Versteckte Ursachen für Leerstände von Häusern und Wohnungen

Leerstand entsteht nicht einfach so


Ausarbeitung, 2016

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Veränderung der Gesellschaft
2.1 Veränderung der Gesellschaft durch den Neoliberalismus
2.2 Die Unternehmerische Stadt

3. Hypothesen zu Ursachen des Leerstands
3.1 Verlagerung der Industrie
3.2 Räume/Städte als Wettbewerbseinheiten
3.3 Wohnungen als Spekulationsobjekte
3.4 Raum als Ware und Leerstand nach Erbe
3.5 Marktmacht
3.6 Objekte, Akteure und Intermediäre

4. Beispiele für Leerstand in Mainz
4.1 Mainz Kostheim- Leerstand bei Linde
4.2 „Allianzgebäude“

5. Fazit und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn wir durch die Straßen gehen und leere Häuser sehen denken wir uns oftmals nichts dabei oder denken: „Da wohnt eben gerade niemand“. Die Ursachen die für Leerstände genannt werden, sind die demographische Entwicklung, dass viele Menschen vom Land in die Stadt ziehen oder in der Stadt Einkaufsläden in entfernten Gebieten angesiedelt sind.

In der folgenden Arbeit soll herausgearbeitet werden, ob noch andere Gründe dahinterstecken und inwiefern die Veränderung der Gesellschaft dahintersteckt. Gibt es vielleicht Menschen, die mit den Häusern handeln oder vom Leerstand profitieren? Warum können nicht Menschen dort einziehen, die gar kein Dach über dem Kopf haben? Diese Arbeit soll aufzeigen wie ein wirtschaftlicher Strukturwandel das Bild der Stadt verändern kann und wer dabei die Finger im Spiel hat. Wir wollen schauen ob die These: „Leerstand wird aktiv hergestellt und ist das Ergebnis einer politökonomisch bedingten Architektur und Raumproduktion“ (vgl. Hirschmann 2014: 13), wirklich stimmt.

Gegliedert ist die Arbeit in drei Teile: Am Anfang wird die Gesellschaftliche Veränderung durch den Neoliberalismus dargestellt, worauf im zweiten Teil dann explizite Ursachen für Leerstände als Folge der gesellschaftlichen Veränderung aufgezeigt werden sollen. Im letzten Punkt werden zwei Beispiele in Mainz vorgestellt, welche die Sachverhalte veranschaulichen sollen.

2. Veränderung der Gesellschaft

Im Folgenden soll aufgezeigt werden wie es zum Umbruch von politischen und wirtschaftlichen Strukturen gekommen ist und wie die Veränderungen Einfluss auf die Stadt nehmen, sodass Städte genau wie Unternehmen im Wettbewerb zueinander stehen und miteinander konkurrieren.

2.1 Veränderung der Gesellschaft durch den Neoliberalismus

Durch „die Einführung und Anwendung neuer Schlüsseltechnologien wie der Mikroelektronik und den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien“ (Buttwegge/Lösch/Ptak 2008: 83) in den 70er Jahren kam es zu einer Globalisierung der Ökonomie und Auflösung des keynesianischen Wohlfaartstaates. Dieser ließ sich unter den neuen Umständen nicht mehr umsetzen. Postfordistische Strukturen, wie Flexibilisierung und internationale Arbeitsteilung, lösten den Wohlfahrtsstaat ab. Folge der Automatisierungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland war eine Massenarbeitslosigkeit, welche guten Nährboden für die Etablierung des Neoliberalismus darstellte. Mit der „weniger Staat mehr Markt“-Politik setzte er sich in Deutschland und anderen Staaten durch (vgl. Nowak 2009: 12f). Allerdings war nicht unbedingt die neue Technik allein schuld, sondern die Art, wie die Gesellschaft Arbeit, Beziehungen und Ressourcen organisiert, sodass der Reichtum nur auf wenige Menschen beschränkt ist. Der neoliberale Strukturwandel der Wirtschaft und Politik zeigt sich zum einen in der Liberalisierung des Welthandels und der Finanzmärkte, der Privatisierung staatlicher Dienstleitungen und Entkopplung von realer und virtueller Produktion (vgl. Hirschmann 2014: 12ff). Zum anderen werden der kommunalen Ebene eine größere Bedeutung und mehr Verantwortung zugemessen (vgl. Schipper/Duveneck 2010: 3). Die Veränderungen des Neoliberalismus lassen die Stadt zu einer Unternehmerischen Stadt werden, welche vom Wettbewerb geprägt ist.

2.2 Die Unternehmerische Stadt

„Ziel unternehmerischer Stadtpolitik ist es, global agierendes Kapital, Fördermittel, einkommensstarke Haushalte, Konsument_innen und Tourist_innen im interkommunalen Wettbewerb anzuziehen, wozu eine Verbesserung harter und weicher Standortfaktoren geboten erscheint“ (Heeg/Rosel 2007). Die Städte legen den Fokus auf wirtschaftlichen Gewinn, wobei es wichtig ist strukturstarke Regionen zu schaffen, was dadurch gelingt die Standortfaktoren zu verbessern. Dass dabei Forderungen und Bedürfnisse der Bürger nicht beachtet oder abgelehnt werden interessiert die neuen, oft privaten Akutere in den Städten nicht. Merkmale des aus dieser Entwicklung resultierenden Strukturwandel ist eine systemische Verschärfung sozialer Ungleichheiten: es kommt zur einseitigen Orientierung an den Bedürfnissen privilegierter Gesellschaftschichten, zum Rückzug des sozialen Wohnungsbau, es gibt einen „Wettbewerb um die Köpfe“ und kostspielige Stadtmarketingabteilungen werden gebildet. Zusätzlich kommt es zur Privatisierung stadtpolitischer Maßnahmen und aktiver Gestaltung dergleichen in Form von Public-Private-Partnerships und öffentliche Räume werden privatisiert und Produktionen ins Ausland verlagert (vgl. Schipper/Duveneck 2010: 2).

Insgesamt nimmt die Stadt unbewusst eine Schlüsselrolle in der Realisierung neoliberalen Projekte ein, deren Ziel es ist die Stadt attraktiver, kreativer und sicher erscheinen zu lassen (vgl. Harvey 2001: 355).

Wie die „unternehmerische Stadt“ zur Ursache des Leerstands werden kann soll anhand von Hypothesen im dritten Kapitel weiter erläutert werden.

3. Hypothesen zu Ursachen des Leerstands

Viele Menschen nehmen die Leerstände von Immobilien vielleicht gar nicht wahr, andere sehen sie, denken sich aber nichts dabei oder verstehen nicht warum Häuser leer stehen müssen. Auf dem Hintergrund der veränderten Gesellschaft und er unternehmerischen Stadt sollen im Folgenden mögliche Ursachen für leer stehende Häuser aufgezeigt werden. Es besteht keine Garantie zur Vollständigkeit der Ursachen, es gibt oft viele verschiedene Einflussfaktoren, die zu Leerstand führen, aber die folgenden Punkte sollen aufzeigen wie die Gesellschaft ihren Beitrag zu Leerstand gibt und ein besseres Verständnis schaffen.

3.1 Verlagerung der Industrie

Die erste Ursache des Leerstandes ist eine Folge der Liberalisierung des Welthandels und der Deregulierung des weltweiten Kapitalverkehrs. Große Unternehmen werden in kleinere Produktionseinheiten aufgeteilt, wobei Entscheidungs- und Managementebenen in Deutschland bleiben und nur die arbeitsintensiven Produktionsbereiche in kostengünstigere Länder verlagert werden. Daraus folgen leere Industriegebiete, die auch von anderen Industriefirmen nicht wieder belegt werden wollen. Außerdem stehen Kultur- und Wissensproduktion im Focus der Entscheidungsträger (vgl. Hirschmann 2014: 14f.).

3.2 Räume/Städte als Wettbewerbseinheiten

Durch die „Dezentralisierung zentraler ökonomischer Regulation“ werden Städte, Orte und Räume zu einzelnen Wettbewerbseinheiten, die daran interessiert sind die besten Standortvorteile vorzuzeigen. Nicht mehr der Staat hat die Verantwortung, sondern die Kommunen. Die Folge ist, dass Menschen aus den benachteiligten Regionen wegziehen, dort Häuser, Krankenhäuser, Geschäfte, etc. leer stehen, weil sie nicht mehr benötigt werden, und sie dann in die „Wachstumszentren“, meist große Städte, wandern (Hirschmann 2014: 16).

Da die Städte mittlerweile wie kleine Unternehmen agieren und in Konkurrenz zueinander stehen, betreiben sie keinen sozialen Wohnungsbau mehr, sondern übergeben die Verantwortung an viele privatwirtschaftliche Unternehmen weiter. Zwar werden Menschen weiterhin vom Staat unterstützt, aber es wird immer weniger bezahlbarer Wohnraum in den Städten gefunden. Somit werden Städte zu Akteuren, von Raumproduktionen (vgl. Hirschmann 2014: 20).

Zuletzt setzen sich die Städte mit allen Mitteln dafür ein, dass ihr Standort für Investoren attraktiv ist, dazu werden Großbauhaben, welche oft nicht sinnvoll genutzt werden, genehmigt, auch wenn die Vorschriften nicht korrekt sind. Aber jedes Risiko, um Geld zu verdienen wird eingegangen (vgl. Logan/Moltoch 2007).

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Versteckte Ursachen für Leerstände von Häusern und Wohnungen
Untertitel
Leerstand entsteht nicht einfach so
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Empirisches Arbeiten: Leerstände in Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V356228
ISBN (eBook)
9783668419834
ISBN (Buch)
9783668419841
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mainz, Leerstand, Leerstände, Spekulation, Neoliberalismus, Immobilien, Häuser, Wohnungen
Arbeit zitieren
Johanna Franzmann (Autor:in), 2016, Versteckte Ursachen für Leerstände von Häusern und Wohnungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356228

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