Hitzige Debatten um die Aspekte der Neuen Medienkunst sind kennzeichnend für die Änderungen, die sich in Gesellschaft und Kunstwelt durch die schleichende technische Revolution ergeben. Trotz der Unsicherheit des begrifflichen Terrains ist es lohnend, Betrachtungen über die Aspekte der Neuen Medienkunst anzustellen, da genau an den Brüchen der Begrifflichkeiten die zukunftsweisenden Aspekte zeitgenössischer Kunst ans Licht kommen.
In dieser Arbeit sollen zunächst die Begriffe der Werktechnik sowie der Neuen Medienkunst behandelt werden, um dann einige Aspekte der Werktechnik in der Neuen Medienkunst anhand von ästhetischen Prinzipien, die sich aus den spezifischen Eigenschaften des digitalen Werkstoffs, sowie aus den spezifischen zeitgenössischen Nutzungsmöglichkeiten des Mediums, ergeben, vorzustellen. Zu jedem der Prinzipien wird ein beispielhaftes Werk aus der Neuen Medienkunst vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Werktechnik in der Kunst
3. Zum Begriff der Neuen Medienkunst
4. Der digitale Werkstoff
5. Aspekte der Werktechnik in der Neuen Medien
5.1. Variabilität
5.2. Interaktivität
5.3. Virtualität
6. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Werktechnik innerhalb der Neuen Medienkunst im digitalen Zeitalter. Ziel ist es, die spezifischen ästhetischen Prinzipien und technologischen Bedingungen des digitalen Werkstoffs zu analysieren und zu klären, wie sich diese auf das künstlerische Schaffen und das Verhältnis zwischen Künstler, Werk und Betrachter auswirken.
- Historische Herleitung des Begriffs der Werktechnik und dessen Wandel durch die Industrialisierung.
- Definition der Neuen Medienkunst als digitale Kunstform mit spezifischen technologischen Voraussetzungen.
- Analyse des digitalen Werkstoffs und seiner grundlegenden Eigenschaften wie Variabilität, Interaktivität und Virtualität.
- Diskussion des veränderten Rollenbilds des Rezipienten als aktiver Benutzer (User) im Kontext interaktiver Kunst.
- Untersuchung der Bedeutung von Rundum-Illusionen und immersiven Räumen als fortbestehende Tradition in der Kunstgeschichte.
Auszug aus dem Buch
Variabilität
Variabilität ist ein Charakteristikum der Neuen Medien, das sich aus ihrem modularen Aufbau ergibt. Die Elemente, aus denen sich das digitale Medienobjekt zusammen-setzt, behalten ihre separaten Identitäten und können in zahllosen Variationen arrangiert werden.
Da wir bei digitaler Information kein physikalisch-kontinuierliches Signal mehr verfolgen, sondern diskrete numerische Elemente, die sich eines bestimmten Nummernvorrats bedienen, ist eine verlustfreie Vervielfältigung möglich. Diese neue Qualität des Signals begünstigt die Weiterverarbeitung von bestehendem Material und die Erstellung von Variationen. Diese Möglichkeit der verlustfreien Vervielfältigung des digitalen Signals begründet einen neuen Umgang mit dem künstlerischen Werk. Ein digitales Medienobjekt ist kein statisches, sondern kann in verschiedenen potentiellen Versionen und Variationen existieren und bleibt dabei immer veränderbar. Es lässt sich formal durch eine algorithmische Funktion beschreiben und ist damit auch Gegenstand algorithmischer Manipulation.
Das wahrnehmbare Werk ist damit immer nur ein möglicher Zustand und kann auch von anderen Künstlern wieder neu bearbeitet werden. Das digitale Material ist damit im Kern interaktiv.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die paradoxe Frage nach der Werktechnik bei immateriellen digitalen Werkstoffen und skizziert die Problematik einer Definition der Neuen Medienkunst.
2. Zum Begriff der Werktechnik in der Kunst: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der handwerklichen Kunstfertigkeit hin zur durch industrielle Produktionsverfahren geprägten modernen Kunst nach.
3. Zum Begriff der Neuen Medienkunst: Es werden verschiedene Gattungsbezeichnungen innerhalb der digitalen Künste diskutiert und eine Eingrenzung des Begriffs der Neuen Medienkunst vorgenommen.
4. Der digitale Werkstoff: Die technischen Grundlagen des digitalen Signals im Vergleich zum analogen Signal werden erläutert, insbesondere im Hinblick auf Quantisierung und Diskretion.
5. Aspekte der Werktechnik in der Neuen Medien: Dieser Hauptteil analysiert anhand der Kategorien Variabilität, Interaktivität und Virtualität die spezifischen Arbeitsweisen der Neuen Medienkunst.
6. Schluss: Das Fazit fasst die Korrelationen zwischen Kunstgeschichte, Technikgeschichte und gesellschaftlichem Wandel zusammen und betont die Rolle des Künstlers als Analytiker technologischer Auswirkungen.
Schlüsselwörter
Neue Medienkunst, Werktechnik, digitale Kunst, digitaler Werkstoff, Variabilität, Interaktivität, Virtualität, künstlerische Produktion, Medienästhetik, Immersivität, Medienkultur, Algorithmen, Rezipient, User, Technikgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Aspekten der Werktechnik in der Neuen Medienkunst und untersucht, wie der digitale Werkstoff das künstlerische Schaffen und die Wahrnehmung von Kunst beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die technologischen Grundlagen digitaler Medien, deren Auswirkungen auf die Ästhetik, die Rolle des Rezipienten als aktiver Benutzer sowie die Einbettung dieser Kunstform in die Kunst- und Technikgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der Begriff der Werktechnik im digitalen Zeitalter durch die Arbeit mit immateriellen, numerischen Repräsentationen verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunstgeschichtliche und medientheoretische Analyse, die durch Fallbeispiele bekannter Medienkunstwerke illustriert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei wesentlichen Aspekte: Variabilität, Interaktivität und Virtualität, welche die spezifischen Eigenschaften des digitalen Materials definieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Neue Medienkunst, Werktechnik, Variabilität, Interaktivität, Virtualität und digitale Ästhetik.
Wie unterscheidet sich die interaktive Medienkunst von der Partizipation der Fluxus-Bewegung?
Während bei der Fluxus-Bewegung die Partizipation oft kontemplativ oder intellektuell war, basiert die interaktive Medienkunst auf der Verwendung technischer Hilfsmittel und einer physischen Handlung zwischen Mensch und Computer.
Warum spielt die Illusion in der Neuen Medienkunst eine Rolle?
Die Illusion dient als paradigmatisches Element vieler Medien, um Distanz zum Bildraum zu lösen und den Betrachter tiefer in das künstlerische Geschehen einzubinden, wobei dies oft in eine lange Tradition immersiver Räume eingebettet ist.
- Arbeit zitieren
- Katrin Petroschkat (Autor:in), 2012, Der digitale Werkstoff. Variabilität, Interaktivität und Virtualität in der Neuen Medienkunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355799