Des Périers „Cymbalum mundi“ war zur Zeit seiner Veröffentlichung ein Skandal. Ein Aufschrei ging durch die staubigen Reihen der Orthodoxie. Ein für damalige Zeiten solches Werk, das derart atheistische und ketzerische Tendenz enthält, zu veröffentlichen, zeugt von einem tiefen Missfallen an der damaligen Gesellschaft, spiegelt aber auch gleichzeitig den Zeitgeist des Humanismus wieder.
Des Périers bedient sich der Mittel spielerischer Ironie und bissigem Sarkasmus, derben Witzes und hypergelehrter Genauigkeit, um auf die Missstände vor allem von Seiten der kirchlichen Ordonanz aufmerksam zu machen. Die dabei entstehende Satire richtet sich wohl nicht gegen die Reformation, wie viele glauben, sondern eher an die Institution Kirche an sich.
Inhaltsverzeichnis
1. Kurzbiographie des Autors Bonaventure des Périers
2. Das Werk Cymbalum mundi
2.1 Inhalt der Dialoge
2.2 Geschichte zur Entstehung des Cymbalum mundi
3. Deutung des Cymbalum mundi
3.1 Analyse und Interpretation im historisch- und literaturwissenschaftlichen Kontext
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das 1538 anonym erschienene Werk "Cymbalum mundi" von Bonaventure des Périers auf seine satirischen und subversiven Elemente hin. Dabei wird analysiert, wie der Autor durch den Einsatz allegorischer Dialoge und menippeischer Satire die gesellschaftlichen und religiösen Missstände seiner Zeit sowie die Autorität der Kirche kritisiert.
- Biographische Einordnung des Autors Bonaventure des Périers
- Strukturelle und inhaltliche Analyse der vier Dialoge
- Historischer Kontext der Entstehung und Rezeption des Werkes
- Interpretation des Cymbalum mundi als zeitgenössische Religions- und Gesellschaftskritik
Auszug aus dem Buch
3.1 Analyse und Interpretation im historisch- und literaturwissenschaftlichen Kontext
Die vier Dialoge des Cymbalum mundi sind im Gewand des lukanischen Dialoges geschrieben. Lukian von Samosata, ein bekannter griechischer Satiredichter und Philosoph in der Antike (vermutl. 120-180 n. Chr.) war Vorbild zahlreicher Schriftsteller und Denker des Renaissance wie auch Erasmus von Rotterdam oder Bonaventure des Périers. Lukian ist Vertreter der so genannten menippeischen Satire (von Menippos von Gadara im 3. Jahrhundert v. Chr. kreiert), einer Form, bei der sich Vers und Prosa abwechseln. Inhaltlich zielen jene Satiren durch Mittel des Spotts, der Parodie und Ironie auf die Darstellung der Wahrheit hin.
Strukturell treten äußere Formlosigkeit, freier Wechsel der Tonfälle und Perspektiven auf und werden so zu flexiblen Mitteln. Lukians wohl bekanntestes Werk sind die Totengespräche. Nach der Antike nur eine Nebenerscheinung als Form der Erzählung, erlebt die mennipeische Satire in der Renaissance erneut ihr Wiederaufleben. Neben dem Cymbalum sind auch noch weitere bekannte satirische Schriften wie etwa Les horribles et épouvantables faits et prouesses du très renommé Pantagruel, Roi des Dipsodes, fils du grand géant Gargantua (1534) zu nennen, die von des Périers Zeitgenossen François Rabelais stammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kurzbiographie des Autors Bonaventure des Périers: Das Kapitel beleuchtet das Leben des Autors, seine Ausbildung unter Abt Hurault und seine Tätigkeit am Hofe von Marguerite de Navarre.
2. Das Werk Cymbalum mundi: Dieser Abschnitt beschreibt formal die vier Dialoge und ordnet die Entstehungsgeschichte des Buches in den Kontext der zeitgenössischen Zensur ein.
3. Deutung des Cymbalum mundi: Hier erfolgt die literaturwissenschaftliche Analyse des Werkes unter Rückgriff auf die Tradition der menippeischen Satire.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Rolle des Werkes als subversives und ketzerisches Dokument zusammen, das die Ideale des Humanismus gegen die Institution Kirche verteidigt.
Schlüsselwörter
Cymbalum mundi, Bonaventure des Périers, Renaissance, Menippeische Satire, Lukian, Religionskritik, Humanismus, Literaturwissenschaft, Allegorie, Reformation, Marguerite de Navarre, Subversion, Kirchenkritik, Dialogform, Zeitgeist
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Werk "Cymbalum mundi" und untersucht dessen Bedeutung als satirisch-subversives Werk der französischen Renaissance.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die kritische Auseinandersetzung mit der Kirche, die Rolle des Humanismus und die Verwendung literarischer Allegorien zur Gesellschaftskritik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern das Werk als subversiver Kommentar zu den religiösen und gesellschaftlichen Verhältnissen des 16. Jahrhunderts verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse im historisch-kulturellen Kontext durchgeführt, wobei das Werk auf seine stilistischen Merkmale und seinen allegorischen Gehalt hin geprüft wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsanalyse der vier Dialoge, eine Darstellung der Entstehungsgeschichte sowie eine tiefgehende Interpretation der satirischen Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen "Cymbalum mundi", "Renaissance", "Satire", "Humanismus" und "Religionskritik".
Warum wird das "Cymbalum mundi" als skandalös eingestuft?
Das Werk galt als atheistische und ketzerische Schrift, da es zentrale Dogmen der katholischen Kirche verspottete und das Vertrauen in kirchliche Institutionen untergrub.
Welche Bedeutung kommt der Figur des Gottes Merkur in den Dialogen zu?
Merkur dient als zentrale Figur, durch deren Handlungen (wie den Verlust und Austausch des Buches) die Hilflosigkeit und Torheit der Menschen in Bezug auf Dogmen und heilige Schriften aufgezeigt wird.
Inwiefern spielt die Sprache des Volkes eine Rolle für den Autor?
Durch die Wahl der Volkssprache anstelle des Lateinischen zielte des Périers darauf ab, eine breitere Leserschaft zu erreichen und sich von der gelehrten, klerikalen Sphäre abzuheben.
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- Sven Gerrlich (Author), 2009, Cymbalum Mundi. Ein subversiver Renaissancedialog?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/355987