Diese Arbeit hat das Phänomen „Korruption” zum Gegenstand. Daß es sich hierbei nicht nur um ein Problem von Entwicklungs- oder Schwellenländern handelt, beweist ein (intensiverer) Blick in die Tagespresse. Gerade Journalisten gelingt es immer wieder sog. Korruptionsskandale aufzudecken (oder entsprechende Verhaltensweisen an die Öffentlichkeit zu bringen und somit zu Skandalen zu machen). Richtet man den Blick jedoch auf die „Kriminologie der Korruption” und auf die hierzu erschienene Fachliteratur zeichnet sich ein anderes Bild. Selbst in größere Lehrbücher hat dieses Thema (noch) keinen Eingang gefunden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. „Korruption” - Die Problematik der Definition
1. Allgemeiner Sprachgebrauch
2. Enger Ansatz
3. Weiter Ansatz
4. Mittlerer Ansatz
5. Nachtrag zum Definitionsproblem
III. Korruption im Hell- und Dunkelfeld
IV. Typologie korruptiven Verhaltens
1. Situative Korruption
2. Gewachsene Beziehungen
3. Netzwerke
4. Organisierte Kriminalität
V. Verbreitung der Korruption
1. Allgemein zur Verbreitung
2. Verbreitung der situativen Korruption
3. Verbreitung von gewachsenen Beziehungen und Netzwerken
4. Organisierte Kriminalität und Korruption
VI. Ursachen der Korruption unter Anwendung allg. Kriminalitätstheorien
1. Lerntheorien
a) Theorie der differentiellen Kontakte
b) Theorie der differentiellen Gelegenheiten
c) Theorie der differentiellen Verstärkung
d) Theorie der Neutralisierungstechniken
2. Theorie der Rationalen Wahl
3. Anomietheorie
VII. Weitere Ursachen für Korruption
1. Erpressungsähnliche Situationen
2. Berufsethos
3. Verflechtungen
4. Einkommen
5. Personalführung
6. Informationsdefizit
7. Fehlende Kontrollen
VIII. Abschließende Bemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Korruption aus kriminologischer Sicht, da in der Fachliteratur bislang ein Vakuum hinsichtlich empirischer Ursachenforschung besteht. Ziel ist es, verschiedene Definitionen und Typologien der Korruption zu systematisieren und die Entstehung korruptiven Verhaltens anhand etablierter kriminalwissenschaftlicher Theorien zu analysieren.
- Problematik der begrifflichen Definition von Korruption
- Typisierung korruptiven Verhaltens (situativ, gewachsene Beziehungen, Netzwerke)
- Analyse der Verbreitung und des Dunkelfelds der Korruption
- Anwendung von Lerntheorien und Anomietheorie zur Ursachenerklärung
- Diskussion struktureller und individueller Korruptionsfaktoren
Auszug aus dem Buch
1. Allgemeiner Sprachgebrauch
Das lateinische corrumpere meint ein verderben, vernichten, bestechen und reicht im allgemeinen Sprachgebrauch soweit, daß hierunter ein moralisch verwerfliches Handeln und Verhalten zu verstehen ist, bei dem bestimmte, allgemein anerkannte gesellschaftliche Normen oder moralische Grundsätze nicht mehr wirksam sind und das je nach Verbreitung und Duldung das gesellschaftliche Leben bestimmt und einen moralischen Verfall bewirken kann. Ein dermaßen weiter und unbestimmter Begriff ist allerdings wissenschaftlich unbrauchbar.
Eine Abgrenzung korruptiver von anderen kriminellen Handlungen kann hierdurch nicht erfolgen; der Definitionsversuch wirkt eher wie eine allgemeine Definition für sozial abweichendes Verhalten schlechthin.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Forschungsdefizit bei der kriminologischen Untersuchung von Korruptionsursachen.
II. „Korruption” - Die Problematik der Definition: Dieses Kapitel stellt verschiedene Ansätze zur Definition von Korruption vor und zeigt deren Vor- und Nachteile auf.
III. Korruption im Hell- und Dunkelfeld: Hier wird die statistische Erfassbarkeit von Korruption in der Polizeilichen Kriminalstatistik kritisch diskutiert.
IV. Typologie korruptiven Verhaltens: Das Kapitel kategorisiert Korruptionsformen in situative Korruption, gewachsene Beziehungen, Netzwerke und organisierte Kriminalität.
V. Verbreitung der Korruption: Dieser Abschnitt analysiert die ubiquitäre Natur von Korruption und die methodischen Herausforderungen der Verbreitungsmessung.
VI. Ursachen der Korruption unter Anwendung allg. Kriminalitätstheorien: Hier werden Korruptionsursachen durch Lerntheorien, die Theorie der rationalen Wahl und die Anomietheorie erklärt.
VII. Weitere Ursachen für Korruption: Dieses Kapitel ergänzt die theoretische Analyse um praktische Aspekte wie Berufsethos, Verflechtungen und Kontrolldefizite.
VIII. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst die Notwendigkeit weiterer empirischer Forschung zusammen.
Schlüsselwörter
Korruption, Kriminologie, Machtmissbrauch, Korruptionsprävention, Definitionsproblem, Dunkelfeld, Anomietheorie, Lerntheorien, Netzwerke, Bestechlichkeit, Wirtschaftskriminalität, Amtsethos, Rational Choice, Deliktstrukturen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Kriminologie der Korruption und versucht, dieses oft unterschätzte Phänomen wissenschaftlich durch Definitionen und Theorien zu erschließen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt Begriffsdefinitionen, verschiedene Typologien korruptiven Verhaltens, die Verbreitung im Hell- und Dunkelfeld sowie die theoretischen Ursachenkataloge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Ursachen der Korruption zu schaffen, da die aktuelle Forschung hier ein deutliches Vakuum aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kriminologische Analyse, die auf der Auswertung vorhandener Fachliteratur und der Anwendung allgemeiner Kriminalitätstheorien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Definitionsschwierigkeiten, typisiert Korruptionsformen und wendet Theorien wie die der differentiellen Kontakte oder der rationalen Wahl auf korruptes Verhalten an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Korruption, Kriminologie, Machtmissbrauch, Anomietheorie, Netzwerke, Bestechung und Korruptionsprävention.
Was bedeutet der Begriff „Anfüttern“ im Kontext der Korruption?
Anfüttern beschreibt eine präkorruptive Phase, in der durch Geschenke oder Kontaktpflege soziale Beziehungen aufgebaut werden, die später in rechtswidrige Korruptionsverhältnisse münden können.
Warum spielt die Theorie der Rationalen Wahl bei Korruption eine Rolle?
Sie erklärt Korruption als Kosten-Nutzen-Kalkulation, bei der Akteure abwägen, ob die Vorteile (z.B. Profit) das Risiko einer Entdeckung und Sanktionierung überwiegen.
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- Mike Nentwich (Author), 2003, Kriminologie der Korruption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/35603