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Die Hexenverfolgung im 18. Jahrhundert. Die Rolle der Kirche im Hexenprozess "Annaberger Krankheit"

Titre: Die Hexenverfolgung im 18. Jahrhundert. Die Rolle der Kirche im Hexenprozess "Annaberger Krankheit"

Dossier / Travail , 2016 , 17 Pages , Note: 1,6

Autor:in: Sylvio Konkol (Auteur)

Théologie - Sciences des religions comparatives
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Diese Arbeit befasst sich mit den Hexenverfolgungen im 18. Jahrhundert mit Fokus auf den Hexenprozess „Annaberger Krankheit“ und die Rolle, die die Kirche innerhalb des Prozesses spielte.

Bei der sogenannten „Annaberger Krankheit“ handelt es sich um einen der spektakulärsten Hexenprozesse im von Hexenverfolgungen ansonsten nur wenig betroffenen Kursachsen. Die Geschehnisse im erzgebirgischen Annaberg erreichten ihren Höhepunkt zwischen 1713 und 1714 und setzten sich mit Nachwehen noch bis 1720 fort, und obgleich es im Falle der Annaberger Hexenprozesse zu keinen Verurteilungen wegen Hexerei (und damit auch nicht zu Hinrichtungen oder anderen drakonischen Bestrafungen) kommen sollte, so ist der Fall als einer der umfangreichsten (und als der womöglich letzte) des Kurfürstentums Sachsen von besonderem religionswissenschaftlichem Interesse.

In Hinblick auf das sich im Prozessverlauf offenbarende Zusammenspiel kirchlicher und weltlicher Institutionen und konkurrierender akademischer Disziplinen stellen sich vor allem folgende Fragen: Welche Rolle spielt religiöses (christliches) Gedankengut bzw. spielen die Vertreter religiöser Institutionen bei der Verbreitung der Deutung der Geschehnisse als Hexerei? Welche Position(en) nimmt die Kirche als Antwort auf diese Hexerei-Vorwürfe in Annaberg ein? Und davon ausgehend: Wie groß ist die Bedeutung bzw. wie stark der Einfluss dieser kirchlichen Position für den Fortgang des Prozesses? Welche anderen sozialen Systeme, neben dem der Religion, beanspruchen die Deutung der Hexenthematik in welchem Maße für sich?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbetrachtungen

1.1. Annaberg im Erzgebirge: Abriss der Geschehnisse 1712/13

1.2. Fragestellung

2. Die Rolle der Kirche im Annaberger Hexenprozess

2.1. Pfarrer Adamis dämonologische Deutung

2.2. Die Skepsis des Superintendenten und die Passivität der Kirche

2.3. Hexenprozesse im Schnittpunkt verschiedener gesellschaftlicher Systeme

3. Schlussbetrachtungen und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Kirche während der sogenannten „Annaberger Krankheit“ (1712-1733), einem der letzten Hexenprozesse in Kursachsen. Im Fokus steht dabei die Analyse, inwiefern kirchliche Institutionen die Hexereiverfolgung aktiv vorantrieben oder sich – entgegen der Erwartung – passiv verhielten und wie konkurrierende Deutungsmuster von Theologie, Jurisprudenz und Medizin ineinandergriffen.

  • Die Rolle von Pfarrer Adami als Initiator der dämonologischen Deutung
  • Die Haltung der offiziellen Kirchenvertreter und ihre Distanzierung vom Prozess
  • Das Zusammenspiel von Theologie, Medizin und Recht bei der Interpretation unerklärlicher Krankheiten
  • Die Bedeutung persönlicher Krisen für die Radikalisierung individueller Akteure
  • Die Analyse der Machtverteilung bei der Deutung sozialer und psychischer Phänomene in der Frühen Neuzeit

Auszug aus dem Buch

2.1. Pfarrer Adamis dämonologische Deutung

Bei der Suche nach der Ursache für die merkwürdigen und teils verstörenden Leiden und Verhaltensweisen der ersten Erkrankten stehen die Deutungen der Symptome als geistige oder körperliche Krankheit einerseits, und die als das Wirken böser Geister bzw. Dämonen andererseits, keineswegs in einem sich gegenseitig ausschließendem Verhältnis zueinander. Nach gängigen Auffassungen der Frühen Neuzeit konnte eine zwar medizinisch fassbare Erkrankung sehr wohl zugleich dem Einfluss eines bösen Geistes o.ä. geschuldet sein. Kam ferner der Verdacht hinzu, dass ein Individuum an der Beibringung einer solchen dämonischen Krankheit beteiligt sein könnte, so legte das – auch und gerade nach weltlichem Recht – den Strafbestand der Hexerei nahe. In Annaberg geschah letzteres an dem Punkt, als der zehnjährige Adami behauptete, dass eine Frau aus Annaberg verantwortlich sei für sein Leid und für die mysteriösen Vorkommnisse im Haushalt des Pfarrers.

Die Äußerungen seines Sohnes wurden von Pfarrer Adami als der Wahrheit entsprechend akzeptiert und im Sinne einer Hexerei-Bezichtigung interpretiert, womit sich die Angelegenheit in eine neue und ungleich gefährlichere Richtung entwickelte. Welches waren die doktrinären Grundlagen für seine Argumentation und der damit verbundenen Anklage? Der Pfarrer war mit dämonologischer Literatur nachweislich vertraut: Er besaß mindestens den „Scheid- und Absag-Brieff“ des lutherischen Theologen Johann Conrad Dannhauer – „das für Lutheraner maßgebliche Werk über Besessenheit und anderweitige teuflische Krankheiten“ (Rychlak 2009, 314; vgl. auch 392f.). Dabei ist nicht auszuschließen, dass auch sein Sohn Teile des Buchs gelesen haben könnte. Das könnte die bemerkenswerten Übereinstimmungen der Symptome und Behauptungen des Sohnes mit den in Dannhauers Buch geschilderten Vorfällen erklären, genauso wie die Möglichkeit, dass suggestive Fragen des Vaters den Sohn zu derartigen Aussagen verleiteten (vgl. ebd., 394).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbetrachtungen: Diese Einführung erläutert den historischen Kontext der „Annaberger Krankheit“ und skizziert die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich der kirchlichen Einflussnahme.

2. Die Rolle der Kirche im Annaberger Hexenprozess: Dieses Kapitel analysiert die treibende Rolle von Pfarrer Adami sowie die distanzierte Haltung der offiziellen Amtskirche im Kontext konkurrierender gesellschaftlicher Deutungsmuster.

3. Schlussbetrachtungen und Fazit: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt und verdeutlicht, dass die kirchliche Rolle oft überschätzt wird und die Prozessdynamik stärker durch individuelle Krisen und interdisziplinäre Machtkämpfe geprägt war.

Schlüsselwörter

Annaberger Krankheit, Hexenprozess, Kirche, Dämonologie, Pfarrer Adami, Superintendent Kunad, Frühe Neuzeit, Religionsgeschichte, Kursachsen, Deutungsmacht, Besessenheit, Medizin, Jurisprudenz, Stadtrat, Hexenglaube.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Ereignisse der sogenannten „Annaberger Krankheit“ in der Frühen Neuzeit und analysiert dabei kritisch das Handeln kirchlicher Akteure innerhalb der Hexenverfolgung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verflechtung von religiösem Gedankengut mit sozialen Krisen, das Spannungsfeld zwischen Theologie und Wissenschaft sowie die Dynamik von Hexereibezichtigungen durch Kinder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Rolle der evangelischen Kirche bei den Annaberger Hexenprozessen zu hinterfragen und zu prüfen, ob sie die Verfolgungen aktiv unterstützte oder als passiver Akteur agierte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Fallstudie, die auf einer religionswissenschaftlichen Auswertung der Prozessakten und bestehender Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der dämonologischen Deutung durch Pfarrer Adami, der skeptischen Haltung der Kirchenoberen und dem interdisziplinären Ringen zwischen Theologen, Juristen und Medizinern um die Deutungsmacht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Annaberger Krankheit, Hexenprozess, Dämonologie, Deutungsmacht und das Zusammenspiel von Kirche, Medizin und Recht.

Welche Bedeutung hatte der Superintendent Andreas Kunad in diesem Prozess?

Kunad fungierte als personeller Gegenpol zu Pfarrer Adami; er bewahrte eine nüchterne, distanzierte Haltung und versuchte, die Kirche aus dem Hexenstreit herauszuhalten.

War die Kirche als Institution maßgeblich an den Verurteilungen beteiligt?

Nein, die Arbeit zeigt, dass die offizielle Kirche die Hexenprozesse nicht stützte und lokale Akteure wie Adami in ihrer radikalen dämonologischen Sichtweise weitgehend isoliert blieben.

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Résumé des informations

Titre
Die Hexenverfolgung im 18. Jahrhundert. Die Rolle der Kirche im Hexenprozess "Annaberger Krankheit"
Université
University of Leipzig  (Religionswissenschaftliches Institut)
Cours
Religionsgeschichte Mitteleuropas in der Frühen Neuzeit
Note
1,6
Auteur
Sylvio Konkol (Auteur)
Année de publication
2016
Pages
17
N° de catalogue
V356008
ISBN (ebook)
9783668418509
ISBN (Livre)
9783668418516
Langue
allemand
mots-clé
hexen hexenverfolgung hexenverbrennung hexenprozesse annaberg 18. jahrhundert frühe neuzeit annaberger krankheit
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GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sylvio Konkol (Auteur), 2016, Die Hexenverfolgung im 18. Jahrhundert. Die Rolle der Kirche im Hexenprozess "Annaberger Krankheit", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356008
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Extrait de  17  pages
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