Die Arbeit stellt Elemente, Ausformungen und Lesefunktionen des Phantastischen in der Literatur dar und konzentriert sich v.a. auf die "zwei Welten" als Motiv der KJL.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Phantastik
2.1 Gattungsmerkmale
2.2 Popularität der Phantastik
3 Wege in die „Anderswelt“
4 Die Funktion der Sekundärwelt
4.1 Der Protagonist in der realistischen Ebene
4.2 Der Protagonist in der imaginären Ebene
4.3 Gesellschafts- und Sozialkritik
5 Zusammenfassung
6 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Motiv der „Zwei Welten“ mit besonderem Fokus auf die phantastische Kinder- und Jugendliteratur. Dabei wird analysiert, wie Sekundärwelten konstruiert werden, welche narrativen Funktionen sie für die Identitätsfindung der Protagonisten erfüllen und inwiefern sie als Medium für gesellschafts- und sozialkritische Reflexionen dienen.
- Strukturanalyse des „Zwei-Welten-Motivs“ in verschiedenen Werken.
- Untersuchung der Schwellenübergänge zwischen Realität und Phantastik.
- Bedeutung der imaginären Ebene für die psychologische Entwicklung der Protagonisten.
- Kritische Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und medialen Wirklichkeit durch das Phantastische.
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Protagonist in der imaginären Ebene
In der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur kann die jeweilige Sekundärwelt „zu einer Veränderung der auf der realistischen Ebene geschilderten trostlosen Lage des Protagonisten“ beitragen. Hierzu ist es jedoch von Nöten, dass er diese Welt nicht aus einer gewissen Distanz bloß betrachtet, sondern in ihr agiert und sich mit deren Gesetzen auseinander setzt.
Betritt der Protagonist die andere Welt, ist er dort zunächst fremd und muss sich in ihr erst zurechtzufinden versuchen. Manche Autoren erleichtern diesen Schritt dadurch, dass sie den Protagonisten in der weiteren Welt selbst verändern. Der kranke Junge Karl Löwe aus Astrid Lindgrens Die Brüder Löwenherz erfreut sich als Karl Löwenherz in Nangijala bester körperlicher Gesundheit, das ungeliebte Pflegekind Bo aus Mio, mein Mio verwandelt sich im Land der Ferne in den starken Königssohn Mio und der dickliche Bastian findet sich in der Unendlichen Geschichte als kräftiger Held in Phantásien wieder. Solch eine Verwandlung „birgt in sich allerdings das Problem der Rückkehr in die Realität“.
Da die Brüder Löwenherz aufgrund ihres Todes nicht in die primäre Ebene zurückkehren können und Mio sich dazu entschließt, bei seinem Vater im Land der Ferne zu bleiben, tritt dieses Problem hier nicht ein. Anders ist es jedoch bei Bastian. Er erhält die Gabe, Phantásien durch seine Wünsche neu zu erschaffen. Allerdings verliert er mit jedem Wunsch eine seiner Erinnerungen an die primäre Welt. Mehr und mehr verliert er sich in Phantásien und steht kurz davor, von selbst gar nicht mehr an die Rückkehr zu denken.
Wird eine Rückkehr des Protagonisten angestrebt, verändert sich dieser äußerlich meist kaum. Der Fokus liegt vielmehr auf den Veränderungen, die im Innern der Personen stattfinden. Da, wie im vorherigen Unterkapitel beschrieben, das Hauptproblem vieler Protagonisten deren eigene Identitätskrise ist, bieten die meisten Sekundärwelten einen Weg der Selbstfindung oder Selbsterkenntnis an.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Zwei-Welten-Motiv und Darlegung der Zielsetzung, den Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendliteratur zu legen.
2 Phantastik: Erläuterung gattungsspezifischer Merkmale sowie Analyse der Gründe für die Popularität phantastischer Literatur.
3 Wege in die „Anderswelt“: Untersuchung der verschiedenen narrativen Schwellenübergänge und symbolischen Umsteigepunkte, durch die Protagonisten in die Sekundärwelt gelangen.
4 Die Funktion der Sekundärwelt: Vertiefende Analyse der Rolle des Protagonisten in beiden Welten sowie deren Funktion als Instrument der Gesellschafts- und Sozialkritik.
5 Zusammenfassung: Resümee über die Tendenzen und Funktionen des Motivs im untersuchten Literaturkontext.
6 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Zwei-Welten-Motiv, Phantastik, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Identitätsfindung, Sekundärwelt, Wirklichkeitsmärchen, Virtual Reality Novel, Sozialkritik, Selbstfindung, Selbsterkenntnis, literarische Analyse, Phantásien, Medienpraktiken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv der zwei Welten, bei dem eine reale Alltagswelt und eine phantastische Sekundärwelt innerhalb eines Werkes interagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Gattungsmerkmale der Phantastik, Wege der Schwellenüberschreitung, psychologische Identitätskrisen von Protagonisten und soziale Kritik durch phantastische Spiegelungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Ursprung, die Realisierung und die Funktion von Sekundärwelten in der Kinder- und Jugendliteratur zu ergründen und darzulegen, wie diese Welten den Protagonisten bei der Bewältigung ihrer Identitätsprobleme unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Untersuchung primärer Romane und deren Einordnung in gattungstheoretische Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Konstruktion von Sekundärwelten, den Status des Protagonisten in der realistischen sowie imaginären Ebene und die Funktion dieser Welten als Medium für Sozialkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Zwei-Welten-Motiv, Phantastik, Identitätsfindung, Sozialkritik und Selbsterkenntnis definiert.
Wie spielt die „Identitätskrise“ eine Rolle für die Protagonisten?
Die Identitätskrise dient als motorischer Ausgangspunkt; die Flucht oder Reise in die Sekundärwelt fungiert als notwendiger Prozess zur Bewältigung innerer Konflikte und zur Reifung des Ichs.
Welche Rolle spielen moderne Medien wie der Computer in aktuellen Werken?
In sogenannten „Virtual Reality Novels“ fungiert der Computer als reale Schwelle zur Anderswelt, wobei das Werk gleichzeitig die Gefahren medialer Entfremdung und den Missbrauch von Technologie kritisch beleuchtet.
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- Jochen Haug (Author), 2004, Das Motiv der zwei Welten - unter besonderer Berücksichtigung der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35595