Themen wie Drogen, Drogenschmuggel und Drogenkriege werden in unserer Gesellschaft immer präsenter. Wirft man einen Blick in die von Netflix angebotenen Serien und Filme, so finden sich auf der Beliebtheitsskala Medien wie "Pablo Escobar: el patrón del mal", "El más buscado" oder natürlich die Klassiker "Narcos" und "Breaking Bad" ganz weit oben wieder. Obwohl wir doch wissen, dass das Drogengeschäft sehr gefährlich ist, lassen wir uns gerne von dieser Thematik unterhalten.
Besonders die großen, einflussreichen Menschen in dieser Branche werden gerne zum Thema in den Medien gemacht, wie beispielsweise El Chapo. In Mexiko und im Südwesten der USA gibt es zudem noch viele Lieder, welche dieses gefährliche Geschäft thematisieren. Jedoch erfreuen sich diese Lieder großer Beliebtheit und werden oft in Clubs gespielt, für die Leute, die diese Musik hören, ist es also mehr Unterhaltung als purer Ernst.
Da die Inhalte dieser Lieder natürlich nicht aus der Luft gegriffen sind, soll in dieser Arbeit untersucht werden, wie die Personen, die in das Drogengeschäft verwickelt sind, in eben diesen dargestellt werden. Als Untersuchungsgegenstand dafür dient das Lied Leyenda M1 von dem bekannten Sänger El Komander.
Dafür wird zuerst die Drogenkultur in Mexiko genauer erläutert, wie kam es zu den Konflikten, welche heute besonders im Norden des Landes präsent sind, welche Kartelle gibt es und wie reagiert die Mehrheit der Mexikaner auf dieses schmutzige Geschäft. Anschließend wird die musikalische Gattung der corridos genauer untersucht, besonderes Augenmerk liegt hierbei natürlich auf den narcocorridos und den Symbolen, welche in ihnen vorkommen. Abschließend wir das Lied Leyenda M1 analysiert, wobei erstmal die Hintergrundinformationen für das Verstehen des Liedes gegeben werden und anschließend werden sowohl der Liedtext, als auch das Musikvideo genauer untersucht. Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mexikos Drogenkultur
3. Corridos
3.1 Das Genre der corridos
3.2 Narcocorridos
3.2.1 Typen der Narcotraficantes nach Edberg
3.2.2 weitere Symbolik in den Narcocorridos
4. Analyse
4.1 Einordnung
4.2 Textanalyse
4.3 Videoanalyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung von Personen aus dem Drogenmilieu im Genre der Narcocorridos am Beispiel des Liedes Leyenda M1 von El Komander. Dabei wird analysiert, wie diese Protagonisten stilisiert werden und welche gesellschaftlichen Funktionen diese Erzählungen im Kontext der mexikanischen Drogenkultur erfüllen.
- Entwicklung und Dynamik der Drogenkultur in Mexiko
- Das Genre der Corridos und die Subkultur der Narcocorridos
- Typologie der Narcotraficantes nach Mark Edberg
- Analyse von Liedtext und Musikvideo hinsichtlich Symbolik und Heldeninszenierung
Auszug aus dem Buch
3.2 Narcocorridos
Das bekannteste Subgenre der corridos sind die narcocorridos, in welchen es um die Drogenkultur in Mexiko geht. Sie sind im Gegensatz zu den herkömmlichen corridos nicht der Wiedergabe der Wahrheit gewidmet, sondern dienen vielmehr als Sprachrohr derjenigen, welche sonst nicht gehört werden (Ramírez-Pimienta 2004:129). Zudem dienen sie dazu, die Geschichten, Tragödien und den Wagemut der Drogenbosse zu loben, ihre Lebensphilosophie, ihren Lebensstil und ihren Kampf gegen die Gesetzeshüter darzustellen. Es werden also jene Menschen in den Mittelpunkt gestellt, welche die gesetzlichen Grenzen überschreiten müssen, um in der Gesellschaft überleben zu können. Grenzen, die von ungerechten und autoritären Regierungen aufgestellt wurden und weiterhin aufrecht erhalten werden. Die Drogenbosse sind ihrer Auffassung nach also keine Verbrecher, sondern einfach nur die Benachteiligten in dieser Gesellschaft, welche ein Mittel finden mussten, um ihr Überleben zu sichern. Dadurch haben Menschen, welche in diesem Sektor arbeiten, den Stellenwert eingenommen, den einst die Banditen hatten. Sie sind zu Helden ihrer Nation aufgestiegen (Ramírez-Pimienta 2004:135).
Besonderen Anklang finden die narcocorridos aufgrund ihrer zweigeteilten Weltsicht: es gibt nur das Gute und das Böse, nichts dazwischen, diejenigen, die viel besitzen und solche, die gar nichts besitzen andere sind Freunde oder Feinde. Die Beliebtheit der narcocorridos wird auch dadurch nicht eingedämmt, dass sie kaum von Radiosendern gespielt werden und oft, aufgrund ihrer drogenverherrlichenden Inhalte, von der Kirche und dem Staat zensiert werden. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen den normalen corridos und den narcocorridos: den Standpunkt des Interpreten. Während es bei den normalen corridos um die Darstellung der Wahrheit geht, werden viele narcocorridos mittlerweile auf Bestellung angefertigt, corridos por encargo.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Themas Drogenkultur ein und definiert das Lied Leyenda M1 als primären Untersuchungsgegenstand.
2. Mexikos Drogenkultur: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Drogenhandels in Mexiko und die daraus resultierenden Kartellkonflikte.
3. Corridos: Hier werden das Genre der traditionellen mexikanischen Balladen sowie die spezifischen Merkmale, die Symbolik und die Funktion der Narcocorridos erläutert.
4. Analyse: Dieser Teil ordnet den Sänger El Komander ein und bietet eine detaillierte textliche sowie visuelle Analyse des Liedes Leyenda M1.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie und warum Drogenbosse in Narcocorridos als Heldenfiguren stilisiert werden, die als Idole für benachteiligte Bevölkerungsschichten dienen.
Schlüsselwörter
Narcocorridos, Drogenkultur, Mexiko, El Komander, Leyenda M1, Sinaloa-Kartell, Drogenhandel, Musikvideoanalyse, Heldenmythos, corridos por encargo, Drogenkriege, Kartellverbrechen, Manuel Torres Félix, Kulturwissenschaft, Identitätsstiftung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Drogenhändler (Narcotraficantes) im Genre der Narcocorridos dargestellt werden und welche Rolle diese Musik für das Image der Drogenkartelle spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die mexikanische Drogenkultur, die Genregeschichte des Corrido, die soziokulturelle Bedeutung von Narcocorridos und die mediale Stilisierung von Kartellmitgliedern.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Personen aus dem Drogenmilieu in diesen Liedern dargestellt werden und inwieweit diese Darstellung eine bewusste Inszenierung ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert kulturwissenschaftliche Theoriearbeit mit einer konkreten Text- und Videoanalyse des Liedes Leyenda M1.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Kartelle, Definition Narcocorridos, Edbergs Typologie) und die praktische Analyse von Text und Video.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Narcocorridos, Drogenkultur, Heldentum, El Komander, Kartell-Inszenierung und Drogenkrieg.
Was bedeutet der Begriff "corridos por encargo"?
Dies bezieht sich auf Narcocorridos, die im Auftrag von Mitgliedern des Drogenmilieus angefertigt wurden, um deren öffentliches Image gezielt zu beeinflussen.
Wer ist der Protagonist in "Leyenda M1"?
Das Lied ist eine Hommage an Manuel Torres Félix, ein ranghohes Mitglied des Sinaloa-Kartells, der nach seinem Tod zur Legendenfigur stilisiert wurde.
Welche Typologie nach Edberg wird in der Analyse angewandt?
Die Arbeit nutzt die Unterteilung in den "chero", den machtvollen "Gangsta-Typ" und den "macho", um die Darstellungsweise im Musikvideo zu untersuchen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2017, Die Darstellung der "narcotraficantes" im Genre der "narcocorridos". Das Lied "Leyenda M1" von El Komander, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355740