In meiner Hausarbeit werde ich das Werk und die Rezeptionsgeschichte des Werks des Spruchsängers Süßkind von Trimberg vorstellen. Es sind zwölf Sangsprüche, die in der Großen Heidelberger Liederhandschrift (Codex Palatinus Germanicus 848=C) als Werke Süßkinds von Trimberg aufgeführt sind. Sie sind in sechs Tönen überliefert. Insgesamt 157 Zeilen Lyrik sind auch die einzigen Spuren, die der Sänger Süßkind hinterlassen hat.
Zwei Verse werden in der Forschung besonders kontrovers diskutiert. Denn dort geht es um die Herkunft des Dichters. In den besagten Versen singt Süßkind:
ich will in alter juden leben
mich hinnan fürwert ziehen. (V, 2,7f)
Die Tatsache, dass ein mittelalterlicher deutscher Dichter ein Jude sein könnte, inspirierte und irritierte nicht wenige Germanisten und Mittelalterspezialisten von dem 19. Jahrhundert bis heute und zeigte sich als ideale Projektionsfläche für jede Art der Fiktionalisierung und Instrumentalisierung. Es entstanden Unmengen an Sekundärliteratur, aber auch Biografien, Erzählungen und ein Roman.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sangspruchdichtung
3. Süßkind von Trimberg
3.1 Eintrag in der Großen Heidelberger Liederhandschrift
3.1.1 Das begleitende Bild in der Heidelberger Liederhandschrift
3.2 Süskind von Trimberg – ein Jude oder nicht?
3.3 Fiktion, Spruchdichtung und Geschichte im Josef Kasteins „Süßkind von Trimberg oder die Tragödie der Heimatlosigkeit“
3.3.1 Minnesangskritik
3.4 Rezeption der ausgewählten Gedichte
3.4.1 Gotteslob („Küng herre“, III, 1)
3.4.2 Frauenlob („Ir mannes krône“, III, 2)
3.4.3 Armutsklage ( V, 1,2)
3.4.4 Die Apologie: die Fabel über den Wolf ( VI)
4. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das literarische Werk und die Rezeptionsgeschichte des Spruchsängers Süßkind von Trimberg, wobei der Fokus insbesondere auf der kontroversen Frage seiner jüdischen Identität und deren literarischer sowie wissenschaftlicher Instrumentalisierung liegt.
- Analyse der Sangspruchdichtung als Gattung im Mittelalter
- Untersuchung der Forschungsdebatte zur jüdischen Herkunft Süßkinds
- Interpretation der ikonografischen Darstellung in der Großen Heidelberger Liederhandschrift
- Kritische Auseinandersetzung mit der literarischen Aufarbeitung durch Josef Kastein
- Rezeption ausgewählter Gedichte im Kontext religiöser und sozialer Zuschreibungen
Auszug aus dem Buch
3. Süßkind von Trimberg
Die zwölf Sprüche des Spruchsängers Süßkind von Trimberg wurden in der berühmten, um 1330 in Zürich entstandenen, „Großen Heidelberger Liederhandschrift“ (Codex Manesse) überliefert. Dort findet man den Namen des Autors in zwei unterschiedlichen Varianten. Während in der kleinen Vorschrift Süeskint von trimberg ein jude steht, lautet die Überschrift über dem ganzseitigen Bild Süeskint der Jude von Trimperg.
Einen Dichter nach seiner religiösen oder völkischen Zugehörigkeit wie hier zu benennen, war nicht üblich. Die meisten Dichter wurden nach ihrer Funktion am Hof (so war Truchseß als „Oberster der Mundschenke“ vermerkt) oder nach ihrer Tätigkeit (Schreiber, Schulmeister) genannt. Der einzige Dichter, der auf ähnliche Weise genannt wurde, war Christian von Lupin, der mit dem Zusatz „ein Thüring“ geführt wurde.
Das Werturteil des schmalen Gesamtwerkes Süßkinds sowie die Analyse seiner Gedichte hingen oft sehr eng mit der Einschätzung über die Herkunft des Dichters zusammen. Wenn einer in Süßkind einen Juden sah, dann versuchte er in jedem seiner Gedichte Beweise dafür zu sammeln. Und auch umgekehrt: Wenn einer der Meinung war, dass die Bezeichnung Jude eigentlich aus den zwei zitierten Zeilen in die Namenszeilen geraten sei, dann fand er in allen Strophen überhaupt nichts, das speziell jüdisch wäre.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Rezeptionsgeschichte von Süßkind von Trimberg und die Forschungsfrage zur Herkunft des Dichters.
2. Sangspruchdichtung: Definition der Gattung als wissenschaftliche Setzung des 19. Jahrhunderts und Darstellung der Lebensumstände der fahrenden Dichter.
3. Süßkind von Trimberg: Detaillierte Untersuchung der Identitätsfrage, der bildlichen Überlieferung und der literarischen Bearbeitungen seines Schicksals.
4. Schlusswort: Resümee über die Unmöglichkeit einer abschließenden Identitätsklärung und Reflexion über den Erkenntniswert der Auseinandersetzung mit dem Dichter.
Schlüsselwörter
Süßkind von Trimberg, Sangspruchdichtung, Mittelalter, Große Heidelberger Liederhandschrift, Codus Manesse, Jüdische Identität, Rezeptionsgeschichte, Josef Kastein, Minnesang, Winfried Frey, Fiktionalisierung, Fahrende Dichter, Spruchsänger, Antisemitismusforschung, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Werk und der Identitätsdebatte um den mittelalterlichen Spruchsänger Süßkind von Trimberg.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Gattung der Sangspruchdichtung, die historische Identitätsfindung eines jüdischen Dichters im Mittelalter und die wissenschaftliche Rezeption dieser Figur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Frage nach der Herkunft des Sängers als Projektionsfläche für wissenschaftliche und literarische Interpretationen diente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärquellen, Sekundärliteratur und ikonografischen Belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Gattungsbestimmung, eine biographische Analyse und eine detaillierte Auswertung der Rezeptionsgeschichte anhand ausgewählter Gedichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Süßkind von Trimberg, Sangspruchdichtung, Identitätsforschung und Rezeptionsgeschichte geprägt.
Welche Rolle spielt das Bild in der Heidelberger Liederhandschrift für die Forschung?
Das Bild ist eine zentrale, jedoch kontrovers diskutierte Quelle, da es als Beleg für die jüdische Identität herangezogen wird, von anderen Forschern jedoch als nicht authentisch oder rein motivisch interpretiert wird.
Wie bewertet die Arbeit die Ansätze von Josef Kastein?
Die Arbeit schätzt Kasteins literarische Aufarbeitung als wertvollen Beitrag, um das Schicksal von Süßkind als Metapher für die historische Situation der Juden in Deutschland zu verstehen.
Wird die jüdische Herkunft des Dichters bewiesen?
Nein, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Identität rätselhaft bleibt und die Forschung eher von zeitgeistlichen Vorurteilen als von gesicherten Fakten geprägt ist.
- Citation du texte
- Tomo Polic (Auteur), 2015, Die zwölf Sprüche des Spruchsängers Süßkind von Trimberg. Rezeptionsgeschichte des Werks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356283