Preisanalyse im Beschaffungsprozess. Strategien, Methoden, Kalkulationen


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
10 Seiten

Leseprobe

Der globale Wettbewerb nimmt immer stärker zu und damit auch der Druck auf die Unternehmen eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur zu etablieren. Hierbei bildet der Einkauf eine wesentliche Säule zur Generierung eines zufrieden stellenden Deckungsbeitrags des jeweiligen Produktes („Im Einkauf liegt der Gewinn")[1]. Die Aufgabe der Einkaufsabteilung geht heute in aller Regel deutlich weiter in kann wie folgt beschrieben werden: Sicherstellung der Teileversorgung zu optimalen Konditionen und vorgegebener Qualität.

Häufig ist der Einkäufer allein mit dieser Problematik konfrontiert und muss die vom Lieferanten geforderten Preise kurzfristig plausibilisieren und zusätzlich jede Möglichkeit suchen und nutzen, um für seine Firma und den Kunden optimale Teilepreise bei gleichzeitig hoher Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.[2] Hierzu ist es unbedingt nötig, ein Werkzeug zu etablieren, an dem der Einkäufer seine operative Arbeit orientiert und gegebenenfalls adaptiert. Darauf aufbauend können Beschaffungsstrategien für einzelne Teilespektren abgeleitet werden. Um dies umsetzen zu können, muss die Einkaufsabteilung über verschiedenste Informationen verfügen, die dann analysiert und bewertet werden, und aus denen schließlich eine geeignete Beschaffungsstrategie für die untersuchten Teileumfänge abgeleitet werden kann.

Der Beschaffungspreis eines Bauteils, einer Baugruppe oder eines fertigen Produkts ist einer der Entscheidungsargumente für die Lieferantenentscheidung. Der Kunde (i.d.R. die Einkaufsabteilung hat die Möglichkeit folgende Untersuchungen an den Einkaufspreisen anzustellen:[3]

- Preisanalyse
- Preisbeobachtung
- Preisvergleich

In der nachfolgenden Tabelle 1 werden die drei Untersuchungsmethoden zusammen mit dem zu untersuchenden Objekt, dem Ziel und dem Hauptanwendungsgebiet dargestellt.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [5]

Tabelle 1: Methoden zur Preisuntersuchung5

Die Instrumente Preisbeobachtung und Preisvergleich sind weitläufig bekannt und in der Praxis Routine im Einkaufsprozess. Dabei werden Die Angebotspreise verschiedener Lieferanten mit einander verglichen bzw. die allgemeine Preisentwicklung von Rohstoffen für die Einkaufsverhandlungen herangezogen. Ein häufiges Problem bei dieser Art der Preisuntersuchung ist die schlechte Vergleichbarkeit verschiedener Angebote, da z.B. Versand- oder Zahlungsbedingungen anders geregelt sind.[6]

Bei der Preisanalyse werden die Angebotspreise der Lieferanten in seine Elemente zerlegt. Auf diese Weise wird es dem Einkäufer ermöglicht reale Einsparpotentiale zu erkennen und zu realisieren.[7]

Im Rahmen dieser Abhandlung wird ausschließlich die Preisanalyse betrachtet, da erfahrungsgemäß dieser Bereich am wenigsten Beachtung in den Einkaufabteilungen findet. Dies liegt mit Sicherheit unter anderem daran, dass das nötige Know-How für eine Wirkungsvolle Umsetzung fehlt.

Grundsätzlich kann eine Preisanalyse auf Vollkosten- und auf Teilkostenbasis unterschieden werden. In der Praxis wird häufig die Preisanalyse auf Vollkostenbasis durchgeführt, begründet damit, dass langfristig der Lieferant nur dann überleben kann, wenn er alle anfallenden fixen und variablen Kosten deckt, sprich sein Deckungsbeitrag positiv ausfällt.[8] Deshalb beschränkt sich diese Arbeit auf die Preisanalyse aufVollkostenbasis.

Grundlegend kann der Prozess einer Preisanalyse wie folgt beschrieben werden. Der zuständige Einkäufer versucht die Bestandteile des Stückpreises, wie z.B. Materialkosten, Fertigungskosten, Logistik und Gewinn aufzuschlüsseln, um so das Angebot bewerten und gegebenenfalls Möglichkeiten zur Kostenreduktion ermitteln zu können.[9]

Ein Großteil der deutschen Industrie verwendet eine Zuschlagskalkulation zur Angebotsbewertung bzw. -erstellung. Zur Ermittlung und Bewertung der Bestandteile der Stückkosten kann beispielhaft auf das folgende Kalkulationsschema nach DIN 32992 zurückgegriffen werden. Das dargestellte DIN-Schema für eine differenzierte Zuschlagskalkulation nur noch selten verwendet. Die Gründe dafür werden auf den folgenden Seiten dargestellt. Die differenzierte Zuschlagskalkulation nach DIN 32992 besitzt insgesamt fünf Ebenen.[10] Dies hat zur Folge, dass zum Beispiel bei einer Materialpreiserhöhung der Materialgemeinkostenzuschlagssatz dafür sorgen wird, dass die gesamten Materialkosten proportional steigen werden.

Durch den mehrstufigen Aufbau des Kalkulationsschemas werden anschließend aber auch noch die Entwicklungskostenumlage (nach den Herstellkosten 1) und die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkostenzuschläge (nach den Herstellkosten 2) mit verrechnet. Aufgrund dieses Effekts kann eine Materialpreiserhöhung von 3% und einer Kalkulation nach diesem Schema unter Umständen aufgrund dieses

[...]


[1] Vgl. Wannenwetsch, H. (2005) Erfolgreiche Verhandlungsführung in Einkaufund Logistik, S. 13

[2] Vgl. Büsch, M. (2007) Praxishandbuch Strategischer Einkauf, S. 30

[3] Vgl. Arnolds, H. / Heege, F. /Tussing, W. (1998) Materialwirtschaft und Einkauf, S. 136

[4] Die vorgestellten Möglichkeiten schließen sich nicht aus und sind als sich ergänzende Methoden zu verstehen.

[5] Vgl. Arnolds, H. / Heege, F. / Tussing, W. (1998) Materialwirtschaft und Einkauf, S. 137

[6] Vgl. Barth, K. / Hartmann, M. / Schröder, H. (2007) Betriebswirtschaftslehre des Handels, S. 307

[7] Vgl. Lemme, M. (2005) Erfolgsfaktor Einkauf, S. 74

[8] Vgl. Arnolds, H. / Heege, F. /Tussing, W. (1998) Materialwirtschaft und Einkauf, S. 162

[9] Vgl. Large, R. (1999) Strategisches Beschaffungsmanagement, S. 172

[10] Vgl. Schlößer, F. (2004) Kostenanalyse als Methodik zur Optimierung von Entwicklungs- und Fertigungsprozessen, S. 41 f.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Preisanalyse im Beschaffungsprozess. Strategien, Methoden, Kalkulationen
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V356106
ISBN (eBook)
9783668418547
ISBN (Buch)
9783668418554
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Preis, Preisanalyse, Beschaffung, Einkauf, Beschaffungsstrategie, Preisbeobachtung, Preisvergleich
Arbeit zitieren
Markus Beckert (Autor), 2010, Preisanalyse im Beschaffungsprozess. Strategien, Methoden, Kalkulationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356106

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