Ursachen von Steuerhinterziehung. Empirische Analyse von Determinanten der Steuermoral


Bachelorarbeit, 2017
67 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Forschungsfrage
1.3. Gang der Untersuchung

2. Theoretischer Hintergrund der Steuermoral

3. Das Zusammenspiel von Steuermoral und Steuerhinterziehung
3.1. Mechanismen der Steuermoral
3.2. Hypothesenformulierung

4. Empirische Analyse
4.1. Stichprobe
4.2. Internationaler Vergleich der Steuermoral
4.3. Korrelationen zwischen Steuermoral und anderen Delikten
4.4. Determinanten der Steuermoral
4.4.1. Operationalisierung
4.4.2. Durchführung
4.4.2.1. Bivariate Analyse
4.4.2.2. Multivariate Regression
4.4.2.2.1. Auswahl der Kontrollvariablen
4.4.2.2.2. Operationalisierung der Kontrollvariablen
4.4.2.2.3. Durchführung multivariate Regression
4.4.2.2.4. Überprüfung der Güte

5. Ergebnisreproduktion anhand Eigenerhebung
5.1. Stichprobe
5.2. Operationalisierung
5.3. Durchführung
5.3.1. Bivariate Analyse
5.3.2. Multivariate Analyse
5.3.2.1. Auswahl der Kontrollvariablen
5.3.2.2. Operationalisierung der Kontrollvariablen
5.3.2.3. Durchführung der multivariaten Regression
5.3.2.4. Überprüfung der Güte

6. Fazit

7. Anhang

8. Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Haltung zu Steuersätzen in Deutschland

Abbildung 2: Gerechtigkeitsempfinden gegenüber Deutsches Steuerrecht

Abbildung 3: Das Steuerdilemma der BRD

Abbildung 4: Steuerwiderstand

Abbildung 5: Internationaler Steuervergleich

Abbildung 6: Histogramm Steuermoral

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bewertung von Steuerhinterziehung im Ländervergleich

Tabelle 2: Mann-Whitney-U-Test

Tabelle 3: Rangkorrelationskoeffizienten zu anderen Delikten in Deutschland

Tabelle 4: Bivariate Analyse

Tabelle 5: Mögliche Kontrollvariablen

Tabelle 6: Koeffizienten Deutschland

Tabelle 7: Modellübersicht Deutschland

Tabelle 8: Varianzanalyse Deutschland

Tabelle 9: Bivariate Analyse der 2. Stichprobe

Tabelle 10: Auswahl Kontrollvariablen aus eigener Erhebung

Tabelle 11: Kodierung der Kontrollvariablen

Tabelle 12: Modellübersicht Vergleich

Tabelle 13: Vergleichende Varianzanalyse

Tabelle 14: Einordnung von Steuerhinterziehung im internationalen Vergleich

Tabelle 15: Test auf Normalverteilung der Länder

Tabelle 16: Korrelation zwischen Steuermoral und anderen Delikten

Tabelle 17: Vergleich der Regressionen

Tabelle 18: Modellübersicht der einzelnen Regressionen

Tabelle 19: Varianzanalyse der unterschiedlichen Länder

Tabelle 20: Betawerte und Signifikanzen der einzelnen Länder

Tabelle 21: Residuenstatistik der multivariaten Analyse aus Deutschland

Tabelle 23: Korrelation zwischen den Regressionskoeffizienten für Deutschland

Tabelle 24: Standardisierte Betas und p-Werte

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Im Jahr 2013 betrugen die Steuereinnahmen in Deutschland insgesamt 619.708 Millionen Euro (Bundesfinanzministerium - 2) Kassenmäßige Steuereinnahmen nach Steuerarten 1950 bis 2015, S. 2). Dies ist die offizielle Zahl des Bundesfinanzministeriums zur Höhe der Steu- ereinnahmen. Professor Friedrich Schneider, beschäftigt an der Universität Linz, errechnete, dass schätzungsweise rund 52 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung in Form von Schwarzarbeit, Umsatzsteuerschwindel oder durch Angaben falscher Kapitaleinkünfte (On- line 2014) dem Staat entgehen.

Auch von anderen Forschern wurde festgestellt, dass die Bereitschaft Steuern zu zahlen nicht primär durch äußerlichen Zwang getrieben ist. „Insgesamt kann weder auf der Grundlage des einfachen Modells (...) noch seiner diversen Verfeinerungen erklärt werden, warum die Steuerzahler angesichts extrem geringer Entdeckungswahrscheinlichkeiten und relativ ge- ringer Strafsätze Steuern zahlen“ (Bizer 2000, S. 8). Die Hinterziehung von Steuern ist ein sehr aktuelles und brisantes Thema. Spricht man das Thema Steuermoral im Bekanntenkreis an, so löst dies meist ein eher negatives Gefühl beim Gesprächspartner aus. Häufig werden hierbei Steuersätze assoziiert, welche als zu hoch oder ungerecht angesehen werden, vlg Abbildung 1 und Abbildung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Haltung zu Steuersätzen in Deutschland.

Quelle: BP; HIS; ARD; Multimedia Kontor Hamburg, eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Gerechtigkeitsempfinden gegenüber Deutsches Steuerrecht. Quelle Focus, eigene Darstellung

In dutzenden empirischen und theoretischen Arbeiten wird dieses Thema in unterschied- lichsten Forschungsdisziplinen wie z.B. der Ökonomik, Soziologie und Psychologie (Fran- zen 2008b, S. 94) behandelt. Am häufigsten trifft man auf die Begriffe Steuermoral, Steuer- widerstand und die resultierende Steuerhinterziehung als Strafdelikt. Gem. § 370 AO wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren der bestraft, der Finanzbehörden oder anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder die Finanzbehörde pflichtwidrig über erhebliche Tatsachen in Unkenntnis lässt. In besonderen Fällen beträgt die Strafe bis zu zehn Jahre. Nach Cummings et al. (2009, S. 4) ist die Ursache für die Steuerhinterziehung die häufig diskutierte niedrige Steuermoral, welche die intrinsische Motivation ist, Steuern aus einem moralisch verpflichtenden Gesell- schaftsvertrag zu zahlen und zum anderen die Steuermentalität, welche die grundsätzliche Einstellung zum Steuersystem, zur Steuergerechtigkeit, zur Steuerpflicht und zur Steuerehr- lichkeit definiert.

Welche Faktoren eine Rolle auf die Steuermoral ausüben, ist Gegenstand dieser Arbeit. Im internationalen Ländervergleich zwischen Deutschland, der Türkei, Südafrika und Japan werden die Unterschiede der Steuermoral analysiert und herausgearbeitet und welchen Ein- fluss soziodemographische Daten auf die jeweilige Steuermoral der einzelnen Länder haben.

1.2. Forschungsfrage

Die Frage lautet: Wie hoch ist die Steuermoral im Ländervergleich und inwiefern besteht ein Zusammenhang zwischen anderen Delikten, welche zum Teil strafbar sind, zum Delikt der Steuerhinterziehung?

1.3. Gang der Untersuchung

Zu Beginn wird in Kapitel 2 ein Literaturüberblick zur bisherigen Forschung gegeben. Die- ser soll dem Leser den Beginn der Steuerpsychologie und die Hinzunahme weiterer Annah- men verdeutlichen, welche bis hin in die Gegenwart getestet und sowohl belegt als auch abgelehnt werden. Kapitel 3 thematisiert die Unterschiede hinsichtlich der Steuermoral, der Steuerhinterziehung und des Steuerwiderstandes, woher deren Ursprung ist und soll einen ersten Ausblick auf Ursachen und Hilfen bieten. Das Kapitel schließt mit der Behandlung unterschiedlicher Mechanismen der Steuermoral, welche mal mehr und mal weniger eine Rolle spielen, in der Summe jedoch auf die Steuermoral einwirken. Übergreifend themati- siert das Ende des dritten Kapitels die Hypothesen, welche im empirischen Teil dieser Ab- schlussarbeit getestet werden sollen. Das Ergebnis soll zeigen, ob die Determinanten Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und Vertrauen in den Staat sich auf die Steuermoral auswirken. Kapitel 4 leitet über in den empirischen Teil der Arbeit. Hierzu wird die Stichprobe beschrie- ben und anschließend in einem bivariaten Verfahren getestet, ob die Hypothesen angenom- men oder abgelehnt werden. Aufgrund des Begriffs Steuermoral wird die Steuermoral im Kontext mit anderen moralischen Delikten gebracht, um ein Maß zu nennen, wie schwer- wiegend das Delikt Steuerhinterziehung in der Bevölkerung von Deutschland, Südafrika, der Türkei und Japan im Hinblick auf andere Delikte und Themen bewertet wird. Das Kapitel 4 wird komplettiert durch eine multivariate Regressionsanalyse. Diesbezüglich werden zuerst mögliche Kontrollvariablen herausgearbeitet und anschließend für Deutschland eine mul- tivariate Regression durchgeführt, welche die Steuermoral durch Hinzunahme weiterer De- terminanten besser beschreiben soll. Die Ergebnisse im internationalen Vergleich werden genannt und lassen sich im Anhang finden. Die Analyse wird abgerundet durch eine zweite Stichprobe, welche aus eigener Erhebung stammt. Hierbei werden, wie zuvor, eine bivariate und anschließend eine multivariate Analyse durchgeführt, nachdem zuvor eine Operationa- lisierung durchgeführt wurde. Aus Vereinfachungsgründen wurde jedoch auf die Prüfung der Modellprämissen, welche für die erste Stichprobe durchgeführt wurde, verzichtet.

2. Theoretischer Hintergrund der Steuermoral

Seit einem halben Jahrhundert beschäftigt sich die Forschung mit dem Thema Steuermoral. Hierbei stehen sich verschiedene Forschungsdisziplinen, z.B. die Ökonomik, Soziologie und Psychologie, gegenüber und versuchen, sich unterschiedlich an das Thema Steuermoral her- anzutasten (Franzen 2008b, S. 94). Den Grundstein für aktuelle Theorien und Untersuchun- gen hierfür legte das Modell von Allingham und Sandmo aus dem Jahr 1972. Das Modell beinhaltet die Abwägung der Vorteile von Steuerhinterziehung gegenüber den Kosten (der Steuerhinterziehung). In dem Modell hat der Steuerzahler, als Homo Economicus, sein kom- plettes Einkommen I. Er gibt sein Einkommen D an, welches mit einer Steuerrate t besteuert wird. Nicht angegebenes Einkommen wird nicht besteuert. Die Wahrscheinlichkeit, geprüft zu werden, ist P. Wird das Einkommen eines Individuums geprüft, wird bei der Prüfung entdecktes Einkommen zudem mit einer Steuerstrafe in Höhe von f auf jeden nicht erklär- ten Dollar belegt. In Allingham und Sandmos Modell werden die Fälle betrachtet in denen D kleiner ist als I. Falls die Hinterziehung aufgedeckt wird, ist das Einkommen Ic= I - tD - ft(I-D). Falls keine Prüfung erfolgt, dann ist das Einkommen In= I - td. Der Steuerzahler versucht seinen Nutzen EU (I) zu maximieren und wägt ab zwischen EU(I) = pU(Ic) + (1- p)U(In). Die Optimierung wird anschließend über die erste Ableitung gebildet und es stellt sich heraus, dass sich die Compliance (diese bezeichnet den Willen zur Steuer bzw. den Steuerwiderstand) durch eine Steigerung der Prüfungswahrscheinlichkeit bzw. der Höhe der Strafrate ändert (Cummings et al. 2009, S. 6). Häufig wurde dieses Modell untersucht und kritisiert, da es seinen Fokus nur auf einen kleinen Bereich legt. Die Steuerhinterziehung definiert sich nur in Form von zu niedrig deklariertem Einkommen. Strafen und Steuern ste- hen sich proportional gegenüber und die Prüfungswahrscheinlichkeit ist eine Konstante (Franzen 2008a). Folglich sei die Prüfung für jeden Bürger gleich wahrscheinlich (Franzoni 1998, S. 57). Des Weiteren beinhaltet sie nicht den Unterschied zwischen selbsterstellter Steuererklärung und Erklärungen von Dritten, beispielsweise dem Arbeitgeber (Luttmer u. Singhal 2014, S. 152). Kritisiert wurden weiterhin besonders die fehlenden Aspekte der mo- ralischen und sozialen Faktoren (Franzen 2008a, S. 74). Zwar umfasste die Theorie von Al- lingham und Sandmo keine umfassende Betrachtung, diese wurde jedoch auch nicht von den Autoren beansprucht. Vielmehr sollte dieses Modell als Basiserklärung erste Erkenntnisse liefern und für zukünftige Forschung genutzt werden. Bereits in den 50er Jahren entwickelte Schmölders bestehende Ansichten um finanz- und sozialpsychologische, politologische und soziologische Aspekte, die später einen Ansatz zur Beschreibung der Steuermoral, Steuer- mentalität, Persönlichkeitsmerkmale und sozialen Normen geben sollten, und etablierte die Disziplin der Steuerpsychologie (Schmölders 1953). Dessen Ansätze beinhalteten Methoden der Sozialforschung, verbunden mit empirischen Theorien der Sozialpsychologie. Schmöl- ders verfolgte in diesem Ansatz die Erklärung von Motivation, Verhalten, Einstellungen und Emotionen. Er versuchte nicht nur Steuerhinterziehung zu erklären, sondern gleichzeitig ei- nen Rang zu anderen Delikten herzustellen. Dessen Einschätzung der Steuermoral waren auf Basis seiner Ergebnisse als "Kavaliersdelikt" (Schmölders 1970) tituliert. Diesen Ansatz verfolgen viele Studien, welche neben Strafen und Kontrollen die Steuermoral als maßgeb- liche Determinante der Steuerhinterziehung ansehen. Die Steuermoral stellt die intrinsische Motivation dar, Steuern zu zahlen, welche aus der moralischen Verpflichtung aus einem ge- gebenen Gesellschaftsvertrag resultiert (Cummings et al. 2009, S. 4).

Schmölders formt im Jahr 1960 den Begriff der Steuermentalität. Diese umfasst die grund- sätzliche Einstellung zum Steuersystem, Steuergerechtigkeit, Steuerpflicht und Steuerehr- lichkeit und wird geprägt durch kulturelle Einstellungen (Schmölders 1960, S. 70). Steuer- mentalität beinhaltet die Einstellung zur Steuer. Sie beeinflusst die Steuermoral, welche die Einstellungen der Steuerzahler zum Steuerdelikt beschreibt. Ausgehend von der Steuermoral kann mit größerer Wahrscheinlichkeit auf das entsprechende Verhalten geschlossen werden (Schmölders 1960, 97ff). Es resultiert, dass die Steuermoral und Steuermentalität den mög- lichen Steuerwiderstand formen. Hierbei ist nicht die objektive Belastung, sondern die sub- jektive Belastung ausschlaggebend. Die subjektive Belastung wird durch einen objekti- ven Steuerbetrag geformt, jedoch maßgeblicher noch von einer Menge psychischer Wahr- nehmungsfiltern beeinflusst (Franzen 2008a, S. 75). Diesbezüglich gehen dutzende Studien auf die Steuermoral im Ländervergleich und jene Aspekte, welche die Steuermoral beein- flussen können, ein. Hinsichtlich der Resultate können die Ergebnisse nicht stärker vonei- nander abweichen. Torgler u. Schaltegger (2005, S. 7) zeigen in ihrer Studie beispielsweise Unterschiede der Steuermoral zwischen Ländern deutlich auf.

Die Daten werden hierbei aus unterschiedlichen Befragungen bezogen. Hieraus erklären sich unter anderem Unterschiede in den Ergebnissen. Das World Values Survey, auf welches in Kapitel 4.1 genauer eingegangen wird, und das Latinobarómetro fragen die Steuermoral in Form der Frage "Würden Sie, wenn Sie könnten, Steuern hinterziehen?" ab. Wobei das Latinóbarometro eine zweite Frage zum Abfragen beinhaltet, nämlich "Gute Staatsbürger zahlen Steuern" (Daude et al. 2012, S. 6)

Rückblickend betrachtet stellt sich die Frage, welche Aspekte nun die Steuermoral treiben? Untersuchungen des World Values Survey ergaben, dass 80% der Befragten angaben, dass Bürger nicht Steuern hinterziehen sollten. Dies legt nahe, dass das Alingham und Sandmo Modell aus dem Jahr 1992 nicht alle Variablen zur Steuermoral beinhaltet (Luttmer u. Sin- ghal 2014, S. 151).

Der Einbezug von soziodemographischen Daten wurde häufig überprüft und bewiesen. So wurde der Einfluss von Alter oder Geschlecht auf die Steuermoral sehr häufig in Studien belegt. Daude et al. 2012 erklären, dass mit dem Alter Steuerhinterziehung weniger gerecht- fertigt werden kann (Daude et al. 2012, S. 13). Dies lässt sich vermutlich auf den sozialen Status zurückführen, welchen man im Laufe der Zeit erlangt hat. Dies beobachtete auch Torgler u. Schaltegger (2005, S. 12) bei Untersuchungen in der Schweiz. Je älter Steuerzah- ler sind, desto empfindlicher reagieren sie auf Steuerstrafen (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 12). Die Wirkung des Geschlechtes hingegen ist umstritten. Frauen agieren risikoaverser als Männer und tendieren daher zu einer höheren Steuermoral (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 13). Der Einfluss von Religion wurde ebenso häufig analysiert und bestätigt. So korreliert die Antwort auf Glaube häufig mit einer hohen Steuermoral (Daude et al. 2012, S. 20). Des Weiteren spielt das Vertrauen in den Staat eine wichtige Rolle. Hierbei steigt die Steuermo- ral, wenn dem Steuerzahler ein Gefühl von Ehrlichkeit gezeigt wird (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 20). Dabei geht es ebenso um die Resistenz zu korrupten Handlungen, fairer Be- handlung, transparente Arbeit und das hilfsbereite Agieren als Serviceinstitut, welches mög- liche Strafen nicht von oben herab auferlegt (Torgler u. Schaltegger 2005, 27f). Andere De- terminanten finden jedoch in der Literatur auch häufig Beachtung. Anerkennung der Ge- setze, (Cummings et al. 2009, S. 10) oder das soziale Umfeld, welches die Bereitschaft, Steuern zu zahlen senkt, wenn es selber nicht entsprechend Steuern zahlt (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 26).

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Steuermoral im internationalen Vergleich. Es wird ein besonderes Augenmerk auf die Länder Deutschland, Türkei, Südafrika, Japan und Ghana gelegt. Ähnlich wie bei anderen Analysen werden ausgewählte Determinanten der Steuermoral als mögliche Größen ausgesucht und ihre Wirkung gegen oder für den Steuerwiderstand getestet. Hierzu zählen das Geschlecht, das Alter, der Glaube, die Bildung und das Vertrauen in den Staat.

Folgend handelt es sich um die wechselseitige Wirkung von Steuermoral, Steuermentalität, des möglichen Steuerwiderstandes und der letztlich resultierenden Steuerhinterziehung. Dabei werden Mechanismen, welche die Steuermoral beeinflussen, aufgeführt, woran anschließend Hypothesen zu besagten Determinanten aufgestellt werden.

3. Das Zusammenspiel von Steuermoral und Steuerhinterziehung

Gem. § 370 AO wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren der bestraft, der Fi- nanzbehörden oder anderen Behörden über steuerlich erhebliche Tatsachen unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder die Finanzbehörde pflichtwidrig über erhebliche Tatsa- chen in Unkenntnis lässt. In besonderen Fällen beträgt die Strafe bis zu zehn Jahre. Schon der Versuch ist strafbar. Begünstigend zu diesem Delikt steht eine eigene niedrige Steuer- moral, welche die intrinsische Motivation angibt Steuern zu zahlen (Cummings et al. 2009, S. 4).

Steuern sind gem. § 3 AO Geldleistungen, die keine Gegenleistung für eine besondere Leis- tung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Ein- nahmen allen auferlegt werden. Aus Analysen der Forschungsstelle für empirische Sozial- ökonomik e.V. (kurz, Fores) scheint ein „Moraldilemma“ erkennbar zu sein. Einerseits lehnt die Mehrheit Steuerhinterziehung ab und hält sie für unmoralisch, andererseits wird diese Moralvorstellung aufgrund von einer wahrgenommenen Ungerechtigkeit der Gesetze von einer Mehrheit in Frage gestellt (Franzen 2008b, S. 98). Abbildung 3 veranschaulicht dies im Zeitraum von 1997, 1999, 2008 und 2014. Es geht hervor, dass im Laufe der Zeit Steu- erhinterziehung als unmoralisch betrachtet wird und bei den frühen 2000ern eine deutliche Mehrheit und 2014 mehr als die Hälfte kleine Steuerhinterziehung weniger schlimm finden als Steuerverschwendung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das Steuerdilemma der BRD.

Quelle: vgl. Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik e.V. (2014)

Der Entschluss über die tatsächliche Begehung des Deliktes wird verursacht durch die soge- nannte Steuermoral. Diese wird in der Literatur meist definiert als "(...) die Einstellung einer Gruppe oder der Gesamtheit der Steuerpflichtigen zur Frage der Erfüllung oder Vernachläs- sigung ihrer steuerlichen Pflichten (...)" (Schmölders 1970, S. 78f) und beschreibt somit die moralische Bewertung bzw. die Ablehnung der Steuerzahlung. Es fließen eine Vielzahl an Faktoren in die Steuermoral, welche länder- und kulturspezifischer Natur sein können (Torg- ler u. Schaltegger 2005, S. 2). Die Steuermentalität beeinflusst die Einstellung des Steuer- pflichtigen zum Steuerdelikt. Im Gegensatz zur Steuermoral handelt es sich hierbei also um die Haltung zur Steuer, so dass von der Steuermoral mit größerer Wahrscheinlichkeit auf das Steuerdelikt geschlossen werden kann (Franzen 2008a, S. 75). Steuermoral und Steuermen- talität formen die mögliche Steuerhinterziehung bzw. die Steuerflucht. Diesbezüglich ist nicht die objektive Belastung, sondern die subjektive Belastung ausschlaggebend. Die Steu- erwahrnehmung wird durch einen objektiven Steuerbetrag belastet, jedoch überwiegender noch von einer Menge psychischer Wahrnehmungsfilter beeinflusst (Franzen 2008a, S. 75), wie der Behandlung durch die Behörde, der Verwendung der Steuermittel und den Nutzen, den der Steuerzahler daraus ziehen kann. Abbildung 4 veranschaulicht den Prozess des Steu- erwiderstandes nach Hansmeyer u. Schmölders (1980). Steuermentalität und Steuermoral sind demnach eine von zwei Ursachen, welche Steuerwiderstand hervorrufen. Die zweite Ursache beschreibt die subjektive Belastung, die über über das Ausmaß des Widerstandes entscheidet. Das Steuerbelastungsgefühl wird zwar objektiv belastet, jedoch wird es stärker durch einen psychischen Wahrnehmungsfilter beeinflusst. So ist die Bemerkung der Steuer von Bedeutung. Verbrauchssteuern als Bestandteil eines alltäglich vorkommenden Bestandteil von Einkäufen fallen deutlich geringere Aufmerksamkeiten zu als der Einkommensteuer (Franzen 2008a, S. 75), welche jährlich anfällt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Steuerwiderstand.

Quelle: vgl. Schmölders/Hansmeyer (1980)

Die Steuermoral wird üblicherweise als eine Determinante aufgefasst, jedoch wirken unzäh- lige Variablen auf sie ein. Damit eine Erklärung gegeben werden kann, was die Ursachen für einen möglichen Steuerwiderstand sind, haben Luttmer u. Singhal (2014, S. 155) einen Ansatz definiert, wonach fünf Mechanismen gleichzeitig au die Steuermoral einwirken.

3.1. Mechanismen der Steuermoral

Es ergeben sich fünf Mechanismen: die intrinsische Motivation, Kommunikation mit dem Staat, soziale Einflüsse, kulturelle Effekte und Informationsasymmetrien, welche Individuen beeinflussen.

Intrinsische Motivation:

Die intrinsische Motivation definiert die innere Motivation zur Steuerkonformität. Sie bein- haltet viele mögliche Aspekte: Zum einen das Einverständnis zu vorliegenden Gesetzen und dessen Befolgung, zum anderen sind Formen beispielsweise Nationalstolz bzw. ein positives Selbstimage, welches mit dem Erfüllen der gesellschaftlichen Verpflichtungen verbunden ist. Diese Motivation unterstützt die Förderung und den Nutzen öffentlicher Güter, welche durch Steuern finanziert werden (Luttmer u. Singhal 2014, S. 156). Der Beweis von intrin- sischer Motivation lässt sich nur durch Feldexperimente beweisen. Diese Versuche schlagen jedoch häufig fehl, da es schwierig ist, intrinsische Motivationen messbar darzustellen. So versuchten Fellner et. al 2013 in einem Experiment in Österreich die Bereitschaft der Rund- funkgebührenzahlung zu steigern. Dies wurde anhand einer Fußzeile untersucht. Man fügte einen Satz hinzu, in dem zum Ausdruck kam, dass jene, welche ihre Mediengeräte nicht registrieren und keine Rundfunkgebühren zahlen, nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, son- dern ebenso allen zahlenden Haushalten Schaden zufügen. Diese Studie brachte keine deut- liche Veränderung des Anmeldeverhaltens zum Vorschein (Luttmer u. Singhal 2014, 155f). Es geht sogar so weit, dass der externe Einfluss des Staates intrinsische Motivationen däm- men kann, dies zeigten Dwenger et al 2014. Hierbei wurde ein Feldexperiment an einer Kir- chengemeinde in Deutschland durchgeführt, welches ergab, dass externe Eingriffe diesen Effekt steigern (Pierre Boyer et al., S. 25). Der externe Eingriff verringert bei den Geprüften aus dem Vorjahr zwar den Steuerwiderstand, hat jedoch keine signifikanten Einflüsse auf die Zahlungsbereitschaft der Anderen, welche falsch deklarieren (Dwenger et al. 2014, 33f).

Kommunikation und Vertrauen zum Staat:

Dieser Mechanismus beschreibt den Willen Steuern zu zahlen und wird beeinflusst durch die Beziehung zum Staat und die direkten positiven Aspekte, welche die Steuerzahlung mit sich bringt. Diese können Nutzungsmöglichkeiten staatlich finanzierter Schulen sein oder Subventionen im Verkehrssektor. Steuermoral bringt einen relativen Vor- oder Nachteil zur Steuerhinterziehung und kann als Gesellschaftsvertrag angesehen werden, welcher durch die Zahlung der Steuern eingehalten wird (Schmiel 2012, S. 1f.). Dazu gibt es zahlreiche Stu- dien, welche eine Vielzahl an Aspekten des Vertrauens versucht in Bezug auf die Steuermo- ral zu implizieren. Cummings et al zeigten, dass der Steuerwille steigt, je mehr der Steuer- zahler das Zahlen der Steuer als einen fairen Austausch erachtet (Cummings et al. 2009, S. 6). Torgler und Schaltegger zeigten positive Effekte der Steuermoral bei Bürger mit Ver- trauen zum Staat (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 20) und Daude et al. geben in ihrem OECD Bericht einen Überblick an Determinanten, welche die Steuermoral beeinflussen. Ebenso verdeutlicht dies Torgler (2005, S. 525-531) bezüglich der Beziehung zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen. Torgler (2003, S. 294) fand heraus, dass Bürger bei einem gerechten Staatsempfinden eher dazu geneigt waren, sich steuerkonform zu verhalten, als wenn sie das Gefühl von Korruption oder fehlender Empathie des Staates wahrnehmen. So platzte mit der Immobilienblase und der darauf folgenden Finanzkrise ebenso auch die Steuermoral, welche die Steuermoral negativ beeinflusste (Frey u. Torgler 2007, S. 155f.).

Luttmer u. Singhal (2014, S. 157f.) hingegen vertreten die Ansicht, dass staatliche Eingriffe keinen signifikanten Effekt haben und den Steuerwiderstand nicht maßgeblich beeinflussen können. Ihrer Ansicht nach festigt sich bei Steuerzahlern während ihres Lebens ein Bild des Staates und deren Vorteile der öffentlichen Güter, sodass Beeinflussungen nur marginal aus- fallen.

Soziale Einflüsse:

Soziale Einflüsse entstehen durch Interaktion mit anderen Menschen. Torgler u. Schaltegger (2005, S. 26) fanden heraus, dass die Steuerbereitschaft sinkt, wenn bemerkt wird, dass das Umfeld ebenso einen höheren Widerstand gegen die Zahlung von Steuern hat. Dieser Auf- fassung entsprechen ebenso Luttmer u. Singhal (2014, S. 10ff.). Hierbei senden Menschen, welche eine niedrige Bereitschaft haben, Signale an andere Menschen, bei welchen darauf- hin die Bereitschaft auch sinkt. Frey u. Torgler (2007, S. 153f.) belegten dies ebenso bei einer Stichprobe. Hierbei zeigte sich, dass ein als Usus betrachtete Steuerhinterziehung bei anderen Steuerzahlern ebenso die Bereitschaft, Steuern zu zahlen, senkt. Weiterhin fanden sie heraus, dass die meisten Feldexperimente, welche sich damit beschäftigten, wie der Staat sozialen Einfluss nehmen kann, fehlschlugen. Experimente Luttmer u. Singhal (2014, S. 11f.) nannten ebenso Experimente, bei denen ein signifikanter Einfluss bestätigt werden konnte. Hallsworth et al. (2014, S. 17ff.) führten ein Experiment durch, welches signifikante Ergebnisse auf die Steuermoral zeigte. So zeigten Erinnerungsbriefe einen positiven Effekt auf die Steuerzahlung. Des Weiteren beeinflussen Briefe mit normativem Inhalt Steuerzahler dahin, ihre Steuern zu zahlen. Nach Luttmer u. Singhal (2014, S. 10ff.) führt die aggregierte Beobachtung häufig zu keinem Ergebnis, da positive Effekte häufig schnell durch negative neutralisiert werden.

Kulturelle Effekte:

Kulturelle Effekte stellen sich über Generationen ein und werden an die Kinder weitergege- ben. Kulturelle Unterschiede haben erhebliche Einflüsse auf die Steuermoral. In späteren Kapiteln wird hierbei näher darauf eingegangen und gezeigt, wie unterschiedliche Kulturen unterschiedlicher Auffassung in Bezug auf verschiedener Determinanten sind. Firmeninha- ber aus korrupteren Ländern agieren korrupter als jene, welche aus nicht korrupten Ländern kommen (Luttmer u. Singhal 2014, S. 154). Daude et al. (2012, S. 10ff.) veranschaulichen zusammenfassend für eine Vielzahl an Ländern den Steuererfolg. Luttmer u. Singhal (2014, S. 160ff.) beschreiben, dass kulturelle Differenzen sowohl die Steuerhinterziehung, als auch die Steuerbeachtung beeinflussen. Dies äußert sich länderübergreifend, selbst wenn das Steuersystem einen ähnlichen Charakter besitzt.

Informationsasymmetrien:

Informationsasymmetrien beinhalten vielleicht mögliche Komplikationen zwischen den In- dividuen und bspw. dem Staat. Im Modell von Allingham u. Sandmo (1972) möchte der Steuerzahler seinen Nutzen maximieren. Missversteht der Steuerzahler allerdings Faktoren, basieren seine Entscheidungen auf falschen Informationen. Betrachtet man den Berufsstand haben Selbständige eine völlig andere Möglichkeit, Informationen zu verzerren als Ange- stellte. Sie müssen sich mit den Steuerregeln auskennen, da sie bei der Erstellung ihrer Steu- ererklärung Mitwirkungspflichten haben. Je höher das Fachwissen, umso eher sind legale Steuervermeidungsmöglichkeiten bekannt und werden genutzt (Schmid 2012, S. 116). Da- her könnte es eine positive Entwicklung sein, Informationsasymmetrien zu beseitigen, wie es in einem Experiment von Schmid 2012, 116f. versucht wurde. Studenten wurden vor und nach ihrer Vorlesung im Fach Steuerrecht befragt, wie sie das Steuersystem erachten. Das Steuerrecht wurde als gerechter empfunden und die Steuermoral stieg signifikant, nachdem die Teilnehmer den Unterricht vollzogen haben (Schmid 2012, S. 116f).

Nachdem nun ein kurzer theoretischer Hintergrund der Steuermoral dargelegt wurde und Mechanismen der Steuermoral gezeigt wurden, stellt sich die Frage: Welche Determinanten haben eine Auswirkung und wie hoch ist die Auswirkung auf die Steuermoral? Diesem Problem wird nun in den folgenden Kapiteln Beachtung geschenkt.

3.2. Hypothesenformulierung

Wie ausgeführt ist die Steuermoral einer der entscheidenden Aspekte, welche das Ausmaß von Steuerhinterziehung definieren. Soziodemographische Variablen sind durch ihren Ein- fluss oftmals bewiesen. Es werden ausgewählte Determinanten auf ihren möglichen Einfluss in Form von Hypothesen, welche in einer empirischen Analyse getestet werden, dargestellt.

Die Geschlechterrollen gehören in der modernen Zeit immer mehr der Vergangenheit an. So gesehene „männertypische“ oder „frauentypische“ Rollen werden in der Gesellschaft zuse- hend überholt. Soziale Psychologieforschungen erklären dies mit Geschlechterrol- len: Frauen halten sich eher an die Regeln und sind weniger selbständig. Basierend auf Tit- tles (1980) Aussage, sollte dies auf die traditionelle Rolle der Frau in der Gesellschaft zu- rückzuführen sein. Demzufolge sollten Frauen in der heutigen Zeit eine viel geringere Kon- formität haben als früher (Tittle 1980). Eine andere Erklärung hingegen deutet darauf hin, dass Frauen risikoaverser reagieren als Männer (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 13). Da der Nutzen der Bestrafung durch den Staat und der mögliche soziale Schaden höher sind als der mögliche Nutzen einer Steuerhinterziehung, lässt sich somit folgende Hypothese ableiten:

H1: Frauen weisen eine höhere Steuermoral auf als Männer.

Menschen sammeln mit zunehmendem Alter Erfahrungen und reagieren besonnener auf Ge- fahren. Im Laufe eines Lebens integriert sich ein Mensch in die Gesellschaft beruflich und auch im sozialen Umfeld und erarbeitet sich einen Rang. Wie bereits dargelegt ist, beein- flusst das soziale Umfeld die Aktionen und mit zunehmendem Alter haben diese Reaktionen mehr Bedeutung als noch in jungen Jahren, in denen man sich noch nicht gefestigt hat. Men- schen werden im Alter sensibler, wenn es um Sanktionen geht (Tittle 1980). So erfreut man sich in jungen Jahren über das verdiente Geld, wobei die Freude abflacht, weil ein subjektiv großer Teil einbehalten wird. Dies wird als ungerechtfertigter Eingriff gesehen. Diese An- sicht nimmt jedoch im Alter ab (Schmölders 1970, S. 54). Der im Alter erreichte soziale Status verdrängt den Steuerwiderstand und die Akzeptanz von Steuerhinterziehung nimmt zunehmend zu, sodass dies mit einer Erhöhung der Steuermoral angesehen werden kann und sich die folgende Hypothese ableiten lässt:

H2: Je älter eine Person ist, desto prägnanter ist die Steuermoral.

Die Religion gibt, unabhängig um welche Religion es sich handelt, moralische und ethische Regeln vor. Genauso wird das Thema Steuern mehrfach thematisiert. Im Paulus Brief an die Römer 13.5-7 spricht sich Paulus für die Zahlung von Steuern aus. Religion strahlt seit jeher eine Autorität aus, welche dazu animiert moralische Grundsätze zu befolgen. Die Determi- nante Konfession wurde hierbei betrachtet. Während keine Signifikanz zwischen Steuermo- ral und verschiedenen Konfessionen entdeckt wurde, konnte eine signifikant höhere Steuer- moral bei gläubigen Menschen festgestellt werden (Torgler u. Schaltegger 2005, S. 17). Menschen, welche von sich behaupten gläubig zu sein, folgen jenen moralischen Regeln, zu denen Steuern zahlen gehört. Infolgedessen ist es selbstverständlich, dass ein Teil des Ein- kommens an den Staat abgegeben wird. Beziehend auf Gläubigkeit und Religion stellt sich die Hypothese:

H3: Ist ein Mensch gläubig, so ist seine Steuermoral höher.

Häufig wird der Bildungsgrad in Studien untersucht. So erkennt die Studie von (Torgler et al. 2008, S. 321) in verschiedenen Ländern eine signifikante Auswirkung der Bildung auf die Steuermoral. Ebensolche Signifikanz belegte Torgler bei seinen Untersuchungen in Ka- nada (Torgler 2003, S. 297). Die Erklärung hierfür kann mehrere Ursachen haben. Zum einen kann sie in der Aufklärung der Wichtigkeit von Steuern liegen. Diese Ansicht folgt meist aus Betrachtungen und Diskussionen bei höheren Bildungsabschlüssen, weil solche Themen dann relevant werden. Menschen, welche keinen Zugang zu höheren Bildungsab- schlüssen bekommen, erhalten so auch keinen Zugang bzw. sehen keine Relevanz zur Aus- einandersetzung mit steuerlichen Themen. Zum anderen dient ein höherer Bildungsab- schluss dem Erreichen eines Berufes der mehr Hintergrundwissen zum Thema Steuerauf- kommen benötigt. Weiterhin wirkt sich der Betrug mit höherem Bildungsabschluss stärker aus, denn man erleidet durch Steuerhinterziehung nicht nur strafrechtliche, sondern zusätz- lich starke gesellschaftliche Verurteilung (Skarbek-Kozietulska et al. 2012, S. 5). Dement- sprechend fasst sich die Hypothese:

H4: Ein höherer Bildungsgrad bedeutet eine ebenso hohe Steuermoral.

Das Vertrauen in den Staat, der Demokratie und ihren Einrichtungen scheint eine wichtige Rolle zur Ausprägung der Steuermoral zu spielen. Die Steuermoral wird durch die Meinung der Steuerzahler zum Staat beeinflusst. Vor allem die Behandlung der Steuerzahler und die Art, wie bestraft wird, sind maßgebend. Ein respektvoller Umgang bestärkt den Steuerzahler zur Konformität (Torgler et al. 2008, S. 327). Kontaktpunkte zu den Behörden manifestieren sich zu einem Bild, welches den Skrupel des Steuerzahlers, Steuern zu hinterziehen, sinken lässt, wenn er das Steuersystem als unfair betrachtet. Der Anreiz, die Gesetze zu missachten, steigt hierdurch (Torgler, S. 137.). Positive Erlebnisse hingegen ändern die Einstellung des Steuerzahlers zum Staat und dessen Einstellung wird ebenso von öffentlichen Gütern beein- flusst, welche dem Steuerzahler einen Vorteil bieten und zeigen, dass seine Steuern für et- was verwendet werden, was er als nützlich erachtet (Torgler, S. 137f.). Die Abneigung ge- genüber dem Staat kann sich in Form der Steuerflucht sichtbar machen. Sie ist ein Ausdruck der Abneigung gegenüber dem Staat (Torgler, S. 136.). Aus dem Gefühl der Ungerechtigkeit resultiert bei Menschen, welche kein Vertrauen in den Staat haben, möglicherweise der Anreiz zur Steuerhinterziehung, so dass jene Menschen im Vergleich zu positiv eingestellten Menschen zum Staat eine niedrigere Steuermoral aufweisen. Hieraus resultiert im Umkehrschluss die Hypothese:

H5: Menschen, welche Vertrauen in den Staat hegen, haben eine höhere Steuermoral.

4. Empirische Analyse

4.1. Stichprobe

Der zugrundeliegende Datensatz in diesem Abschnitt stammt aus der World Values Survey. Diese Umfrage wird seit 1981 durchgeführt und wird in insgesamt 97 Ländern erhoben mit mindestens 1.000 Teilnehmern, welche in einem persönlichen mündlichen Interview zu ih- ren Werten und gesellschaftlichen Einstellungen befragt werden. Die Stichprobenziehung erfolgte durch einen zweistufigen Ziehungsprozess. Da die World Values Survey (WVS) in allen teilnehmenden Ländern identisch durchgeführt wird, ist sie geeignet, um internationale Vergleiche bezüglich der Steuermoral und verschiedener Determinanten durchzuführen.

Die Befragung wird seit 1981 in verschiedenen Wellen getätigt. Die Analyse beruht auf den Daten der fünften Welle und hat insgesamt 7494 Teilnehmer, wovon 2064 aus Deutschland, 1346 aus der Türkei, 2988 aus Südafrika und 1096 aus Japan stammen. Der jüngste Teilneh- mer ist 16 Jahre alt, wohingegen der älteste Proband 94 Jahre alt ist. Das Durchschnittsalter beträgt 43 Jahre. Die Geschlechterverteilung liegt bei 52,4 % weiblicher Probanden und 47,6% männlicher Probanden. Hiervon sind, nach eigenen Angaben, 4585 gläubig und 2563 nicht religiös oder Atheisten.

In Kapitel 4.2. erfolgt der internationale Vergleich der Steuermoral zwischen Deutschland, Südafrika, Japan und der Türkei. Da die Steuermoral, anders als bspw. der Geburtsort, nicht beobachtbar ist, wird diese operationalisiert. Anschließend erfolgt eine deskriptive Analyse der Steuermoral, damit im Folgenden die Höhe der Steuermoral in den einzelnen Ländern festgestellt werden kann. Im letzten Schritt erfolgt der Mann-Whitney-U-Test zur Prüfung auf Signifikanz, damit untersucht wird, ob die Unterschiede der Steuermoral aus den einzel- nen Ländern auch in der Grundgesamtheit von 7496 Teilnehmern existieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Ursachen von Steuerhinterziehung. Empirische Analyse von Determinanten der Steuermoral
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Fakultät Wirtschaftswissenschaft)
Veranstaltung
Bachelorthesis
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
67
Katalognummer
V356301
ISBN (eBook)
9783668424296
ISBN (Buch)
9783668424302
Dateigröße
1086 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuerlehre Steuern Steuermoral Tax Morale Compliance
Arbeit zitieren
Daniel Molitor (Autor), 2017, Ursachen von Steuerhinterziehung. Empirische Analyse von Determinanten der Steuermoral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/356301

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