Während die Verse im narcocorrido größtenteils weiterhin aus acht Silben bestehen, werden nunmehr sechszeilige Strophen anstatt vierzeiliger verwendet. Dadurch haben die Interpreten die Möglichkeit, ihre Erzählungen mit mehr Details zu versehen. Die Reime variieren von corrido zu corrido stark, jedoch tendiert man im narcocorrido dazu, dass sich die geraden Verse reimen, wohingegen in den corridos Reime sowohl in den geraden, als auch in den ungeraden Strophen vorkommen konnten. Als Hauptinstrument wird das Akkordeon aus dem Norden Mexikos verwendet. (Massard 2005:2ff.).

Die narcocorridos sind besonders in ländlichen Umgebungen im Norden Mexikos und bei der Mittelschicht beliebt. Jedoch reicht ihr Bekanntheitsgrad noch viel weiter, genauer gesagt über die US-amerikanische Grenze, bis hin nach Los Angeles. Dort wird ein Großteil der Lieder aufgenommen und findet auch Anklang bei den dortigen Radiosendern und Clubs, da es dort auch eine riesige Latino Gemeinschaft gibt (Edberg 2004:259f.).

3.2.1 Typen der Narcotraficantes nach Edberg

Mark Edberg unterteilt in The Narcotrafficker in Representation and Practice: A Cultural Persona from the U.S.-Mexican Border die Darstellung der Personen aus dem Drogengeschäft in drei unterschiedliche Formen.

Der chero ( von ranchero) kommt aus dem ländlichen Raum und kleidet sich auch dementsprechend. Er hat breite Gürtel mit Metallschnallen, Stiefel, welche nach Möglichkeit aus Alligator oder Echse gemacht wurden, einen Hut, welcher an den der Cowboys erinnert. Oft findet sich auch an der Kleidung des rancheros angenähter Schnickschnack, nicht selten der Spitzname dieser Person (Edberg 2004:261).

Die zweite Art von Person, die er nennt, sind diejenigen, welche viel Geld und Macht besitzen und die Macht auch anderen gegenüber ausüben. Von ihren Mitmenschen werden diese Personen zwar respektiert, allerdings nur aus Angst. Diese Personen sind in den narcocorridos das Pendant zu den Helden der herkömmlichen corridos, ihr Image entspricht jedoch eher dem eines Gangstas, mit teuren Autos und vielen Waffen.

Zuletzt benennt Edberg noch die machos, die mutigen Anführer, die nicht davor zurückscheuen Gewalt einzusetzen, außerdem sind sie meist von vielen Frauen umringt und haben keine Angst vor dem Tod (Edberg 2004:265ff.).

3.2.2 weitere Symbolik in den Narcocorridos

Hauptsächlich werden in den narcocorridos natürlich die Drogenbosse thematisiert, jedoch werden des öfteren auch andere Personen, wie die Polizei dargestellt, welche jedoch in den Lieder die Position der Antagonisten zugeschrieben bekommen (Massard 2005:5).

Oft erwähnt wird auch das cuerno de chivo, das Ziegenhorn, welches für die Kalaschnikow – 47, die AK – 47, steht. Die Bezeichnung Ziegenhorn wird in vielen narcocorridos verwendet und ist den meisten Menschen auch als Synonym für diese Waffe bekannt (Edberg 2004:267).

4. Analyse

4.1 Einordnung

Das Lied Leyenda M1 wird von dem mexikanischen Sänger El Komander performt. Alfredo Rios, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist in Culiacán, der Hauptstadt Sinaloas, geboren und studierte Gitarre, Gesang und Komposition, wobei er sich auf die traditionellen mexikanischen Lieder fokussierte. Nachdem er als Künstler entdeckt wurde, begann er ab 2006 eigene Lieder zu veröffentlichen.[2] Diese Lieder handeln hauptsächlich von Kartellverbrechen, sowie bekannten Persönlichkeiten aus dem Sinaloa Kartell, wie dem Drogenbaron Joaquín Guzmán. Er wurde bereits von zwei mexikanischen Bundesstaaten zu einer Geldstrafe von 100.000 mexikanischen Pesos verklagt, da seine Lieder Gewalt verherrlichen und den Drogenkrieg weiter voran treiben, statt ihn zu beenden. Zudem darf er im Staat Morelos keine Konzerte mehr geben. Er selber behauptet jedoch, dass er nur Partylieder singen würde und niemanden damit unterstützen würde. Seine Musik sei nur Unterhaltung, welche die Themen der mexikanischen Gesellschaft widerspiegele.[3] Neben seinen Soloauftritten ist er auch Mitglied und Anführer der Gruppe Movimiento Alterado, einer Musikgruppe bestehend aus insgesamt 12 Künstlern. Die Gruppe singt ausschließlich, wie auch El Komander, über das Sinaloa Kartell. Bereits im Jahr 2011 veröffentlichte Movimiento Alterado ein Lied über Manuel Torres Félix, Sanguineros del M1. Vor der Veröffentlichung dieses Liedes schickten sie es zunächst an das Sinaloa Kartell, um das Lied von ihnen überprüfen zu lassen und um die Erlaubnis zu erhalten, es zu publizieren. Dies taten sie, da sie Angst hatten, es könnte den Mitgliedern des Kartells missfallen, was den Interpreten großen Ärger eingebracht hätte.[4]

Auch das Lied Leyenda M1 handelt von Manuel Torres Félix, auch bekannt als M1 oder El Ondeado, der Verrückte. Er war einer der Drogenbosse im Sinaloa Kartell und die recht Hand von Ismael Zambada, El Mayo und Freund von Joaquín Guzmán, El Chapo. Mit El Mayo arbeitete er seit der Festnahme seines Bruders JT 2004 zusammen, dieser war vor ihm die rechte Hand des Drogenbarons gewesen. El M1 war für die Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca im Süden Mexikos zuständig, in denen die Drogen aus Südamerika ankamen. Er starb bei deinem Schusswechsel mit dem mexikanischen Militär in Sinaloa am 13.10.2012, den er selber provoziert hatte. Er hat sich bestens darauf verstanden, das Private vom Geschäftlichen zu trennen, so dass es im Internet in Relation zu seinem Bekanntheitsgrad auch nur wenige Informationen über ihn zu finden gibt. Dieses geheimnisvolle, das seine Person umgab, machte ihn nach seinem Tod schließlich zur Legende.[5]

[...]


[1] Capo ist im Italienischen die Bezeichnung für einen Chef in der Mafia. Diese Bezeichnung haben die Narcos so übernommen.

[2] Vgl. http://www.allmusic.com/artist/alfredo-rios-el-komander-mn0002527410/biography (Zugriff am 05.02.2017)

[3] Vgl. http://www.hipwiki.com/El+Komander (Zugriff 04.02.2917)

[4] Vgl. https://musica.terra.com.mx/que-es-el-movimiento-alterado-cultura-musical-del-narco,609d0b619e445410VgnVCM4000009bcceb0aRCRD.html (Zugriff 05.02.2017)

[5] Vgl. http://noticiales.com/quien-es-manuel-torres-felix-analisis/ (Zugriff 05.02.2017)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung der "narcotraficantes" im Genre der "narcocorridos". Das Lied "Leyenda M1" von El Komander
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
18
Katalognummer
V355740
ISBN (eBook)
9783668421868
ISBN (Buch)
9783668421875
Dateigröße
970 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, genre, lied, leyenda, komander, leyenda M1, El Komander, narcocorridos, Mexiko, Drogenkultur
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Darstellung der "narcotraficantes" im Genre der "narcocorridos". Das Lied "Leyenda M1" von El Komander, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355740

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