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"Leonce und Lena" von Georg Büchner. Komiktheorien nach Henri Bergson in der Anwendung

Titel: "Leonce und Lena" von Georg Büchner. Komiktheorien nach Henri Bergson in der Anwendung

Hausarbeit , 2013 , 23 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Hausarbeit soll das Lustspiel „Leonce und Lena“ von Georg Büchner basierend auf Henri Bergsons komiktheoretischem Essay „Le Rire“ analysiert werden. Hierzu soll im ersten Teil der Arbeit Bergsons Komik der Mechanik erläutert werden. Im Anschluss sollen ausgewählte Figuren aus dem Lustspiel „Leonce und Lena“ nach Bergsons Theorie der Charakterkomik durchleuchtet werden. Dabei schließt die Analyse insofern auch die Komik der Formen und Bewegungen und die Situations- und Wortkomik mit ein, als das Verfahren der Komödie nur eine rein äußerliche Betrachtung seiner Charaktere zulässt und diese Komiken in ihrer Summe erst den komischen Charakter bilden. Hierbei soll jedoch keine kritische Auseinandersetzung mit Bergson stattfinden, sondern seine Lachtheorie lediglich praktisch angewendet werden.

In Leonce und Lena versucht Georg Büchner, eine Affenkomödie darzustellen. Lange polarisierte das Lustspiel die Büchner-Forschung und spaltete die Rezeption in eine idealistische (Melancholie, Langeweile) und materialistische (sozial-politische Satire) Kammer auf. Hinzu kam schließlich in jüngeren Jahren eine intensive "Intertextualitätsforschung". Eine komiktheoretische Untersuchung wurde lange nicht in Erwägung gezogen. Dabei eröffnet solch eine Betrachtung neue Perspektiven und kann zwischen den drei Richtungen vermitteln, wie es beispielsweise Matthias Morgenroth in seiner Monographie "Formen und Funktionen des Komischen in Büchners ‚Leonce und Lena‘" gelingt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bergsons Komik der Mechanik

2.1 Situations- und Wortkomik

2.2 Charakterkomik

3. Charakterkomik im Automatenstaat Popo

3.1 König Peter, der "sieht, was nicht mehr ist, […] sagt, was nicht mehr paßt"

3.2 Das Volk

3.2.1 Die Bauern – Verwandlung in ein Ding

3.2.2 Die Subalternen – Etwas Mechanisches überdeckt etwas Lebendiges

3.3 Leonce, der Träumer

3.4 Valerio, der Lebendige

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

5.1 Primärliteratur

5.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" auf Basis von Henri Bergsons komiktheoretischem Essay "Le Rire". Ziel ist es, das Werk durch die Anwendung von Bergsons Kategorien der Komik – insbesondere der Komik der Mechanik und der Charakterkomik – neu zu erschließen und die mechanisch erstarrten Figuren im Staat Popo sowie deren Entlarvung durch das Lachen zu analysieren.

  • Analyse der Theorie Henri Bergsons zur Komik der Mechanik.
  • Untersuchung von Berufskomik und Charakterkomik anhand ausgewählter Figuren.
  • Anwendung komiktheoretischer Ansätze auf König Peter, die Bauern und die Hofgesellschaft.
  • Betrachtung von Leonce als Verkörperung der "komischen Absurdität".
  • Analyse der Valerio-Figur als Träger des lebensbejahenden "élan vital".

Auszug aus dem Buch

3.3 Leonce, der Träumer

Der Königssohn, Leonce, scheint die von Bergson beschriebene "komische Absurdität" exemplarisch zu verkörpern. Im Vergleich zu den anderen erkennt er zwar sein puppenhaftes Dasein und den Anachronismus, jedoch flüchtet er sich aus seiner endlosen Leere, statt fortschrittlich zu leben und somit zu einem gesellschaftlichen Wandel beizutragen, in eine traumhafte Illusion. Nicht er passt sich der Wirklichkeit an, sondern die Wirklichkeit muss sich seiner Phantasie unterordnen. In seiner imaginierten Welt bewegt er sich, exakt nach der Beschreibung Bergsons, "mit der Sicherheit und Präzision eines Nachtwandlers, der seinen Traum spielt." Seine "illusionsschaffende Inszenierungskunst" wird vor allem in der 'Rosettaszene'(I/3) ersichtlich, in welcher ihm diese nur als Spielpuppe dient:

Ein reichgeschmückter Saal, Kerzen brennen. Leonce mit einigen Dienern. Leonce. Sind alle Läden geschlossen? Zündet die Kerzen an! Weg mit dem Tag! Ich will Nacht, tiefe ambrosische Nacht. Stellt die Lampen unter Krystallglocken zwischen die Oleander, daß sie wie Mädchenaugen unter den Wimpern der Blätter hervorträumen. Rückt die Rosen näher, daß der Wein wie Thautropfen auf die Kelche sprudle. Musik! Wo sind die Violinen? Wo ist die Rosetta? Fort! Alle hinaus! (Die Diener gehen ab.) (Leonce streckt sich auf ein Ruhebett. Rosetta, zierlich gekleidet, tritt ein. Man hört Musik aus der Ferne.) (LL 13)

Wie Poschmann feststellt, ist Leonce "Autor, Held, Dramaturg, Regisseur und noch dazu Inspizient der Szene, und nicht zuletzt der Intendant des Hauses und Zuschauer in einem". Verdeutlicht wird dies vor allem, indem er sich selbst applaudiert: "Bravo Leonce! Bravo! (Er klatscht.) Es thut mir ganz whol, wenn ich mir so rufe. He! Leonce! Leonce". Komisch wirkt er dabei, da er stur und künstlich-theatralisch seinem "Weg der Täuschung" folgt, weshalb Valerio ihm auch treffend entgegnet: "Eure Hoheit scheint mir wirklich auf dem besten Weg, ein wahrhaftiger Narr zu werden.", woraufhin er sich kurz besinnt und für einen Augenblick Einsicht gewinnt: "Ja, beim Licht besehen, kommt es mir eigentlich eben so vor." (LL 17) Aber schon im nächsten Moment gibt er sich wieder Schwelgereien und Wortspielen hin, welche nach Bergson ebenfalls Indiz für die komische Absurdität sind, denn es zählt nur

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt das Lustspiel in den Kontext der Büchner-Forschung und erläutert die methodische Herangehensweise mittels Henri Bergsons Komiktheorie.

2. Bergsons Komik der Mechanik: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen Bergsons, insbesondere der Begriff "élan vital" und die drei Hauptrichtungen des Komischen, detailliert dargelegt.

2.1 Situations- und Wortkomik: Das Kapitel erläutert, wie durch spielzeugartige Mechanismen (Springteufel, Hampelmann) sowie sprachliche Verfahren wie Repetition und Inversion Komik entsteht.

2.2 Charakterkomik: Hier wird dargelegt, wie durch Isolierung von Charaktereigenschaften und automatische Gesten der Mensch zu einer "mechanischen Puppe" degradiert wird.

3. Charakterkomik im Automatenstaat Popo: Dieses Kapitel überträgt die Theorie auf das spezifische Personal des Lustspiels im fiktiven Königreich Popo.

3.1 König Peter, der "sieht, was nicht mehr ist, […] sagt, was nicht mehr paßt": Analyse des Königs als Prototyp der Berufskomik, der in seinem zeremoniellen Automatismus gefangen ist.

3.2 Das Volk: Untersuchung der Untertanen als Statisten einer verkehrten Welt, deren Handlungen durch mechanische Dressur bestimmt sind.

3.2.1 Die Bauern – Verwandlung in ein Ding: Darstellung der Bauern als "Zweckobjekte" und Marionetten, die jegliche Individualität verloren haben.

3.2.2 Die Subalternen – Etwas Mechanisches überdeckt etwas Lebendiges: Analyse der Hofbeamten, deren Sprache aus erstarrten Devotionsformeln besteht und jeglichen informativen Zweck eingebüßt hat.

3.3 Leonce, der Träumer: Untersuchung von Leonce als Verkörperung der "komischen Absurdität", der die Realität seiner eigenen Fantasie unterordnet.

3.4 Valerio, der Lebendige: Analyse der Figur Valerio, die als einzige Flexibilität beweist und durch das Lachen die mechanische Gesellschaft bloßstellt.

4. Schluss: Zusammenfassung der Ergebnisse: Valerios Emanzipation verleiht dem Stück Modernität, während das restliche Personal im mechanischen Stillstand verharrt.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur für die wissenschaftliche Untersuchung.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Leonce und Lena, Henri Bergson, Komik, Mechanik, Automatenstaat, Charakterkomik, Situationskomik, Valerio, König Peter, Gesellschaftskritik, Absurdität, Entfremdung, Lustspiel, Literaturtheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Georg Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" auf der Basis der Komiktheorie von Henri Bergson, um die Mechanismen des Komischen in diesem Werk offenzulegen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen das Spannungsfeld zwischen mechanischer Erstarrung und lebendiger Agilität, die Kritik an absolutistischen Strukturen sowie die Rolle des Einzelnen als handelndes Subjekt oder gesteuerter Automat.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die praktische Anwendung von Bergsons Theorie "Le Rire" auf die Figuren und die dramaturgische Struktur des Stücks, um das Lustspiel neu zu interpretieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse unter expliziter Anwendung der komiktheoretischen Kategorien von Henri Bergson.

Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Bergsons Konzepte und eine detaillierte Figurenkonstellationsanalyse, die vom König bis zu den Bauern reicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Komik, Mechanisierung, Automatenstaat, Entfremdung, Maskerade und das lebensbejahende Prinzip des "élan vital" beschreiben.

Warum wird Leonce als eine Verkörperung der "komischen Absurdität" bezeichnet?

Weil er versucht, die Wirklichkeit seiner eigenen traumhaften Illusion unterzuordnen, anstatt sich den Gegebenheiten der Realität anzupassen, was ihn in eine mechanische Zwangsvorstellung führt.

Welche Funktion hat die Figur Valerio in dieser Analyse?

Valerio dient als Kontrastfigur zu den anderen Charakteren; als "Lebendiger" verkörpert er Flexibilität und Humor, wodurch er die starren, mechanischen Strukturen des Hofes entlarvt.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Leonce und Lena" von Georg Büchner. Komiktheorien nach Henri Bergson in der Anwendung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Komödien interpretieren
Note
1,0
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V355978
ISBN (eBook)
9783668417427
ISBN (Buch)
9783668417434
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Henri Bergson Georg Büchner Leonce und Lena Komiktheorie Komik der Mechanik Charakterkomik Wort-und Situationskomik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2013, "Leonce und Lena" von Georg Büchner. Komiktheorien nach Henri Bergson in der Anwendung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355978
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Leseprobe aus  23  Seiten
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