Das "Neue Fernsehen" und der "Rocking Recipient". Eine pädagogische Analyse


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Die Technologie des „Neuen Fernsehens“
2.2. Die Formate des „Neuen Fernsehens“
2.3. Das Verhalten der Nutzer des „Neuen Fernsehens“

3. Das „Neue Fernsehen“ und der „Rocking Recipient“ in der Schule

4. Fazit

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem „Neuen Fernsehen“ und seinen neuen Nutzern, den „Rocking Recipients“. Die Thematik ist von besonderem Interesse, weil heutige und zukünftige SchülerInnen den „Rocking Recipient“ repräsentieren und es Aufgabe der Schule ist den Lernenden einen medienkompetenten Umgang beizubringen. Aus dem gängigen Medienalltag ist das „Neue Fernsehen“ nicht wegzudenken. Daraus erschließt sich, dass das „Neue Fernsehen“ für die Medienpädagogik äußerst relevant ist. Die Medienpädagogik ist im Schulcurriculum kein eigenes Fach, stattdessen kann sie in allen Fächern ausgeübt werden um den Unterricht zu unterstützen. Es ist die Bildungsaufgabe der Schule SchülerInnen bei dem Erwerb von Medienkompetenz zu fördern und ihnen dabei zu helfen. Der Begriff „Medienkompetenz“ wird als eine Schlüsselqualifikation in einer medienbasierten Informations- oder Wissensgesellschaft angesehen. Dabei orientieren wir uns heute an einer handlungsorientierten Medienpädagogik, die sich auf einen selbstbestimmten und kompetenten Umgang mit Medien und deren Vermittlung fokussiert [vgl. URL: http://www.lfm-nrw.de/foerderung/medienkompetenz.html (07.09.2016)].

Wie kaum ein anderes Medium hat sich das Fernsehen in den letzten Jahren derart stark verändert. Da der Begriff „Neues Fernsehen“ eingeführt wurde, besteht die Frage: Was macht das Medium denn neu, wenn es doch das gleiche Medium bleibt? Durch die fortschreitende Technik ist auch von weiteren Fortentwicklungen und Neuerungen auszugehen. Eine zentrale Rolle im Rahmen der Veränderungen spielt das Internet. Der traditionelle Fernsehbildschirm wird von dem neueren Computerbildschirm abgelöst. Es findet ein Markttransfer statt, wobei Inhalte aus den Medien (Print, Radio und Fernsehen) in internetfähige Medien übertragen werden [vgl. Groebel 2014, S. 7 f.]. Die neuen Nutzer, die „Rocking Recipients“, weisen im Vergleich zu den älteren Nutzern des konventionellen Fersehens ein unterschiedliches Nutzungsverhalten auf und treiben dadurch weitere Veränderungen voran [vgl. Groebel 2014, S. 183 f.].

Die Arbeit besteht aus vier Teilen. Zuerst betrachte ich das „Neue Fernsehen“ im Vergleich zum konventionellen Fernsehen. Dabei untersuche ich zunächst die Technologie. Anschließend befasse ich mich mit den Formaten und stelle daraufhin ich die Nutzungsverhaltensweisen dar. Aus den Ergebnissen resultiert welche Veränderungen das „Neue Fernsehen“ bewirkt. Zum Schluss resümiere ich, welche Auswirkungen und Konsequenzen das „Neue Fernsehen“ für die Schule beinhaltet, und gebe einen Ausblick, wie Lehrkräfte sich darauf vorbereiten können.

2. Hauptteil

Zunächst wird die Terminologie „Neues Fernsehen“ näher erläutert. Das traditionelle Medium „Fernsehen“ durchlebt viele Veränderungen. Für eine große Umwandlung ist das Internet verantwortlich, es greift in die Technologie und Nutzung des Fernsehens ein und verändert somit das Nutzungsverhalten der Zuschauer [vgl. Engel 2008,S. 93 f.]. Der neue Zuschauertypus wird als „Rocking Recipient“ bezeichnet, womit vor allem jüngere Nutzer gemeint sind. Das Nutzungsverhalten des „Rocking Recpient“ hat sich im Vergleich zu den älteren Fernsehnutzern verändert[vgl. Groebel 2014, S. 183 f.]. Durch die technische Entwicklung ist das Fernsehen nicht nur über den traditionellen Bildschirm verfügbar, sondern auch über weitere technische Geräte wie Computer und Smartphones. Es hat sich eine Crossmedialität entwickelt, sodass die Fernsehnutzung über verschiedene Medien möglich ist [vgl. Groebel 2014, S. 53 f.].

In den nachfolgenden Abschnitten wird das konventionelle Fernsehen mit dem „Neuen Fernsehen“ in Bezug auf die Technologie, die Formate und das Nutzungsverhalten verglichen.

2.1. Die Technologie des „Neuen Fernsehens“

Durch die neue Technologie mit ihren zahlreichen Auswahloptionen und der Internetverfügung bietet das „Neue Fernsehen“ komplett neue Möglichkeiten.

Das „Neue Fernsehen“ ist auf drei Bildschirmen und zwar am PC, auf dem Fernseher und auf mobilen Geräten zu sehen. Das Internet dient heutzutage nicht nur als Informationsmedium, sondern ist ebenso ein Unterhaltungsmedium geworden, das die Inhalte anderer Medien (Print, Radio und Fernsehen) aufnimmt und neu aufbereitet präsentiert [vgl. Groebel 2014, S. 17 f.]. Internetfähige Medien haben zudem den Vorteil, dass sie ortsungebunden sind, sie können sich daher den Bedürfnissen vieler Menschen in unserer globalisierten Welt anpassen. Diese Medien sind jederzeit abrufbar und somit ist die Fernsehnutzung auch unterwegs möglich. Es besteht die Möglichkeit, sich direkt mit anderen über Video-Inhalte auszutauschen, zum Beispiel in den Chatforen von sozialen Netzwerken. Deshalb ist der Technik ebenfalls eine große Bedeutung beizumessen. Die Video-Formate müssen auf allen Plattformen funktionieren, qualitativ wertvoll sein und Funktionen ermöglichen, die auch auf den sozialen Plattformen wie zum Beispiel „Facebook“ vorhanden sind: die Gefällt mir_Funktion auswählen, das Video kommentieren und an andere weiterleiten. Dabei zeigt sich, dass jüngere Zielgruppen über mehr Kombinationsmöglichkeiten von Geräten und Kanälen verfügen, deshalb ist es nicht von großer Bedeutung, mit welchem Medium sie ihre Nutzungsbedürfnisse befriedigen [vgl. Groebel 2014, S. 19 f.]

Ältere Zuschauer hingegen ordnen den Geräten und Kanälen tendenziell nur eine bestimmte Funktion zu und nutzen den Fernseher nur zum Fernsehen oder das Telefon nur zum Telefonieren. Jüngere Zuschauer verwenden die oben genannten Medien für mehrere Zwecke [vgl. URL: https://kress.de/news/detail/beitrag/133618-fernsehen-ist-das-neue-fernsehen-wie-junge-zuschauer-die-tv-nutzung-fuer-sich-neu-erfinden.html (07.09.2016)].

Schließlich hat sich auch die Computertechnologie verbessert, bei gleich-bleibender Bildqualität wird weniger Bandbreiten- und weniger Rechnerkapazität benötigt. Eine Folge davon ist, dass parallele Funktionen auf dem Computer möglich sind. In dem Zusammenhang wurden auch Smart-TVs entwickelt, die im Unterschied zu den herkömmlichen Fernsehapparaten einen Internetzugang haben und die neuen hybriden Empfangsgeräte darstellen. Der Kauf eines Fernsehens ist nun nicht mehr eine eindimensionale Anschaffung, sondern es dient verschiedenen Anwendungen [vgl. Groebel 2014, S. 34 f.].

Das „Neue Fernsehen“ ist das Medium mit den meisten Möglichkeiten, technisch wie inhaltlich. Somit ist zu schlussfolgern, dass das „Neue Fernsehen“ im Internet kein weiterer Verbreitungskanal, sondern ein neues Medium ist.

2.2. Die Formate des „Neuen Fernsehens“

Im Folgenden werden die verschiedenen Formate des „Neuen Fernsehens“ im Vergleich zu dem konventionellen Fernsehen umrissen. Eine immer gravierendere Bedeutung wird dem Podcast beigemessen. Hier haben Rundfunksender,- sowie jeder private Zuschauer die Möglichkeit, zum Produzenten werden indem sie selbst erstellte Inhalte zur Verfügung stellen. Bei dem konventionellen Fernsehen besteht ebenfalls die Option, zum „Star“ zu werden, zum Beispiel durch die vorhandenen Reality-Formate. Als Beispiel seien Sendungen von RTL II aufgeführt: Köln 50667, Berlin -Tag & Nacht. Ein weiterer Vorteil des „Neuen Fernsehens“ besteht darin, dass durch die Vielfalt der verschiedenen Medien die Nutzer selbst bestimmen können, welcher Inhalt über welches Medium abgerufen wird, die Empfangsgeräte sind hybrid geworden [vgl. Groebel 2014, S. 51 f.]. Die Inhalte werden hierbei nicht identisch von einem Medium zum anderen übertragen, sondern der Inhalt wird an die Nutzungsgewohnheiten des verwendeten Mediums angepasst. Daraus resultiert, dass das „Internet-Fernsehen“ nicht die Inhalte des konventionellen Fernsehens wiederholt und sie im Internet formatiert, sondern dass das „Internet-Fernsehen“ über neue Möglichkeiten wie Live-Stream, Chat und den individuellen Zugriff auf Interaktionsmöglichkeit mit dem Zuschauer verfügt. Das „Internet-Fernsehen“ ist kein linearer Kanal, stattdessen besteht es aus vielen, einzelnen und verschiedenen Videos, die sich der Konsument seinen Interessen entsprechend zusammenstellen kann. Im Gegensatz zu dem linearen Fernsehprogramm bieten neue Fernsehformate wie Pay-TV, Netflix und You-Tube ein flexibleres und anpassungsfähigeres Programm für die Nutzer, an dem sie sich partizipativ beteiligen können [vgl. URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/konkurrenz-fuer-ard-zdf-und-co-ist-youtube-das-neue-fernsehen/12040898.html (07.09.2016)].

2.3. Das Verhalten der Nutzer des „Neuen Fernsehens“

Auf den Vergleichsaspekten aufbauend stellt sich die Frage, wer die Nutzer des „Neuen Fernsehens“ sind und welche Veränderungen diese bei den Mediennutzungsgewohnheiten bewirkt haben. Aufgrund des neuen Nutzungsverhaltens ist der TV-Typ des „Neuen Fernsehens“ der „Rocking Recipient“ [vgl. Groebel 2014, S. 187 f.].

Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Präsident und Chief Executive Officer von Time Warner Inc. die neuen Formen des „Neuen Fernsehens“. Bewkes berichtet dabei von einem erstaunlichen Wachstum des Fernsehens, welches gerade stattfindet.

Er beschreibt, dass das Fernsehen momentan dabei ist, das Internet zu übernehmen. Auch wenn heute vermehrt vom Internet die Rede ist, ist die Beschäftigung, die Menschen über das Internet ausüben, das Fernsehen. Somit sind fast alle Internetnutzer auch Videostreaming- Nutzer [vgl. URL: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-127195003.html (07.09.2016)].

Der „Rocking Recipient“ passt sein Konsumverhalten an seine individuellen Wünsche an. Für das „Neue Fernsehen“ können in allen Altersgruppen dieselben drei wesentlichen Nutzungsmotive identifiziert werden: Information, Entspannung und Unterhaltung. Es hat sich gezeigt, dass jüngere Nutzer im Vergleich zu älteren Nutzern eine größere Affinität zu Online- Fernsehformaten haben [vgl. Kerkau 2015, S. 21 f.].

Durch die Erweiterung der Trägermedien lässt das „Neue Fernsehen“ mehr Funktionen zu, die sich dem Nutzungsverhalten individuell anpassen. Die Inhalte können zeitlich unabhängig kostenlos abgerufen werden und es besteht die Möglichkeit zur sozialen Interaktion mit anderen Usern. Davon profitiert der Konsument, der zwischen den Rollen des passiven Zuschauers und des aktiven Produzenten spielend wechseln kann. Bei dem „Neuen Fernsehen“ verändert sich ebenfalls das Gemeinschaftserlebnis, der Einzelne kann sich durch Kommentare virtuell online äußern und sich mit anderen austauschen. Schließlich grenzt das Internet auch die Interessengebiete des Konsumenten ein und filtert für ihn passende heraus [vgl. Groebel 2014, S. 68 f.].

Aus den technischen Neuerungen, den neuen Formaten und den sich daraus ergebenden neuen Möglichkeiten des „Neuen Fernsehens“ resultiert ein anderes Nutzungsverhalten bei dem Konsumenten, es entsteht eine neue Art des Fernsehens: individuell, zeitunabhängig, hoch selektiv und wenn gewollt interaktiv. Das internet-basierte Fernsehen bietet die Möglichkeiten des herkömmlichen, linearen Fernsehens in Verbindung mit der Interaktivität des Internets. Die Kombination aus Lean-Back und Lean-Forward-Medium offeriert dem Nutzer die Möglichkeit, gezielt das Beste nach seinen persönlichen Vorlieben zu wählen oder automatisiert die besten Inhalte für sich zusammenstellen zu lassen. Der Zuschauer kann sich beim Fernsehen schauen zum einen entspannt zurücklehnen und den Inhalt genießen, hier würde er sich im „Lean-Back“ -Modus befinden. Zum anderen kann er aktiv eingreifen, indem er zum Beispiel auf einer virtuellen sozialen Plattform über den ihm gezeigten Inhalt kommuniziert, hier würde er sich im „Lean-Forward“ -Modus befinden. Diese Formen bedeuten das Ende von starren Sendezeiten und bieten mehr Komfort als bisher. Während die oben beschriebenen Möglichkeiten der zeitversetzten Nutzung des Mediums Fernsehen ein aktives Handeln der Zuschauer erfordern, bekommt die Zeitsouveränität durch das Abruffernsehen eine neue Qualität [vgl. Engel 2008, S. 93 f.].

Die ARD/ZDF -Onlinestudie 2014 hat die Sehdauer des Fernsehens im Internet bei den 14- bis 29- Jährigen im Vergleich zum herkömmlichen Fernsehen untersucht. Bei der Internetnutzung wurden die Online-Videos mit gemessen, zusätzlich wurde zwischen linearem und zeitversetztem TV unterschieden. Dabei wurden alle unterschiedlichen Gerätetypen, über die die Fernsehnutzung möglich ist, wie Smartphones, Tablets oder sonstige internetfähige Geräte, einbezogen.

Die Studie ergab, dass Personen über 14 bis 29 Jahre täglich 32 Minuten über das Internet fernsehen, dabei wird nicht zwischen linearem und zeitversetztem Fernsehen unterschieden. Die lineare, konventionelle Fernsehnutzung liegt bei 126 Minuten und die zeitversetzte Fernsehnutzung bei einer Minute.

Diese Studie spiegelt den Wandel der Mediennutzungsgewohnheiten wider.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das "Neue Fernsehen" und der "Rocking Recipient". Eine pädagogische Analyse
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V356121
ISBN (eBook)
9783668420793
ISBN (Buch)
9783668420809
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue, fernsehen, rocking, recipient
Arbeit zitieren
Maria-Eleni Kanela (Autor), 2016, Das "Neue Fernsehen" und der "Rocking Recipient". Eine pädagogische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356121

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